Von der neuen Idee zur erfolgreichen Dienstleistung Innovationsmanagement in der Sozialwirtschaft

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1 Forum Caritas München am 10./11. Nov Von der neuen Idee zur erfolgreichen Dienstleistung Innovationsmanagement in der Sozialwirtschaft Prof. Dr. Egon Endres Innovationen gelten in unserer Gesellschaft als Schlüssel zur Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Darüber gibt es eine weithin geteilte Übereinstimmung.

2 Soziale Innovationen spielen in der einschlägigen Innovationsliteratur kaum eine Rolle, -obwohl Menschen stets im Mittelpunkt von Innovationsprozessen stehen und - obwohl das soziale Kapital einer Gesellschaft eine wesentliche Ressource (auch wirtschaftlich) ist. Umso überraschender ist die Tatsache, dass Dienstleistungsinnovationen in der von Betriebswirten und Ingenieuren beherrschten Innovationsforschung kaum beachtet werden.

3 Was sind Innovationen? Innovation heißt wörtlich Neuerung oder Erneuerung : Es geht um die Schaffung von etwas Neuem. Für Joseph Schumpeter (1947) stand der Unternehmer im Mittelpunkt, der den Prozess schöpferischer Zerstörung antreibt: Pferdekutsche ++Auto Allerdings war das nicht immer so: Bis ins Mittelalter hinein war mit Reformen (einem verwandten Begriff) eine Wiederherstellung früherer Zustände gemeint.

4 These 1: Innovationen fußen in den seltensten Fällen auf technischen Neuerungen. Das gilt auch für die Wirtschaftswelt. 1) Abfalltonne (Wirtschaftswoche), damit Bioreste nicht verfaulen: Öffnung und Gitter am Boden 2) Klettverschluss (Basisinnovation)

5 Innovationsarten Produktinnovation Produkte/Dienstleistungen: Neue Formen betreuten Wohnens, Dog Walker in London Organisationsinnovation Fokus: Organisations-, Führungs- oder Managementstrukturen (Neue Steuerung) Prozessinnovation Für die Leistungserbringung erforderliche Prozesse (Fachliche Konzepte, z.b. systemische Beratungsansätze) Marktinnovation Art und Weise, wie Unternehmen auf dem Markt auftreten (Tankstelle als Supermarkt; Sparkasse als Beratungsstelle)

6 These 2: Innovationen können nicht geplant werden.

7 Das Innovationsparadox Innovationen können nicht geplant werden Die Rationalität des Menschen ist begrenzt Irrtümer und Zufälle spielen eine zentrale Rolle Dennoch brauchen Innovationen Planung Iterative Prozesse der Informationssuche und bewertung (Scholl 2004)

8 Innovationsmanagement Fachpromotoren - fördern durch ihre fachlichen Kompetenzen Innovationsprozesse - sind daran interessiert, sich Neuem zu zuwenden Prozesspromotoren - steuern und koordinieren - halten den Innovationsprozess offen für Diskussion und Erprobung - arbeiten eng mit den Fach- und den Machtpromotoren zusammen (Scholl 2004)

9 Innovationsmanagement Machtpromotoren (Personen mit hoher hierarchischer Position) - schaffen förderliche Rahmenbedingungen - schützen Innovationen vor Opponenten - balancieren als institutional leader die Konflikte zwischen Promotoren und Kritikern aus - helfen Innovationsprozesse zu sichern (Scholl 2004)

10 These 3: Die Innovationsbarrieren in der Sozialen Arbeit sind beträchtlich

11 Innovationsbarrieren ausgeprägter als in der Profit-Welt: 1. Fehlen echter Märkte 2. Hohes Maß an Vernetzung: Vielzahl an Anspruchsgruppen (Träger, Finanziers, Aufsichtsstellen etc.) 1. Suchbarrieren Unklares Wo, Wie u. Was Beim Wo sind relevante Umwelten zu eng eingegrenzt Gatekeeper verhindern die Entwicklung von Netzwerken 2. Sinnbarrieren zu wenig MA in Sinngebungsprozess eingebunden Mangel an Visionen - gemeinsame Werte und Überzeugungen

12 3. Systembarrieren Kultur: Vieldeutigkeit + Zielunschärfe werden verhindert Mangel an Verrücktem und an Fehlerfreundlich-keit 4. Diffusionsbarrieren hängen ab vom durch Nachfrager wahrgenommenen Innovationsgrad - Wartebereitschaft - Risikoneigung

13 These 4: Innovationsmanagement in der Sozialen Arbeit ist Netzwerkmanagement

14 Innovationen erfordern Transformationsleistungen (-) einsame Tüftler und kreative Genies Bei aller Fokussierung (Was tun und was aufgeben?) sind Netzwerke für Innovationen zu gewinnen Fehlerfreundlichkeit (-) Wir haben praktisch keine Beschwerden Öffnung sorgt für die nötigen Irritationen von außen Netzwerke sind strukturkonservativ und konfliktvermeidend (Stärke wird zur Schwäche)

15 These 5: Soziale Innovationen finden auch jenseits der Sozialen Arbeit statt.

16 Soziale Innovationen werden betrieben, um Probleme, Konflikte oder Krisen anzugehen oder nach Möglichkeit abzuwenden. Sensibel sind sowohl die Umschichtung von Ressourcen als auch die schwierige Prognostizierbarkeit von Innovationsverläufen. Beispiele: - Umweltbewegung - Fließband- u. Gruppenarbeit - Sozialversicherung - Nicht-eheliche Lebensgemeinschaften

17 Soziale Innovationen folgen unterschiedlichen Rationalitäten: 1. Schutz von Umwelten 2. Effizienz 3. Integration 4. Handlungsfähigkeit Ist Hartz IV eine soz.e Innovation? Soziale Innovationen in der Soz. Arbeit orientieren sich zu sehr an Effizienz (-) nutzen zu wenig die Möglichkeiten, Innovationen in anderen gesellschaftlichen Bereichen anzustoßen

18 Ansatzpunkte für die Mitwirkung an Innovationen außerhalb der Soz. Arbeit 1. Dienstleistungsangebote auf soziale Bedürfnisse und Problemlagen ausrichten 2. Mitwirkung an der OE u. PE in Unternehmen (ü. Betriebl. Sozialberatung hinaus) 3. Entwicklung neuer Technologien für soziale Innovationen nutzen Beispiele gibt es genug: - Bedürfnisgerechte Gestaltung von Fahrzeugen und öffentlichem Verkehrsnetz (für Senioren, Menschen mit Behinderung) - Morgendliche Schulbus-Fahrten mit Kindern: Qualifizierungsund Mediationsbedarf

19 Erfolgsbaustein 1: Budgets für Forschung und Entwicklung Aufbau eines festen Etats für Forschung und Entwicklung; ggf. in Kooperation verschiedener Träger und Organisationen. MSW als InnovationsagentInnen Keine etablierte Abt. mit festem Personalstab! Überdies: Organisation wechselseitiger Hospitationen zwischen sozialen Organisationen + Wirtsch.untern., Behörden etc.

20 Erfolgsbaustein 2: Initiierung von fünftägigen Innovationsforen entlang von sozialen Problemlagen und Statuspassagen (z.b. Wohnen und Leben im Alter) setzen sich aus Fach-, Prozessund Machtpromotoren zusammen nutzen das sehr hohe Qualifikations- und Kompetenzpotential und beziehen stellenweise externe Anspruchsgruppen ein stoßen Innovationsprojekte an

21 Erfolgsbaustein 3: Kommunikation und Marketing Innovationskommunikation trägt zum Markterfolg neuer Dienstleistungen bei (-) Understatement und Überraschungseffekte sind ungeeignet Frühzeitige Bekanntmachung des Nutzens bei verschiedenen Anspruchsgruppen und Meinungsbildnern Im Vorfeld der Markteinführung Akzeptanz für neue Anwendungsfelder

22 Ausblick Die Voraussetzung für die Entwicklung von Innovationen ist in der Sozialen Arbeit aufgrund des hohen Qualifikationsniveaus der Mitarbeiter(innen) sehr gut. Für soziale Organisationen wird Innovationsmanagement zunehmend zum Wettbewerbsfaktor; entsprechende Investitionen machen sich bezahlt. Soz. Organisationen sollten den Mut haben, neue Kooperationen außerhalb der Soz. Arb. einzugehen; auch wenn sie zunächst als verrückt gelten.

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