Theoretischer Hintergrund, Zielsetzungen und Fragestellungen der Studie

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1 Benennleistung von Nomen und Verben bei Patienten mit Alzheimer Demenz Veronika Gschwendtner Theoretischer Hintergrund, Zielsetzungen und Fragestellungen der Studie Allgemeines Ziel: Replikation bisheriger Forschungsergebnisse und ggf. das Beobachten weiterer Einflussfaktoren (Parameter: z.b. Verbart, Frequenz) auf den Wortabruf. Spezifisches Ziel dieser Studie: Evaluation der Benennleistung in Abhängigkeit der Wortklasse bei Patienten mit Alzheimer Demenz 1

2 Aufbau der Masterthesis Theoretische Grundlagen: neuroanatomische, neuropsychologische Hintergründe der degenerativen kognitiven Einschränkungen bei AD linguistische Verarbeitungsprozesse von Nomen und Verben bei AD Empirische Untersuchung mit eigenständig erstelltem Material und Erhebung einer Benennübereinstimmung (20 gesunde Personen im Alter von Jahren) vor der Testung der AD-Patienten & Testung von 4 Probanden Ergebnisteil und zusammenfassende Diskussion Forschung Leistungsdissoziation im Wortabruf von Nomen und Verben: B. Braak und Braak, 1990; Masterson,1997; Williamson, 1998; Kim & Thompson 2004; Jonkers & Bastiaanse, 1998; beobachteten ein besser erhaltenes Benennen von Nomen Gegensätzlich dazu postulieren einige Autoren (Robinson, Rossor und Cipolotti, 1999) eine besser erhaltene Benennleistung von Verben Parris & Weekes, 2006; Hillis & Caramazza,1995; fanden gleich stark beeinträchtigte Wortklassen 2

3 Forschungshintergrund Hypothesen: Parameter, die den Wortabruf beeinflussen: 1. Semantisch konzeptuelle Faktoren 2. Morphologie der jeweiligen Wortklasse 3. Syntaktische Merkmale 4. Verbarten (Parris & Weekes 2001, 2004 instrumentelle Verben schlechter als nicht-instrumentelle Verben) 5. Nomen: Frequenz, Alter des Erwerbs, Bildhaftigkeit (Bird, 2007) 6. Frequenz (Caramazza & Hillis, 1990; Goldrick & Rapp, 2007; hochfrequente Wörter besser abrufbar als niederfrequente Wörter) Fragestellungen dieser Studie Gibt es eine Dissoziation in der Benennleistung von Nomen und Verben bei Patienten mit AD? Gibt es einen Unterschied in der Benennleistung bei unterschiedlichen Verbarten d.h. derivierte Verben versus assoziierte Verben (z.b. Verben, die sich nicht vom Wortstamm ableiten lassen Säge-sägen versus Gewehr-schießen )? Gibt es einen Frequenzeffekt, d.h. einen Effekt der Wortfrequenz, die den Wortabruf beeinflusst? 3

4 Probanden 4 Probanden, deren Diagnose Alzheimer Demenz weitestgehend gesichert war (3 Männer, 1 Frau) Altersrage: Jahre 6 jähriges Bildungsniveau Minimental State (MMST) dieser Patienten reichte von Punkte; Durchschnitt 16 Punkte Hirnorganisch: Atrophiezeichen medial temporal und kortikal temporoparietal, leichte bis mittelschwere periventrikuläre Leukoaralosis Material 60 Stimuli in Form von 30 Nomen-Verb-Paaren: 30 Nomen 30 Verben (ausschließlich instrumentelle Verben): - 15 derivierte Verben z.b. Fön fönen, -15 zu Nomen assoziierte Verben, z. B. schießen beim Objekt Gewehr. 4

5 Fortsetzung Material Kontrollierte Faktoren : - morphologisch: bei den derivierten Verben nur mit Suffix [ en] z. B. sägen oder [ ln] z. B. kegeln - zweisilbiger Struktur; einzige Ausnahme ist telefonieren ; - keine Vokalveränderungen bei der Derivation - ausschließlich transitive Verben - alle Wörter nach Frequenz kontrolliert Ausschlußkriterien: Fokale Atrophie, Lacunen, schwerwiegende subcorticale vasculäre Krankheiten Hör- und Sehbeeinträchtigungen mittelschweren bis schweren Grades Mematine Prämorbide Erkrankungen wie Alkoholabusus und psychiatrische Erkrankungen 5

6 Materialdarbietung farbiges Bildmaterial in Form von Fotos aus Archiven aus dem Internet (u.a. google-bilder; flickr.com) oder selbst fotografiert (CAVE: visuo-konstruktive Störungen der AD-Patienten, Hof et al.) alle Items monomorphematisch und konkret, um eine möglichst eindeutige Abbildbarkeit zu gewährleisten. Durchführung der Studie 4 Probanden, 30 minütige Untersuchung Darbietung der 60 Fotos, das Stimulusmaterial (30 Nomen / 30 Verben: 15 derivierte und 15 assoziierte Verben) zum Benennen Aufteilung des Materials in 4 Sets: V1 (15 derivierte Verben) V2 (15 zum Nomen assoziierte Verben); N1 (15 Nomen, von denen sich Verben mit gleichem Wortstamm ableiten lassen) sowie N2 (15 Nomen, die ein Verb assoziieren). 6

7 Fortsetzung Durchführung festgelegte Darbietungsreihenfolge zur Vermeidung eines Reihefolgeeffekts (Priming): das Set mit den Nomen derivierten Verb (N1) sollte nicht auf die dazugehörigen Verben (V1) treffen Beginn der Untersuchung: 4 Übungsbeispiele Instruktionswiederholung bei jedem Stimulus Proband Reihenfolge NR V1 N2 V2 N1 JH N1 V2 N2 V1 BF V2 V1 N2 N1 H-UJ N1 V2 V1 N2 Ergebnisse: Auswertung Wertung: Korrekt: - Anzahl korrekter Reaktionen des Patienten, erste Reaktion - Quasisynonyme wie z. B. spalten, hacken Selbstkorrekturen, wurden ebenso als korrekt gezählt Fehler: Wortart und semantische Fehler wie z.b. frisieren statt fönen Keine Latenzzeitmessung, nach 1 min nächstes Item 7

8 Fortsetzung Auswertung Statistische Auswertung: Vergleich Benennleistung zwischen den Wortklassen Nomen und Verben mittels Pearson x²-test (Chi-Quadrat-Test). Analyse Benennleistung derivierter versus assoziierter Verben Berechnung des Einflusses der Wortfrequenz (hoch- versus nieder) Da es sich um nominalverteilte Daten handelt, wurde ebenfalls der Pearson x²-test angewandt. War die erwartete Zellengröße von zwei Zellen kleiner als fünf wurde der Fisher-Exakt-Test gerechnet Zusammenfassung der Ergebnisse Gruppenanalyse: signifikanter Einfluss bezüglich der Wortklasse (Nomen besser als Verben) mit Pearson, x²=7.196, p=.007. Kein signifikanter Einfluss (Pearson, x²=.164, p=.685) der Benennleistung bei dem Parameter Verbart (derivierte Verben nicht besser als assoziierte Verben) Kein signifikanter Einfluss auf die Wortfrequenz (hochfrequente nicht besser als niederfrequente Items) Einzelanalysen: Proband Einfluss der Wortklasse Einfluss der Verbart NR p=.739 nicht signifikant p=.317 nicht signifikant JH p=.067 Tendenz p=.542 nicht signifikant BF p=.035 signifikant p=.035 signifikant H-UJ p=.150 nicht signifikant p=.150 nicht signifikant 8

9 Ausblick Zusammenfassend: Wortzugriff wird von konvergierender, semantisch-lexikalischer und syntaktischer Aktivierung gesteuert Interessant wäre: bei Patienten mit Alzheimer Demenz eine Gegenüberstellung von Leistungen zum Wortabruf auf Einzelwortebene und Phrasenebene (mit Objekt-Verbverbindung) und ggf. wenn möglich einer Satzproduktionsaufgabe zu machen. CAVE: Beteiligung und Einfluss der Exekutivfunktionen Studie weckt Interesse die Benennleistung einzelner Wortklassen zu vergleichen. bisher in deutschsprachigen Raum kein Testmaterial 9

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