Ethnologie und Volkskunde

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1 Ethnologie und Volkskunde Für Neuabsolventinnen und Neuabsolventen der Ethnologie und Volkskunde kann kaum von einem typischen Beschäftigungsfeld gesprochen werden. Am ehesten sind die Neuabsolvent/innen 2011 in Öffentlichen Diensten, pädagogischen, psychologischen und sozialen Diensten, Information und Kultur, Verbänden und Organisationen und in der Hochschule anzutreffen. Der Berufseinstieg gestaltet sich für sie jedoch schwierig: Fast zwei Drittel bekunden Mühe bei der Stellensuche und 11 Prozent sind ein Jahr nach Studienabschluss stellensuchend. Das Einkommen liegt auf eine Vollzeitstelle hochgerechnet knapp unterhalb des Durchschnittseinkommen der Neuabsolvent/innen UH. Da aber viele nur teilzeitlich beschäftigt sind, muss zudem das nicht hochgerechnete Einkommen betrachtet werden. Dies liegt mit Franken jährlich deutlich unter dem Durchschnitt der Neuabsolvent/innen UH. Nur eine Minderheit arbeitet an einer Stelle, an der ein Hochschulabschluss in Ethnologie oder Volkskunde vorausgesetzt wurde. Ebenfalls geben viele an, dass sie inadäquat beschäftigt sind. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass sich viele im Jahr nach Studienabschluss noch in Übergangspositionen befinden an Praktikumsstellen oder am Jobben. Für die Neuabsolvent/innen der Ethnologie gibt es keine bestimmten traditionellen Berufseinstiegswege wie beispielsweise bei den Jurist/innen. Sie suchen sich ihren Weg in die Berufswelt individuell. Für sie ist es auch entscheidend, welche Projekte sie als Masterarbeit durchgeführt haben und in welchen Bereichen Sie neben den Studium operative Erfahrung an Praktikumsstellen gesammelt haben. Tabelle 1: Kennzahlen der Stichprobe (n=129) (in Prozent) Geschlecht Männer 25 Frauen 75 Universität Basel 13 Bern 21 Freiburg 11 Lausanne 1** Neuenburg 17 Zürich 38 Masterstudium aus Interesse und um Berufschancen zu verbessern 76 Prozent beginnen spätestens ein Jahr nach ihrem Bachelorabschluss in Ethnologie oder Volkskunde ein Masterstudium. Dies sind zwar weniger als bei den Bachelorabsolvent/innen UH insgesamt, bei den Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen ist dieser Anteil jedoch immer etwas kleiner (Durchschnitt: 82 Prozent). Anders als beim Durchschnitt der Neuabsolvent/innen steht als Grund für die Aufnahme eines Masterstudiums zwar nicht der nicht-berufsqualifizierende Bachelorabschluss im Vordergrund. Trotzdem argumentieren die Neuabsolvent/innen bei den Gründen zur Aufnahme eines Masterstudiums aus einer beruflichen Perspektive. 93 Prozent möchten mit einem Masterstudium ihre Berufschancen verbessern. Auch haben sich 73 Prozent aus Interesse am Fachgebiet für ein Masterstudium entschieden. Die Gründe gegen ein Masterstudium sind sehr vielfältig und aufgrund der kleinen Gruppengrösse lässt sich nichts Genaueres darüber sagen. 83 Prozent derjenigen, die im Jahr nach dem Bachelorabschluss kein Masterstudium begonnen haben, sind noch unschlüssig, ob sie doch noch ein Masterstudium in Angriff nehmen. Die erste Stelle nach dem Studium SDBB, Bern, 2013 Die hier publizierte Auswertung stützt sich auf die Erhebung der Gesamtstudie: Bundesamt für Statistik BFS, Befragung der Hochschulabsolvent/innen, Abschlussjahrgang Mehr zur Befragung:

2 Tabelle 2: Kennzahlen Bachelorabsolvent/innen (n=79) (in Prozent) Übertritt ins Masterstudium Grosse Schwierigkeiten beim Berufseinstieg Tabelle 3: Kennzahlen Beschäftigungslage (in Prozent) Schwierigkeiten bei der Stellensuche Studium als gute Grundlage für den Berufseinstieg betrachtet Weiterbildung nach Studienabschluss begonnen Beinahe zwei Drittel der Neuabsolvent/innen der Ethnologie und Volkskunde berichten über Schwierigkeiten, eine ihren Erwartungen entsprechende Stelle zu finden. Dies sind deutlich mehr als bei den Neuabsolvent/innen UH insgesamt üblich und auch 14 Prozentpunkte mehr als beim Durchschnitt der Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen. Abbildung 1: Schwierigkeiten bei der Stellensuche (in Prozent) Die Neuabsolvent/innen UH der Ethnologie und Volkskunde führen ihre Schwierig keiten bei der Stellensuche vor allem auf ihr Studienfach zurück und weniger auf die fehlende Berufserfahrung: 81 Prozent führen ihre Schwierigkeiten auf die gewählte Studienrichtung zurück und nur 72 Prozent auf die fehlende Berufserfahrung. Die Neuabsolvent/innen UH insgesamt begründen ihre Schwierigkeiten bei der Stellensuche vor allem mit der fehlenden Berufserfahrung (70 Prozent). Die gewählte Studienrichtung nennen hingegen deutlich weniger (49 Prozent). Tabelle 4: Kennzahlen Erwerbssituation (in Prozent) erwerbstätig stellensuchend Stelle zugesichert Erwerbsverzicht ** 7* ** Die Schwierigkeiten bei der Stellensuche bilden sich auch in der Erwerbssituation ab: 11 Prozent fast dreimal so viele wie bei den Neuabsolvent/innen UH insgesamt sind ein Jahr nach Studienabschluss auf Stellensuche. Bei den Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen ist dieser Anteil immer höher als bei den Neuabsolvent/innen UH insgesamt. Doch auch verglichen mit den fünf Prozent stellensuchender Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen ist der Anteil bei den Ethnolog/innen und Volkskund-

3 ler/innen sehr hoch. 21 Prozent sind zudem an mehreren Stellen tätig. Es ist deshalb wenig erstaunlich, dass nur 27 Prozent ihr Ethnologie- bzw. Volkskunde-Studium als eine gute Grundlage für den Berufseinstieg betrachten. Vielmehr sehen 94 Prozent das Studium als gute Grundlage für ihre persönliche Entwicklung. Der schwierige Berufseinstieg wird auch in der Anzahl Bewerbungen deutlich: Die Ethno - log/innen und Volkskundler/innen müssen durchschnittlich 15 Bewerbungen unternehmen, bis sie zu einer Stelle kommen. Bei den Neuabsolvent/innen UH insgesamt sind es lediglich fünf Bewerbungen, bei den Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen sind es acht. Abbildung 2: Anteil Stellensuchende (in Prozent) Insgesamt haben im Jahr nach Studienabschluss 37 Prozent eine Weiterbildung begonnen. Damit liegen sie nur leicht unter dem Durchschnitt der Neuabsolvent/innen UH (42 Prozent). Die Weiterbildungen sind jedoch sehr unterschiedlich: 15 Prozent sind am Doktorieren und die andern verteilen sich sehr breit auf andere universitäre und ausseruniversitäre Weiterbildungsaktivitäten. Keine typischen Beschäftigungsbereiche Insgesamt sind 16 Prozent der Ethnolog/innen und Volkskundler/innen ein Jahr nach Studienabschluss als Praktikant/innen tätig. Typische Beschäftigungsfelder sind kaum auszumachen: Öffentliche Dienste, pädagogische, psychologische und soziale Dienste, Information und Kultur, Verbände und Organisationen und die Hochschule fallen noch am ehesten darunter. 21 Prozent sind im Jahr nach dem Studium am Jobben, d.h. an kurzfristigen Stellen ohne Perspektive für eine längere berufliche Tätigkeit. Abbildung 3: Beschäftigungsbereiche (in Prozent) Hochschule Schule 9* 12 Information und Kultur 16 Gesundheitswesen 3** Pädagog., Psycholog., Soziale Dienste 16 Industrie Private Dienstleistungen 2** 7* Öffentliche Dienste 17 Kirchlicher Dienst 4** Verbände und Organisationen

4 Neben den Beschäftigungsbereichen wurden auch die persönlichen Berufe der Absol - vent/innen erfasst. Die Berufstätigkeiten der Ethnolog/innen und Volkskundler/innen lassen sich schlecht verorten. 17 Prozent geben Bildungsberufe an damit sind in der Regel die Assistierenden an Hochschulen gemeint. Neben den unten genannten leitenden Beamt/innen, administrativen Berufen und den Medienschaffenden gibt es eine Vielzahl von Berufen mit Einzelfallcharakter, wie zum Beispiel Berufe der Fürsorge, Handels- und Verkaufsberufe oder Berufe der Ordnung und Sicherheit. Tabelle 5: Kennzahlen Berufsbezeichnungen (in Prozent) Berufe des Unterrichts und der Bildung 17 Unternehmer/innen, Direktor/innen, leitende Beamt/innen 16 Kaufmännische und administrative Berufe 14 Medienschaffende und verwandte Berufe 12 Inadäquate Beschäftigung verbreitet Insgesamt geben Ethnolog/innen und Volkskundler/innen ein Jahr nach Studien abschluss viel seltener als andere an, adäquat beschäftigt zu sein. Nur zwischen 39 und 48 Prozent sind der Meinung, dass ihre berufliche Tätigkeit bezogen auf die berufliche Position, die übertragenen Aufgaben oder die Qualifikationen ihrem Studium angemessen sei. Bei den Neuabsolvent/innen UH machen jeweils 63 bis 70 Prozent entsprechende Angaben. Wie die unten stehende Abbildung zeigt, besteht auch für mehr als ein Drittel kein inhaltlicher Bezug zwischen dem Studium und der jetzigen Tätigkeit. Ebenfalls sind Neuabsolvent/in - nen der Ethnologie und Volkskunde zu 90 Prozent an Stellen tätig, für die kein Hochschulabschluss im entsprechenden Fach nötig gewesen wäre; bei 42 Prozent wurde sogar gar kein Hochschulabschluss verlangt. Abbildung 4: Kein inhaltlicher Bezug zwischen Studium und jetziger Tätigkeit (in Prozent) Diese Zahlen verdeutlichen, dass es für Ethnolog/innen und Volkskundler/innen wenig spezifische Arbeitsfelder gibt, sondern sie sich individuell mit ihrem spezifischen Wissen in ein Arbeitsgebiet einarbeiten und dabei zu gleichen Teilen in Berufsgebiete vorstossen, die entweder für andere Neuabgänger/innen UH oder aber auch Berufsleute mit nichtuniversitären Bildungsgängen in Frage kommen. Viele Teilzeitstellen und entsprechend geringes Einkommen Das jährliche durchschnittliche Bruttoeinkommen der Neuabsolvent/innen der Ethnologie und Volkskunde liegt mit Franken rund 5500 Franken unter dem Durchschnittseinkommen der Neuabsolvent/innen UH insgesamt. Dieser Wert ist jedoch nur bedingt aussagekräftig, da es sich dabei um das auf eine Vollzeitstelle hochgerechnete Einkommen handelt und fast drei Viertel der Ethnolog/innen und Volkskundler/innen teilzeitlich beschäftigt sind. Das effektive Jahreseinkommen nicht hochgerechnet liegt nämlich nur bei Franken, was deutlich unter dem Durchschnitt liegt. Es erstaunt so auch nicht, dass nur gut ein Drittel mit dem Einkommen zufrieden ist, und lediglich 29 Prozent angeben, dass das Einkommen ihrer Ausbildung entspreche.

5 Tabelle 6: Kennzahlen Anstellungsbedingungen Jahresbruttoeinkommen 1 (in Franken) Zufriedenheit mit Einkommen: Anteil Zufriedene Anteil Teilzeitbeschäftigte (Pensum < 90 Prozent) Anteil befristet Angestellte Hochschulabschluss für jetzige Tätigkeit verlangt? Nein Ja, im entsprechenden Fach Ja, auch in verwandten Fächern Ja, aber ohne spezifische Fachrichtung Als statistisches Mittel wurde der Median verwendet. Die Einkommen der teilzeitlich beschäftigten Personen wurden auf 100 Prozent hochgerechnet. Rückblickend trotz allem eher zufrieden mit der Studienwahl Tabelle 7: Kennzahl Rückblick (in Prozent) Rückblickend betrachtet nochmals dasselbe Studium wählen Auf die Frage, ob sie, falls sie noch einmal die Wahl hätten, die gleiche Studienrichtung an der gleichen Universität wählen würden, antworten 68 Prozent mit ja. Unter der Gesamtheit der Neuabsolvent/innen UH machen 72 Prozent entsprechende Angaben. Im Hinblick auf den schwierigen Berufseinstieg mag dieser hohe Zuspruch erstaunen. Bei den Ethnolog/innen und Volkskundler/innen beruht die Studienwahl jedoch eher auf Interesse denn auf Karrieremöglichkeiten.

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