Auswirkungen von Innovationen auf Bilanzen

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1 Auswirkungen von Innovationen auf Bilanzen Referent Dipl.-Kfm. Dr. Joachim Feske Wirtschaftsprüfer-Steuerberater Schönefeld Berlin Neuruppin Wittstock AUDITA GmbH Steuerberatungsgesellschaft 1

2 Kontakt Dr. Joachim Feske, WP/StB Französische Straße 12, Berlin Mittelstraße 7, Schönefeld Tel.: Fax:

3 Themenübersicht A. Einleitung B. Schutz von Innovationen C. Investitionsförderprogramme D. Fazit 3

4 A. Einleitung Bilanzarten (Auswahl) 1. Eröffnungsbilanz 2. Handelsbilanz 3. Steuerbilanz 4. Planbilanzen 5. Einzelbilanzen 6. Konzernbilanzen 7. Periodenbilanzen - Tagesbilanz - Wochenbilanz - Monatsbilanz - Quartalsbilanz - Halbjahresbilanz 8. Überschuldungsbilanz 9. Insolvenzbilanz 10. Liquidationsbilanz 11. Umweltbilanzen 12. Innovationsbilanz 4

5 Innovationen Begriff und Abgrenzung Inventionen: - sind noch keine Innovationen - umfassen neue Ideen bis einschließlich Prototypenbau bzw. konkreter Konzeptentwicklung in der vormarktlichen Phase Innovationen: - im ökonomischen Sinne erst dann gegeben, wenn innerhalb einer Volkswirtschaft der Produktionsprozess verändert wird 5

6 B. Schutz von Innovationen Innovationen können rechtlich und bilanziell münden in: Konzessionen gewerbliche Schutzrechte ähnliche Rechte und Werte Lizenzen an ähnlichen Rechten und Werten, z.b. + Patente + Gebrauchsmuster + Warenzeichen 6

7 Voraussetzung der Aktivierung bei entgeltlichem Erwerb (wirtschaftliches) Eigentum bzw. Inhaberschaft Immaterieller wirtschaftlicher Wert = Nutzen für das Unternehmen und fällt als Einzelheit ins Gewicht Selbständige Verkehrsfähigkeit i.s. Einzelverwertbarkeit bzw. selbständige Bewertbarkeit => Auswirkung auf Bilanz AK AfA Jü 7

8 Voraussetzung der Aktivierung selbst geschaffener gewerblicher Schutzrechte und ähnlicher Rechte und Werte Aktivierungsverbot vor BilMoG Aktivierungswahlrecht ab BilMoG ( ) Aktivierungsverbot nach wie vor für selbst geschaffene Marken, Buchtitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare VG des Anlagevermögens 8

9 Praxishinweis Saubere, d.h. kostenrechnerische und extern dokumentierte Trennung von Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen Straffe Struktur in Kostenrechnung Auswirkung erst, wenn mit Entwicklung nach dem begonnen wurde Möglich auch, falls unwesentliche Teile der Entwicklung in 2009 lagen Nachaktivierung von Entwicklungskosten aus früheren Geschäftsjahren ausdrücklich ausgeschlossen 9

10 Umfang der Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände Forschungsphase: - Suche nach einer theoretischen Lösung des Problems - Anhaltende Suche nach alternativen Verfahren Aktivierungsverbot Entwicklungsphase : - Anwendung der Erkenntnisse: Entwurf von Konstruktionsplänen - Konstruktion des ausgewählten Modells und Durchführung von Tests Aktivierungswahlrecht Können Forschungs- und Entwicklungsphase nicht verlässlich voneinander getrennt werden => Aktivierung ausgeschlossen 10

11 Entwicklung Anwendung von Forschungsergebnissen oder anderem Wissen für die Neuentwicklung von Gütern oder Verfahren oder der Weiterentwicklung von Gütern oder Verfahren mittels wesentlicher Änderungen. 11

12 Prüfschema zur Abgrenzung von Forschungs- und Entwicklungskosten 1. Schritt: Übergang von der Forschung zur Entwicklungsphase gegeben? Forschung Eigenständige und planmäßige Suche nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen oder Erfahrungen allgemeiner Art, über deren technische Verwertbarkeit und wirtschaftliche Erfolgsaussichten grundsätzlich keine Aussagen gemacht werden können. 12

13 Konsequenz Eine Aktivierung der Kosten kann damit nicht erst ab dem Zeitpunkt des Vorliegens eines Vermögensgegenstandes erfolgen, sondern grundsätzlich bereits ab dem Zeitpunkt, ab dem die Entwicklung beginnt. 13

14 2. Schritt: Führt die Entwicklung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Vermögensgegenstand? Herstellungskosten eines selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens sind die bei dessen Entwicklung anfallenden Aufwendungen. 14

15 Prüfkriterien: eurocons EWIV Projekt ist initiiert worden Basis ist dokumentierter Geschäftsführungsbeschluss Budgetfreigabe ist erfolgt Projektabgrenzung und beschreibung ist möglich Projekt kann hinsichtlich seiner + sachlichen + zeitlichen + finanziellen Dimensionen präzise abgrenzt werden Grundsatz der Einzelbewertung, d.h. projektbezogene Angaben müssen dem Projekt prinzipiell zumutbar sein Projekt muss Nutzen i.s. der selbständigen Verwendbarkeit besitzen und Nutzen muss potentiell darstellbar sein Aktive weitere Projektverfolgung ist sichergestellt 15

16 C. Investitionsförderprogramme Investitionsanlagen (z.b. InvZulG) Vereinnahmung in voller Höhe als steuerfreier Ertrag im Jahr der Durchführung der Investition oder zum Zeitpunkt der Gewährung der Zulage 16

17 Investitionszuschüsse Wahlrecht gemäß EStR 6.5 II (z.b. GA, Landesförderung) + Vereinnahmung in voller Höhe als steuerpflichtiger Ertrag im Jahr der Durchführung der Investitionen oder + Kürzung der Anschaffungskosten / Herstellungskosten des bezuschussten Wirtschaftsgutes oder + Einstellung in gesondertem passivischen SoPo für Zuschüsse und Auflösung parallel zur AfA (in Steuerbilanz nicht zulässig) besserer, wahrer Einblick in VFE-Lage 17

18 + bedingt rückzahlbare Zuwendungen (z.b. Förderung von Erstinnovationen, F+E, Förderung marktnaher Vorhaben) bei Zufluss, ggf. Bekanntgabebescheid und gegebenen Abrufvoraussetzungen erfolgswirksame Vereinnahmung mit unter keine Passivierung, solange Rückzahlungsbedingung (in Zuwendungsbedingungen definierter Erfolg) nicht eingetreten oder abziehbar ist. 18

19 Rückzahlbare Zuwendungen, bei denen die Verpflichtung zur Rückzahlung mit Eintritt einer auflösenden Bedingung erlischt Vereinnahmung passivisch Erfolgswirksame Vereinnahmung erst bei Eintritt der auflösenden Bedingung 19

20 Zuschüsse in Start-up Phase und Verlustsituationen / Sanierungsphasen Sofortige erfolgswirksame Vereinnahmung zur Rettung des Eigenkapitals Auflösung des Sonderpostens für Investitionszuschüsse Beachten: Breake-even mit Steuerwirkung 20

21 Innovationen und Bilanzstrategien eurocons EWIV Mit Innovationen eng verbunden sind (isoliert betrachtet) Aufwendungen (F+E etc.) JÜ sinkt, EK sinkt Herstellungsaufwand AV/UV steigt AfA steigt JÜ sinkt Anschaffungskosten AV/UV steigt AfA steigt JÜ sinkt EK sinkt Unerwünscht 21

22 Ausweichstrategie: Innovationsaufwand verlagern in gesonderte Gesellschaft im Inland oder Ausland Vorteile: Keine EK-Belastung bei Alt -Gesellschaft Abschottung der entstehenden Werte gegen Zugriff durch: + Gläubiger + Fiskus + Inso-Verwalter + Gesellschafter + Holding-Struktur- und Share-deal Vorteile + evtl. besserer Zugang zu Fördermitteln Nachteile: zusätzliche Gesellschaft(en) Liquiditätsfond bereitstellen evtl. bei Fördermitteln evtl. DBA, Aussensteuerrecht 22

23 Abschreibung Handelsrecht Steuerrecht Immaterielles Wirtschaftsgut (z.b. Urheberrechte, Patente, Lizenzen, Herstellungsverfahren, Software, Geschäfts-/Praxiswert, Vertreterrecht, erstellte Internet-Website) - Firma (=Unternehmensname): 3-4 Jahre - Patent: üblicherweise Laufzeit, d.h. 20 Jahre - Marke: üblicherweise Laufzeit, d.h.10 Jahre - Geschäftswert: 15 Jahre - Einzelpraxiswert: 3-5 Jahre - Lizenz gegen Einmalzahlung: vertragliche Nutzungsdauer, - laufende Lizenzgebühren: sofort abziehbar - Vertreterrecht: betriebsgewöhnliche ND - Webdesign: 2-3 Jahre 23

24 D. Fazit Innovationen haben Auswirkungen auf Bilanzen Sachverhalte sind komplex Lösung interdisziplinär optimieren (Ingenieure, RA, StB, WP, Bank) vorausschauende Detailplanung notwendig 24

25 Verzeichnis der Abkürzungen AfA AK AV EK GA JÜ SoPo UV VFE VG Absetzung für Abnutzung Anschaffungskosten Anlagevermögen Eigenkapital Gemeinschaftsaufgabe der EU Jahresüberschuss Sonderposten Umlaufvermögen Vorfälligkeitsentscheidung Vermögensgegenstand 25

26 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 26

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