«Gründung einer Frauenkooperative für die langfristige Verbesserung des Lebensstandards von benachteiligten Frauen und ihren Familien in Antananarivo»

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1 Projektreport vom 5. Juli 2011 des Projekts: «Gründung einer Frauenkooperative für die langfristige Verbesserung des Lebensstandards von benachteiligten Frauen und ihren Familien in Antananarivo» Land: Madagaskar Sektor/Schwerpunkt: Schaffung stabiler Einkommensquellen

2 I) KONTEXT UND PROJEKTPRÄSENTATION 1. Kontext In der Hauptstadt Madagaskars leben unzählige Familien von weniger als einem Dollar pro Tag. Aus ärmsten Verhältnissen stammend, verfügen die meisten nur über minimale oder gar keine Bildung, so dass ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt bleibt. Dazu kommt das Fehlen von notwendigem Startkapital, das - als Alternative zur Arbeitssuche - die Gründung von eigenen Kleinunternehmen erlauben würde. Die Betroffenen sind somit gezwungen, sich ihr Überleben mit kleinen und unregelmäßigen Gelegenheitsarbeiten oder Betteln abzusichern. Das Angebot von Zentren für Kinder aus verarmten Familien in Antananarivo ist groß, jedoch verfügen nur wenige über ausreichende Mittel und die notwendige Infrastruktur, um auch eine Unterstützung der Eltern mit einzubeziehen. Betteln, die tägliche Nahrungssuche sowie der weit verbreitete Missbrauch von Alkohol führen in einen Teufelskreis, welcher dazu führt, dass nicht wenige Kinder gezwungen sind, die Projekte nach kurzer Zeit wieder zu verlassen, um ihre Eltern und jüngeren Geschwister zu unterstützen und mitzufinanzieren. Der Weg aus der Armut scheint daher nur über den Einbezug der Eltern zu funktionieren. Erst wenn diese über stabile Einkünfte verfügen, kann für die Zukunft der Kinder gehofft werden. Die Mütter nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein, tragen sie doch in vielen Fällen die alleinige Verantwortung für ihre Kinder und üben daher eine wichtige Vorbildfunktion für die nachfolgende Generation aus. Studien haben des weitern gezeigt, dass die Erhöhung der Einkommen von Frauen zur Verbesserung der sozioökonomischen Situation der Gesamthaushalte führt und dass die allgemeine Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen direkte positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden sämtlicher Familienmitglieder ausübt. 2. Zielgruppe Zielgruppe des Projekts sind 4 Mütter aus benachteiligten Haushalten in Antananarivo, die gemeinsam einen Verkaufsstand für selbst hergestelltes Kunsthandwerk betreiben. Aufgrund fehlender Kenntnisse sowie mangelnder Produktionsinfrastruktur ist ihr Angebot jedoch bisher sehr einseitig und qualitativ unzureichend, so dass der Stand bisher kaum Gewinne abwirft. 3. Ziele Hauptziel des Projekts ist die langfristige Verbesserung der Lebenssituation von verarmten Familien Antananarivos durch die Bildung einer Frauenkooperative zur Schaffung stabiler Einkommensquellen. Im Speziellen zielen die geplanten Aktivitäten auf die Gründung eines nachhaltigen und rentablen Kleinunternehmens vierer Armutsfrauen im Bereich madagassischen Kunsthandwerks ab. 1

3 4. Maßnahmen Die geplanten Maßnahmen werden in zwei Etappen durchgeführt: Etappe 1: Organisieren einer 30 tägigen Ausbildung zur Herstellung von qualitativ hochwertigen und neuen Kunsthandwerksprodukten Ausbau des bisherigen Verkaufsstandes Bereitstellung von Mikrokrediten für den Kauf von Rohmaterial Etappe 2: Einrichten eines Ateliers zur Produktion und zum Verkauf der Produkte Errichten von festen und an das Atelier angrenzenden Unterkünften Einrichten eines Standes zum Verkauf von Kaffee und Snacks zur Schaffung von alternativen Einkommensquellen Bereitstellen von benötigtem Material für die Herstellung von Kunsthandwerk sowie Snacks und Kaffee Organisieren eines Französischkurses zur Kommunikation mit ausländischen Kunden Unterstützen der Frauen bei der Kommerzialisierung und dem Verkauf ihrer Produkte II) PROJEKTVORBEREITUNGSPHASE FFA unterstützt die genannten Frauen bereits seit mehreren Jahren und führt daher regelmäßige Treffen mit diesen durch. Dabei geht es unter anderem darum, über Probleme bezüglich ihrer Zusammenarbeit, aber auch über ihre individuellen Situationen zu diskutieren und gemeinsame Lösungsstrategien zu entwerfen. Um die Nachhaltigkeit des vorliegenden Projekts zu gewährleisten, wurden im Voraus zusätzlich mehrere Treffen organisiert, um die Frauen intensiv auf die geplanten Projektaktivitäten vorzubereiten. Dazu gehörte auch das Vorstellen des von der Noahfoundation betriebenen Foundraisings auf global giving. Die Frauen, denen zuvor erklärt wurde, was Internet bedeutet, erfüllte es mit großer Überraschung und Stolz, sich und ihr Projekt auf dem Bildschirm zu sehen. Der Umstand, dass bereits zahlreiche Spenden eingegangen waren und damit viele Personen ihren Glauben an die Frauen und ihr Projekt bezeugten, wirkte sehr motivierend auf die Frauen, stärkte das Vertrauen in FFA und die Noahfoundation und unterstrich gleichzeitig die Ernsthaftigkeit des gemeinsamen Vorhabens. Damit sollte erreicht werden, dass die Frauen von Anfang an sich ihres Privilegs bewusst werden und von Beginn an aktiv die Verantwortung für das Projekt übernehmen. Weg durch Armutsviertel Ein wichtiger Teil der Projektvorbereitungsphase bildete des Weiteren die Durchführung von Hausbesuchen, wobei sowohl unter vier Augen mit den Frauen, als auch mit den Familienangehörigen gesprochen wurde. Dabei wurde unter anderem auch geklärt, wie das soziale Umfeld der Frauen dem geplanten Projekt gegenübersteht (insbesondere die Partner der Frauen), wie die einzelnen Frauen die Zusammenarbeit mit den anderen Frauen einschätzen und wo mit eventuellen Hürden im Hinblick auf die Durchführung der Projektaktivitäten zu rechnen ist. Des Weiteren konnten private Probleme besprochen werden, über die die Frauen nur ungern in der Öffentlichkeit sprechen. 2

4 Im Rahmen der Hausbesuche hat sich herausgestellt, dass sämtliche Frauen von ihrem sozialen Umfeld bezüglich des Projekts unterstützt werden und die Frauen, trotz einzelner kleinerer Probleme, motiviert sind, sich gemeinsam zu engagieren. Allerdings stellt die große Armut trotz der gegenseitigen Unterstützung weiterhin ein großes Problem da. Permanente Geldsorgen ermöglichen es den Frauen bisher nicht, ausreichend in den Kauf von Rohmaterial für neue Produkte zu investieren. Dies hat wiederum zur Folge, dass zu wenig verkauft werden kann. Zu Hause bei Hélène und ihrem Mann Die Frauen sind sich dessen bewusst und setzen daher große Hoffnungen auf das geplante Projekt, das unter anderem auch die Vergabe von Mikrokrediten für den Kauf von Rohmaterial vorsieht. III) BEREITS REALISIERTE AKTIVITÄTEN UND AUSBLICK 1. Ausbildungsreihe erstes Modul Auftakt der Projektaktivitäten bildete die vom CENAM (Centre de l artisanat malagasy) angebotene, vertiefende Ausbildungsreihe in der Herstellung von madagassischem Kunsthandwerk, welche am 1. Juli 2011 gestartet werden konnte. Vor Beginn der Ausbildungsreihe unterzeichneten die Frauen einen Vertrag, indem die gegenseitigen Bedingungen zwischen FFA und den Frauen (bspw. bezüglich der von FFA zu übernehmenden Kursgebühren, die Höhe der Tagesentschädigungen, aber auch Verpflichtungen seitens der Frauen wie die regelmäßige Teilnahme an der Ausbildung, Einhalten der Kurszeiten) genau geregelt wurden. Da nur wirklich motivierte Frauen an den Projektaktivitäten teilnehmen dürfen, stellt der Vertrag auch eine wichtige Basis im Hinblick auf die weiteren geplanten Projektaktivitäten dar. Gemeinsames Flechten mit Ausbildnerin Die Ausbildungsreihe sieht drei Module vor, die jeweils an 10 Kurstagen stattfinden. Die Frauen haben beschlossen, jeweils an drei Tagen pro Woche an der Ausbildung teilzunehmen, was einer Gesamtdauer von einem Monat pro Modul entspricht. Inhalt des ersten Moduls ist der Bereich Flechtwerk mit Raphia, wobei den Frauen zahlreiche, ihnen bisher unbekannte, neue Techniken vermittelt werden. Sämtliche Frauen nehmen mit großem Interesse an der Ausbildung teil, die mit Sicherheit zu einer deutlichen Qualitätssteigerung ihrer Produkte beitragen wird. Da die Kurse jeweils ganztägig stattfinden, erhalten die Frauen jeweils eine Tagesentschädigung, die es ihnen erlaubt, ihren Erwerbsausfall zu kompensieren und regelmäßig an der Ausbildung teilzunehmen. 3

5 Die nächsten und letzten Schritte der ersten Etappe stellen das zweite und dritte Modul der Ausbildungsreihe dar, die ebenfalls während jeweils einer Dauer von einem Monat durchgeführt werden. Im Anschluss an die Ausbildungsreihe sollen der Verkaufsstand ausgebaut werden sowie die Mikrokredite für den Kauf von Rohmaterial bereitgestellt werden. Die zweite Etappe des Projekts umfasst sämtliche Martine und ihr erstes Flechtwerk Baumaßnahmen (Bau von festen Unterkünften, Errichtung des Ateliers und des Kaffee- und Snackstandes) sowie die Durchführung eines Kurses zur Vermittlung der notwendigen Kenntnisse zur Führung des Snackstandes (von der Herstellung der Snacks bis hin zur Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben). Zudem ist ein Französischkurs geplant, der es den Frauen ermöglichen soll, zukünftig auch ausländische Kunden zu empfangen und zu beraten. Auch während der zweiten Projektetappe gewährleistet FFA eine intensive Begleitung und Betreuung der Frauen und unterstützt diese ebenfalls bei der Kommerzialisierung ihrer Produkte. Sämtliche Frauen nehmen das Projekt als einzigartige Chance wahr und nehmen mit großem Interesse an der laufenden Ausbildungsreihe teil. FFA schätzt die Frauen als sehr zuverlässig ein und ist überzeugt, dass durch das Projekt eine solide Basis für eine langfristig unabhängige und gesicherte Zukunft für die Frauen und ihre Familien geschaffen werden kann. Daher hoffen sowohl das Team FFAs, insbesondere aber natürlich auch die betroffenen Frauen, dass sämtliche geplante Aktivitäten durchgeführt werden können bzw. dass die dafür notwendige Finanzierung gefunden werden kann. Lea Meier, Projektverantwortliche Association FFA 4

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