Die Schweiz und die Frankenstärke: Herausforderungen

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1 Die Schweiz und die Frankenstärke: Herausforderungen Prognose Rundschau, Kanton Thurgau 24. Juni 2015 Serge Gaillard, Direktor EFV

2 Aufbau Wieso ist die Schweiz gut durch die Finanz- und Schuldenkrise gekommen? Wachstum war bereits vor dem 15. Januar ungleichgewichtig. Aufwertung erhöht wirtschaftliche Risiken stark. Was kann die Wirtschaftspolitik unternehmen, kurz- und langfristig? 2

3 Die Schweiz im internationalen Vergleich: BIP-Entwicklung BIP pro Kopf (2008=100) Österreich Schweiz Deutschland Italien Spanien Grossbritannien Schweden USA 88 Quelle: OECD

4 Die Schweiz im internationalen Vergleich: Arbeitslosigkeit Arbeitslosenquote in % 30 Prognose Österreich Schweiz Deutschland Italien Spanien Grossbritannien Schweden USA 0 Quelle: OECD

5 Die Schweiz im internationalen Vergleich: Staatsverschuldung Staatsverschuldung in % des BIP 140 Prognose Österreich Schweiz Deutschland Italien Spanien Grossbritannien Schweden USA 0 Quelle: EC, EFV

6 1. Wieso hat die Schweiz die Finanzund Schuldenkrise gut überstanden? Wettbewerbsfähige, breit diversifizierte und innovative Wirtschaft. Anpassungsfähiger Arbeitsmarkt (Personenfreizügigkeit, Sozialpartnerschaft mit GAV). Personenfreizügigkeit erlaubt Wachstum ohne inflationäre Überhitzung und trägt zu dynamischer Inlandsnachfrage bei. Stark wachsende Inlandsnachfrage hat Folgen der Finanzkrise und der folgenden Frankenaufwertung gemildert. Erfolgreiche Konjunkturstabilisierung während der Finanzkrise (SNB, Schuldenbremse und spezielle Finanzierung der ALV), Untergrenze für Wechselkurs während der Eurokrise bis 15. Januar Schuldenbremse hat in Zeiten positiver Konjunkturentwicklung und hohen Einnahmen Regierung und Parlament diszipliniert. 6

7 2. Ungleichgewichtige Entwicklung 7

8 Gespaltene Entwicklung in der Wirtschaft. Wertschöpfung (real); Index 3.Q 2008 = Verarbeitendes Gewerbe Öffentliche Verwaltung Baugewerbe Gesundheit und Sozialwesen Finanzdienstleistungen Immobilien & sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen Gastgewerbe und Beherbergung 80 Quelle: BfS, SECO. 8

9 und bei der Beschäftigung 2015 Q Q3 Gesundheits- und Sozialwesen (20.6%) Freiberufl., wissen. u. techn. Dienstl. (14.5%) Erziehung und Unterricht (17.6%) Information und Kommunikation (17.4%) Öffentliche Verwaltung (14.0%) Baugewerbe/Bau (3.4%) Sonst. wirtschaftlichen Dienst. (8.6%) Verkehr und Lagerei (3.8%) Handel (1.0%) Finanz- und Versicherungsdienstl. (0.7%) Gastg./Beherbergung & Gastronomie (-11,4%) Verarbeitendes Gewerbe (-6,2%) -45'000-35'000-25'000-15'000-5'000 5'000 15'000 25'000 35'000 45'000 55'000 65'000 75'000 Quelle: BFS. 9

10 3. Nach dem 15. Januar.... ist nicht vor dem 15. Januar 10

11 Überbewerteter Franken 135 Realer Effektiver Wechselkurs * (1999=100) Total 40 Länder Deutschland Quelle: SNB. 11

12 Veränderte Ausgangslage: Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit Vergleich Lohnstückkosten EU (EUR-Index, 2002=100) Schweiz Deutschland Italien Spanien Frankreich Grossbritannien 50 Quelle: OECD

13 Zum Glück gute Weltwirtschaftslage Erholung der Weltwirtschaft (USA nach wie vor als Motor, tiefe Erdölpreise als begünstigender Faktor). Besserung der Lage in Europa: Solides Wachstum in Deutschland. Südeuropäische Länder sind zwar wettbewerbsfähiger geworden, leiden jedoch weiterhin an Wachstumsschwäche, hoher Arbeitslosigkeit, schwachen Banken und Sanierungszwängen. Tiefe Erdölpreise und der stärkere Dollar helfen der Konjunktur im Euroraum. Geldpolitische Lockerung (QE) unterstützt Konjunktur. 13

14 4. Auswirkungen der Frankenstärke 14

15 Geringes Wachstum, negative Teuerung, unklare Wirkung auf Arbeitslosigkeit Prognose der Expertengruppe des Bundes und Modellsimulation der Auswirkungen der Aufwertung in % BIP Inflation Arbeitslosigkeit Expertengruppe des Bundes (Juni 2015) Stalder Basismodell (graduell von 1.20 auf 1.13) Abweichung im Szenario CHF/EUR 1.10 Abweichungen Szenario CHF/EUR Quelle: Peter Stalder,

16 Schweiz koppelt sich vom Wachstum ab Geschäftslage in der deutschen und schweizer Industrie Quelle: KOF

17 Wettbewerbsposition der Exportindustrie Veränderung der Wettbewerbsposition Uhren Pharma Fahrzeuge Maschinenbau Metall Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q Q3 Q1 Quelle: KOF

18 Beschäftigungserwartungen Beschäftigungserwartungen der Schweizer Industriefirmen gemäss KOF-Industrieumfragen und Einkaufsmanagerindex (PMI) Industrie_insgesamt_Erwartungen_Beschäftigte_saisonbereinigt PMI (Beschäftigung) Quelle: KOF

19 5. Was kann die Wirtschaftspolitik kurz- und langfristig unternehmen? 19

20 5.1 Stabilisierungspolitik (Geldpolitik) Die Gefahr der wirtschaftlichen Destabilisierung und die negative Inflation können nur durch einen schwächeren Wechselkurs, also durch die Geldpolitik, verhindert werden. Instrumente der Geldpolitik Negativzinsen, wobei es das Ziel ist, Anlagen in Schweizer Franken weniger attraktiv zu machen. Devisenmarktinterventionen Mindestkurs 20

21 5.2. Prioritäre Herausforderungen Die Personenfreizügigkeit hat der Schweiz viel gebracht. Auch braucht die Schweiz stabile Beziehungen zur EU. Gelingt eine Weiterführung der Personenfreizügigkeit? In den letzten 35 Jahren ist es der Schweiz gelungen, eine unabhängige Geldpolitik zu betreiben und trotzdem eine gewisse Wechselkursstabilität zu garantieren. Wird die SNB eine Normalisierung des Wechselkurses, insbesondere gegenüber dem Euro herbeiführen? Die Schuldenbremse hat sich bisher bewährt. Gelingt es, den Rahmen der Schuldenbremse trotz erheblichen Mindereinnahmen bei der Bewältigung des Wechselkursschocks einzuhalten? 21

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