Literacy - Lernen mit Echtzeug in der Kindertageseinrichtung

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1 Literacy - Lernen mit Echtzeug in der Kindertageseinrichtung Konzept eines Bildungsprojektes im Elementarbereich - Daniela Kobelt Neuhaus * Inge Pape

2 Worüber wir sprechen 1. Definitionen 2. Was gehört alles zu Literacy? 3. Einordnung der Projekt-Idee 4. Planung und Durchführung des Projektes Vorbereitung im Team Kooperationspartner suchen und finden Eltern ins Boot holen Das Zeitungstagebuch Dokumentationen Projekt verankern im Alltag 5. Ergebnisse im Überblick 2

3 Literacy eine Definition Es gibt leider für den englischen Begriff "Literacy" kein passendes deutsches Wort: wörtlich heißt "Literacy" Lese- und Schreibkompetenz Der englische Begriff meint aber weit mehr als die Grundfertigkeit des Lesens und Schreibens, er umfasst: - Textverständnis und Sinnverstehen - sprachliche Abstraktionsfähigkeit - Lesefreude und thematisches Interesse - Umgang mit Büchern, Texten, Bildern, Symbolen und Zeichen - Fähigkeit, sich schriftlich auszudrücken, - Vertrautheit mit Schriftsprache oder mit "literarischer" Sprache - sogar Medienkompetenz wird dazu gerechnet. 3

4 Erzählkompetenz Phonologie Textverständnis Literacy Dekontextualisierung Schriftkultur Sprachbewusstsein 4

5 Zwei Irrtümer 1. Schrift zu erkunden und schriftliche Symbole verwenden ist keine Vorstufe von Literacy es ist Literacy selbst. 2. Die Annahme, Kinder müssten zunächst sogenannte Grundfertigkeiten erlernen, üben und erinnern, bevor sie auf richtiges Lesen und Schreiben losgelassen werden können, ist so dumm und unnötig wie der Vorschlag, Babys sollten ein Training in Stimmbildung und Syntax absolvieren, bevor sie zu sprechen versuchen dürfen. 5

6 Neuere Erkenntnisse der Sprachforschung 6

7 Wortschatz und Grammatik stehen in Wechselwirkung Kinder müssen unterschiedliche Beispiele von Wörtern- und Sprachstrukturen hören Kinder lernen das, was sie am meisten hören! Häufigkeit! Lehren aus der Krippe: 6 Prinzipien des Sprachlernens Der Kontext muss bedeutungsvoll sein Das kindliche Interesse Ist wichtig Handeln und Responsitivität 7

8 1. Kinder lernen das, was sie am meisten hören die Häufigkeit ist wichtig Die Menge an gesprochener Sprache ist wichtig für das statistische Lernen Die Menge an gesprochener Sprache ist wichtig für die Verarbeitungsgeschwindigkeit 8

9 Was Erzieherinnen und Eltern tun können: Informative Gespräche mit den Kindern führen Diskussionen und Dialoge führen Reime verwenden Sprachgebundene Spiele spielen Vorlesen nicht nur Prosa, auch Poesie Gemeinsames tägliches Vorleseritual Geschichten nacherzählen 9

10 Sprache des Lernens in der alltäglichen Konversation Bedeutungen während des Gesprächs klären Fragen der Kinder benutzen, um Verknüpfungen herzustellen Sich zusammen Gedanken über die Welt machen ( Philosophieren ) Den Gesprächsgegenstand ausbauen und das kindliche Verständnis bereichern 10

11 Interaktive und auf das Kind eingehende Umgebungen bauen das Lernen von Sprache auf Was gilt als einfühlsame und auf das Kind eingehende Sprache? Mit dem Kind sprechen, und es nicht nur ansprechen. Wahrnehmen, was der Kind interessiert, und dies kommentieren statt Anforderungen 11

12 Kinder müssen unterschiedliche Beispiele von Wörtern und Sprachstrukturen hören zu Hause: Die Menge und Vielfalt an verbaler Stimulation fördert eine frühe und reichhaltige Sprachproduktion. In der Kita: Der Zusammenhang zwischen der Anzahl an komplexen Satzstrukturen der Erzieherin und dem Grammatikverständnis der Kinder ist statistisch nachweisbar. 12

13 Der Beweis: Kinder lernen am besten in bedeutungsvollen und oft spielerischen Kontexten Neuere Studien zeigen, dass Kinder einen reicheren Wortschatz in einer spielerischen Lernsituation aufbauen. Spielerisches Lernen besonders im angeleiteten Spiel baut starke Wortschatzfähigkeiten auf. 13

14 Literacy ist ein Alltagskonzept Literacy kann nicht stundenweise oder als Projekt einer Erzieherin passieren: alle müssen sich beteiligen, den Schrift und Sprache sind allgegenwärtig Zentraler Aspekt von Literacy: auf Augenhöhe lernen und sich selber bilden durch gestützte Auseinandersetzung mit Texten, Symbolen und Zeichen Schrift und Symbole bewusst überall einsetzen. 14

15 Einordnung der Projekt-Idee Am Anfang stand eine Spende der Rhein-Zeitung und der Firma Fielmann Daraus entstand ein Kooperationsprojekt: erlesenes aus dem lebensumfeld lernen mit echtzeug des Rhein-Zeitung und der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie 15

16 Projektidee Reichhaltige Erfahrungen mit Bildern, Symbolen, Zeichen und Schriften in der Kindheit fördern sowohl aktuell als auch längerfristig die Sprachentwicklung des Kindes. Bildunterschrift Sie sind wesentliche Voraussetzungen für die Abstraktionsfähigkeit und die Begriffsbildung, aber auch in hohem Maße dafür verantwortlich, dass Kinder sich für die Dinge hinter dem Wort interessieren 16

17 Literacy Förderung von Kindern zu kommunikationsfreudigen und medienkompetenten Persönlichkeiten Sprach- und Sprechkompetenz als grundlegende Voraussetzung für die emotionale und kognitive Entwicklung von Kindern Spracherwerb = komplexer, eigenaktiver und konstruktiver Prozess, in dem Kinder nicht nur über Nachahmung lernen, sondern - zunächst unbewusst Hypothesen und Regeln darüber bilden, wie Sprache gebaut ist. 17

18 Wie könnte eine Literacy Erziehung aussehen? Literacy ist kein Programm zum Lesen und Schreiben lernen. Literacy ist auch kein Programm, das sich in einem bestimmten Zeitrahmen abhandeln lässt Literacy-Erziehung geschieht im täglichen Leben überall da, wo Schriften, Zeichen und Symbole etwas bedeuten Beispiele: den eigenen Namen an der Garderobe finden Poster mit Schriftzügen an den Wänden beschriftete Bilder im Ich-Buch Kochen nach Kochbuch Schreiben eines Briefes Vorlesen von Geschichten usw. 18

19 Lesen in der Praxis als wertvolle Kompetenz erkennen 1. Bilderbücher anschauen 2. Vorlesen 3. Vorbilder: wenn diese nicht lesen, lesen auch die Kinder nicht 4. Schrift entdecken: Suche nach SchriftZeichen und Symbolen 5. Zeichen und Symbole wiedererkennen 6. Zeichen und Symbole selber fabrizieren 7. Bedeutung verstehen 19

20 Kinder auf Zeitung neugierig machen 1. Was ist eine Zeitung? Welche Zeitungen kennst du? 2. Hast du zu Hause Zeitungen? 3. Wer glaubst du - liest bei dir zu Hause die Zeitung täglich / häufig? Welche Zeitung liest dein Papa, deine Mama am liebsten? 4. Weißt du, was in der Zeitung steht? 5. Hast du schon mal die Zeitung alleine, mit jemand anderem angeschaut? 6. Möchtest du, dass wir in der Kita die Zeitung lesen? 20

21 Das Projekt Projektziel: Kinder im Vorschulalter entdecken durch das Medium Zeitung, dass Texte, Symbolen, Zeichen, Buchstaben und Bilder etwas bedeuten und sie setzen sich mit bedeutsamen, realen, aktuellen Themen ihres Lebensumfeldes auseinander. 21

22 Planung und Durchführung des Projektes 1. Team-Konsens entwickeln 2. Kooperationspartner finden 3. Elternabend zum Thema 4. Für die Zeitung einen Platz finden 5. Mit den Kindern zusammen die Zeitung entdecken 6. Das Arbeiten mit Zeitung dokumentieren 7. Das eigene Interesse teilen 8. Ergebnisse sammeln 22

23 Teamkonsens Literacy ist ein Alltagskonzept es kann nicht stundenweise oder als Projekt einer Erzieherin passieren: alle müssen sich beteiligen, denn Schrift ist allgegenwärtig Zentraler Aspekt von Literacy: auf Augenhöhe lernen und sich selber bilden durch gestützte Auseinandersetzung mit Texten, Symbolen oder Zeichen Schrift und Symbole bewusst überall einsetzen. 23

24 Eltern ins Boot holen 1. Eltern werden frühzeitig über das Projekt und das Anliegen des Projekts informiert (Hinweis auf Bildungsauftrag) 2. Eltern werden ermutigt, mit ihren Kindern über Zeitung ins Gespräch zu kommen und das Projekt zu Hause zu unterstützen 3. Eltern können in der Einrichtung Zeitung lesen. Sie werden regelmäßig informiert, welche Artikel / Texte bei den Kindern auf Interesse gestoßen sind 4. Eltern werden entlastet, indem schwierige Themen in der Kita aufgegriffen und bearbeitet werden (Unfälle und Verbrechen, Katastrophen, Leben und Tod). 24

25 Eltern verstehen 25

26 Beispiel Todesanzeigen Wer ist gestorben? Wie alt sind die Leute, die gestorben sind? Woran sind sie gestorben? Kann man das rausfinden? Wie geht eine Beerdigung? Ein Grab der Friedhof Wie ist es, etwas oder jemanden zu verlieren? Wir gehen die Tote, den Toten besuchen. 26

27 Motivation der Kinder für das Projekt 1. Zeitung als ein Angebot 2. Zeitung als ein Konsum-Gut bzw. als Ernst des Lebens: was finden Erwachsene an Zeitung so interessant? 3. Auf der Suche nach der Struktur der Zeitung. Worüber kann man sich informieren? Was bedeutet aus aller Welt? 4. Einrichtung der Zeitungsleseecke 27

28 Es geht nicht um die Buchstaben, sondern um den Inhalt!!!! Umweltthemen - ganz besonders die Veränderung der Lebensräume von Tieren ( Klimawandel ) - beschäftigen die Kinder sehr. 28

29 Beispiel-Thema Hilfe die Pole schmelzen ab! Kinder sorgen sich um die Zukunft der Welt und der Tiere Die Eisbären werden nicht überleben! 29

30 Dokumentation - Mein Zeitungstagebuch - Meine thematische Zeitung - Unsere Themenwand - Unsere Kita-Zeitung - Usw. 30

31 Ein Ergebnis 31

32 Die Wissens- und Info- Dokumentation mein kluges Buch 32

33 Was kann man in der Zeitung lesen? Informationen aus aller Welt Wichtiges aus meiner Region, aus meinem Ort Wie wird das Wetter? (Wichtig für unseren wöchentlichen Waldtag!) Welcher Arzt hat Dienst, welche Apotheke ist offen? Was gibt es an Veranstaltungen für Kinder im Ort wo kann man hingehen, ohne dass es etwas kostet? Durch bestimmte Symbole und Zeichen können wir diese Informationen jeden Tag selbst entdecken. 33

34 Aufträge für Ihre Arbeitsgruppe 1. Arbeitsgruppe Suchen Sie aus Ihrer Zeitung ein Bild heraus, das Sie besonders anspricht. 2. Arbeitsgruppe Schneiden Sie aus Ihrer Zeitung Logos und Piktogramme (Zeichen) aus. 3. Arbeitsgruppe Schneiden Sie aus Ihrer Zeitung eine Schlagzeile, die Sie besonders anspricht. Schneiden Sie dieses Bild aus. Erzählen Sie gemeinsam eine Phantasiegeschichte aus dem vorliegenden Material. Versuchen Sie, dass (fast) alle Bilder darin Ihren Platz finden Gestalten Sie gemeinsam eine Phantasie-Geschichte aus Zeichen und Piktogrammen Schreiben Sie gemeinsam aus diesen verschiedenen Schlagzeilen eine Phantasiegeschichte. 34

35 Aufträge für Ihre Arbeitsgruppe 1. Aufgabe Schildern Sie die Reaktionen der Kinder auf das Projekt. Welche Themen haben die Kinder besonders angesprochen? 2. Aufgabe Berichten Sie:Wie habe ich die Kolleginnen und mein ganzes Team in das Projekt eingebunden? 3. Aufgabe Welche Ideen haben Sie, mit Hilfe der Zeitung eine literale Umgebung in der Kita zu Welche Themen haben Sie im Rahmen Ihrer pädagogischen Arbeit weitergeführt? Über welche Erfahrungen im Rahmen des Projektes berichten die Kolleginnen bzw. Teammitglieder Welche räumlichen Veränderungen sind nötig, um die Schrift wieder in die Kita zurückzuholen? 35

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