Wie wir 2020 segeln: Alternative Segelkonzepte Schweizer Boatsharing Sailbox funktioniert bestens

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1 segelkonzepte- schweizer- boatsharing- sailbox- funktioniert- bestens/ Wie wir 2020 segeln: Alternative Segelkonzepte Schweizer Boatsharing Sailbox funktioniert bestens Derzeit werden 13 Yachten des speziell entwickelten Einheitstyps mocean auf Schweizer Seen zum Sharing angeboten. Interview mit dem Mitgründer Olivier Lüthold von Michael Kunst Im Rahmen der Beobachtungen von Megatrends durch die Zukunftsforscherin Anne- Marie Dahl hier auf SR ergab ein Blick in die Kristallkugel, dass in Zukunft Segeln wohl unter folgenden Prämissen stattfinden wird (Auszug): Mieten, teilen, per Internet buchen etc. Zugang zu spontanem Segeln, keine festen Zeitpläne oder große Investitionen. Es ist einfach, den Sport anzufangen und es ist auch einfach, damit aufzuhören. Die Aktivitäten werden hauptsächlich außerhalb von traditionellen Segelvereinen organisiert. Viel wird in Internet- basierten Clubs oder auf Facebook- Seiten passieren. Man zahlt für die Aktivitäten, die man tatsächlich mitmacht, und nichts anderes. Bei unseren Recherchen zum Thema sind wir auf das Schweizer Boatsharing- Konzept sailbox.ch gestoßen, das mit o.g. (und einigen weiteren) Vorgaben und Aspekten bereits seit fünf Jahren in der Schweizer Segelszene aktiv ist. Im Gespräch erklärt Sailbox- Mitgründer Olivier Lüthold die Vor- und Nachteile des zukunftsträchtigen Boatsharing- Konzeptes und seine Umsetzung in die Praxis. - /- SEGELREPORTER.com Seite 1 von 5

2 Abb: Gemeinsam segeln und nur für die tatsächlich gesegelten Stunden bezahlen SEGELREPORTER: Olivier, wie kommt es, dass ausgerechnet Schweizer Segler bereits eine Segelform der Zukunft mit sailbox.ch zelebrieren? Und das schon seit fünf Jahren? Olivier Lüthold: Wir beschäftigen uns in der Schweiz schon seit Längerem mit Zukunftsfragen rund ums Segeln. Mitgliederschwund in den Vereinen, aber auch akuter Liegeplatzmangel veranlassten uns, über völlig neue Konzepte nachzudenken. Wir haben jedes Jahr Tausende von Segelschein- Absolventen die aber ihr neues Hobby nicht ausüben können. Und die Segelclubs verlieren den sorgfälltig aufgebauten Segel- Nachwuchs im Alter ab 20 Jahren Segeln ist schlicht zu teuer und zu kompliziert zu einem Zeitpunkt, an dem man sich von zu Hause abnabeln will. Abb: In der Gruppe oder im kleineren Kreis es rechnet sich Sailbox SR: Also liegt miteinander teilen relativ nah OL: Das Sharing oder Collaboration Usage boomt. Nutzen statt Besitzen ist in der Schweiz für Autos und Velos Realität. Dass dies beim Segeln noch nicht richtig funktionierte, hat viel mit Kommunikation und einer geeigneten Yacht zu tun. SR: Aber in gewissem Sinne klappt doch eine Form des Sharings im Segelsport bereits ganz gut, nämlich das Chartern. OL: Stimmt, an der Küste oder für eine Woche ist Chartern eine gute Sache. Wir denken jedoch in erster Linie an Segler, die zwischendurch, etwa in der Mittagspause, am Feierabend oder am Wochenende aufs Wasser wollen. Die persönliche Über- und Rückgabe wie beim klassischen Chartern dauert zu lange und ist zu teuer. SEGELREPORTER.com Seite 2 von 5

3 Die Alternative ist Selfservice. Ein Nutzer reserviert selber, übernimmt selber und gibt selbständig die Yacht zurück analog dem Car- Sharing. Ohne Hilfe von außen. Und daran sind wir bei sailbox lange hängen geblieben wir brauchten einen simplen Prozess, eine möglichst einfach zu bedienende Software, Handy- Applikationen etc. und auf der anderen Seite ein System im Hafen, das so simpel ist, dass jeder alleine aus- und einchecken kann. Abb: Unser Gesprächspartner Olivier Lüthold SR: Bleibt aber immer noch der Aspekt Kosten. Es ist nur schwer vorstellbar, dass unterm Strich auf Jahre hinaus betrachtet eine Segelstunde im Sharing- System preiswerter wird als eine Segelstunde auf meiner Yacht, die ich schon seit Jahren besitze und auch noch weiter segeln will. OL: Teilen ist um vieles günstiger. Die Vollkosten einer eigenen Yacht, ehrlich umgerechnet pro effektiv verbrachter Zeit auf dem Wasser, wird mitunter exorbitant teuer. Bei Sailbox werden aber nur tatsächliche Segelstunden bezahlt. Wir verrechnen 40 CHF pro Stunde bzw. 200 CHF pro Tag (rund 160 Euro). Teilt man sich diese Kosten mit 3 Mitseglern wird Segeln günstiger als Skifahren. Und beim Sharen fallen nur variable Kosten an geht man in einer Saison weniger oder gar nicht segeln, fallen keine Kosten an. SR: Aber das Schiff gehört mir nun mal nicht. Beim Segeln kommt es doch auf das Verhältnis zum Schiff an: Ich weiss genau, wie es wann reagiert, ich kenne seine Vor- und Nachteile. Wenn ich jedes Mal auf einem anderen Schiff segle, muss ich mich jedes Mal auf völlig neue Begebenheiten einstellen. OL: Richtig. Deshalb bieten wir ja auch ausschliesslich Yachten des selben Typs an, eben eine Einheitsklasse. So müssen unsere Mitglieder nur ein Mal in die Besonderheiten der Yacht eingewiesen werden, sie finden beim Segeln dann immer die exakt gleiche Hardware vor. SR: Was aber wiederum sehr hohe Anforderungen an den Bootstyp stellt. Denn um den Geschmack einer sehr breiten Zielgruppe zu treffen, müssen doch X Kompromisse eingegangen werden. OL: Ja, das ist so. Aus diesem Grund haben wir uns ja auch dazu entschlossen, einen eigenen, speziell dafür geeigneten Schiffstyp in Auftrag zu geben, die mocean. Wir haben bei unseren Kundengruppen Umfragen gemacht um zu erfahren, welche Eigenschaften das Idealboot haben müsste. Ergebnis: sportlich zu segeln bereits bei wenig Wind und dennoch mit hoher Stabilität, hoher Sicherheit und einfach zu bedienen, möglichst mit Trapez, mit Gennaker sowie Spinnaker, jedoch ohne Kajüte. Von unserer Seite kam noch Haltbarkeit, E- SEGELREPORTER.com Seite 3 von 5

4 Motor, integrierter Schaumstoff- Rammschutz im Bug und die Anforderung hinzu, dass man das Boot in acht Minuten segelfertig machen und in acht Minuten wieder verräumen kann. Eine weitere Besonderheit liegt in einem speziellen Schweizer Problem begründet: die maximale Breite der Liegeplätze ist hier oft auf 2,20 m beschränkt, der Tiefgang sollte nicht mehr als 1,60 m betragen und das Schiff sollte für 8 Personen zugelassen sein, damit es auch für Ausbildung und Events sinnvoll einzusetzen ist. Vor allem muss das Schiff jedoch robust sein und Spass machen, weil es ja von Seglern mit sehr unter- schiedlichem Leistungsniveau gesegelt wird. Gesegelt wird bei Wind und Wetter; es gibt spezielle Gennaker- Kurse, die dazu berechtigen, den Lappen zu fahren SR: In dieser Kombi gibt es wohl wirklich nur sehr, sehr wenig auf dem Markt OL: Deshalb wollten wir wirklich schon fast aufgeben. Doch dann kam Sebastian Schmidt, ein bekannter Schweizer Bootskonstrukteur, auf uns zu und zeichnete uns die mocean. Wir ließen einen Prototyp bauen und damit hat dann Segeln in jeder Hinsicht richtig Spaß gemacht. Mittlerweile wird das Schiff als Einheitsklasse am Bodensee in Deutschland gebaut. 21 mocean s sind übrigens derzeit schon im Wasser, acht bei Clubs und Segelschulen, 13 fürs Sharing, vier weitere stehen fast fertig in der Werft SR: Hört sich nach Erfolg an doch wie klappt denn nun das Sharing, Eure eigentliche Kernaufgabe? OL: Wir haben uns zu Beginn natürlich viele Sorgen darüber gemacht, in welchem Zustand wohl die Yachten wieder zurückgegeben würden. Doch das hat sich als unbegründet erwiesen. Unsere Mitglieder gehen mit Schiff und System in der Regel sehr behutsam um. Bisher haben wir nur einen einzigen Fall von Schwarzsegeln in unserem System erlebt und nur wenige Defekte, die nicht gemeldet wurden. Im Prinzip basiert bei uns alles auf Transparenz. Jeder, der einen Schaden etwa am Gennaker verursacht, muss diesen melden und dafür finanziell gerade stehen. Meldet man sich nicht und der Nachfolger stellt einen Schaden fest, verrechnen wir vereinbarungsgemäß eine Strafgebühr. Aber das hat es fast noch nie gegeben. SR: Wie ist denn die Akzeptanz des Sharing- Prinzips im Schweizer Segelsport? SEGELREPORTER.com Seite 4 von 5

5 OL: Sehr gut. Und mit wachsendem Angebot zunehmend besser. Der Schweizer Segelverband Swiss Sailing ist an Sailbox beteiligt und will auf diese Weise vielen den Zugang aufs Wasser ermöglichen. Unsere Mitglieder geben uns rundum positives Feedback. Die Yachten bewähren sich obwohl sie bis zu 360 mal pro Jahr ausgesegelt werden! Vor allem die Aufteilung unserer Yachten auf unterschiedliche Seen wird sehr gut bewertet unsere Mitglieder können so auf einem ihnen vertrauten Bootstypus auf unterschiedlichen Gewässern segeln, ohne Transport, Ein- und Auswassern. Das spart Zeit, Geld und Nerven! Etwas weniger begeistert sind verständlicherweise Bootsklassen etwa gleicher Größe, die in uns eine Art Konkurrenz sehen. SR: Wieviele Mitglieder habt ihr denn in der Sharing- Struktur? OL: Ende Juli 2013 wurden es gerade 470 Mitglieder, die übrigens alle ohne jegliche Werbemaßnahmen auf uns aufmerksam wurden. Auf 2014 müssen wir zusätzliche mocean s bereitstellen. Es soll ja schließlich jeder segeln können, wann er es möchte das Verhältnis Anzahl Mitglieder/Yachten muss stimmen. Speziell in Zürich haben wir einen Nachfrage- Überhang. SR: Ab wie vielen Mitgliedern lohnt sich das Ganze dann wirtschaftlich? OL: Es kommt nicht auf die schiere Anzahl Mitglieder an, sondern auf die Relation Mitglieder/Yachten. Vom idealen Verhältnis sind wir noch etwas entfernt, aber nur unwesentlich. Für dieses Jahr ist ein break even geplant, der jedoch nicht zu ernst genommen werden darf, da in unserer fünf Personen starken Mitarbeiter- Struktur alle auch teils erhebliche unentgeltliche Arbeitszeit absolvieren. Unterm Strich kann man aber das Sharing- Konzept jetzt schon als gelungen bezeichnen, selbst wenn wir noch weit von unserem Ziel 60 Sailbox- Yachten auf Schweizer Seen entfernt sind. SR: Merci fürs Gespräch, Olivier, und toi, toi, toi für die nächsten Jahre! à Segeln in der Krise: Zukunftsforscherin Anne- Marie Dahl analysiert die Probleme in- der- krise- zukunftsforscherin- anne- marie- dahl- analysiert- die- probleme/ à Anne- Marie Dahl s Blick in die Zukunft kann in ein Szenario übersetzt werden: Wie wird Segeln im Jahre 2020 aussehen? in- der- krise- geraten- segelvereine- noch- mehr- unter- druck/ SEGELREPORTER.com Seite 5 von 5

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