Interkulturelle Zusammenarbeit Bonn, 22. Juni 2010 Marc Jochemich, DLR, NKS Raumfahrt

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1 Interkulturelle Zusammenarbeit Bonn, 22. Juni 2010 Marc Jochemich, DLR, NKS Raumfahrt 1

2 Dieser Vortrag basiert auf der Präsentation Intercultural Communication in research and technology project initiatives for National Contact Points (NCPs) National Information Points (NIPs) and Coordinators of multinational consortiums Developed under the auspices of the EU-Bureau for the Research Framework Programme NCP International Cooperation (www.eubuero.de/inco) Authors: Matthieu Kollig, Thomas Buhl-Böhnert (www.globalpilots.de) Page 2 2

3 Gliederung Begriffsklärung Kultur Bedeutung von Kultur für das Verhalten Beispiele kultureller Orientierung, Ausprägungen und Situationen Ausgewählte kulturelle Parameter Bsp. Nord- und Südeuropa Projektanbahnung im internationalen Kontext Kontaktaufnahme Vertrauensbildung Zusammenfassung 3

4 Begriffsklärung (1) Arbeitsdefinition des Begriffs Kultur : Die Kultur einer Gruppe ist die Summe von besonderen Eigenschaften, welche ihre Mitglieder von denen anderer Gruppen unterscheidet. Kultur dient als Orientierungssystem in einem definierten Tätigkeitsbereich hat sichtbare und bewusste sowie unsichtbare und unbewusste Erscheinungsformen ist erlerntund nicht ererbt Wir gehören verschiedenen Gruppen / Kulturen an. 4

5 Begriffsklärung (2) Individuum Verhalten Situation Kultur Besonderheiten wie Alter, Geschlecht, Status, Rolle, Funktion, Erfahrung, Sprache, Fähigkeiten, Merkmale wie die Intensität und Dauer der Interaktion, Ziele und Macht der Beteiligten, Ort des Geschehens, Aspekte des spezifischen Orientierungssystems, das sich innerhalb der Gruppe angeeignete wurde. 6

6 Begriffsklärung (3) Kulturelle Orientierung bezieht sich auf gemeinsame Wege der: Wahrnehmung = Was? Wie? Interpretation = Gedanken Beurteilung = Gefühle Handlung = Verhalten Kulturelle Orientierung (oder kulturelle Standards) werden von den meisten Mitgliedern einer Gruppe / Kultur geteilt und als normal, selbstverständlich, typisch und bindend betrachtet. 7

7 Beispiele kultureller Orientierung, Ausprägungen und Situationen (1) Beispiel: Das Treffen war für 11:00 Uhr angesetzt. Jetzt ist es 11:13 Uhr. Pablo ist nicht da. Andreas: Jaques: Wahrnehmung = wir sind bereits 13 Minuten hinter dem Zeitplan Interpretation = 13 Minuten sind eine Zeitspanne, in der man viel besprechen kann Beurteilung = das ist eine Frechheit! Wir verlieren wertvolle Diskussionszeit Handlung = Pablo auf seinem Handy anrufen Wahrnehmung = nicht alle Teilnehmer sind da. Interpretation = das Treffen hat noch nicht begonnen Beurteilung = das ist OK. Das Treffen beginnt, wenn alle da sind. Handlung = noch ein wenig mit den Kollegen unterhalten 8

8 Beispiele kultureller Orientierung, Ausprägungen und Situationen (2) Wahrnehmung Interpretation Beurteilung Verhalten Verhalten Beurteilung Interpretation Wahrnehmung Interkulturelle Situation Verhalten verursacht emotionale Beurteilungen Emotionen können positiv oder negativ sein Emotionen helfen interkulturelle Situationen zu bemerken Wie fühlt man sich? Wie fühlt mein Gegenüber? 9

9 Beispiele kultureller Orientierung, Ausprägungen und Situationen (3) Direkte Kommunikation Sprache: Prezise, konkret Indirekte Kommunikation Sprache: bildhaft, ausgeschmückt Direkter Inhalt / Bedeutung Detailliert, schriftlich Nehmen Sie mich beim Wort Kontext der Kommunikation ausgeblendet Indirekter Inhalt / Bedeutung offen, mündlich, Körpersprache Botschaft in den Kontext eingebettet (Ort, Atmosphäre, Symbole etc.) Botschaft direkt an den Adressaten Verantwortlich für die Botschaft / Verständnis: Sender Botschaften an Dritte haben ebenfalls Bedeutung Verantwortlich für die Botschaft / Verständnis: Empfänger EU(N) EU(S) LA A GUS 10

10 Beispiele kultureller Orientierung, Ausprägungen und Situationen (4) Aufgabenorientiert Beziehungsorientiert Fokus auf der Aufgabe: Fakten, Daten, Rollen, Pläne, Strukturen,... Kooperation vor Beziehung Verlässlichkeit, Kompetenz, Emotionen unter Kontrolle Vertrauensbildung: Vereinbarungen, Verträge Formale Treffen, Agenda, Regeln, Regularien Trennung privat und geschäftlich Fokus auf Personen: Charisma, Humor, Sozialer Hintergrund, Familie, Ausbildung, Gemeinsamkeiten Beziehung vor Kooperation Geistesverwandtschaft, Charme, Enthusiasmus Vertrauensbildung : Beziehung, Informeller Austausch, Big-Talk, Geschenke, Zuvorkommen,... Vermischung von privat und geschäftlich Führung durch Delegation, Information Management durch Pflege persönlicher Kontakte EU(N) GUS EU(S) LA A 11

11 Beispiele kultureller Orientierung, Ausprägungen und Situationen (5) Direkte Kommunikation N-EU S-EU GUS Indirekte Kommunikation aufgabenorientiert beziehungsorientiert Egalitär Hierarchisch Monochron Polychron Individualistisch Kollektivistisch regelorientiert situationsorientiert 12

12 Projektanbahnung im internationalen Kontext (1) Kontaktaufnahme Kulturelle Orientierung Beziehung Aufgabe Brief Telefonanruf persönlich Video-Konferenz einer Kommunikationskanäle mehrere 13

13 Projektanbahnung im internationalen Kontext (2) Vertrauensbildung Rationales Vertrauen: Den Hintergrund des anderen kennen. Forschungserfolge, Pläne, Interessen, Schlüsselpersonal, Hierarchien, Netzwerke und Kapazitäten (Mitarbeiter, Infrastruktur, Institution) Emotionales Vertrauen: Auf persönliche Beziehungen aufbauend. Planung regelmäßiger persönliche Treffen und Bereitstellung entsprechender Mittel (3x pro Jahr: Trainings, Workshops, Konferenzen, Geschäftsessen, ) Vertragliches Vertrauen: Interessen aller berücksichtigen. Memorandum of Understanding (MoU): Annnahmen und Erwartungen hinsichtlich des Projektes, der Ziele und der Ressourcenaufteilung (Zeit, Geld, Infrastruktur, Mitarbeiter) regeln. 14

14 Zusammenfassung Kultur: besondere Eigenschaften einer Gruppe; nur teilweise sichtbar und bewusst; beeinflusst das Verhalten Emotionen können Anzeichen für eine interkulturelle Situation sein Verschiedener Umgang mit Kommunikation, Zeit, Hierarchien, Regeln, Vertrauen als Basis von Kooperation: rational, emotional, vertraglich 15

15 Weiterführende Literatur Hofstede, G. (2006). Lokales Denken, globales Handeln. Deutscher Taschenbuch Verlag Kumbier, D. & Schulz von Thun F., Interkulturelle Kommunikation: Methoden, Modelle, Beispiele, Rowohlt 2006 Marx, Elisabeth, Vorsicht Kulturschock, Campus 2000 Nees, G. (2000). Germany. Unravelling an Enigma. Intercultural Press Lewis, Richard D., Handbuch internationale Kompetenz, Campus 2000 Schein, Edgar H., Organisationskultur, EHP

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