Betriebliche und tarifliche Wege für einen flexiblen Übergang in Rente. Claus-Harald Güster Stellv. Vorsitzender der Gewerkschaft NGG

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1 Betriebliche und tarifliche Wege für einen flexiblen Übergang in Rente Claus-Harald Güster Stellv. Vorsitzender der Gewerkschaft NGG

2 Vor 30 Jahren: Politische und tarifpolitische Initiative für einen Generationenvertrag und Vorruhestand Günter Döding auf dem Gewerkschaftstag 1982: 1978 bis 1989 Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Es ist doch vernünftiger, einem älteren Menschen ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu ermöglichen, als einem jungen Menschen die Arbeitslosenunterstützung zu zahlen. Wir sind es den Arbeitslosen schuldig, dass sich die Sache jetzt endlich auch bewegt. Deshalb erwarten wir von Bundestag und Bundeskabinett, dass endlich ein Rahmengesetz auf die gesetzgeberische Schiene gebracht und endlich beschlossen wird. GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 2

3 Rentenpolitik mit der Abrissbirne Ab dem Jahr 2000 wurden Vorruhestands- und Frühverrentungsregelungen immer weiter zusammengestrichen. - Das Altersteilzeitgesetz besteht zwar weiter, aber die Förderung der Bundesagentur ist entfallen - Wegfall der Rente nach Arbeitslosigkeit ab dem 60igsten Lebensjahr - Wegfall der Rente nach Altersteilzeit ab dem 62igsten Lebensjahr - Abschaffung der Altersrente für Frauen ab dem 60igsten Lebensjahr 2001 wurden die Zugangsvoraussetzungen für die Erwerbsminderungsrente deutlich verschlechtert. Eine Erwerbsminderung liegt nur noch dann vor, wenn das Restarbeitsvermögen weniger als sechs Stunden täglich beträgt. Die Geburtsjahrgänge vor 1947 können noch abschlagsfrei mit 65 in Rente gehen. Für die Jahrgänge von 1947 bis 1963 wird das Renteneintrittsalter schrittweise angehoben und für die Jahrgänge ab 1964 gilt erstmalig das Renteneintrittsalter 67. GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 3

4 Nur gemeinsam geht s: Gründe für einen neuen Generationenvertrag Döding 1982: Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern müssen nachts oder in Schicht arbeiten, mit schweren Lasten oder in Nässe, Kälte, Hitze oder Zugluft und über 6 Millionen Arbeitnehmer unter Lärm arbeiten. Auch Stress sei längst nicht mehr das Privileg besserer Kreise. Güster 2012: Unsere Kolleginnen und Kollegen sind tagtäglich mit den Folgen belastender Arbeitsbedingungen, körperlichen Verschleiß, Arbeitsverdichtung und Stress konfrontiert. Die Sechs- oder Siebentage-Woche und die Rund-um-die- Uhr-Verfügbarkeit wird immer mehr zum Regelfall. GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 4

5 Ein Großteil der Beschäftigten glaubt nicht, dass sie das gesetzliche Renteneintrittsalter gesund erreichen! Quelle: Ergebnisse der Repräsentativumfrage 2011 der DGB-Index Gute Arbeit GmbH zum Thema»Arbeitshetze - Arbeitsintensivierung - Entgrenzung GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 5

6 2010: 21,3 % aller Neurentenanträge entfielen auf Rentner wegen verminderter Erwerbsunfähigkeit GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 6

7 Krankmachende Arbeitsbedingungen kosten auch Geld Laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sind psychische Erkrankungen heute für elf Prozent der Arbeitsunfähigkeitskosten verantwortlich, 1980 waren es noch 2 Prozent. Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen ist in Deutschland von 33 Millionen im Jahr 2001 auf über 53 Millionen im Jahr 2010 drastisch angestiegen. Mit einem Anteil von über 38 Prozent sind solche Beschwerden die häufigste Ursache für Frühverrentungen. Die direkten Kosten psychischer Störungen (verlorene Erwerbsjahre durch Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und Mortalität) betrugen ,9 Mrd. Euro und die indirekten Kosten (Gesetzl. Krankenversicherung/Krankengeld und Rentenversicherung) 19,3 Mrd. Euro. Die arbeitsbedingten Anteil an diesen Beträgen beziffern sich auf 3 Mrd. Euro (direkte Kosten) bzw. 3,3 Mrd. Euro indirekte Kosten. GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 7

8 Im Durchschnitt ist ein Erwerbsminderungsrentner 50 Jahre alt und bezog Euro Rente GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 8

9 Perspektive Zukunft: alt, arm und krank? Schon heute klappt ein nahtloser Übergang vom Job in den Ruhestand nur für jeden Dritten, der mit 65 neu in Rente geht. Zwei von drei dieser Neurentner waren dagegen vor dem regulären Rentenbeginn nicht mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Viele waren vorher arbeitslos und mussten schon vorzeitig das Handtuch werfen: Fast jeder Fünfte, der heute in Rente geht, musste sein Arbeitsleben aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig beenden. Das Risiko Altersarmut steigt insbesondere für unsere Kolleginnen enorm an. Wer vorzeitig in Rente geht, muss Rentenabschläge hinnehmen. Denn für jeden Monat, in dem die Rente vor Erreichen der regulären Altersgrenze in Anspruch genommen wird, werden die Renten um 0,3 Prozent gekürzt. Schon heute muss mehr als die Hälfte der neuen Ruheständler solche Abschläge hinnehmen. Und sie gelten ein Leben lang. Rente mit 67: Die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters hat zur Folge: Noch mehr Ältere werden künftig die Rente weit vor dem Erreichen der regulären Altersgrenze beantragen müssen. Noch mehr werden deshalb auch - mit noch höheren Abschlägen im Alter rechnen müssen. Für immer mehr unserer Kolleginnen und Kollegen droht deshalb das Risiko Altersarmut GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 9

10 Höchste Zeit in den Betrieben umzusteuern Den Kreislauf Arbeiten bis zum Umfallen wer nicht mehr kann, hat Pech gehabt - müssen wir endlich durchbrechen! Gleichzeitig müssen Wege gefunden werden, um schon belastete ältere Beschäftigte weiterzubeschäftigen. Die Arbeitsbedingungen müssen so verändert werden, dass unsere Kolleginnen und Kollegen gesund und arbeitsfähig vom Berufsleben in die gesicherte Rente gehen können. oder sie ohne Härten in Form hoher Rentenabschläge vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden zu lassen. GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 10

11 Faire Arbeit. Gutes Leben. Gesund in Rente! Handlungsfelder einer NGG-Strategie Themenfeld alter(n)sgerechte Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen Verkürzung der Arbeitszeit für besonders belastete Arbeitnehmer -gruppen (u.a. Schichtarbeiter) in Form von Schichtfreizeiten, Rehabilitationszeiten, Tag-Schichtregelungen Kurzpausenregelungen Unternehmen müssen gemeinsam mit den Beschäftigten Laufbahnen für ein ganzes Berufsleben einführen. GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 11

12 Faire Arbeit. Gutes Leben. Gesund in Rente! Themenfeld Zeitsouveränität im Alter Flexibler Ausstieg Mehr Zeitsouveränität im Alter: wir setzen auf ein Konzept flexibler Ausstiegs- und Übergangsregelungen: Wir fordern eine gesetzliche Regelung eines armutsfesten, gesetzlichen Teilzeit- und Teilrentenanspruchs für Ältere ab dem 60igsten Lebensjahr flankiert durch tarifliche Regelungen. Themenfeld armutsfeste Ausstiegslösungen für gesundheitlich beeinträchtigte Arbeitnehmer/Innen Erleichterter Rentenzugang für Erwerbsgeminderte und Streichung der Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente. Themenfeld gesetzlicher Rentenanspruch für langjährig Versicherte Abschlagsfreier Rentenzugang für langjährig Versicherte ( ab vollendetem 60. Lebensjahr nach 40 Versicherungsjahren). GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 12

13 Vielen Dank! Claus Harald Güster Stellv. NGG Vorsitzender Tel GEWERKSCHAFT NAHRUNG-GENUSS-GASTSTÄTTEN 13

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