Vom Diplom- zum Bachelor- oder Masterabschluß. Das Studium der Gebäudetechnik/Gebäudeklimatik an der Hochschule Biberach

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1 Vom Diplom- zum Bachelor- oder Masterabschluß Das Studium der Gebäudetechnik/Gebäudeklimatik an der Hochschule Biberach Gebäude sollen neben Behaglichkeit und Komfort für den Bewohner ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und damit Ressourcenschonung bieten. Die klassischen stark spezialisierten Studienangebote für Architekten und Ingenieure beziehen diese Gedanken der Nachhaltigkeit meist nur auf einzelne Gewerke. Dem Zusammenspiel der unterschiedlichen Gewerke im Hochbau wird oft gar keine, meist aber viel zu wenig Beachtung geschenkt. Vor diesem Hintergrund startete im Oktober 1998 der Studiengang Gebäudetechnik/Gebäudeklimatik an der Fachhochschule Biberach. Der in der Fakultät Architketur und Gebäudeklimatik angesiedelte Studiengang schließt die Lücken zwischen den klassischen Studiengängen Versorgungstechnik, Elektro- und Automationstechnik sowie Bauphysik und Architektur. Im Diplomstudiengang Gebäudetechnik/Gebäudeklimatik werden die Studierenden in oben genannten Bereichen geschult, wobei sich der Blickwinkel immer über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes, von der Planung bis zur Modernisierung bzw. dem Abriss, erstreckt. Hieraus leitet sich auch ein Motto des Studiengangs, das Nachhaltige Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden ab. Das Studium orientiert sich an den Inhalten der Berufs- und Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) sowie des Verbandes der Beratenden Ingenieure (VBI) und geht in seinem ganzheitlichen Ansatz zum Teil auch darüber hinaus. Das Berufsbild erfordert fachlich fundiert und interdisziplinär ausgebildete Ingenieure, die ein hohes Maß an wirtschaftlichem, technischem und ökologischem Verantwortungsbewusstsein besitzen und zur Teamarbeit fähig sind. Der Bolognaprozess, die europaweite Einführung der international anerkannten Studienabschlüsse Bachelor und Master, bringt einiges an Veränderungen. Die Fachhochschulen mutieren zu Hochschulen und bekommen die Aufgabe, sich stärker in der Forschung zu engagieren. Mit dem Wintersemester 2005/2006 wird der bisherige Diplom-Studiengang (FH) Gebäudetechnik/Gebäudeklimatik vom Bachelor-Studiengang Gebäudetechnik abgelöst, wobei Lernziele und Qualifikationen dem bisherigen Diplom-Studiengang (FH) entsprechen. Absolventen des Bachelors sowie des Diplomstudienganges und verwandter Studiengänge anderer Hochschulen steht bei entsprechender Eignung der zum Sommersemester 2006 startende Masterstudiengang Gebäudeklimatik offen. Seite 1 von 6

2 Bei der Umstellung des Studiensystems vom Diplom auf Bachelor/Master wurde großer Wert darauf gelegt, nicht einfach das alte System in die neue Struktur zu pressen. Vielmehr hat man sich große Mühe gegeben, auf geänderte Randbedingungen in Gesellschaft und Berufswelt einzugehen. Wichtig war hierbei, Bewährtes beizubehalten, innovative Aspekte aufzunehmen und im Gegenzug Überkommenes abzubauen, ganz nach dem Motto Weniger ist Mehr. Semester bisher DIPLOM Einstufiges Studium zukünftig BACHELOR/MASTER Zweistufiges Studium Master Studium 2. Berufsqualifizierter Abschluss 1. Berufsqualifizierter Abschluss 6 5 Praxissemster Praxissemster Bachelor Studium Abb. 1: Wechsel vom Diplom- (FH) zum Bachelor-/Masterabschluß Die Regelstudienzeit des Bachelor-Studiums einschließlich der abschließenden Bachelor-Arbeit beträgt sieben Semester. Das Studium ist modular aufgebaut und lässt sich in Analogie zum Entstehungsprozess eines Baumes in fünf Phasen unterteilt: Säen In der heutigen Zeit, in der auf der einen Seite der Einsatz und die Anwendung von Technologien immer größere Bedeutung erlangt, auf der anderen Seite das technische Verständnis und der Wille sowie die Fähigkeit, sich mit Technik vertiefend auseinanderzusetzen, ständig abnimmt, muss zunächst mal Interesse gesät und Faszination genährt werden, damit anschließend aus kräftigen Keimen Pflanzen wachsen können. Diese Phase des Interesse Weckens, die im ersten Semester vornan gestellt wird darüber hinaus die Grundlagenausbildung begleitet, erachten wir für sehr wichtig, damit die Studenten die Ziele und damit auch die Motivation nicht aus den Augen verlieren. Seite 2 von 6

3 Verwurzeln Der zweite Abschnitt, das Verwurzeln (1. und 2. Semester), ist der mathematischnaturwissenschaftlichen Grundausbildung gewidmet. In unserer schnelllebigen Zeit, in der jeder vom Lebenslangen-Lernen spricht, ist es wichtig, nicht nur Fakten zu wissen, sondern die Zusammenhänge zu verstehen. Nur so ist der Einzelne in der Lage, bei sich ändernden Randbedingungen neue logische Schlüsse zu ziehen. Vor diesen Hintergrund sehen wir in Biberach eine fundierte Grundlagenausbildung für unabdingbar. Wesentlich erscheint uns aber die zeitnahe Anwendung der Grundlagen. So werden im Bachelor-Studium auch nur die hierfür notwendigen Grundlagen unterrichtet. Das notwendige Grundlagenrüstzeug für ein Masterstudium wird erst dort vermittelt. Wachsen Der dritte Abschnitt das Wachsen (3. und 4. Semester), beinhaltet die Einführung der berufspraktischen Fachgebiete. Entfalten Das Praxissemester (5. Semester) dient der Entfaltung der erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten im Berufsalltag des Ingenieurs. Reifen In den beiden letzten Semestern (6. und 7. Semester) reifen die Bachelor-Studenten in Projektarbeiten und Vertiefungsfächern und erlangen Berufsfähigkeit. Unter der Berufsfähigkeit wird hier die Fähigkeit zur Umsetzung mehr oder weniger vorgegebener Konzepte, zur Durchführung von Standard -Planungen nach HOAI sowie zu deren fachlich fundierter Umsetzung nach dem Stand der Technik verstanden. Das Master-Studium Gebäudeklimatik setzt ein entsprechendes Bachelor- oder Diplomstudium voraus, und baut als zweiter berufsqualifizierender Abschluss auf diesem auf. Die Absolventen werden verstärkt im konzeptionellen Bereich sowie im Forschungs- und Entwicklungsbereich tätig sein. Daher wird beim Master-Studium mit drei Semestern Regelstudienzeit ein starker Fokus auf die wissenschaftlich-methodische Herangehensweise beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden gelegt. Hierzu werden im ersten Semester die mathematisch-naturwissenschaftlichen und wirtschaftwissenschaftlichen Grundlagen gelegt. Darüber hinaus wählen die Studierenden im Rahmen eines Wissenschaftlichen Seminars ihren Projektschwerpunkt aus. Im zweiten und dritten Semester vertiefen sich die Studierenden zunehmend in ihre Projektarbeiten und besuchen nur noch wenige Spezial-Vorlesungen oder Seminare, die auf ihr Projekt abzustimmen sind. Seite 3 von 6

4 Die Struktur der vorgelagerten Grundlagenvermittlung ermöglicht den Quereinstieg in die Gebäudeklimatik auch aus anderen ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen. Bestehende Wissenslücken können die Studierenden selbständig durch den Besuch der entsprechenden Vorlesungen aus dem Bachelor Programm schließen. Aufgrund der großen Bedeutung der Gebäudeklimatik, auch international gesehen,werden die Vorlesungen je nach Bedarf in deutscher oder englischer Sprache unterrichtet. Auch die Projektarbeiten können in beiden Sprachen betreut werden. Damit ist das Studienangebot international geöffnet. Das Masterstudium wird auch berufsbegleitend möglich sein, da sich der Vorlesungsbetrieb auf zwei Wochentage oder Blockveranstaltungen konzentrieren wird, womit auch dem Weiterbildungsaspekt Rechnung getragen wird. Die praxisnahe Lehre ist schon immer ein Kennzeichen der Ausbildung an den Fachhochschulen. Projektarbeit, zum Beispiel in Form von Planspielen, stellt einen möglichen Weg dar. An der Hochschule Biberach gehen wir aber einen Schritt weiter. Mit der Gründung des Institutes für Gebäude- und Energiesysteme (IGES) ist eine Symbiose von Forschung und Lehre gelungen. Die primäre Aufgabe des interdisziplinär arbeitenden Institutes besteht in der praktischen wissenschaftlichen Ausbildung der Studenten an realen Projekten. Die Aufgabestellungen erstrecken sich von konzeptionellen Fragen über Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten. Dies lässt die Hochschule mit Industrie, Wirtschaft und Kommunen näher kooperieren. Abb. 2: Kooperation des Instituts für Gebäude und Energiesysteme Seite 4 von 6

5 Speziell kleineren und mittleren Unternehmen bieten wir mit dem Institut für Gebäude- und Energiesysteme die Möglichkeit, die Weiterqualifikation eigener Mitarbeiter mit der professionellen Entwicklung eigener Produkte zu verknüpfen. Die Hochschule erschließt sich hiermit neue Einnahmequellen, ohne die eine qualitativ hochwertige Ausbildung immer schwieriger wird. Darüber hinaus geben wir den Master-Studenten, die ja bereits einen berufsqualifizierenden Ingenieur-Abschluss besitzen, die Möglichkeit, sich im Rahmen der Projektbearbeitung ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eine weitere Aufgabe des Institutes liegt in der Abwicklung von Bauprojekten im Bereich der Entwicklungshilfe. Bereits im Herbst 2003 sind wir von Bildungsministerin Dr. Annette Schavan für ein solches Projekt mit dem Sonderpreis der Theo-Prax Stiftung ausgezeichnet worden. Die Planung und den Bau eines Sozialzentrums in Moldawien wertete die Jury als besonders hervorragende Arbeit, bei der Theorie und Praxis in Kooperation mit der Wirtschaft zusammengeführt wurden. Wir wollen uns aber nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern vielmehr allen Generationen von Studierenden die Möglichkeit geben, Erfahrungen an realen Planungs- und Umsetzungsprozessen im Bauwesen schon während des Studiums zu sammeln. Seit Anfang 2004 bearbeiten wir zwei Bauprojekte in Telawie, der georgischen Partnerstadt Biberachs. Abb. 3: Studenten und Professoren vor der wiederaufzubauenden Musikschule in Telawie Seite 5 von 6

6 Die beiden Projekte ( Wiederaufbau der abgebrannten Musikschule und Solare Wassererwärmung im Waisenhaus Telawie ) werden, wie seinerzeit der Bau des Sozialzentrums in Moldawien, großteils durch Spenden aus Industrie und Wirtschaft sowie von Stiftungen finanziert, die unser soziales Engagement und die praktische Studentenausbildung unterstützen wollen. Wenn auch Sie unsere Arbeit unterstützen wollen oder mit uns kooperieren möchten, bitte ich Sie, mit mir Kontakt aufzunehmen. Zum Autor Prof. Dr. Alexander Floß Hochschule Biberach Karlstraße Biberach Prof. Dr.-Ing. Alexander Floß (Jahrg. 1966) studierte Maschinenbau an der TU München und promovierte dort 1994 auf dem Gebiet der Kältetechnik machte er sich mit einem Planungsbüro für TGA selbständig folgte er einem Ruf an die Hochschule Biberach, wo er im Studiengang Gebäudetechnik/Gebäudeklimatik die Bereiche Energiesysteme und Anlagenplanung betreut und das Institut für Gebäude- und Energiesysteme leitet. Seite 6 von 6

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