DHCP-Server unter Linux

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1 DHCP-Server unter Linux Dieser Artikel beschreibt die Einrichtung eines DHCP - Server (vom Internet Software Consortium) unter Linux, und die Einrichtung von Windows Clients. Ein paar TCP/IP-, Linux-Grundkenntnisse seien vorausgesetzt. Was ist DHCP und was kann es? DHCP ist das Dynamic Host Configuration Protocol. Es ist mit BOOTP rückwärts kompatibel und in RFC 2131 [1] definiert. Mit Hilfe von DHCP erfolgt die Netzwerkeinstellung eines Rechners (des DHCP-Clients) automatisch beim Start. Diese Einstellung bezieht sich nicht nur auf die IP-Adresse, sondern auch auf den DNS-Server, den Gateway, die Netzwerkmaske, die Domäne, die NetBEUI-Einstellung und so weiter. Meistens wird DHCP benutzt um dem Rechner beim Start eine IP-Adresse zuzuordnen, diese kann fest auf den Rechner (besser: die Netzwerkkarte) oder auch dynamisch zugewiesen werden. Alle die keine Standleitung haben und sich ins Internet einwählen kennen die dynamische Adressvergabe; jedes mal bei der Einwahl beim Provider bekommt man eine andere IP-Adresse. Der Provider bedient sich aus einem grossen IP-Adresspool und weist eine im Moment nicht vergebene IP-Adresse zu. In kleinen Netzen macht dynamische IP-Adressenvergabe durch den DHCP-Server aber kaum Sinn, hier ist die Änderung anderer Netzwerkeinstellungen interessanter. Zum Beispiel ändert man den Gateway, so muß als an allen Clients diese Änderung vornehmen, außer man hat DHCP!!!!! Ins diesem Fall ändert man die Gateway-Einstellung im DHCP-Server und veranlasst die Benutzer einen Neustart durchzuführen und schon stimmt wieder alles! Allerdings, solltest eines nicht vergessen werden : Fällt der DHCP-Server aus, kennt keine Workstation ihre Netzwerkkonfiguration!!! Installation von DHCP Am einfachsten ist es natürlich wenn der DHCP-Server in der Distribution enthalten ist. Ist er aber nicht dabei oder soll die aktuelle Version benutzt werden, kann der Quellcode vom ISC-Server [2] runtergeladen werden. Für diesen Artikel wurde die Version 3.0b1pl13 benutzt. Danach die übliche Installation (vorher die README Datei lesen): [bash]$ tar xfvz dhcp-3_0b1pl13_tar.gz [bash]$ cd dhcp-3.0b1pl13/ [bash]$./configure [bash]$ make [root]# make install Infoblatt DHCP-Server unter Linux 1

2 Konfiguration Man könnte sich fragen, wie der Client den Server nach seiner IP-Adresse fragen kann, wenn er (der Client) noch keine (IP-Adresse) hat? Ganz einfach: Der Client macht eine Broadcast-Anfrage auf Port 67, der Server sieht anhand der MAC- Adresse der Netzwerkkarte wer da anfragt und beantwortet die Anfrage ebenfalls mit einem Broadcast, aber auf Port 68. Jede Netzwerkkarte hat eine WELTWEIT einmalige Nummer in der Form 00:10:4a:4b:69:44. Sie kann unter Linux einfach mit: [root]# ifconfig -i eth0 ermittelt werden. Mit [root]# arp -a bekommt man die MAC-Adressen aller Netzwerkkarten die ein Rechner in letzter Zeit angefragt hat. Also, am besten mal kurz alle Rechner im Netz anpingen und schon zeigen sich alle MAC-Adressen. Unter Windows kann wie folgt verfahren werden: Bei Windows9x starte man einfach winipcfg.exe, unter Windows NT / 2000 im DOS-Fenster ipconfig /all eintippen. Dort sieht man dann die MAC-Adresse. Zur Aktivierung des DHCP-Servers sind zunächst einmal zwei Dateien zu erzeugen: [root]# touch /etc/dhcpd.leases [root]# touch /etc/dhcpd.conf Wenn man IP-Adressen dynamisch vergibt, wird in dieser Datei gespeichert seit wann welcher Rechner wie lange welche IP-Adresse hat. Der Server ist nun als DHCP-Server vorbereitet. Es fehlt aber noch das Wichtigste; die Konfigurationsdatei. Für die zentrale Konfigurationsdatei dhcpd.conf folgen hier zwei Beispiele: Dynamische IP-Vergabe Im ersten Beispiel sollen unserer Clients NUR ihre IP-Adresse beim Server abholen und zwar dynamische. Wir haben IP-Adressen von bis , die wir vergeben können. Die Datei /etc/dhcpd.conf sieht dann wie folgt aus: #ISC DHCP-Server Konfiguration Beispiel 1 #/etc/dhcpd.conf # # -> Kommentarzeile #Adressen werden dynamisch vergeben subnet netmask { Infoblatt DHCP-Server unter Linux 2

3 } range ; default-lease-time 86400; max-lease-time ; In den ersten Zeilen stehen nur Kommentare. Dann legt man das Netzwerk fest das benutzt werden soll (subnet netmask ). In der nächsten Zeile stehen die Adressen die der Server vergeben darf (von... bis...) (range ;). Der Server selber darf natürlich NICHT in diesem Bereich liegen!! In der folgenden Zeile steht, daß die Adresse eine Gültigkeit von Sekunden (also 24 Stunden) hat. In dieser Zeit gilt die Adresse, danach holt sich der Client eine neue Adresse (default-lease-time 86400;). Die nächste Zeit bestimmt die maximale Gültigskeitsdauer die ein Client anfordern kann (max-lease-time ; ( 30Tage)). Wie fast immer, sind ; und {} EXTREM wichtig!! Feste IP-Vergabe In diesem Beispiel holen die Clients ihre Netzwerkkonfiguration ab und bekommen eine feste IP-Adresse, diese ist abhängig von ihrer Netzwerkkarte. Wenn man weiß welcher Client welche IP-Adresse hat, ist es wesentlich leichter die Linux-Logdateien zu lesen. Die Datei /etc/dhcpd.conf sieht dann wie folgt aus: #ISC DHCP-Server Konfiguration Beispiel 2 #/etc/dhcpd.conf # # -> Kommentarzeile # Folgende Options gelten für alle Rechner option domain-name "tuxhausen.de"; option domain-name-servers ; option subnet-mask ; option broadcast-address ; option routers ; #Verfallsdauer default-lease-time 86400; max-lease-time ; subnet netmask { # Alle Clients bekommen IP-Adresse nach ihrer MAC-Adresse host werner Infoblatt DHCP-Server unter Linux 3

4 { } hardware ethernet 00:10:5f:58:43:9b; fixed-address ; host roehrig { hardware ethernet 00:10:5f:47:3b:05; fixed-address ; } } Alles was hinter öptionßteht, hat etwas mit der Netzwerkkonfiguration und nichts mit der IP-Adresse zu tun. Zuerst wird der Domain-name festgelegt (option domain-name tuxhausen.de ;), dann den zu benutzenden Domain-Name-Service-Server (option domain-name-servers ;), die Netzwerkmaske ( option subnet-mask ;), die Broadcastadresse (option broadcast-address ;), sowie den Standart-Router (Gateway) (option routers ;), dann noch die Verfallszeiten (default-lease-time 86400; max-lease-time ;). Jetzt bekommen die Clients ihre IP-Adressen: Unser Netzwerk (subnet netmask ), der Client (werner) mit der MAC-Adresse = hardware ethernet 00:10:5f:58:43:9b; bekommt die IP-Adresse = fixed-address ;, und roehrig kriegt Adresse , da seine Netzwerkkarte die Adresse 00:10:5f:47:3b:05 hat. Nochmals: Wie fast immer, sind ; und {} EXTREM wichtig!! Beide Beispiele lassen sich auch miteinander kombinieren! Starten des DHCP-Servers So startet der Server (auf eth0) : [root]# /usr/sbin/dhcpd -cf /etc/dhcpd.conf -lf /etc/dhcpd.leases Die Parameter sagen nur, wo das Configfile (-cf /etc/dhcpd.conf) und das Leasefile (-lf /etc/dhcpd.leases) zu finden ist. Standartmäßig erwartet der Server sie unter /var/state/dhcp/, aber ich finde die Files gehören in das /etc/ Verzeichnis. Dein Server sollte nun etwas wie: Listening on LPF/eth0/00:10:5b:47:69:84/ Sending on LPF/eth0/00:10:5b:47:69:84/ Infoblatt DHCP-Server unter Linux 4

5 gesagt haben. Wenn ja, herzlichen Glückwunsch dein Server läuft!!! Wenn nein, nochmals GENAU die /etc/dhcpd.conf und die Log-Dateien durchsehen. Weitere Startoptionen: -q ohne Startmeldung Nützlich beim Starten über Scripte (beim Systemstart) -d Debugmodus -f Foreground Dient zum besseren Debugen eth1 Ethernet 1 Schnittstelle verwendet eth1 anstelle von eth0 Nun muß man nur noch dafür sorgen, daß der DHCP - Server beim Systemstart auch gestartet wird. Da dies sehr distributionsabhängig ist, sei hier nicht weiter darauf eingegangen. Clients anpassen (Windows9x/NT/Linux) Bei Windows nach der Installation unter :/Einstellungen/Netzwerk/TCP,IP/Eigenschaften die IP-Adresse automatische IP-Vergabe aktiviert werden. Unter Linux sollte in ähnlicher Weise Eigenschaften der Netzwerkverbindungen konfiguriert werden. den DHCP Server Außerdem solten alle Netzwerkeinstellungen, außer dem Namen gelöschtwerden, da diese Informationen vom Dhcp-sever geliefert werden. Ob alles funktioniert kann überprüft werden: Auf dem Server sollte in /var/log/messages ein Eintrag in der Form: DHCPDISCOVER from 00:10:5f:58:43:9b via eth0 DHCPOFFER on to 00:10:5f:58:43:9b via eth0 DHCPREQUEST for from 00:10:5f:58:43:9b via eth0 DHCPACK on to 00:10:5f:58:43:9b via eth0 enthalten sein. Hier der Client mit der MAC-Adresse 00:10:5f:58:43:9b die IP-Adresse (sowie die Netzwerkkonfiguration) erhalten. Wenn alles wie beschrieben geklappt hat läuft der Server und kann für zukünftige Anforderungen erweitert werden. Infoblatt DHCP-Server unter Linux 5

6 Notizen! Infoblatt DHCP-Server unter Linux 6

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