Pflanzenschutzmittel in Schweizer Oberflächengewässern

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1 Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK Bundesamt für Umwelt BAFU Abteilung Pflanzenschutzmittel in Schweizer Oberflächengewässern

2 Traktanden Eintragspfade Einschätzung Belastungssituation Massnahmen 2

3 Metolachlor [µ/l] Abfluss [m 3 /s] Atrazin ng/l Abfluss (m 3 /s) Atrazin ug/l Abfluss (m 3 /s) Eintragswege Oberflächenabfluss / Drainagen Regenabfluss versiegelte Flächen Hofplatz Anstieg Feld Drift 0.8 Applikationszeit 0.08 Direkteinleitung Kanalisation Bild kommt noch 23:00 11:00 23:00 0 Quellen: C. Leu 2004, T. Doppler 2012, I.Wittmer

4 Ungünstige klimatische Bedingungen im europäischen Vergleich Average Annual Rainfall (Run-off) # D1 > 1000 Extreme Worst Case Worst Case Intermediate Case < 600 Best Case D4 # D2 # # D3 # D5 R1 # # R2 R4 # R3 # D6 # Aus: FOCUS Surface Water Scenarios in the EU Evaluation Process under 91/414/EEC 4

5 Terbuthylazin µg/l Abfluss (m 3 /s) Abfluss (m 3 /s) Hohe PSM Konzentration in kleinen Fliessgewässern Ossingen 1) Terbuthlyazin Seebach 2) Isoproturon Spitzenkonzentration 39 µg/l 12 µg/l Numerische Anforderung GSchV 0.1 µg/l 0.1 µg/l Akutes Qualitätskriterium 3) 1.28 µg/l 1.2 µg/l Chronisches Qualitätskriterium 3) 0.22 µg/l 0.32 µg/l Ackerfläche im Einzugsgebiet 75% 55% Isoproturon µg/l Mai 8. Juni 2.Juli 1) T. Doppler et al; Spatial variability of herbicide mobilisation and transport at catchment scale: insights from a field experiment; Hydrol. Earth Syst. Sci., 16, , ) Daten: AWA Bern 3) März 2005 März

6 Verbreitetes Potential für ähnliche starke Belastung 6

7 Situation in Zulassungsdossier ähnlich beurteilt (Bsp. Terbuthylazin) EFSA 1) : Conclusion on the peer review of the pesticide risk asessment of the active substance tebuthylazine: Max PECsw: 26.3 µg/l (R4 Stream, 750 g a.s./ha) A high risk to aquatic environment was identified and risk mitigation comprable to a 10 m no spray zone and 90% run-off mitigation are needed to achieve TERs above the trigger in the majority of the focus scenarios. 1) 7

8 1.25 kg/ha statt 0.75 Keine Runoff mindernden Auflagen 8

9 EAWAG zeigt Ausmass der Verunreinigung mittelgrosser Gewässer 9

10 Planzenschutzmittel sind ein Faktor für Defizite der Artenvielfalt in Fliessgewässern Im Kanton Zürich beispielsweise wurde gemäss den kantonalen Behörden die Kleintierfauna an 43% der 155 untersuchten Probenahmestellen durch Pestizide mässig bis sehr stark beeinflusst. Als Quellen der Pestizide werden neben der Landwirtschaft auch die Siedlung erwähnt. Aus: Zürcher Gewässer 2012, Entwicklung-Zustand-Ausblick" Kurzfassung, Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft,

11 Handlungsbedarf für Massnahmen im Bereich Wasser im AP PSM Antwort des Bundesrates auf IP Semadeni ( Wie viel Pestizide vertragen unsere Gewässer?) «Ohne neue und wirkungsvolle Massnahmen werden die Gewässer daher weiterhin stark mit PSM belastet werden.» Antwort des Bundesrates auf die IP Bourgeois ( Fliessgewässer durch Pestizide belastet) «Um die Gewässerbelastung aber deutlich zu reduzieren, muss der Aktionsplan insbesondere wirkungsvolle Massnahmen im Bereich Landwirtschaft enthalten.» 11

12 Mögliche Massnahmenbereiche Datenerhebung & Gewässermonitoring Eintragswege (Hof/Feld), Hot Spot Managment Zulassung Agronomische Massnahmen zur Begrenzung PSM Einsatz inkl. Ausbildung & Beratung, Forschung & Entwicklung 12

13 Agronomische Massnahmen an der Quelle Bekämpfungsschwellen - Schadschwellen Prinzip Vorbeugende Massnahmen gegen Krankheiten, Schädlinge und Unkrautbefall Mechanische und physikalische Schädlings- und Unkrautbekämpfung Biologische und biotechnische Schädlingsbekämpfung Weniger Abschwemmung und Erosion mit Konservierendem Ackerbau Low Input Systeme Forschung und Entwicklung (z.b. resistentere Sorten) aus Projekt WIN4 13

14 Mögliche Massnahmenbereiche Datenerhebung & Gewässermonitoring Eintragswege (Hof/Feld), Hot Spot Managment Zulassung Agronomische Massnahmen zur Begrenzung PSM Einsatz inkl. Ausbildung & Beratung, Forschung & Entwicklung 14

15 Massnahmen bei der Zulassung Risikominderung Oberflächenabfluss (inkl. indirekter Eintragswege wie Kontrollschächte) und Drainage (z.b. Pufferstreifen) Abdrift-mindernde Massnahmen (z.b. Drift mindernde Düsen) Einschränkung besonders gewässertoxischer Substanzen 15

16 Reduktion der PSM-Belastungen der Oberflächengewässer durch Auflagen Idealer Ort zum Anlegen eines Ackersaums: Bricht indirekte Gewässerkonnektivität, verbunden mit Biodiversitäts- /Nützlingsförderung Win Win von Gewässerschutz und Biodiversitätsförderung aus Projekt WIN4 Foto: K. Jacot, ART 16

17 Mögliche Massnahmenbereiche Datenerhebung & Gewässermonitoring Eintragswege (Hof/Feld), Hot Spot Managment Zulassung Agronomische Massnahmen zur Begrenzung PSM Einsatz inkl. Ausbildung & Beratung, Forschung & Entwicklung 17

18 Massnahmen Eintragswege Eintragswege Pufferstreifen um Entwässerungsschächte Rechtskonformes Befüllen, Spülen und Reinigen Ausbildung und Beratung Räumliche Risikoreduktion Hot Spot-Management 18

19 Integration von Beitragenden Flächen (BFF) ohne Konkurrenzierung der Produktion Auch beste Ackerbaugebiete haben inhomogene Böden agronomisch schlechte Böden (mager, feucht, steil) gezielt für Biodiversitäts-Förderflächen nutzen Intensiver Futterbau Geeignet für Getreide Gute Ackerböden BFF BFF BFF BFF feucht / mager / steil aus Projekt WIN4 Bodeneignungskarte Kt ZH 19

20 Integration von BFF ohne Konkurrenzierung der Produktion l: aus Projekt WIN4 20

21 Weitere Aspekte Massnahmen Datenerhebung, Gewässermonitoring Kontrolle Forschung und Entwicklung Massnahmen für substantielle Risikoreduktion sind möglich. Die Umsetzung solcher Massnahmen ist aber nur mit politischer, gesellschaftlicher und finanzieller Unterstützung möglich. 21

22 Fazit PSM Verlustraten sind in der Schweiz verglichen mit grossen Teilen Europas überproportional hoch Schweizer Fliessgewässer sind verbreitet mit PSM aus der Landwirtschaft verunreinigt. Besonders ausgeprägt ist die Verunreinigung in kleinen Fliessgewässern. Massnahmen für substantielle Risikoreduktion im Rahmen AP PSM sind möglich. Die Umsetzung solcher Massnahmen ist aber nur mit politischer, gesellschaftlicher und finanzieller Unterstützung möglich. Vielen Dank für Ihr Engagement in den Arbeitsgruppen!! 22

23 Weitere Folien 23

24 Eintragswege daraus noch was machen Abdrift: Während der Applikation wird ein Teil der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel- oder Güllemenge durch den Wind verfrachtet und so direkt in Gewässer eingetragen oder auf Nicht-Zielflächen abgelagert. Oberflächenabfluss: Sobald der Boden das Regenwasser nicht mehr aufnehmen kann, entsteht Oberflächenabfluss. Es werden zwei Prozesse unterschieden: Beim gesättigten Oberflächenabfluss steigt der Grundwasserspiegel bis an die Bodenoberfläche, Regenwasser kann nicht mehr infiltrieren und fliesst oberflächlich weg. Beim ungesättigten Oberflächenabfluss übersteigt die Regenintensität die Infiltrationskapazität des Bodens, ohne dass tiefere Bodenschichten gesättigt sind. Das an der Bodenoberfläche schnell abfliessende Wasser kann Stoffe vom landwirtschaftlichen Kulturland direkt oder via Kurzschluss in die Gewässer transportieren. Kurzschlüsse sind beispielsweise Schächte der Strassenentwässerung, aber auch Kontrollschächte des Drainagensystems. Oberflächenabfluss ist zudem oft mit Erosion gekoppelt, was zu zusätzlichen Stoffeinträgen führen kann. Drainage: Versickerndes Niederschlagswasser wird in Felddrainagen aufgefangen und in ein Gewässer abgeleitet. Für den Transport von Stoffen, die sich im Boden rasch abbauen (beispielsweise einige Pflanzenschutzmittel) ist vor allem der schnelle Transport durch die Grobporen (Makroporen) relevant. Der Eintragspfad Grobporen/Drainage ist ein weiterer Kurzschluss für Oberflächenabfluss in die Gewässer. Regenabfluss von versiegelten Flächen: Von versiegelten Flächen (Hofplätzen, Strassen oder Flurwegen) können Stoffe unmittelbar nach einsetzendem Regen in die Kanalisation transportiert werden. Auf versiegelte Flächen gelangen beispielsweise Pflanzenschutzmittel durch unsachgemässe Handhabung beim Füllen oder Reinigen der Spritz- und Sprühgeräte, durch Tropfverluste oder wenn Abdrift auf die Strasse gelangt. Direkteinleitung Kanalisation: Ebenfalls unter unsachgemässe Handhabung fällt das Einleiten von Spül- und Reinigungswasser in die Kanalisation. Je nach Kanalisationssystem kann dieses verschmutzte Abwasser direkt in die Gewässer eingeleitet werden oder gelangt über eine ARA in die Gewässer (vgl. Siedlungsentwässerung). 24

25 Wichtige Probleme im Ackerbau: Biodiversitätsdefizite Ausgeräumte Landschaft - Strukturmangel.. 45% der Wildbienen sind gefährdet 79% der Reptilien sind gefährdet 78% der Amphibien sind gefährdet 25

26 Probleme im Ackerbau: Pestizidbelastungen von Fliessgewässern 26

27 Wie gelangen die PSM in die Fliessgewässser? Direkte und indirekte Gewässerkonnektivität von Ackerflächen Indirekte Konnektivität: deutlich häufiger als die direkte! Direkte Konnektivität: 6m = meist ok Puffer entlang von (meist mit Dolen entwässerten) Strassen und Wegen sind nur 0.5 m (12x weniger) hohe Wahrscheinlichkeit von Oberflächenabfluss und Abdrift auf Strasse/Weg Dole Fliessgewässer 27

28 Hier ist es augenscheinlich (ein gar nicht so seltenes Bild): 28

29 AADirekter und indirekter Gewässeranschluss AA 6m Pufferstreifen wirkt nur bei einer Minderheit der Flächen! Gewässerkonnektivitätskarte Uni Bern Grafik: S. Alder Uni Bern 29

30 Blick zurück:1992 Federführung: Fachgruppe Agrar der SGCI unter Mitwirkung u.a. von BUWAL, BLW, SBV 30

31 Möglichkeiten für die Schweiz? 31

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