Wie viel Ordnung muss sein?

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1 Kostenloses Unterrichtsmaterial für die Grundschule und die Sekundarstufe I Diese Arbeitsblätter sind ein kostenloser Service für die Schulklassen 3 6 und erscheinen einmal im Monat. Sie beleuchten ein Thema aus dem aktuellen ZEIT LEO-Magazin, ergänzt durch passende Arbeitsanregungen zur praktischen Umsetzung im Unterricht. Das Magazin für Kinder Thema im Januar 2015: Wie viel Ordnung muss sein? Ein großer Legostein-Haufen, eine gemütliche Höhle aus Decken, und überall auf dem Boden liegen Bastelsachen, Kleidungsstücke und Kuscheltiere: Viele Kinder fühlen sich in ihren unordentlichen Zimmern wohl. Aber von ihren Eltern werden sie ständig aufgefordert, aufzuräumen. Warum Ordnung wichtig ist und warum ein bisschen Chaos trotzdem ab und an gut tut darum geht es in diesen Arbeitsblättern. Die Schüler erfahren, was andere Kinder vom Aufräumen halten, und verfassen anschließend selbst einen Text dazu. In Kleingruppen überlegen sie, welche Vorteile die Ordnung hat und warum ein bisschen Durcheinander wichtig sein kann. Zudem setzen sie sich damit auseinander, wie viele Dinge sie besitzen, wie viele sie davon wirklich brauchen und was sie mit den restlichen Sachen machen können. Inhalt: Ordnung muss (nicht) sein! Warum Erwachsene Aufräum-Fans sind, jeder aber auch mal Durcheinander braucht Mein Chaos und ich Kinder erzählen, was sie vom Aufräumen halten. Dazu verfassen die Schüler einen Text Aufräumen ist wichtig, Unordnung aber auch dazu füllen Mädchen und Jungen eine Tabelle aus Raten, zählen, ausmisten die Kinder schauen, wie viele Dinge sie besitzen, welche davon sie tatsächlich brauchen und sammeln Ideen, was sie mit dem Rest machen können Internetseiten zum Thema In Zusammenarbeit mit scook die Plattform für Lehrer und ihre Schüler

2 2 ORDNUNG MUSS SEIN!»Räum endlich auf!«ist wohl einer der Lieblingssätze von Eltern. ZEIT LEO erklärt, warum ihnen Ordnung so wichtig ist und wie Du Dein Chaos verteidigen kannst »Heute entrümpeln wir!«wenn ich als Kind diesen Satz hörte, wusste ich, dass ein aufregender Tag bevorstand. Entrümpeln hieß, dass meine Mutter gemeinsam mit mir mein Zimmer mal so richtig auf den Kopf stellen würde. Wir räumten nicht einfach auf, stellten Spielzeug ins Regal, legten Klamotten in den Kleiderschrank und saugten den Boden. Nein: Wir sortierten Hosen und Pullis aus, die zu klein geworden waren. Spielzeug, mit dem ich nichts mehr anfangen konnte, kam in Kisten für den Flohmarkt. Kaputte Stifte landeten im Müll, Bastelsachen bekamen neue Aufbewahrungsboxen. Sogar die Regale meines Kaufmannsladens waren abends sortiert! Und jede Ecke hatten wir entstaubt, geputzt, gewienert. An Entrümpelungstagen fand ich Aufräumen großartig, denn wenn alles geschafft war, hatte ich das Gefühl, in einem ganz neuen Zimmer zu wohnen. Ich saß an meinem freien (!) Schreibtisch, nahm Filzmaler aus dem Stiftebecher, holte Spielfiguren aus einem Korb im Regal. Alles war schrecklich schön geordnet und erfüllte mich mit so einer Ehrfurcht, dass ich jedes Teil fein säuberlich zurücklegte. An diesem Abend. Denn schon am nächsten Tag schlich sich das Chaos langsam wieder an: Zuerst lagen nur einige Legosteine in der Ecke, dann waren die Kleider auf dem Stuhl zu einem kleinen Berg aufgetürmt, und gegen Ende der Woche hingen Decken im Raum, mit denen ich mir zwischen Schrank und Bett eine Höhle gebaut hatte. An solchen Höhlen-Tagen fand ich, dass Aufräumen vor allem eins war: lästig. Und Eltern, die einen dazu ermahnten, konnten einem mächtig auf die Nerven gehen. Warum man ständig Ordnung halten soll, leuchtete mir als Kind nicht ein. Wieso all die Spielsachen wegräumen, wenn man sie doch eh wieder hervorholt? Da ist es doch viel praktischer, sie einfach liegen zu lassen! Und wenn man zwischendurch Hausaufgaben machen will, findet sich dafür schon eine Ecke. Vermutlich kann kaum ein Kind seine Eltern mit solchen Argumenten überzeugen, mir jedenfalls gelang es nicht. Ordnung ist gut, Chaos ist schlecht das scheinen viele Erwachsene zu denken. Besonders jetzt, wenn ein neues Jahr beginnt, überfällt viele der Drang, auszumisten. Irgendwie

3 scheint Ordnung auf sie beruhigend zu wirken. Ist Aufräumeritis womöglich eine Krankheit, die man bekommt, wenn man erwachsen wird? Ordnung ist etwas, das von Menschen geschaffen wird das erkennen schon Kleinkinder, wie Wissenschaftler bei Tests herausfanden. Aber selbst zu ordnen, müssen Kinder tatsächlich erst lernen. Aufräumen und sortieren ist nämlich nichts, was der Mensch bereits immer getan hat. Eine Steinzeitfrau hatte schon deshalb keinen Grund, aufzuräumen, weil sie gar nicht so viel Krempel besaß. Und in ihrer Höhle gab es auch keine Schränke mit Schubladen, in denen sie abgenagte Knochen stapeln konnte. Heute dagegen besitzen die meisten Menschen in Deutschland Tausende Dinge. Dass wir mehr Besitz anhäuften, ist ein Grund, warum der Mensch zum Aufräumer wurde. Die Ordnung ist aber noch in einem anderen Zusammenhang wichtig: Je mehr Wissen die Menschen erlangten, je mehr sie von der Welt erforschten und entdeckten, desto stärker ordneten sie. Sie sortierten Tiere und Pflanzen in Gruppen, reihten die chemischen Elemente in einer Tabelle auf und zeichneten Land- und Sternenkarten. So versuchten sie, die große Welt für sich begreifbar zu machen. Das gilt auch heute noch: Wenn wir ordnen, weisen wir den Dingen einen Platz zu. So können wir sie wiederfinden und uns zurechtfinden. Wir machen die Welt beherrschbar. Einer ängstlichen Person ist es deshalb oft besonders wichtig, Ordnung zu halten. Das sagen zumindest Wissenschaftler, die sich mit dem Verhalten von Menschen befassen. Die Ordnung gibt uns ein Gefühl von Sicherheit. Und sie ist natürlich auch praktisch: Die Bücher gehören ins Regal, die Pullis in den Schrank, die Loom-Gummis in die Box. Das erleichtert das Leben ungemein, weil man nämlich immer weiß, wo die Dinge sind. Man muss nicht ständig suchen. Wer gar nicht aufräumt, sitzt irgendwann im Chaos: Man kann den zweiten Schuh nicht finden und muss im Winter mit Sandalen in den Schnee. Man zertrampelt aus Versehen das Lieblings-Modellflugzeug, weil man es auf dem Fußboden nicht mehr gesehen hat. In der Schule will niemand neben einem sitzen, weil gewaschene und dreckige Wäsche wild durcheinanderfliegen und man müffelt. Okay, diese Beispiele sind etwas übertrieben. Dennoch hat die Ordnung eine gewisse Macht. Wissenschaftler haben mit Experimenten gezeigt, dass ein ordentliches Zimmer unser Verhalten beeinflusst. Sie ließen verschiedene Personen die gleichen Aufgaben lösen, die einen waren dabei in einem blitzeblanken Raum, die anderen in einem unaufgeräumten. Für die Aufgaben gab es später eine Belohnung: einen Apfel oder eine Süßigkeit. Und tatsächlich, diejenigen, die im ordentlichen Zimmer saßen, nahmen das gesunde Obst.

4 Ist ein bisschen Chaos aber nicht auch mal ganz gut zum Beispiel, weil man darin so schön Höhlen bauen kann? Kann Unordnung hilfreich sein? Auch dazu machten die Forscher einen Versuch. Diesmal sollten die Testpersonen überlegen, wozu man Tischtennisbälle gebrauchen könnte. Und siehe da: In dem unaufgeräumten Zimmer entstanden die besseren Ideen. Manchmal ist es also richtig gut, nicht immer alles pingelig zu sortieren. Das kannst Du Deinen Eltern sagen, wenn sie Dich zum hundertsten Mal ermahnen, endlich aufzuräumen. Und zuweilen kann es sogar wichtig sein, eine ganz neue Ordnung zu finden. Dafür muss man die alte dann eben erst einmal richtig durcheinanderbringen. Als Kind liebte ich es, die Möbel in meinem Zimmer zu verrücken. Meistens scheiterte ich irgendwann, weil ich den Schrank allein nicht weit genug bewegen konnte und das Bett verkeilt zwischen Schreibtisch und Schrank mitten im Raum festsaß. Die Möbel, in denen meine Sachen ihren Platz hatten, hatten selbst keinen Platz mehr. Aber ich wies ihnen einen anderen zu. Und, wie ich jedes Mal fand, einen viel besseren. Ordnen und Aufräumen kann ziemlich praktisch sein. Aber eine andere Ordnung schaffen, mal richtig entrümpeln, das ist noch besser: Denn dabei entsteht Platz für ganz viel Neues. Text: Katrin Hörnlein, ZEIT LEO 1/2015, S

5 5 Mein Chaos und ich»mein Zimmer aufräumen, nur damit es schöner aussieht? Das ist doch Quatsch und dauert viel zu lange. Auf meinem Schreibtisch wächst manchmal ein ganzer Berg aus Büchern, Bastelsachen und Süßigkeiten. Wenn ich da doch mal sortiere, find ich hinterher oft nichts wieder.«luzi, 9 Jahre»Unordnung finde ich total gemütlich! Ich liege gerne auf dem Boden und lese. Es beruhigt mich, wenn ich meine Klamotten und meine Kuscheltiere dann ganz nah bei mir habe. Höchstens sechsmal im Jahr räume ich richtig auf. Oft schiebe ich meine Sachen auch einfach nur unter die Schränke.«Julia, 10 Jahre»Mir macht es Spaß, alle meine Spielsachen rauszuholen und ein richtiges Chaos in meinem Zimmer zu veranstalten, wie bei einer Kissenschlacht. Dann sehe ich auf einen Blick, was ich alles hab!«georg, 8 Jahre Protokolle: Kathrin Breer, ZEIT LEO 1/2015, S. 10, 13 und 14 Luzi, Georg und Julia haben erzählt, was sie über Chaos und Ordnung in ihren Zimmern denken. Nun bist Du an der Reihe: Was hältst Du vom Aufräumen? Liebst Du Dein Durcheinander, oder hast Du es lieber, wenn Dein Zimmer ordentlich ist? Wie oft räumst Du auf? Kennst Du Tricks, wie ein Zimmer ganz schnell ordentlich wird? Verfasse dazu einen Text.

6 6 Aufräumen ist wichtig, Unordnung aber auch Viele Erwachsene stehen auf Ordnung und mögen kein Durcheinander (siehe Seite 2, Zeile 25). Dabei ist ein bisschen Unordnung gar nicht so schlecht. Wissenschaftler konnten mit Experimenten zeigen, dass Menschen in einem unaufgeräumten Zimmer bessere Ideen haben (siehe Seite 4, Zeile 62 bis 64). Andererseits ist es schon praktisch, wenn man mit Sicherheit weiß, wo Dinge ihren Platz haben, und man nicht ständig nach ihnen suchen muss (siehe Seite 3, Zeile 42 bis 49). Setzt Euch in Kleingruppen zusammen. Lest den Text auf Seite 2 bis 4 noch einmal und markiert dort alles, was ihr zu den Vor- und Nachteilen von Ordnung und Chaos finden könnt. Tragt die Ergebnisse zusammen. Habt Ihr noch andere Einfälle? Überlegt zum Beispiel, was passieren würde, wenn es in der Klasse keine Ordnung geben würde. Notiert Eure Ideen in der Tabelle. Aufräumen ist wichtig, weil... Unordnung ist wichtig, weil...

7 7 Raten, zählen, ausmisten wie viel Du besitzt und was Du davon brauchst Bin ich, was ich hab? Bücher, Kleidung und ein Auto, Geschirr, Möbel und Computer: Ein Erwachsener in Europa besitzt geschätzte Dinge. Eine irre Zahl! Was macht man nur mit all dem Kram? Wie viele Sachen einem Kind in Deutschland gehören, hat noch niemand nachgezählt. Deshalb bist Du jetzt dran: Wie groß ist Dein Besitz? Rate erst einmal! Trag die Zahl hier ein: Ich rate, dass ich etwa Dinge besitze. Und dann fang an, nachzurechnen. Wahrscheinlich wirst Du die exakte Zahl Deiner Sachen nicht auf den letzten Lego-Stein genau ermitteln können. Aber Schätzen und Runden ist erlaubt: Zähl zum Beispiel die Bücher in einer Regalreihe, und nimm sie dann mit der Zahl der Reihen mal. Dasselbe kannst Du mit den Dingen in einer Schublade oder den Klamotten in einem Schrankfach tun. Wetten, dass Du viel mehr besitzt, als Du gedacht hast? Ich habe nachgerechnet, geschätzt und gerundet: Ich besitze etwa Dinge. Text: Inge Kutter/Katrin Hörnlein, ZEIT LEO 1/2015, S. 12 Vergleiche die beiden Zahlen mit denen Deiner Mitschüler. Was stellt Ihr dabei fest?

8 8 Ist weniger mehr? Wer weniger hat, muss weniger aufräumen. Manche Menschen verzichten ganz bewusst darauf, zu viel anzusammeln. Es gibt Leute, die machen einen Wettbewerb daraus, mit möglichst wenig Dingen auszukommen. Eine Amerikanerin hat eine Anleitung geschrieben, welche 100 Dinge man wirklich braucht. Ein Mann aus den USA hat sogar alles verkauft, was er hatte, und trägt nun nur noch ein paar Klamotten und sein Handy in einem Rucksack bei sich. Du musst nicht sofort Dein ganzes Zimmer ausräumen. Aber Du kannst ausprobieren, ein Wochenende lang nur mit zehn Sachen zu spielen. Welche sollen das sein? Womit hast Du am längsten Spaß? Vielleicht vermisst Du den Rest nach einer Weile. Vielleicht stellst Du aber auch fest, dass Du gar nicht so viel brauchst. Text: Inge Kutter/Katrin Hörnlein, ZEIT LEO 1/2015, S. 15 Notiere hier, mit welchen zehn Sachen Du am nächsten Wochenende spielen möchtest: 1)... 2)... 3)... 4)... 5)... 6)... 7)... 8)... 9)... 10)... Wenn das Wochenende vorbei ist, schreib auf, mit welchen der zehn Dinge Du gespielt hast: Gab es auch Spielzeug, das Du nicht gebraucht hast? Tausche Dich darüber mit Deinem Sitznachbarn aus.

9 9 Vielleicht habt Ihr auf Seite 7 festgestellt, dass jedes Kind unterschiedlich viele Sachen besitzt, und selbst gemerkt, dass Ihr nicht alle Dinge tatsächlich braucht. Überlegt Euch, was Ihr mit dem Kram machen könnt, den Ihr (fast) gar nicht mehr nutzt. Wegwerfen gilt nicht! Diskutiert Eure Ideen in der Klasse. Vielleicht gibt es auch Aktionen, die Ihr gemeinsam mit der Klasse umsetzen könnt. Was Ihr mit den Sachen sonst noch machen könnt, erfahrt Ihr hier. Wohin mit dem Rest? Oft häufen sich viele Sachen an, die man gar nicht mehr mag oder benutzt. Sie rutschen in den Schubladen immer weiter nach hinten, bis man sie schon total vergessen hat. Bei solchen Dingen kannst Du überlegen: Willst Du sie wirklich noch behalten? Oder gibt es Menschen, die mehr Spaß damit haben könnten als Du? Wenn Du die Sachen auf dem Flohmarkt verkaufst, kannst Du so Dein Taschengeld aufbessern. Oder Du veranstaltest eine Tauschparty, bei der Deine Freunde ebenfalls Dinge mitbringen, die sie selbst nicht mehr brauchen. Dann bekommt jeder von Euch etwas Neues. Du kannst Deine Sachen aber auch spenden: Vielleicht hast Du ja Lust, mit dem, was Du nicht mehr brauchst, anderen eine Freude zu machen. Text: Inge Kutter/Katrin Hörnlein, ZEIT LEO 1/2015, S. 16

10 Internetseiten zum Thema: Ordnung Das Magazin für Kinder: ZEIT LEO Unordnung sorgt für Streit in Familien Erste Hilfe: Aufräumen! Schluss mit dem Chaos Kinderzimmerordnung Der kleine Rabe Socke Alles aufgeräumt Sachspenden Themen in der aktuellen Ausgabe: Wie viel Ordnung muss sein? Warum wollen Eltern immer aufräumen? Ebola: Wie Wissenschaftler die Seuche bekämpfen wollen Wie geht es Flüchtlingen bei uns in Deutschland? Nester-Quiz: Welches Tier wohnt in welchem Bau? Bestellen Sie ZEIT LEO im Klassensatz mit 49 % Rabatt unter: IMPRESSUM Projektleitung: Wiebke Prigge, Zeitverlag G. Bucerius GmbH & Co. KG, Projektassistenz: Miriam Bernhard, Zeitverlag G. Bucerius GmbH & Co. KG, didaktisches Konzept und Arbeitsaufträge: Frauke König, fraukekoenig.de, Grafik: Maria Pham, annodare Agentur für Marketing und visuelle Kommunikation, annodare.de

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