Condast White Paper. Prozessautomatisierung. Stand: 1.0, 03/2008. Prozessautomatisierung White Paper Stand: 1.0, 03/2008

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1 Condast White Paper Prozessautomatisierung Prozessautomatisierung White Paper

2 Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung des Herausgebers ist es nicht gestattet, dieses Dokument oder Teile daraus in irgendeiner Form durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren zu vervielfältigen oder zu verbreiten. Dasselbe gilt für das Recht der öffentlichen Wiedergabe. Der Herausgeber macht darauf aufmerksam, dass die genannten Firmen- und Markenzeichen sowie Produktbezeichnungen in der Regel marken-, patent-, oder warenzeichenrechtlichem Schutz unterliegen. Warennamen werden ohne Gewährleistung der freien Verwendbarkeit benutzt. Der Herausgeber übernimmt keine Gewähr für die Funktionsfähigkeit angegebener Internet-Links. Autor: Norman Braß Copyright 2008 Condast GmbH Joseph-von-Fraunhofer-Str. 20 D Dortmund Tel.: +49 (231) Prozessautomatisierung White Paper

3 Prozessautomatisierung: Prozess-Engines und Modellierungswerkzeuge im Vergleich Die Prozessautomatisierung ist ein häufig genannter Begriff, bei dem ein wichtiges Kriterium die Ablaufbeschreibung eines Prozesses in einer Umsetzungssprache ist. Eine solche Sprache ist die Business Process Execution Language (BPEL). Dieser Artikel stellt sowohl drei Prozess-Engines zur Ausführung von BPEL-Code als auch drei Tools zur grafischen Prozess- Modellierung und automatischer BPEL-Code Generierung vor. ActiveBPEL 4.1 & ActiveBPEL Designer 4.1 Sowohl die Engine als auch das Modellierungswerkzeug sind eine Entwicklung der in den Vereinigten Staaten beheimateten Firma Active Endpoints. Während der Designer zur Modellierung der Prozesse frei verfügbar ist, existieren für die Prozess-Engine verschiedene Lizenzmodelle. In der Open-Source Version wird die Engine in einem Servlet-Container ausgeführt. Dabei empfiehlt Active Endpoints die Verwendung eines Apache Tomcat Web-Servers. Über eine kommerzielle Lizenz kann die Engine neben Apache Tomcat auch auf den aktuellen Applikations-Servern von JBoss, IBM WebSphere und BEA WebLogic betrieben werden. Standardmäßig verwendet ActiveBPEL keine Datenbank zur persistenten Haltung von Prozesszuständen und Ereignissen. Allerdings befindet sich in der ausführlichen Dokumentation eine Anleitung zur Einrichtung und Anbindung einer MySQL, SQLServer, DB2 oder Oracle Datenbank. Ein Clustering der Engine zur Performance-Optimierung und verbesserten Ausfallsicherheit ist wie die Verwendung von Human Tasks anhand der BPEL4People Spezifikation [1] nur in der kommerziellen Version möglich. Ebenso wird die Versionierung von Prozessen nur in den kostenpflichtigen Engines unterstützt. Alle Versionen unterstützen jedoch die Anzeigemöglichkeit des Prozess-Status mit Hilfe des integrierten Event- Logging, das über die Administrations-Oberfläche der Engine aufgerufen wird (siehe Abbildung 1). Dort kann sowohl für abgeschlossene als auch für noch laufende Prozesse das Prozessdiagramm mit dem bereits durchlaufenden Weg und den aktuellen Variablen-Werten angezeigt werden. Abbildung 1: Die übersichtlich gestaltete Administrations-Oberfläche der freien ActiveBPEL Engine Der ActiveBPEL Designer ermöglicht die grafische Modellierung von Prozessen (siehe Abbildung 2) und generiert den zugehörigen BPEL-Code im Hintergrund. Die modellierten Prozesse können im Designer über einen Debug- Modus getestet und anschließend direkt sowohl auf lokale als auch auf entfernte ActiveBPEL Engines deployed werden. Abbildung 2: Die Modellierungs-Perspektive des ActiveBPEL Designers mit den einzelnen Eigenschafts- Fenstern. Ein Nachteil des Designers ist allerdings die fehlende Möglichkeit WSDL und XSD Dateien direkt im Designer zu erzeugen. Außerdem kann der erzeugte BPEL-Code zwar innerhalb des Designers angezeigt jedoch nicht direkt bearbeitet werden. Active Endpoints hat diesbezüglich schon angekündigt, dass in der neuen Version Prozessautomatisierung White Paper 3

4 5.0 entsprechende Funktionen zur Behebung dieser Nachteile vorhanden sein werden. Alternativ zur Modellierung mit dem ActiveBPEL Designer kann auch das unter Apache ODE beschriebene Eclipse BPEL PlugIn verwendet werden, wobei neben dem PlugIn noch ein Server-PlugIn existiert, durch das die Prozesse direkt auf eine ActiveBPEL Engine deployed werden können. Apache ODE & Eclipse BPEL PlugIn Die Apache ODE (Orchestration Director Engine) Prozess-Engine ist seit Mitte Juli 2007 ein Top Level Projekt der Apache Software Foundation und steht unter der Apache Lizenz 2.0. Installiert werden kann die Engine entweder als Axis2 Web Service innerhalb eines Servlet- Containers oder als JBI Service innerhalb eines JBI-Containers, wie z. B. Apache ServiceMix [2]. Dabei erfolgt der Aufruf der Prozesse für die Web Service Version über SOAP/HTTP und für die JBI Service Version über den Normalized Message Router (NMR). ODE installiert in beiden Versionen eine eingebettete Apache Derby Datenbank, in der allgemeine Informationen zur Verwaltung der Prozesse und Ereignisse persistent gespeichert werden. Aufgrund der in ODE verwendeten Data Access Object (DAO) Interfaces, durch die die Persistenzschicht gekapselt wird, können sowohl andere relationale Datenbanken als auch alternative Persistenzmechanismen zum Logging verwendet werden. Wegen fehlender transaktionaler Transportmechanismen und transaktionaler Datenspeicherung unterstützt ODE derzeit kein Clustering. Nach Aussage der Apache Foundation wird aber aktuell an der Integration dieser Mechanismen gearbeitet und dadurch ein Clustering in zukünftigen Versionen ermöglicht. Weiterhin werden Human Tasks nicht direkt durch ODE unterstützt. Abhilfe schafft jedoch das Intalio Projekt Tempo [3], dass auf Grundlage der BPEL4People Spezifikation eine Laufzeitumgebung für Human Tasks in Verbindung mit ODE bereitstellt. Ein Vorteil der ODE Engine ist die Funktionalität der Prozess-Versionierung. Dadurch wird abgesichert, dass durch das Deployen einer neuen Prozess-Version keine aktiven Prozessinstanzen in vorherigen Versionen des Prozesses verworfen werden und alle neuen Prozessinstanzen in der aktuellsten Version erzeugt werden. In der Default-Konfiguration ODEs werden alle Ereignisse der installierten Prozesse in der Derby Datenbank geloggt. Es besteht jedoch die Möglichkeit aus Performance-Gründen, das Logging auf bestimmte Ereignisse einzuschränken. Zusätzlich können eigene Event-Listener über das BPEL-EventListener Interface implementiert werden, um dadurch ein eigenes Monitoring der Prozesse zu realisieren. Die Dokumentation dieser Engine erläutert anhand einiger Beispiele das Vorgehen um einen schnellen Einstieg zu bekommen, allerdings sind die Dokumentationen zu den anderen beiden Engines dieses Artikels wesentlich umfangreicher und helfen dadurch in den meisten Fällen auch bei komplexeren Problemen weiter. Neben der Dokumentation enthält die ODE-Website Informationen zu noch nicht umgesetzten Funktionen des BPEL 2.0 Standards und zusätzlichen Erweiterungen. Abbildung 3: ODE liefert keine GUI zur Konfiguration der Engine oder Verwaltung der Prozesse, bietet jedoch eine umfangreiche Management API um auf Informationen zugreifen zu können. Die installierten Services können über die Axis Verwaltungs- Oberfläche eingesehen werden. Abbildung 4: Das Eclipse BPEL PlugIn ähnelt grafisch stark dem BPEL Designer des WebSphere Integration Developer. Prozessautomatisierung White Paper 4

5 Um BPEL-Prozesse für diese Laufzeitumgebung zu entwickeln kann das noch in der Entwicklung befindliche Eclipse BPEL PlugIn verwendet werden. Ein Vorteil gegenüber dem ActiveBPEL Designer ist vor allem der grafische WSDL- und XSD-Editor, der eine Generierung dieser Dateien vereinfacht. Allerdings gibt es beim Import bestehender Projekte teilweise das Problem, dass nach einer Bearbeitung und Speicherung der importierten Prozesse die betroffenen Dateien leer sind. Außerdem interpretiert das PlugIn teilweise den importierten BPEL-Code nicht richtig, so dass entweder kein Diagramm oder nicht vorhandene Fehler im Code angezeigt werden. Da sich das PlugIn noch in der Version befindet bleibt zu hoffen, dass solche Fehler in zukünftigen Versionen nicht mehr auftreten. Ein weiteres PlugIn, das zusätzlich zum BPEL PlugIn noch ein Server PlugIn für die ODE Engine enthält ist das Lomboz BPEL PlugIn [4], durch das die Prozesse direkt über die Eclipse Server-Ansicht deployed werden können. des Prozess-Aufrufs getroffen wird. Auch bei dieser Art der Versionierung werden keine aktiven Prozessinstanzen beim Deployen einer neuen Prozess-Version gelöscht, sondern in der jeweils aktuellen Prozess-Version in der diese gestartet sind bis zur Beendigung ausgeführt. Das Ereignis-Logging erfolgt über die Common Event Infrastructure innerhalb des WPS und ist dort standardmäßig aktiviert. Die Einstellungen welche Ereignisse geloggt werden sollen erfolgt über den WID. Dort können für jeden Prozess und jedes Prozesselement die zu loggenden Ereignisse konfiguriert werden. Zusätzlich beinhaltet der WPS eine BPC Observer genannte Web- Anwendung zur Auswertung der Ereignisse sowohl in Diagramm- als auch in Berichtsform. Durch eine weitere Web-Anwendung, den Common Base Event Browser, besteht außerdem die Möglichkeit einer detaillierteren Anzeige und Filterung aller geloggten Ereignisse. IBM WebSphere Process Server 6.1 & IBM WebSphere Integration Developer 6.1 Sowohl der WebSphere Process Server (WPS) als auch der WebSphere Integration Developer (WID) sind Produkte der IBM und die Lizenzen nur kommerziell erhältlich. Der WPS basiert auf dem ebenfalls von der IBM entwickelten WebSphere Application Server in der clusterfähigen Network Deployment Version. Bei einer Standard-Installation richtet der Process Server mehrere Derby Datenbanken ein, um die Prozess- Verwaltung und das Ereignis-Logging persistent zu speichern. Für einen Produktiv-Einsatz des WPS empfiehlt die IBM jedoch die Anbindung eines DB2 Datenbanksystems. Dank des clusterfähigen Applikations-Servers auf den der WPS aufsetzt kann auch der WPS selbst auf mehrere Maschinen für eine perfomantere Ausführung verteilt werden. Weiterhin ist im Funktionsumfang des WPS die Verwendung von Human Tasks enthalten. Diese können durch die integrierte Business Process Choreographer Explorer (BPCE) Web-Anwendung direkt getestet werden. Ein produktiver Einsatz des BPCE ist jedoch nicht empfehlenswert, da die Anwendung nicht sehr übersichtlich und anwenderfreundlich ist. Die Versionierung von Prozessen fällt umfangreicher gegenüber den anderen beiden Engines aus. So unterstützt der WPS ein frühes und spätes Binding, bei denen die Entscheidung welche Prozess-Version aufgerufen wird entweder schon bei der Modellierung oder erst während Abbildung 5: Die Integration Solution Console des WebSphere Process Server bietet neben einer Fülle an Konfigurationsmöglichkeiten auch integrierte Web-Anwendungen zum Abrufen von Prozess- Ereignissen an. Die Konfigurationsmöglichkeiten des WPS sind im Vergleich zu den beiden anderen Engines wesentlich umfangreicher, woraus wohl auch die lange Startzeit des Servers resultiert. So lassen sich über die Integration Solution Console eine Vielzahl weiterer Ressourcen, wie Datenbanken und Messaging-Systeme anbinden. Auch die Dokumentation über das IBM Information Center bietet einen guten Einstieg und sollte beim Auftreten von Problemen als erstes konsultiert werden. Prozessautomatisierung White Paper 5

6 ODE Engine innerhalb Apache ServiceMix und falls benötigt der Intalio Tempo Laufzeitumgebung für Human Tasks. Allerdings ist der Einarbeitungs- und Konfigurationsaufwand höher als bei den anderen beiden Lösungsansätzen. Links und Literatur Abbildung 6: Im WebSphere Integration Developer sind neben den umfangreichen Designfunktionen für BPEL-Prozesse noch zusätzliche Funktionen zur Assemblierung kompletter Geschäftslösungen integriert. Der auf Eclipse basierende WID kann neben der grafischen BPEL Modellierung auch zur kompletten Entwicklung von umfangreichen Geschäftslösungen verwendet werden. Dabei erfolgt die Verknüpfung der einzelnen Applikationsbausteine, die auch direkt im WID implementiert werden können, über das grafische Assemblierungsdiagramm. Trotz der optischen Übereinstimmung des Editors des Eclipse BPEL PlugIn mit dem Prozesseditor des WID ist der des WID deutlich stabiler und bietet zusätzliche Konfigurationsmöglichkeiten, wie z. B. für das bereits erwähnte Ereignis-Logging. Weiterhin bietet die im WID enthaltene Developervariante des WPS die Möglichkeit zum Debuggen der Prozesse und der im WID implementierten Komponenten. Das Deployen der Prozesse erfolgt ebenfalls über den WID und ermöglicht die Anbindung sowohl lokaler als auch entfernter WPS. [1] BPEL4People: documents/documents/1/bpel4people-v1.pdf [2] Apache ServiceMix: home.html [3] Intalio Tempo: display/tempo/home [4] Lomboz: Fazit Um die ersten einfachen Prozesse zu automatisieren und mit der Verwendung und Technologie vertraut zu werden reichen die vorgestellten Open-Source Engines völlig aus. Für größere Projekte und im Bereich des produktiven Einsatzes von Prozess-Engines sind die kommerziellen Versionen der ActiveBPEL Engine und der WebSphere Process Server wegen der umfangreicheren Funktionen und der besseren Ausfallsicherheit durch Clustering zu empfehlen. Eine Open-Source Alternative in diesem Bereich wäre der Einsatz einer Kombination der Apache Prozessautomatisierung White Paper 6

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