Am liebsten fotografiere ich Orte, mit denen wir. haben, an denen wir aber nie sind.

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1 » Am liebsten fotografiere ich Orte, mit denen wir Menschen «viel zu tun haben, an denen wir aber nie sind. Hamburg, Der Fotograf Frederick Vidal stand der Klasse 12b des Kopernikus Gymnasiums Bargteheide nach einem Fotoworkshop für ein persönliches Interview zur Verfügung. JJ: Gibt es bestimmte Themenbereiche oder Lieblingsobjekte, die Sie besonders häufig fotografieren? FV: Also eigentlich entstehen meine Fotos häufig spontan, während ich durch die Stadt spaziere, meistens auch oft einfach erste Schnappschüsse die beim Flanieren entstehen. Erst wenn ich zu Hause bin, bewerte ich, und wenn mir etwas Besonderes ins Auge fällt, besuche ich den Ort nochmal, vielleicht mit einer anderen Kamera. Besonders interessant finde ich es, gewöhnliche Dinge abstrakt in Szene zu setzen, aber auch vor allem Industrie und Landschaft, also Orte, die viel mit uns Menschen zu tun haben, an denen wir aber nie sind. JJ: Wie sind Sie denn überhaupt zu ihrem Beruf gekommen? FV: Ursprünglich wollte ich Kameramann an einer Kunsthochschule lernen, das war mir aber auf lange Sicht zu aufwändig. [Herr Vidal schmunzelt.] Dazu kommt noch, dass das Filmgeschäft immer mit vielen Leuten in Verbindung steht. Da wäscht eine Hand die andere und man ist schnell an jemanden gebunden, das hat mir nicht gefallen, also habe ich in Kassel an der Hochschule angefangen Fotografie zu studieren und mich darauf beschränkt. JJ: Fotografieren Sie lieber analog oder digital? FV: Ich würde sagen, dass ich schon lieber analog fotografiere, allerdings ist es in der heutigen Zeit auch interessant und für den Beruf wichtig, was digital alles möglich ist. Aber grundsätzlich mache ich, nachdem ich mit der Kleinbildkamera erste Ideen gesammelt habe, wenige gezielte, ruhige analoge Aufnahmen. 30

2 JJ: Wie umfangreich ist denn überhaupt ihr Equipment, wenn wir schon von Kleinbild, und Großbild-Kameras sprechen? FV: Ich habe so einen großen Koffer, der beinhaltet unter anderem sechs Objektive, Klein- und Großbildkamera, analog und digital, Film,- und Festplatten aber natürlich auch Stative und Speicherkarten. JJ: Dann haben Sie ja bestimmt auch zu Hause mittlerweile eine große Sammlung? FV: Ja, da stapeln sich einige Negative und Festplatten kistenweise im Regal. [Herr Vidal rauft sich die Haare und lacht.] JJ: Wie darf man sich das denn vorstellen, können Sie von der Fotografie leben? Wie sieht es mit Aufträgen aus? FV: Teilweise porträtiere ich Künstler beispielsweise für Plakate, oder überlege auch gemeinsam mit den Kunden, wie man eine ganze Serie, oder eine Werbung darstellen kann. Ich habe auch ein eigenes Atelier, in dem ich vieles inszeniere, das später ausgestellt und manchmal auch verkauft wird. Häufig werde ich auch für Architektur-Fotografie gebucht oder gehe auch auf andere zu, wenn ich interessante Gebäude oder Baustellen entdecke. JJ: Und wie darf man sich dann einen typischen Arbeitstag von Ihnen vorstellen? FV: Es ist schon oftmals stressig und turbulent, wenn viele Aufträge laufen. Am schlimmsten ist es allerdings bei eigenen Sachen ein Ende zu finden. Man ist irgendwie nie fertig und ich kann mir dann auch schwer sagen: So, jetzt ist Schluss! Motiv: Industriegelände JJ: Man hört ja oft, dass es schwer ist, in der Branche Fuß zu fassen. Hatten Sie Kontakte, oder wie haben Sie es geschafft sich von der Masse abzuheben? FV: Ja, das stimmt und das ist auch immer mit Risiko verbunden. Grundsätzlich ist es aber einfach wichtig, gesellig und umtriebig zu sein. Alles andere entwickelt sich dann von alleine, wenn du Menschen mit deiner Arbeit faszinierst, werden sie dich weiterempfehlen und es wird ein richtiger Prozess ausgelöst. JJ: Bei so vielen Kontakten, kommt es doch bestimmt auch oft vor, dass Sie nach Freundschaftspreisen gefragt werden oder ihnen ein Essen dafür angeboten wird? FV: [Herr Vidal lacht laut.] Es stehen allerdings immer noch einige Essen aus! Aber wenn ich zum Beispiel gebeten werde, eine Performance zu dokumentieren, ist das auch sehr spannend und das mache ich dann auch gerne für ein Essen. [Herr Vidal lächelt] 31

3 JJ: Es gibt ja, wie in vielen Berufen, auch zum Job des Fotografen bestimmte Klischees, wie zum Beispiel Dogenexzesse und Sex mit Models. [Johanna «zögert unsicher.] Ist da denn was dran?»jaja, das stimmt alles. [Herr Vidal lacht laut und schmunzelt in sich hinein.] Also, ich sag mal, ja und nein. Man geht schon mal auf Aftershow-Partys feiern und auf diesen Partys sind natürlich auch unter anderem Models. JJ: Als Fotograf fotografiert man ja tagtäglich, aber wie sieht es aus mit dem Fotografiertwerden, häufig stehen Fotografen ja lieber hinter als vor der Kamera? FV: Ach, ich bin da nicht besonders heiß drauf, aber schonungslos. Gegen Situationsfotos oder Spacken-Fotos habe ich gar nichts, die haben immer einen schönen Autentizitäts-Charakter und Persönlichkeit. Daraus ergibt sich oftmals ein spannendes Moment, wenn man beispielsweise Weinen gar nicht von starkem Lachen unterscheiden kann. JJ: Als abschließende Frage, würden wir noch gerne wissen, ob es ein Motiv gibt, das Sie schon immer fotografieren wollten, aber noch nicht dazu gekommen sind? FV: Sehr gute, interessante Frage, da muss ich richtig überlegen. [Herr Vidal zögert und denkt nach.] Ich weiß nicht, ob ihr davon gehört habt, aber es gibt dieses Haus, welches komplett verschimmelt ist [Dieter Roth Foundation Hamburg. Anm. d. Red.]. Da wollte ich mal hin, aber irgendwie habe ich es noch nicht geschafft. Sehr faszinierend finde ich aber auch Momentaufnahmen einer Naturkatastrophe, auch wenn das natürlich keine schöne Sache ist, aber die Bilder, die dabei entstehen, strahlen sehr viel Kraft aus. JJ: Damit sind alle Fragen beantwortet und wir bedanken uns bei Ihnen. FV: Ja gerne, es hat mir sehr viel Spaß gemacht! [Die Klasse applaudiert] Interview: Johanna Jahnke Dokumentation: Marja Heinßen Die Schüler wendeten das gelernte an, indem sie beispielsweise mit verschiedener Belichtung, Perspektiven, Tiefenschärfe oder der ISO spielten. 32

4 Fotografie als Beruf, aber wie? Ein Wegweiser durch den Jungle der Möglichkeiten, Fotograf zu werden Es gibt diverse verschiedene Möglichkeiten, den Beruf des Fotografen zu ergreifen. Sowohl Studium als auch Berufsausbildung können zum Ziel führen. Wählt man die Ausbildung zum Fotografengesellen, schließt man diese mit einer Prüfung vor dem Prüfungsausschuss der Handelskammer oder einer Abschlussprüfung an einer Berufsfachschule ab. Zudem kann man mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung die Entscheidung treffen, sich an einer Fachschule zum Meister der Fachrichtung Fotografie weiterbilden zu lassen. Allerdings ist es üblicher, Fotografie zu studieren oder einen Studiengang zu belegen, in dem Fotografie inbegriffen ist. Ein Beispielstudiengang, in dem die Fotografie neben anderen Themen inbegriffen ist, ist das Studium des Kommunikationsdesigns. Die Inhalte des Studiums sind Advertising Design, Editorial Design, Fotografie, Interaktives Design (Webdesign), Typografie, Typedesign und zeitbezogene Medien. Doch obwohl der Studiengang so viele Themen behandelt, ist man in jeder Branche gleichwertig einsetzbar, was dieses Studium auch so attraktiv für junge, medieninteressierte Menschen macht. Denn wenn man in mehreren Branchen einsetzbar ist, kann man, wenn beispielsweise der Arbeitsmarkt der Fotografie momentan sehr schlecht ist, auch einen Beruf als Art Director annehmen. Der Abschluss ist an öffentlichen Universitäten ein Bacholor of Arts (BA) mit der Fachrichtung Kommunikationsdesign oder an privaten Hochschulen ein entsprechender Abschluss, der zumeist auch staatlich anerkannt wird. Presse-, Werbe- oder Bildagenturen, Zeitschriften- oder Buchverlage und Fotografen sind nur einige der Arbeitgeber, für die man nach einem Studium des Kommunikationsdesigns arbeiten kann. 33

5 Wenn man sich allerdings nur mit Fotografie beschäftigen will, gibt es auch einen Studiengang der Fotografie mit einem BA- Abschluss der Fachrichtung Fotografie. Voraussetzung zur Aufnahme ins Studium ist ein Fachhochschul- oder Hochschulabschluss wie es bei jedem Studium der Fall ist und bei vielen Hochschulen eine mehrmonatige praktische Tätigkeit als Fotograf oder fotografischer Assistent. Inhalte dieses Studienganges sind mediale Dialekte, mediale Strategien, integrative Gestaltung und Technik. An manchen Universitäten nennt sich der Studiengang auch Fotografische Gestaltung. Es gibt die Möglichkeit nach dem Bachelor auch noch einen Master zu machen, der dann an die Regelstudienzeit von 6 Semestern angehängt wird. Nachdem man die Ausbildung oder das Studium abgeschlossen hat, wird man nicht einfach nur Fotograf, sondern kann sich noch weiter spezialisieren auf Themengebiete wie Modefotografie (z.b für den OTTO Katalog), Naturfotografie (z.b. für die GEO), Produktfotografie (z.b. für IKEA), Industrie- oder Architekturfotografie (z.b. für die Stadtplanung Berlin), um nur einige Genres zu nennen mit entsprechenden Arbeitgebern zu nennen. Man ist als Fotograf allerdings selten festangestellt, sondern selbstständig und arbeitet für verschiedene Arbeitgeber, die seiner Spezialisierung entsprechen. Zum Beruf des Fotografen gehört nicht nur das Shooting, sondern auch die digitale Weiterverarbeitung des Bildes am Computer. Zu persönlichen Voraussetzungen zählt man hauptsächlich Kreativität, Ausdauer, Teamfähigkeit und das gewisse Quäntchen Glück um den Durchbruch zu schaffen. Johanna Jahnke 34

6 No Filter! Ein kleiner Einblick in die Foto-Ausstellung des ästhetischen Profils 35

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