1. Quartalsbericht. Ecuador Nicholas Haak

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1 1. Quartalsbericht Ecuador Nicholas Haak Als ich mit den ca. 40 anderen deutschen Austauschschülern in Quito ankam, wurde mir bewusst, dass es nur noch ein halbstündiger Flug war, bis ich in Guayaquil landen würde und dort meine Gastfamilie treffen und mein Gastland zum ersten Mal sehen würde. Ich konnte nicht glauben, dass ich auf der anderen Seite der Welt stand, bis ich den Empfang der Gastfamilien sah. Wir kamen in eine Halle, die von gefühlten tausenden Ecuadorianern gefüllt war, welche allesamt laut waren, um sich bemerkbar zu machen und einem den ersten kleinen Kulturschock gaben. Meine Familie fand mich recht schnell und hat mich mit breitem Lächeln, Umarmungen und natürlich landestypischen Küssen auf die Wange empfangen. Nachdem so einige Fotos gemacht wurden, fuhren wir mit dem Auto zu der Studentenwohnung meines Gastbruders in Guayaquil, wo ich auch die Nacht verbrachte. Meine Gastfamilie war stets begeistert, mir ihr Land zu zeigen. Schon am ersten Tag nach der Ankunft gingen wir in Guayaquil in den parque historico, der die einzigartige Natur, exotischen Tiere sowie die Architektur Ecuadors zur Geltung brachte und ein großartiger Ausflug war. (Meine Gasttante, Gastmutter und Gastvater, durchschnittlich große Ecuadorianer)

2 Ebenfalls habe ich hier schnell das Essen kennengelernt, was grundsätzlich immer Reis und irgendein Bananenprodukt beinhaltet. Auch wenn mir das Essen am Anfang sehr anders vorkam und es mir schwer fiel, mich daran zu gewöhnen habe ich das ecuadorianische Essen zu lieben gelernt und meine Gasteltern verstehen nicht, warum ich jetzt immer viel mehr esse als am Anfang. Inzwischen habe ich gemerkt, dass unendlich viele Fotos zu machen ein Teil der Kultur ist und, falls eines eventuell nicht gut sein könnte, werden direkt fünf weitere gemacht. Am nächsten Tag sind wir dann zu meiner Stadt Machala gefahren. Die Fahrt dahin war drei Stunden lang, ging aber sehr schnell vorbei, da meine Gasteltern mir im Vorbeifahren von der vielfältigen Landschaft erzählt haben und ich mich mit meinen mäßigen Spanischkenntnissen mehr oder weniger gut am Gespräch beteiligen konnte. Bei der Fahrt bemerkte ich dann auch die großen sozialen Unterschiede Ecuadors. Wir fuhren mit einem schönen weißen Geländewagen mit Klimaanlage auf einer Landstraße und nebenan sieht man endlos die kleinen selbstgebauten Baracken aus Holz und Pappe der Armen vorbeiziehen.

3 Machala ist in Ecuador bekanntlich die Bananenhauptstadt und im Umkreis von etwa zwei Fahrstunden mit dem Auto besteht die Landschaft fast ausschließlich aus Bananenplantagen. Obwohl die Natur deswegen in der Gegend recht einseitig ist, habe ich schnell ihre Vielfalt in anderen Gebieten kennengelernt. An einem Wochenende sind wir sechs Stunden nach Loja, einer Stadt in den Bergen, gefahren und in einem Ferienhaus von Freunden geblieben. Die Landschaft hier ist sehr unterschiedlich von der Küste und wunderschön. Ich habe viel mit meinem Gastbruder gemacht, der 21 Jahre alt ist und in Guayaquil studiert und hatte viel Spaß. Egal wo man hinfährt, es wird endlos auf einen gestarrt und gedeutet, wenn man Ausländer ist. Sobald ich jedoch anfing mit Leuten zu reden, waren alle sehr freundlich.

4 Eine der schönsten Sachen, die ich bis jetzt gemacht habe, war mit meinem Gastvater fischen zu gehen. Er hat sich neulich ein Boot gekauft und wir sind aufs offene Meer gefahren, haben Angeln mitgenommen und den ganzen Tag in der Sonne gefischt. Ich habe währenddessen nicht nur fischen gelernt sondern auch die wunderschöne Natur am Meer gesehen und erfolgreich an der Bräune gearbeitet. Die Rotary Reisen waren unglaublich und ich war beide Male sehr traurig, als wir abgereist sind. Beim Sprachcamp in Salinas kamen wir bei wunderschönem Wetter in einem luxuriösen Hotel und Resort an und dachten, wir seien im Paradies. Es hat eine Menge Spaß gemacht, am Strand gab es immer was zu tun und abends haben wir versucht, ecuadorianisch tanzen zu lernen. Vor allem die Ecuadorianer hatten viel Spaß daran, mit den ausländischen Mädchen zu tanzen. Es ist unbeschreiblich, eine Woche mit so vielen Austauschschülern zusammen zu sein, weil man mit ihnen so viel gemeinsam hat. In Salinas haben wir alle viele neue Freunde gefunden und ebenso unser Spanisch verbessert. Bei unserem zweiten Rotary-Ausflug nach Manabi haben wir eine echtere Seite Ecuadors kennengelernt, nicht das 5-Sterne Hotel-Resort von Salinas am makellosen Strand, sondern die wirkliche Küste gesehen und viele Städte innerhalb Manabi besichtigt. Ich glaube wir 120 Austauschschüler haben das Hotel vollständig belegt. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich da mit so vielen Menschen meines Alters aus der ganzen Welt zusammen war und wie schön die Zeit da war, dann bin ich sehr dankbar dafür, dass es für mich möglich ist so etwas zu machen.

5 Ich kam hier an einem Samstag an und bin direkt am folgenden Mittwoch zur Schule gegangen. Ich war am Anfang leicht nervös, weil ich von jedem in der Schule angestarrt wurde und dann vor der Klasse etwas über mich erzählen musste. Das war dann aber kein Problem und ich wurde von allen extrem freundlich aufgenommen. Hier kamen sehr viele andere Schüler einfach zu mir hin, um mich zu begrüßen oder um mit mir zu reden, was in Deutschland so nicht passieren würde. Da ich mich schon etwas auf Spanisch unterhalten konnte, ging es dann schnell, Freunde zu finden und sie haben mich direkt in ihre Fußballmannschaft berufen. Leider bin ich in einem zu jüngeren Jahrgang, dem primero bachillerato, wo alle ein Jahr jünger sind als ich, da es im älteren Jahrgang keinen Platz mehr gibt. In der Schule machen wir Austauschschüler in den Pausen auch mehr mit den älteren aus dem segundo oder dem tercero bachillerato. In der Freizeit treffe ich mich sehr oft mit den anderen Austauschschülern oder auch Ecuadorianern und gehe mit meinen Gasteltern oder Freunden aus meiner Klasse zum Sport. Man merkt jeden Tag wie viel hier anders ist, jedoch denkt man über einige Sachen dann nicht mehr nach. Wenn man hier als blonder, blauäugiger Junge spazieren geht, nähern sich einem immer wieder Menschen bis auf zehn Zentimeter an das Gesicht und starren einem einfach in die Augen. Letztens hat mich ein Mädchen aus der Klasse gefragt, ob ich mir die Haare blond färbe, was auch völlig ernst gemeint war. Ich finde es unglaublich, wie schnell ich mein Spanisch verbessere. Ich kann inzwischen richtige Unterhaltungen führen, nur habe ich noch leider einen starken deutschen Akzent. An einem Tag haben wir in der Schule ein Iguana gesehen, das einfach so herumlief. Obwohl es auf dem Foto klein aussieht, war es ein ziemlich großes Tier. Ich freue mich schon unglaublich auf die Rotary Reise zum Amazonas Dschungel. Alles was ich darüber gehört habe, war positiv und ich kann es kaum erwarten. Auf der anderen Seite schockiert es mich zu merken, wie schnell die Zeit hier vorübergeht. Schließlich möchte ich Rotary Club Hahnentor und dem Distrikt 1810 herzlich dafür danken, dass mir dieses unglaubliche Jahr ermöglicht wurde. Ecuador und die Menschen hier sind mir bereits sehr ans Herz gewachsen. Mit freundlichen Grüßen aus Ecuador, Nicholas Haak RC Köln Hahnentor/ Machala

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