Von Consumer zu Automotive Interview mit Matt Murphy, Senior VP Automotive bei Maxim Integrated

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1 B Februar 2013 Einzelpreis 19,00 1/2013 Das Automotive-Magazin von all-electronics Sicherheit Safety geht nur mit Security. Wir beleuchten auf 18 Seiten ausführlich das Thema Security ab Seite 24 Halbleiter Managed-NAND: Die Lösung für speicherhungrige Automotive- Anwendungen Seite 42 Tools Die virtuelle ECU für Autosar. Validieren und Kalibrieren mit virtuellen Steuergeräten Seite 46 Von Consumer zu Automotive Interview mit Matt Murphy, Senior VP Automotive bei Maxim Integrated Seite 14 Bericht von der CES 2013 Wir haben uns für Sie in Las Vegas nach den Automotive- Trends erkundigt Seite 18

2 Steuergeräte- Kalibrierung Ihre effiziente Allround-Lösung für Messen, Kalibrieren und Diagnose Eine durchgängige Werkzeugunterstützung erleichtert Ihnen das Abstimmen von Steuergeräten. Mit dem Allround-Werkzeug CANape decken Sie dabei mühelos alle Anwendungsfälle ab: ECU ECU Development Distr. Systems Testing Diagnostics Calibration > Erfassen Sie schnell und zuverlässig Messdaten verschiedener Quellen synchron und zeitgenau. Egal ob über CCP, XCP on CAN/FlexRay/Ethernet oder von externer Messtechnik > Verstellen Sie die Parameter Ihrer Steuergeräte-Algorithmen komfortabel online im Steuergerät oder offline im Hex-File > Verwalten Sie umfangreiche Kalibrierdaten einfach und jederzeit nachvollziehbar, auch bei großen Projektteams > Vereinfachen Sie Ihre Tool-Landschaft durch nahtlos integrierte Diagnose-Services und Flash-Lösungen > Profitieren Sie von einer durchgängigen Werkzeugkette mit umfangreichen Rapid-Prototyping-Möglichkeiten und der MATLAB / Simulink-Integration ECU Technical Software Consulting Vector unterstützt Sie von der Funktionsentwicklung bis zum Seriensteuergerät, im Labor, am Prüfstand und während der Fahrerprobung. Alle Infos zur neuen CANape Version 11.0: Steuergeräte-Zugriff mit Messdatenraten bis zu 30 Mbyte/s: Vector Informatik GmbH Stuttgart Braunschweig Karlsruhe München Regensburg

3 Editorial Doppelte Sicherheit In der Vergangenheit haben wir uns viel mit der Safety und ihrer methodischen Umsetzung beziehungsweise Manifestierung in Form der ISO- Norm beschäftigt. Das deutsche Wort Sicherheit umfasst allerdings gleichzeitig neben dem Aspekt Safety (Betriebssicherheit) auch die Security (Datensicherheit) und genau diesem Thema widmen wir uns in dieser Ausgabe ab Seite 24 in einem ausführlichen, 18 Seiten langen Special. In einem Beitrag erklären wir, warum der Security-Aspekt beim Connected Car (Fahrzeug mit Daten-Anbindung, zum Beispiel ans Internet) besonders wichtig ist, in anderen Beiträgen geht es ganz konkret darum, wie sich Security methodisch im Fahrzeug verankern und systematisch integrieren lässt. Die Autoren des Beitrags auf Seite 30 sehen derzeit sogar eine historische Chance: Es besteht heute in der Automobilindustrie die einmalige Chance, Risiken der Informationssicherheit im Voraus zu vermeiden, die in anderen Branchen bereits zu substanziellen Problemen geführt haben. Aus Sicht der Security ist es sinnvoll, alle Daten zu protokollieren, um im Ernstfall zumindest eine Spur zu haben, wo es denn zu einer eventuellen Sicherheitslücke kam. Andererseits dürfte eine Black-Box, die bei einem Dipl.-Ing. Alfred Vollmer, Gerichtsverfahren darüber Aufschluss Redakteur AUTOMOBIL-ELEKTRONIK gibt, ob der Fahrer zu schnell unterwegs war oder bei Rot über die Ampel gerollt ist, nur auf wenig Gegenliebe bei den Endkunden stoßen. Hier ergeben sich somit Zielkonflikte, die sinnvoll gelöst werden müssen. Für mich ist es interessant, mit welcher Unbeschwertheit viele nicht-europäische Unternehmen das Thema Vertraulichkeit persönlicher Daten angehen und wie unterschiedlich doch die Betrachtungsweisen auf verschiedenen Kontinenten sind. Ein gutes Beispiel dafür finden Sie in dem Kasten CES auf Seite 20 rechts unten. A propos CES (Consumer Electronics Show, siehe Report ab Seite 18): Die Art und Weise, in der die amerikanischen Automobilhersteller allen voran Ford auf die Consumer-Branche zugehen, ist schon beeindruckend. Dass das Internet auch relativ schnell in Fahrzeuge jenseits der Premium- und Oberklasse ins Fahrzeug kommt, war abzusehen. Die Art und Weise, wie aktiv Ford die Entwickler von Consumer-Apps dazu animiert, Apps für Fahrzeuge aus dem Hause Ford zu entwickeln, ist schon ein mutiger Schritt, der zeigt wie wichtig entsprechende Security-Mechanismen für die Betriebssicherheit (Safety) des Fahrzeugs heute schon sind. Vor diesem Hintergrund ist die Doppeldeutigkeit des deutschen Worts Sicherheit doch sehr effektiv: Wenn die Amerikaner und der Rest der Welt vielleicht eines Tages einmal von Sickerhait sprechen, dann wissen wir, dass das Thema im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung von Safety+Security in den Köpfen angekommen ist. In diesem Sinne: Safety und Security First! STELLEN SIE SICH VOR: EINE ELEKTRISCHE SERVOLENKUNG IN JEDEM FAHRZEUG IN INDIEN. Kognitive Sicherheitssysteme von TRW helfen dabei, Mensch und Umwelt besser zu schützen. Eine Vielzahl fortschrittlicher Sicherheitstechnologien tragen weltweit dazu bei, Emissionen zu reduzieren und den Kraftstoffverbrauch zu senken. Umweltfreundliches Denken von TRW denn Sicherheit steht jedem zu. FORTSCHRITTLICHES DENKEN VORAUSSCHAUENDES DENKEN UMWELTFREUNDLICHES DENKEN KOGNITIVE SICHERHEITSSYSTEME TRW Automotive 2013 Alfred Vollmer,

4 Inhalt Februar 2013 Coverstory 14 Von Consumer zu Automotive AUTOMOBIL-ELEKTRONIK sprach mit Matthew (Matt) J. Murphy, Senior Vice President der Communications and Automotive Solutions Groups bei Maxim Integrated, über den Markt, Lösungen und technische Aspekte vom Batterie-Management bis MEMS. 12 EKG und Atmung des Fahrers überwachen: als Input für ADAS Ein auf der CES vorgestellter Sensor kann das EKG des Fahrers messen, ohne direkten Kontakt zum Messobjekt zu benötigen. Gel und Hautkontakt sind nicht mehr erforderlich, weil die Messung durch Bekleidung und Sitzpolsterbezüge hindurch erfolgt. 18 Mehr als nur das Connected Car Wir waren vor Ort und berichten über die automotive-relevanten Themen der CES 2013, der weltweit größten Consumer-Elektronik-Messe. Märkte + Technologien 06 ZVEI-Standpunkt Mit Sicherheit auch in Zukunft mobil 08 News und Meldungen Aktuelles aus der Branche: Namen, Veranstaltungen, Nachrichten und mehr 12 EKG des Fahrers überwachen Sensor erfasst Vitalparameter berührungslos und liefert Inputs für ADAS Coverstory 14 Von Consumer zu Automotive Exklusiv-Interview mit Matt Murphy, Senior VP Communications and Automotive Solutions Groups bei Maxim Integrated Leserservice infodirekt: Zusätzliche Informationen zu einem Thema erhalten Sie über die infodirekt-kennziffer. So funktioniert s: aufrufen Im Suchfeld Kennziffer eingeben, suchen Die aktuelle Reportage 18 Mehr als nur das Connected Car Bericht von der CES 2013, der weltweit größten Consumer-Elektronik-Messe Systeme: Sicherheit 24 Sicherheit = Safety + Security Warum die ISO allein nicht genügt 26 PKIs in der Automobilbranche Sicherheit durch Public-Key-Infrastrukturen 30 Informationssicherheit im Automobil Ein Leitfaden zum effektiven Umsetzen der Security in der Praxis 32 Consumer- und Auto-Welt trennen Safety und Multimedia: Mit Microkernel und Hypervisor 35 Sichere Mikrocontroller im Auto Aurix vereint Safety- und Security-Elemente auf einem Chip 38 Sicher in vernetzten Systemen Integrative Betrachtung von funktionaler Sicherheit und Security 41 Funktionale Sicherheit erfordert eine umfassende Safety-Kultur ISO im Fokus Halbleiter 42 Mehr Speicher fürs Infotainment Managed-NAND-Flash als e.mmc für die Automotive-Welt Messen/Testen/Tools 44 Testsystem nach Maß Kundenspezifische Komplettlösung aus einer Hand 46 Die virtuelle ECU für Autosar EVE: Validieren und Kalibrieren mit virtuellen Steuergeräten 47 Produkte Elektromechanik 48 Batterietausch bei Elektrobussen Steckverbinder für das Battery-Swapping in China 49 Produkte Rubriken 03 Editorial Doppelte Sicherheit 23 Produkte 50 Impressum/Fimenverzeichnis 4 Automobil Elektronik 01/2013

5 Inhalt Februar Sicherheit = Safety + Security Immer mehr Systeme im stark vernetzten Fahrzeug sind safety-critical, aber nur bei gleichzeitiger Implementation von angemessenen Security-Maßnahmen lassen sich rundum sichere Systeme realisieren. AUTOMOBIL-ELEKTRONIK, erklärt auf 18 Seiten, warum die ISO allein nicht genügt und wie sich Security umsetzen lässt Mehr Speicher fürs Infotainment Vor allem in speicher-hungrigen Anwendungen rund um das Infotainment kann die e.mmc-embedded-speicher-architektur ihre Stärken ausspielen. Sie ermöglicht ein schnelles Design-in und bietet spezielle Features, um die Anforderungen der Automotive-Branche zu erfüllen. Die virtuelle ECU für Autosar Mit einer neuen, EVE genannten Lösung lassen sich Autosar- Anwendungssoftware-Komponenten und Basissoftware- Module aus verschiedenen Quellen in virtuelle Steuergeräte integrieren, um bereits frühzeitig eine Validierung und Kalibrierung von Steuergeräte-Software am PC vorzunehmen. Automotive- Abkürzungen Erklärungen zu weit über 300 Abkürzungen rund um die Automobil-Elektronik finden Sie unter infodirekt 333AEL0612 auf Automobil Elektronik 01/2013 5

6 ZVEI_Standpunkt Mit Sicherheit auch in Zukunft mobil Dr.-Ing. Stefan Gutschling betreut im ZVEI die Applikationsgruppe Automotive der Fachverbände Electronic Components and Systems und PCB and Electronic Systems. Auf dem Mitte Februar stattfindenden Kompetenztreffen Elektromobilität in Köln informiert der ZVEI über die neusten Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität. Experten diskutieren dort die Mobilitätskonzepte der Zukunft sowie die damit einhergehende zunehmende Vernetzung moderner Fahrzeuge. Einerseits ergibt sich der höhere Vernetzungsgrad der Systeme im Fahrzeug aus der steigenden Komplexität moderner Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme. Auch werden bestehende Kommunikationsschnittstellen, zum Beispiel für die Internetanbindung und Multimediainhalte, kontinuierlich erweitert. Neue Kommunikationsprotokolle wie Ethernet halten Einzug ins Fahrzeug. Dies erfüllt die Kundenwünsche nach Nutzung liebgewonnener Applikationen (Apps) und Internetdienste der Smartphone-Welt im Automobil. Anderseits bietet die zunehmende Kommunikationsfähigkeit des Fahrzeuges den Herstellern neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle, wie beispielsweise das Rechte-Management bei der Freischaltung zusätzlicher Fahrzeugfunktionen. Weitere neue Kommunikationspfade sind Car-to-Car, Car-to-Infrastucture, die Anbindung von Elektrofahrzeugen ans Smart-Grid sowie die Ferndiagnose und Fernwartung des Fahrzeuges. Das Fahrzeug wird somit Teil des globalen Netzes und ein potentielles Ziel für neue Angriffsszenarien. Entsprechende Medienberichte erzeugen öffentliche Aufmerksamkeit und werfen die Frage auf, wie die Autoindustrie den potentiellen Sicherheitsproblemen begegnen will. Hierzu ist anzumerken, dass sich die Automobilhersteller und deren Zulieferer seit mehr als zwei Jahrzehnten verstärkt mit dem Thema Automotive Security befassen und ihre Systeme auf Basis der gemachten Erfahrungen und steigenden Anforderungen kontinuierlich weiterentwickeln. So hielten erste kryptografische Verfahren mit der Einführung von Fernbedienungen und Zentralverriegelungen Einzug ins Auto. Neben dem Schutz vor unbefugtem Zugriff auf das Fahrzeug ist die Absicherung der elektronischen Systeme gegenüber Manipulationen (Umgehung von Wegfahrsperren, Kilometerstand-Manipulationen und Ähnliches) ein zweites wichtiges Feld. Hierfür bietet die Industrie Lösungen an, die die Absicherung fahrsicherheitskritischer Systeme sowie das Thema Komponenten- fälschung adressieren. Hierzu hat die Herstellerinitiative Software (HIS) der deutschen OEMs Branchenstandards für kryptographische Hardware-Security-Module (HSM) unter anderem zur Verund Entschlüsselung von Software und Speicherdaten in Steuergeräten festgelegt. Weitere Maßnahmen sind dabei die Verwendung digitaler Signaturen für freigegebene Software zum Schutz gegen Manipulationen sowie Integritätsprüfung beim Start und/oder während der Laufzeit. Bei der Integration neuer Multimedia-Anwendungen und Internet-Dienste ist es notwendig, jerzeit die Integrität des Bordnetzes sicherzustellen. Unberechtigte Zugriffe, die beispielsweise durch den Download von Schadsoftware entstehen könnten, sind Neben dem Schutz vor unbefugtem Zugriff auf das Fahrzeug ist die Absicherung der elektronischen Systeme gegenüber Manipulationen (Umgehung von Wegfahrsperren, Kilometerstand-Manipulationen und Ähnliches) ein... wichtiges Feld. zu verhindern. Entsprechende Sicherheitslösungen legen je nach Vertrauenswürdigkeit (Trust Level) der Anwendung spezifische Kommunikationsregeln (Policies) mit dem Bordnetz fest. Bei Regelverstößen beispielsweise durch Schadsoftware wird die betroffene Applikation terminiert und durch ein vertrauenswürdiges Image ersetzt. Zusätzlich kommen dabei softwarebasierte Isolationstechnologien zur Abschottung von Rechen- und Hardware-Ressourcen sowie kryptographische Verfahren zur Datenkommunikation zur Anwendung. Ergänzend zum technologischen Teil sind auch organisatorische Schutzmaßnahmen zu etablieren. Über den Fahrzeug-Lebenszyklus sichert eine ganzheitliche Sicherheitsinfrastruktur die Unternehmensabläufe zur Datenintegrität und -sicherheit ab, zum Beispiel für das Handling kryptographischer Schlüssel von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zu den Werkstätten und Serviceorganisationen. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung bedarf es einem durchgängigen Bewusstseins und des aktuellen Wissenstands zum Thema Automotive Security entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der ZVEI mit seinem Expertennetzwerk aus der gesamten automobilen Zulieferindustrie kann dazu einen aktiven Beitrag leisten. (av) 6 AUTOMOBIL ELEKTRONIK 01 / 2013

7 Unendliche Möglichkeiten, eine Designplattform NI LabVIEW ist die umfassende Entwicklungsumgebung mit herausragender Hardwareintegration und Kompatibilität. Damit meistern Sie jede Herausforderung in der Mess-, Steuer- und Regeltechnik. LabVIEW ist das Herzstück des Graphical System Design, das Konzept, mit dem Sie über eine offene Plattform aus produktiver Software und rekonfigurierbarer Hardware die Systementwicklung beschleunigen können. Die grafische Entwicklungsumgebung NI LabVIEW bietet herausragende Hardwareintegration und ermöglicht es Ihnen, intuitiv zu programmieren. >> ni.com/labview-platform/d Halle National Instruments, NI, ni.com, NI CompactDAQ und LabVIEW sind Marken der National Instruments Corporation. Andere Produkt- und Firmennamen sind Warenzeichen der jeweiligen Unternehmen.

8 Märkte + Technologien Bild: Alfred Vollmer Bild: ZF Bild: ZF Bild: Softing Bild: LPKF Personen Dr. Christian Bieniek ist als COO jetzt das vierte Mitglied im Vorstand bei LPKF. Michael Drescher ist neuer Entwicklungsleiter bei der Softing Automotive Electronics GmbH. Michael Hankel, derzeit Vorsitzender der Geschäftsführung der ZF Lenksysteme GmbH, wird in 2013 neues ZF- Vorstandsmitglied. Dr. Peter Ottenbruch wird Michael Hankels Nachfolger als Vorsitzender der Geschäftsführung der ZF Lenksysteme GmbH. Dr. Wolfgang Runge, der bis vor einigen Jahren Geschäftsführer bei ZF war, ist neues Mitglied im Aufsichtsrat der Method Park Software AG. (av) Automotive-Trends 2013 Euro-NCAP-Änderungen fördern die Fahrzeugelektronik Der Automobilzulieferer TRW erwartet auch für 2013 einen deutlichen Zuwachs im Bereich Fahrzeugelektronik. Ein wesentlicher Treiber sind dabei der Gesetzgeber und Verbraucherorganisationen, die mehr aktive Sicherheitssystemen fordern: Geschwindigkeitsregelung, Spurhalteassistenz und automatische Notbremsung helfen, die Zahl der Verkehrsunfälle zu reduzieren. Der Euro-NCAP verschärft die Kriterien seines Sicherheits-Ratings, um die Ausstattung von Neufahrzeugen mit einer automatischen Notbremse voranzutreiben. TRW geht daher davon aus, dass Fahrerassistenzsysteme von einer Sonderausstattung immer mehr zur Standardfunktion wachsen. Um fünf Sterne zu erhalten, müssen Fahrzeughersteller künftig serienmäßig Umfeldsensorik integrieren. Erschwingliche Kamera- und Radarsysteme rücken folglich immer stärker in den Fokus (siehe infodirekt 311AEL0612). Außerdem registriert TRW einen Trend hin zu Domänen-Architekturen, die der steigenden Komplexität bei der Vernetzung und Kommunikation elektronischer Systeme begegnen und gleichzeitig die Flexibilität erhöhen. Die Safety Domain ECU, kurz SDE, wird dieses Jahr bei einem großen europäischen Fahrzeughersteller in Serie gehen. Ein zentraler Aspekt der SDE ist, dass in dieses Autosar-basierte Sicherheitsdomänen-Steuergerät Software-Funktionen von OEMs oder auch von Wettbe- TRW geht 2013 mit seinem Autosar-basierten Sicherheitsdomänen-Steuergerät in Serie, das dem Trend zu Domänenarchitekturen mit offener Systemarchitektur gerecht wird. werbern integrierbar sind. Dabei bleibt der Programmcode für uns unkenntlich. Das heißt, diese Software-Funktionen vom OEM integrieren wir sozusagen als Black Box. Wir sehen eine große Nachfrage nach solchen offenen Systemarchitekturen, da immer mehr OEMs ihre eigene Software schreiben und von einem Lieferanten ins System integrieren lassen wollen nicht nur im Bereich Sicherheit, sondern auch bei Airbags, Bremsen und Lenkung. Das hat enorm zugenommen und wird künftig exponentiell steigen, erklärt Dr. Hans- Gerd Krekels, Engineering Director Global Integrated Electronics bei TRW. (lei) n infodirekt 520AEL0113 Bild: TRW In eigener Sache Mit Gutschein kostenlos zur Elektro:mobilia Impression von der Elektro:mobilia Hier: Stand der Dekra. Bild: Kölnmesse Die internationale Fachmesse für Elektromobilität ist eine zentrale Informations- und Business-Plattform der Branche. Sie vernetzt Fachbesucher und Abnehmer mit Unternehmen, die innovative Elektromobilität von morgen zeigen. Durch eine Kooperation mit der Messe Köln können 100 Leser eine kostenlose Eintrittskarte zur Elektro:mobilia erhalten: Melden Sie sich unter im Ticket-Shop an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, geben Sie Ihre Daten ein. Geben Sie den Gutschein-Code AUTOELEKTRO in das Feld Gutschein einlösen auf der rechten Bildschirmseite ein. Wenn Sie unter den ersten 100 Lesern sind, die diesen Gutschein angeben, dann steht Ihnen die Eintrittskarte nun zum Download und Ausdruck zur Verfügung. Mit der ausgedruckten Eintrittskarte können Sie zudem kostenlos Busse, Bahnen und zuschlagfreie Züge im erweiterten VRS-Gebiet nutzen. Parallel zur Messe richtet der ZVEI das 5. Kompetenztreffen Elektromobilität aus hierfür gilt die kostenlose Eintrittskarte allerdings nicht. (lei) n infodirekt 500AEL Automobil Elektronik 01/2013

9 Our mission: no emission Sie arbeiten am emissionsfreien Auto? Mit den Renesas RH 850 MCUs kommen Sie diesem Ziel ein Stück näher. Diese weltweit ersten 32-bit 40 nm Mikrocontroller liefern maximale Prozessorleistung auf kleinstem Raum und sparen dabei sogar noch Strom.

10 Märkte + Technologien Top 5 Die meistgeklickten Automotive-Beiträge TOP Die Zeitschrift AUTOMOBIL-ELEKTRONIK finden Sie jeweils als Komplett- 5 PDF jeder Druckausgabe unter Zusätzlich stellen wir die einzelnen Beiträge auch unter ins Internet. Auf dieser Website finden Sie oft auch längere Versionen der fürs Heft gekürzten Artikel sowie zusätzliche News und Hintergrundinfos. Die folgenden Beiträge aus dem Auto-Umfeld wurden im Jahr 2012 am häufigsten angeklickt: (av) Platz 1: Elektronik formt Auspuff-Sound Aktive Geräuschregelung von Eberspächer für mehr Ruhe und/oder besseren Sound. infodirekt 303AEL0112 Platz 2: Demokratisierung bei Fahrerassistenz-Systemen Volkswagens E/E-Leiter Dr. Volkmar Tanneberger berichtete auf dem 16. Fachkongress in Ludwigsburg zum Thema Fahrerassistenzsysteme Innovation und Demokratisierung. infodirekt 308AEL0412 Platz 3: Mehr Funktionalität integrieren Das Cover-Interview mit Jochen Hanebeck von Infineon. infodirekt 300AEL0312 Platz 4: Der Weg zum pilotierten Fahren Ricki Hudi, E/E-Leiter bei Audi, gab den Teilnehmern des 16. Fachkongresses Automobil-Elektronik in Ludwigsburg einen langfristigen Ausblick zum Thema Fahrerassistenzsysteme, Infotainment, Licht und mehr. infodirekt 306AEL0412 Platz 5: Verzeichnis der wichtigsten Automotive-Abkürzungen Die ständig aktualisierte Abkürzungs-Übersicht rund um die Elektronik mit mittlerweile über 400 Suchbegriffen: von AAGR über EBA, IMU, LRR, ODX, SDE, XoIP und YTC bis ZE. infodirekt 333AEL0612 (av) Automobil-Elektronik-Kongress: Referenten in Ludwigsburg 2013 Am 25./26. Juni 2013 wird in Ludwigsburg der 17. Kongress Fortschritte in der Automobil-Elektronik stattfinden. Unter www. automobil-elektronik-kongress.de/referenten finden Sie bereits jetzt eine Liste der Referenten. So werden unter anderem die E/E- Leiter von BMW, MAN, Mercedes-Benz, Porsche, Volkswagen und Volvo sowie der Director of Infotainment von General Motors in Ludwigsburg Vorträge halten. Außerdem referieren hochrangige Vertreter von diversen Zulieferern zu den Themen Elektromobilität, Architekturen, Fahrerassistenzsysteme, Connectivity und HMI. (av) n infodirekt 395AEL0113 Nachrichten WindRiver liefert die Software-Plattform für die IVI-Systeme von Hyundai Mobis. Semikron International hat jetzt auch die restlichen 30 % der Anteile an Compact Dynamics übernommen. Toshiba liefert jetzt die ersten 200-GByte-Festplatten in Fahrzeuge aus. Molex erhielt von Delphi den Pinnacle Award für hervorragende Leistungen. Das Infotainmentsystem des VW Golf VII stammt von Panasonic Automotive Systems. EB steuerte dazu die Navigationsund Sprachdialog-Software sowie Tools zur Gestaltung der Bedienoberfläche bei. Micronas hat seinen 500-Millionsten Automotive-Hall-Sensor ausgeliefert und zwar an Denso. NVIDIA hat von DARPA einen 20-Millionen-Dollar-Auftrag zur Entwicklung von Embedded-Prozessoren erhalten, die bis zu 75 mal energieeffizienter als aktuelle Lösungen sein und 75 GFLOPS/W liefern sollen. Das Joint-Venture SB LiMotive ist jetzt endgültig aufgelöst. Boschs Aktivitäten wurden dabei in die Robert Bosch Battery Systems integriert. Mit Beginn diesen Jahres hat das Batterie-Joint-Venture SK Continental E-motion offiziell den Betrieb aufgenommen. Die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr sank nach BASt-Schätzungen in 2012 gegenüber dem Vorjahr um etwa 6,5 %. Das Verzeichnis der wichtigsten Automotive-Abkürzungen ist seit Dezember um gut 30 % auf über 400 Begriffe angewachsen. Sie erreichen es per infodirekt 333AEL0612. (av) Termine Elektro:mobilia 13. bis , Köln Halbleiter-Elektronik im Kfz 19. bis , Ingolstadt Embedded World 26. bis , Nürnberg Normen und Standards Elektromobilität 5. bis 6. März 2013, München Fahrzeugabgase: Von Euro 0 zur Minimalemission 06. bis , Essen Batterien im Fahrzeug 13. bis , Stuttgart APE Automotive Power 3. bis , Paris Hannover Messe Industrie 08. bis , Hannover EMV in Hochvolt-Antriebssystemen in EVs und HEVs 10. bis , Regensburg Automotive Steering 22. bis , Berlin MOST Forum , Esslingen PCIM Sensor/Test 14. bis , Nürnberg Automotive Testing Expo 04. bis , Stuttgart Car HMI Concepts & Systems 17. bis , Berlin EMV-Grundlagen in Entwicklung und Umsetzung im Kfz 19. bis , Regensburg 17. Fachkongress AUTOMOBIL-ELEKTRONIK 25. bis , Ludwigsburg IAA Pkw 12. bis , Frankfurt Elektronik im Kfz 16. bis , Baden-Baden Productronica 12. bis , München (av) 10 Automobil Elektronik 01/2013

11 VEOS für alle, alle für VEOS Frühe Absicherung mithilfe virtueller Steuergeräte, Aufbau virtueller Prüfstände, Vorbereitung von HIL-Tests VEOS, die neue Simulationsplattform von dspace, hat viele Gesichter und noch mehr Vorteile: Simulation von AUTOSAR-Steuergeräten Virtuelle CAN-Bus-Simulation Wiederverwendung der Werkzeugkette für die HIL-Simulation VEOS für unterschiedliche Nutzer, für unterschiedliche Anwendungen, durchgängig im gesamten Steuergeräte-Entwicklungsprozess. Wann werden Sie Teil des Teams? Besuchen Sie uns auf der Embedded World Halle 4, Stand 316

12 Märkte + Technologien EKG des Fahrers überwachen Sensor erfasst Vitalparameter berührungslos und liefert Inputs für ADAS Bis vor kurzem wäre für die Überwachung per EKG ein entblößter Brustkorb des Fahrers sowie der Einsatz von nassen Elektroden mit einem bestimmten Gel wie beim Gesundheits-Checkup erforderlich gewesen, aber ein neuer Sensor von Plessey kann auch geringfügige Veränderungen des elektrischen Potentials messen, ohne direkten Kontakt zum Messobjekt zu benötigen. Gel und Hautkontakt sind nicht mehr erforderlich, weil die Messung durch Bekleidung und Sitzpolsterbezüge hindurch erfolgt. Gleichzeitig lassen die Sensoren auch eine Überwachung der Atmung zu, die bekanntlich mit zunehmender Schläfrigkeit langsamer und tiefer wird. Autor: Alfred Vollmer DDD (Driver Drowsiness Detection) heißen Fahrerassistenzsysteme, die erkennen, wenn der Fahrer übermüdet ist. Meist geschieht dies durch Auswertung der Lenkbewegungen. Eine viel effektivere Methode besteht darin, die Herztöne im Rahmen eines EKGs (Elektrokardiogramm) zu überwachen, weil der Herzrhythmus sich bei einsetzender Müdigkeit verändert. Durch die Überwachung per EKG erhält man den Parameter HRV (Heart Rate Variability; Veränderung der Herzfrequenz für Mathematiker: die Ableitung), der Aufschluss über die Herzfrequenz von Schlag zu Schlag gibt. Hierdurch lässt sich feststellen, wann beim Fahrer Schläfrigkeit oder auch Stress einsetzen. Der berührungslose EKG-Sensor Auf der CES (siehe Beitrag Seite 18) stellte Plessey den EPIC (Electric Potential Integrated Circuit) genannten Sensor der Öffentlichkeit vor. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um ein kapazitiv gekoppeltes Elektrometer, das einen Verstärker mit einer extrem hohen Eingangsimpedanz von 50 GΩ bei 10 pf Eingangskapazität verwendet und somit nahezu keine Energie vom Messobjekt aufnimmt. Dieser Sensor kann daher sowohl Veränderungen der elektrischen Ladung wahrnehmen und so elektrische Felder messen, als auch Potenzialdifferenzen und somit Spannungen ermitteln. Durch die kapazitive Koppelung lassen sich die Sensoren unter den Sitzbezug eines Fahrzeugs unsichtbar einbauen beispielsweise unter Leder, Baumwolle und diversen Kunstfasern. Beim Atmen verändert das Auf und Ab des Brustkorbs das elektrische Feld in der Umgebung, das der EPIC-Sensor ebenfalls detektiert und in ein deutliches niederfrequentes Signal umwandelt, Die Erfassung von EKG- und Atemfunktion erfolgt berührungslos über Sensorelektroden im Sitz. welches der Atemfrequenz entspricht. Ein EKG misst die elektrische Aktivität des Herzmuskels, wobei der EPIC-Sensor hier als Voltmeter fungiert, das Spannungsveränderungen misst, ohne Strom zu verbrauchen. Das EKG-Signal bewegt sich typischerweise im 1-mV-Bereich. Entscheidend für die kapazitive EKG-Messung über Sensoren im Sitz ist die korrekte Platzierung der Sensoren. Universell einsetzbar Plessey verwendet eine Anordnung von EPIC Sensoren, bei der sich mit Fahrern unterschiedlichen Körperbaus optimale Signale erzielen lassen unabhängig von Größe und Gewicht des Fahrers, erklärte Steve Cliffe, Business Development Director bei Plessey Semiconductors auf der CES im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK. Die besten Werte erhält man über den mittleren bis unteren Rückenteil, wo die Signale vom Herz am stärksten sind, zumal in dieser Körperregion wenig Bewegung beim Fahren stattfindet. Die Trennung von Atem- und EKG-Signal erfolgt über eine relativ einfache Filterung, und durch die hohe Gleichtakt-Unterdrückung bleiben Störsignale außen vor. Das im EPIC genutzte System hat sich als absolut resistent gegenüber elektrischen Rausch- und Störquellen innerhalb des Fahrzeugs erwiesen, betont Steve Cliffe. Mit speziellen Evaluation Kits will Plessey den OEMs und Zulieferern seinen für den Temperaturbereich von -40 C bis +85 C spezifizierten Sensor näherbringen. Diese Kits bestehen aus einer Anordnung von sechs Sensoren, die an der Rückenlehne des Fahrersitzes befestigt werden, sowie aus einer Matte auf dem Fahrersitz, die als Masse dient. Eine Schaltbox ermöglicht es sowohl die Sensoren auszuwählen, die abhängig vom Körperbau des Fahrers die besten EKG-Signale liefern, als auch die besten Einstellungen zur Störsignal-Ausblendung auszuwählen. Das Kit enthält ein USB-Interface, eine Windows-kompatible Anzeige und Software. Ebenfalls im Kit enthalten sind abnehmbare Sitzbezüge aus Leder und Baumwolle, wie sie in der Automobil- Industrie zum Einsatz kommen. Eigene Untersuchungen von Plessey haben gezeigt, dass EPIC mehr als 95 % aller Herzschlagspitzen erkannte, die während einer zehnminütigen Probefahrt über eine unebene Straße auftraten, berichtet Steve Cliffe. Auch zur Erkennung der Sitzbelegung oder als einfacher berührungsloser Näherungsschalter oder zur Bewegungserkennung verschiedener Funktionen im Fahrzeug eignet sich der Sensor. n Der Autor: Alfred Vollmer ist Redakteur der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK Bild: Plessey infodirekt 303AEL0113

13 Märkte + Technologien Milliardensummen für Forschung und Entwicklung Continentals Strategie zielt zunächst auf automatisiertes Fahren Grafi k: Continental Die Entwicklung von Produkten und Systemen für automatisiertes Fahren ist eines der zentralen Themen der langfristigen Technologie-Strategie des Automobilzulieferers Continental. Wir haben uns in den vergangenen Wochen als Vorstand die Strategie- und Budgetplanung unserer fünf Divisionen für die kommenden Jahre sehr genau angesehen. Für unsere Automotive- Divisionen sind hierin übergreifend alle notwendigen Bausteine abgebildet, die schrittweise bis zum Jahr 2025 zum vollautomatisierten Fahren führen werden, sagte der Continental-Vorstandsvorsitzende Dr. Elmar Degenhart nach Abschluss der Strategie-Workshops. Insgesamt werden wir als Continental insbesondere in den Automotive-Divisionen in den kommenden Jahren mit Milliardensummen in Forschung und Entwicklung den Weg zur Mobilität der Zukunft ebnen helfen, erklärte Degenhart. Für uns ist klar, dass automatisiertes Fahren ein Kernelement der Mobilität der Zukunft sein wird. Als Systemlieferant sind wir bestens aufgestellt, um für unsere Kunden bis 2016 bereits Lösungen für teilautomatisierte Systeme zu entwickeln und in Serie zu bringen. Erste Anwendungen hoch- und schließlich vollautomatisierten Fahrens, auch bei höheren Geschwindigkeiten und in komplexeren Fahrszenarien, können wir bis 2020 beziehungsweise 2025 serienreif entwickeln. Technologisch stellt automatisiertes Fahren die Evolution des bereits eingeschlage- Für Continental- Vorstand Dr. Elmar Degenhardt ist klar, dass automatisiertes Fahren ein Kernelement der Mobilität der Zukunft sein wird. nen Pfads der Fahrerassistenzsysteme dar. Ihre konsequente Vernetzung mit Fahrerinformations- und Antriebssystemen führe Conti zufolge schrittweise zum Ziel. Bei teil- und hochautomatisierten Fahrzeugen muss der Fahrer jederzeit die Kontrolle übernehmen können, aber mit der Vollautomatisierung ab 2025 könnte auch dies nicht mehr erforderlich sein. (av) infodirekt 393AEL0113

14 Titelinterview Exklusiv-Interview mit Matt Murphy, Senior VP Communications and Automotive Solutions Groups bei Maxim Integrated Von Consumer zu Automotive Maxim Integrated ist bereits seit langem im Bereich Automotive aktiv, aber mit neuen Lösungen für Bereiche wie das Management von Li-Ionen-Batterien und Datennetzwerke innerhalb des Fahrzeugs sowie auch für das Power- Management und das Infotainment will der Halbleiterhersteller sein Automotive-Geschäft signifikant erhöhen. AUTOMOBIL-ELEKTRONIK sprach mit Matthew (Matt) J. Murphy, Senior Vice President der Communications and Automotive Solutions Groups bei Maxim Integrated, über den Markt, Lösungen und technische Aspekte. Autor: Alfred Vollmer Dieses Jahr werden wir MEMS-Muster und -Lösungen vorstellen: Gyroskope und Beschleunigungsmesser. Matt Murphy, Maxim Integrated Bild: Maxim Maxim Integrated war bisher am Automotive-Markt sehr still. Warum will Maxim Integrated seine Automotive-Aktivitäten erweitern? Matt Murphy: Maxim Integrated gibt es seit rund 30 Jahren, und die meiste Zeit haben wir außer Produktankündigungen nur wenig externes Marketing oder Produkt-Promotion betrieben. Bereits seit acht Jahren entwickeln wir Automotive-Produkte, und wir haben jetzt eine ausreichend große kritische Masse in den unterschiedlichen Lösungsgebieten aufgebaut. Zu Beginn unserer Automotive-Aktivitäten stellten wir spezifische individuelle Produkte her, die wir als Point Solutions, im Deutschen Punktlösungen, bezeichneten. Das waren beispielsweise Power-Management-Chips, die eine bestimmte Funktion erledigen. Zusätzlich haben wir bereits existierende Produkte von Maxim Integrated wiederverwendet und sie für Automotive qualifiziert. Heute haben wir einen ganz anderen Ansatz, denn wir bieten komplette Systemlösungen, die für den Endkunden relevant sind. Unsere Kunden interessieren sich mehr für Lösungen als für individuelle Bauelemente. In den acht Jahren, in denen ich in diesen Markt involviert bin, nehmen die OEMs jetzt eine viel aktivere Rolle ein, indem sie mit den Halbleiter-Anbietern zusammenarbeiten: die OEMs treten dabei selbst als Architekten dieser Lösungen auf und agieren in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit direkt mit Lieferanten wie Maxim Integrated. Sie sind sehr aktiv, indem sie die Lösung nehmen, sie verbessern und derart für ihren Bedarf modifizieren, dass sie sich selbst auf dem Markt differenzieren können. Dazu muss viel mehr Koordination zwischen den OEMs, den Tier-1s und uns selbst erfolgen. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es uns, die Lösungen viel schneller auf den Markt zu bringen. Die meiste tatsächliche Arbeit im Rahmen des System-Engineering und bei der Überführung des Produkts in die Fertigung erfolgt immer noch mit den Tier-1s. 14 Automobil Elektronik 01/2013

15 Titelinterview Bild: Alfred Vollmer Matt Murphy (hier im Gespräch mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK-Redakteur Alfred Vollmer): Im Vergleich zu anderen Anbietern haben wir bei Maxim den Vorteil, eine sehr starke Firmen-Historie in den Bereichen Consumer- und Smartphone-Technologie zu besitzen. Warum sollten die OEMs direkt auf Maxim Integrated zugehen? Es gibt viele Kompetenzbereiche, in denen die Automobilhersteller differenzierte Lösungen möchten. So gibt es beispielsweise im Bereich Batteriemanagement viele unterschiedliche Strategien vollelektrisch, hybrid oder andere Varianten sowie eine jeweils unterschiedliche Anzahl von Batteriezellen, verschiedene Optionen und Architekturen; die Kunden wollen stets eine Lösung, die sich an all dies anpasst. In den Bereichen Safety und ADAS, wo Kameralösungen derzeit gerade allgegenwärtig werden, bieten wir unsere Serial- Link-Lösungen zur schnellen Video- und Daten-Übertragung über das Netzwerk im Auto. Es handelt sich hierbei um eine proprietäre Lösung, die an die Anforderungen der Kunden angepasst ist. Im Bereich der Funktechnologien, beispielsweise digitale TV-Tuner im Fahrzeug und digitale Audio-Lösungen im Auto (DAB), sind unsere Produkte von hohem Interesse für die Fahrzeughersteller. Ich denke, viele OEMs haben die Vision einer einzigen Infotainment-Plattform, bei der die Anwender leicht ein Feature-Upgrade durchführen können. Sie beabsichtigen, einen sehr leistungsfähigen Applikations-Prozessor sowie einige Hf-Einheiten einzusetzen, die sich damit verbinden lassen, um so einfache Updates über die Funkschnittstelle durchzuführen und bestimmte Features zu ermöglichen. Das Update der Software und des Look-and-Feel über die Funkschnittstelle ist ein sehr leistungsfähiges Konzept. Weil die Hf-Technologien und die Connectivity in immer größerem Umfang standardisiert werden, ist es möglich, dass wir in Zukunft noch mehr gemeinsame Plattformen sehen. Die Halbleiter-Funktionalität wird dabei helfen, in Zukunft sicherere, effizientere und in stärkerem Umfang vernetzte Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Innerhalb dieser Applikationen besteht ein Bedarf an hochinnovativer integrierter Halbleiter-Funktionalität, denn damit können die neuen Technologien auf den Mainstream-Markt kommen. Wir denken, dass das Auto der Zukunft clean, conscious und connected also energiebewusst, sicher und vernetzt sein wird. Die Automobilbranche befürchtet derzeit niedrigere Umsatzzahlen. Wie wird sich der Markt Ihrer Meinung nach entwickeln? Es sieht derzeit so aus als ob die Anzahl der insgesamt ausgelieferten Neufahrzeuge sich nicht nennenswert erhöhen wird, aber alle Autos werden mehr Funktionalitäten aufweisen, was wiederum einen steigenden Bedarf an Halbleitern zur Folge hat. Die Automobilindustrie muss derzeit einige große Herausforderungen angehen und zwar nicht nur in ökonomischer Hinsicht, sondern auch umwelttechnisch und unter soziologischen Aspekten. Trotz der aktuellen allgemeinen Herausforderungen wird dem Automobilmarkt dennoch über diese und die nächste Dekade ein stetes Wachstum vorausgesagt. Das Wachstum in den Triade-Regionen Amerika, Europa und Japan könnte geringer sein, aber in den BRIC-Staaten wird es ein substantielles Wachstum geben. Langfristig wird der Markt stabil sein und wachsen. Wir haben in den Oberklasse- und Premium-Fahrzeugen viele Halbleiter; in diesem Segment sehen wir eine gute Nachfrage auf Basis der Jahresvergleichszahlen. Wie sehen die Automotive-Verkaufszahlen von Maxim Integrated aus? Etwa 5 bis 6 % unseres Gesamtumsatzes machen wir im Bereich Automotive. Da wir ein 2,5-Milliarden-$-Unternehmen sind, liegt unser Automotive-Umsatz somit bei etwa 125 Millionen Dollar pro Jahr. Der Gesamtmarkt für analoge Automobil-Halbleiter beträgt allerdings etwa 9 Milliarden Dollar, und wir können im Prinzip mit unserem Produkt-Portfolio die Hälfte dieses Marktes adressieren. Wir bieten Lösungen für Serial-Link-Anwendungen, das Batterie-Management, Hf-Funktechnologien, Infotainment und Power- Management an. Praktisch von Beginn an haben wir uns schwerpunktmäßig mit dem Power-Management beschäftigt, wobei wir mit integrierten Stand-Alone-Bausteinen für das Power-Management begonnen haben. Jetzt befassen wir uns mit höheren Integrationsebenen in all unseren Anwendungsbereichen. Wir betrachten Bausteine zur Ansteuerung von LEDs übrigens als Teil des Power- Managements, und wir sehen einen starken Trend, die Glühfadenlampen durch LEDs zu ersetzen. Für all unsere Power-Management- Schaltungen stellen wir typischerweise ein Evaluation-Kit und lokale Applikationsunterstützung zur Verfügung. Welche Produktstrategie verfolgen Sie im Automotive-Bereich? Wir haben bei Maxim Integrated unsere Strategien auf die folgenden Anwendungsbereiche ausgerichtet: 1.) Clean energiebewusst durch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs. 2.) Conscious Automobil Elektronik 01/

16 Titelinterview sicher mit der zunehmenden Nachfrage nach Safety- und Security-Features in fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen. 3.) Connected vernetzt mit direktem Fokus auf Anwendungen im Infotainmentbereich wie Radio, Navigation, TV und Connectivity. Unsere Vision besteht darin, das Fahrzeug der nächsten Generation zu ermöglichen. In Einklang mit dieser Vision bieten wir strategische Technologien für den Automotive-Markt in den Bereichen drahtgebundene und drahtlose Kommunikation, Power, Batterie-Management sowie Erfassung und Aufbereitung von Sensorsignalen. Wir entwickeln die hochintegrierten, funktionalen und zuverlässigen platzsparenden Lösungen, die die OEMs zur Differenzierung ihrer Automobile benötigen. Mittlerweile gibt es unsere Batterie-Management-Technologie bereits in der vierten Generation. Matt Murphy, Maxim Integrated. Welche Strategie verfolgen Sie beim Antriebsstrang? Im Sektor Powertrain konzentriert sich Maxim Integrated darauf, das Management und die Überwachung der Batterie, inklusive Erfassung des aktuellen Ladezustands, für Elektrofahrzeuge und Hybride anzubieten. Mit Produktentwicklungen für traditionelle Motormanagement-Anwendungen haben wir uns bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht beschäftigt. Mittlerweile gibt es unsere Batterie- Management-Technologie bereits in der vierten Generation. Bevor wir uns 5 Jahre lang im Bereich Automotive mit dem Batterie-Management beschäftigten, waren wir 18 Jahre lang im Batterie-Management für PDAs, Mobiltelefone, Notebooks sowie für die Industrie aktiv. Daher verstehen wir die Applikation vom Systemstandpunkt her wirklich durch und durch. Wir haben uns uns von Anfang an intensiv mit allen für die Sicherheit wichtigen Spezifikationen beschäftigt, wie zum Beispiel ISO und ASIL-D. Wir haben wirklich einen Ansatz auf Systemebene verfolgt, um die erforderliche Sicherheit und Funktionalität zur Verfügung zu stellen. Wie sieht es mit den Infotainment-Aktivitäten aus? Der Bereich Infotainment ist traditionell der stärkste Sektor von Maxim Integrated im Rahmen unseres Automotive-Geschäfts und Vor wenigen Monaten hat Maxim Integrated seine neue Firmenzentrale im Silicon Valley bezogen. Bild: Maxim Integrated wir freuen uns auf die Möglichkeiten, die uns dieser Markt in Zukunft bietet. Maxim Integrated hat innovative integrierte Lösungen, die auf das Infotainment zugeschnitten sind, wobei der Schwerpunkt auf den Wired-, Wireless- und Power- Management-Systemen liegt. Mit der zunehmenden Connectivity in der nächsten Generation von OEM-Plattformen werden auch mehr Halbleiter zur Funkübertragung erforderlich sein. Maxim Integrated entwickelt integrierte Lösungen, mit denen sich die Hf- Fähigkeiten erweitern lassen, während die Lösung gleichzeitig klein bleibt und nur wenig Verlustleistung aufnimmt. Wir sind auch sehr stark im Bereich Power-Management für den USB-Port. Wir haben einen sehr hohen Marktanteil bei Schaltungen, die hinter die USB-Ports passen und dabei sowohl die Schutzfunktionalität als auch die USB-Enumeration abdecken. Darüber hinaus haben wir IP, mit der das schnellere Laden bei höheren Strömen möglich wird. Ein hoher Prozentsatz der USB-Ports, die sich bereits heute in den Fahrzeugen befinden, enthält eine Lösung von Maxim Integrated. Im Prinzip ist das ein klassischer Fall: Wir hatten eine gute Technologie für die Applikation USB-Port, und dann haben wir das Design einer von Grund auf neuen Lösung erstellt, um die Anforderungen entsprechender Automotive-Anwendungen zu erfüllen. Im Vergleich zu anderen Anbietern haben wir bei Maxim den Vorteil, eine sehr starke Firmen-Historie in den Bereichen Consumer- und Smartphone-Technologie zu besitzen. Einen erheblichen Teil unserer Umsätze erzielen wir mit Bauelementen, die in Smartphones verbaut werden. Wir haben einen sehr guten Einblick in den Markt für mobile Geräte, wo USB-Schutzschaltungen, Batterie-Management, Power-Management, Touchscreen-Controller, Hf-Technologien und anderes eingesetzt werden. Diese Technologien sind letztendlich auch sehr relevant für den Automotive- Markt, kommen aber in der Regel erst einige Jahre nach dem Einsatz in Consumer-Endgeräten in das Automobil. Mit unserer Präsenz im Consumer-Markt verfügen wir über die einzigartige Fähigkeit, erprobte Technologien an unser Automotive-Team weiterzuleiten und basierend auf den für Automotive notwendigen Qualitäts- und Zuverlässigkeits-Vorgaben ein neues Design zu entwickeln. Aus diesem Grund müssen wir die prinzipielle IP nicht von Grund auf entwickeln. 16 Automobil Elektronik 01/2013

17 Titelinterview Die Endkunden haben sich in ihrem Kaufverhalten grundlegend verändert: Sie kaufen Autos nicht mehr nur auf Basis der Motorleistung oder abhängig davon, welcher Klimaanlagen-Typ verbaut ist. Sie fragen jetzt Hat das Auto Bluetooth, ein integriertes Navi, Fahrerassistenzsysteme, Apps und mehr. Wenn wir mit neuen Kunden sprechen, dann spielt sich, bevor wir uns Automotive-Details zuwenden, stets das gleiche ab: Die Kunden wollen von uns erfahren, was im Consumermarkt geschieht. Dieses Wissen ist ein einzigartiger Vorteil, den viele herkömmliche Automotive-Tier-2s nicht haben. Security steht mittlerweile im Fokus, und wir sind bereit, unsere Security-IP in Automotive-Produkte zu integrieren. Matt Murphy, Maxim Integrated. Kürzlich hat Maxim Integrated einige Security-Lösungen auf den Markt gebracht. Wie trägt Ihr Unternehmen zur Integration von Security-Funktionalitäten im Auto bei? Maxim Integrated hat einige Erfolge in Automotive-Anwendungen, bei denen Security als kritisch angesehen wird. Ein Beispiel hierfür ist die Airbag-Authentifizierung/Security. Da die OEMs mehr Connectivity innerhalb des Fahrzeugs verbauen, ist auch in immer größerem Umfang Security erforderlich. Die Security- Schutz-IP von Maxim Integrated lässt sich in eine Vielzahl von Funktionen und/oder SBCs System Basis Chips integrieren, wenn die OEMs einen Bedarf für Security festlegen. Maxim Integrated ist in der Lage, bei der Realisierung der erforderlichen Funktionalität zu helfen. Fast 40 % der Bezahl-Terminals beispielsweise Karten-Lesegeräte oder POS-Terminals nutzen die sichere Mikrocontroller- Technologie von Maxim Integrated. Wir verfügen auch über Authenti fizierungs-technologie, wo wir eine 1-Wire genannte proprietäre Schnittstelle einsetzen, die im wesentlichen eine authentifizierte Kommunikation zwischen beispielsweise einer Druckerpatrone und einem Drucker oder zwischen der Handy- Batterie und dem Mobiltelefon ermöglicht. Security steht mittlerweile im Fokus und wir sind bereit, unsere Security-IP in Automotive-Produkte zu integrieren. Darüber hinaus sind wir stark in den immer noch wachsenden Technologiesegmenten für intelligente Schlüssel (Smart-Keys) und Wegfahrsperren vertreten. Die Zentrale der Automotive-Division von Maxim Integrated befindet sich in Kalifornien, aber die Innovationen im Bereich der Automobil- Elektronik geschehen vor allem in Europa und in Japan. Wie gehen Sie damit um? Unser Firmensitz befindet sich in San Jose/Kalifornien, aber wir sind sehr verteilt und global organisiert. Wir verfügen über acht Designzentren, die sich mit Automotive-Lösungen beschäftigen: vier davon befinden sich in den USA, vier sind in Europa zwei in Italien, eines in Graz/Österreich und eines in der Türkei. Wir haben seit fast sechs Jahren eine globale Vertriebsund Applikations-Organisation für den Automotive- Markt. Vom Standort München aus leitet Thomas Baumann diese Organisation. Er hat Teams in Europa vor allem in Deutschland und in den USA, sowie dedizierte Teams in Japan, Korea und China. Wie steht es um Ihre MEMS- und Sensor-Aktivitäten? Im Juli 2011 übernahmen wir das in Graz angesiedelte Unternehmen Sensor Dynamics vor allem auf Grund seiner MEMS-Sensor-Technologie. Von dort stammt auch unsere Smart-Key-Technologie. Das Team in Graz fokussiert sich auf die Märkte Consumer und Automotive. Dieses Jahr werden wir MEMS-Muster und -Lösungen vorstellen, die aus eigenen Fabs von Maxim Integrated stammen. Das bedeutet, dass wir in diesem Jahr mit der aktiven Vermarktung von Gyroskopen und Beschleunigungsmessern beginnen werden. Der Autor: Das Interview führte Alfred Vollmer, Redakteur AUTOMOBIL-ELEKTRONIK. infodirekt 300AEL0113 We drive e-drive Competence-Center für E-Mobilität - Qualität, Sicherheit & Zuverlässigkeit Unabhängige Prüfungen & Zertifizierungen Elektrische Sicherheit, Abuse-Tests, Umweltsimulation, Performance, EMV, UN-Transporttests - Einhaltung der RoHS- & REACh-Verordnung - Chemische & physikalische Analysen von Materialien und Schmierstoffen Weltweiter Marktzugang - Unterstützung bei der Einhaltung von Richtlinien, nationalen & internationalen Standards sowie kundenspezifischen Anforderungen - Partner für Systemzertifizierungen, Supply Chain Management, Soziale Unternehmensverantwortung, Herstelleraudits Intertek Deutschland GmbH - Competence-Center E-Mobilität Innovapark Kaufbeuren - Tel.:

18 Die aktuelle Reportage CES 2013 Bild 1: Im und rund um das Kongresszentrum von Las Vegas gab es auch viele Automotive-News. Bild: Alfred Vollmer Mehr als nur das Connected Car Bericht von der CES 2013, der weltweit größten Consumer-Elektronik-Messe Auf der International Consumer Electronics Show 2013 (CES 2013), die wie jedes Jahr in den ersten Januartagen in Las Vegas/USA stattfand, geht es bei weitem nicht mehr nur um die klassische Consumer-Elektronik, auch wenn dieses Thema ganz klar dominiert. Da auch diverse OEMs wie Audi, Chrysler, Ford, General Motors, Hyun dai, Lexus oder Kia sowie zahlreiche Tier-1s wie Bosch, Continental oder Delphi sowie Tier-2s von den Halbleiterherstellern bis zu den Software-Anbietern wie EB, Inrix oder Tata Elexsi mit Automotive-Lösungen in Las Vegas vertreten waren, berichtet AUTOMOBIL-ELEKTRONIK in dieser und der nächsten Ausgabe über die CES Autor: Alfred Vollmer Welche Bedeutung die CES mittlerweile hat, zeigt sich allein schon daran, dass AUTOMOBIL-ELEKTRO- NIK unter den Messebesuchern mehrere E/E-Leiter deutscher OEMs ausmachte. Auch die Zulieferer waren bis in die obere Führungsebene vertreten von Bosch beispielsweise mehrere Mitglieder des Vorstands. Bosch wies in seiner Pressekonferenz, in der es primär um Non-Automotive-Themen ging, auf die Vorteile einiger Fahrerassistenzsysteme hin, um dann festzustellen, dass das Connected Vehicle (Fahrzeug mit externer Datenanbindung) Vorstands-Mitglied Dr.-Ing. Werner Struth zufolge einen sehr großen Beitrag auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren leisten kann. Allerdings sei man noch mehr als eine Dekade von C2X-Diensten im Masseneinsatz entfernt. Für Bosch ist es klar, dass der Internet-Zugang im Auto auch in Low-Cost- Cars kommen wird und zwar besonders, indem Smartphones eine Verbindung zur Cloud herstellen: Ja, es gibt einen starken Anstieg der Web-Connectivity des Fahrzeugs. Die Ausstellungsfläche der CES ist übrigens über mehrere Hotels und das Las Vegas Convention Center verteilt. In einem Hotel beim Ausstellungsgelände zeigte Continental neben diversen Lösungen, über die wir in der nächsten Ausgabe berichten werden, einen Autositz, der sich nicht mehr nur über die klassischen Bedienelemente verstellen lässt (vor/zurück/neigen/massage an-aus etc.), sondern auch über eine App auf einem Tablet oder Smartphone. Visteon hatte in einem großen Zelt auf dem Central Plaza genannten Vorplatz des Messegeländes seine Exponate aufgebaut. Über die Lösungen von Conti und Visteon werden wir sowohl im Internet als auch in der nächsten Ausgabe näher berichten. Automobilhersteller auf der CES 2013 General Motors zeigte beispielsweise, wie die Apps jetzt mittlerweile selbst im Kleinwagen-Segment Einzug halten. Der Automobilhersteller präsentierte beispielsweise einen Chevrolet Spark mit Elektroantrieb, dessen Infotainment-System sich per Bluetooth mit dem Smartphone verbindet, um dann über das Internet über das Tune-In genannte System auf die Internet-Livestreams beliebiger Radiosender zuzugreifen. So lange über das Smartphone die Internet- Verbindung steht, ist somit kein herkömmlicher Radioempfang (FM, AM, DAB) mehr notwendig. Die hierfür notwendige kostenlose App bietet Chevrolet sowohl für Android als auch für die Apple-Welt. Nur mit IOS-Handys arbeitet die Automotive-Variante der Spracherkennung Siri. Mehr darüber unter info DIREKT 308AEL Automobil Elektronik 01/2013

19 Die aktuelle Reportage CES 2013 Bild 2: Individuelle Sitzsteuerung per Tablet/Smartphone bei Conti. Bild: Alfred Vollmer (Application Programming Interface) namens AppLink. Er betonte, dass Ford als weltweit erster OEM eine offene Entwicklungsplattform für Android und IOS startete, die Software-Entwickler in die Lage versetzt, sich direkt mit den Steuereinheiten innerhalb des Fahrzeugs sowie der Audio-Einheit inklusive Spracherkennung, Steuerungsknöpfen und dem Mikrofon zu verbinden. Bis 2015 solle sich die Anzahl der genutzten Smartphones gegenüber heute auf 2 Milliarden verdoppeln. Es verwundert nicht, dass all die neuen Smartphone-Besitzer die vollen erweiterten Fähigkeiten ihrer Telefone in ihrem Auto nutzen wollen, betont Thai-Tang. Es genügt nicht mehr, nur das Telefon und die Medienplayer per Sprachsteuerung zu bedienen. Dabei müssten die OEMs allerdings darauf achten, dass die Fahrer nicht während der Fahrt ihre Smartphones bedienen und dadurch abgelenkt sind. Mit der Sprachsteuerung ließe sich diese Problematik umgehen und hier kommt AppLink wirklich ins Spiel, denn so können die Fahrer die Hände am Steuer und die Augen auf der Straße lassen. Bereits jetzt führen in Nordamerika über 1 Million Fahrzeuge mit AppLink, und im Laufe diesen Jahres solle diese Zahl auf 2 Millionen ansteigen. Danach solle AppLink auch in Europa und Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass das Fahrzeug mit dem Infotainment-System MyLinkRadio ausgestattet ist, das beim Chevrolet Spark seit SOP verfügbar ist. Auch der neue Opel Adam verfügt über die entsprechenden Funktionalitäten. Allerdings nennt sich dieses Infotainment-System bei dann IntelliLink. Asien auf den Markt kommen, bis im Jahr 2015 dann über 14 Millionen Fahrzeuge weltweit mit Sync ausgerüstet sein werden, die dann eine signifikante und robuste Geschäftsmöglichkeit für unsere Software-Entwickler bietet. Er hebt hervor, dass mit den Apps eine kundenspezifische Anpassung des Fahrzeugs möglich wird und erläuterte ausführlich, welche Vorteile auto-relevante Apps für Apps im Auto: Mehr als nur Radio Der Automobilhersteller Ford, der in diesem Jahr zum 7. Mal auf der CES ausstellte, will seinen Kunden nach Angaben von Paul Mascarenas, CTO Ford weltweit, ein vollkommen personalisiertes Fahrerlebnis bieten und zwar auf Basis von Sync. Mascarenas erinnerte zunächst an die Pioniertaten, die Henry Ford und einige seiner Zeitgenossen im Automobil-Bereich vollbrachten, um dann zu ergänzen: Heute machen wir das gleiche, um die Innovation zu fördern. Wir laden Software-Entwickler aus aller Welt ein, uns dabei zu helfen, durchdachte und sinnvolle Lösungen zu liefern, welche das Fahrerlebnis verbessern Die Details zu diesem neuen Ford Developer Program stellte dann Hau Thai-Tang, Fords Vice President of Engineering, vor. Unter developer.ford.com finden potenzielle Entwickler alle Einzelheiten rund um das Connectivity-System Sync und Fords API die Software-Entwickler (!!!) haben. Ford hofft auf Apps in den Bereichen Musik & Entertainment, News & Information, Networking, Standortbestimmung und Navigation, Gesundheit & Wohlbefinden (Health & Wellness) sowie persönliche Produktivität. Diverse Apps zeigte das Unternehmen auch an seinem Stand in Aktion. Zur Vermarktung hatte Ford an vielen Stellen im Zentralbereich der Messe jeweils ein anderes Fahrzeug platziert, bei dem jeweils eine andere App vor allem im Bereich Musik-Streaming beziehungsweise Internet-Radio hervorgehoben wurde und gleichzeitig eine Gewinnmöglichkeit bestand. Auch Chrysler, Hyundai und Kia zeigten diverse Lösungen rund um die Internet-Anbindung des Fahrzeugs. Lexus wiederum präsentierte sich auf der CES als Technologie-Vorreiter in punkto Safety. Mehr zu diesem geschickten Marketing-Schachzug der Toyota-Tochter lesen Sie im Internet unter infodirekt 309AEL0113. Automotive Elek 178x62 de flash.qxd:layout 1 24/1/13 12:23 Page 1 BLEIBEN SIE AUF DER ÜBERHOLSPUR Beschleunigen Sie die Entwicklung von Kombiinstrumenten, Head-up-Displays, Infotainmentsystemen und modernen Fahrerassistenzsystemen (FAS) mit leistungsstarken Halbleiter-Lösungen von Toshiba. Der schnellste Weg zu weiteren Informationen führt über: Grafik-Display-Controller aus der "Capricorn"-Baureihe für Kombiinstrumente mit 2D- und 3D-Displays LSIs aus der "Visconti"-Serie für die Bilderkennung und neue Kamerasensor-Chips für FAS Eine breite Palette von Speicherlösungen von NAND - Flash-Speicherchips bis hin zu HDD-Festplatten. NÜRNBERG: , HALLE 4, STAND Automobil Elektronik 01/

20 Die aktuelle Reportage CES 2013 Grafi k: Delphi Foto: Alfred Vollmer Bild 3: Delphi hat ein System entwickelt, mit dem das drahtlose Laden von Consumer-Elektronik-Geräten an diversen Stellen im Fahrzeug möglich wird. Bild 4: Julius Marchwicki, Global Product Manager für AppLink und Connected Services bei Ford, zur App-Community: Das Automobil ist jetzt open for business, aber Ablenkung vom Fahren ist Tabu für die Auto-Apps. Als einziger europäischer OEM auf der CES vertreten: Audi Audi wiederum präsentierte einen Teil seines Innovations-Portfolios und informierte beispielsweise die Presse über das pilotierte Fahren (siehe Ludwigsburg-Bericht unter infodirekt 306AEL0412). Auf dem Stand gab es nicht nur als Hingucker den neuen Audi RS 5 Cabriolet und den siegreichen Le Mans-Rennwagen Audi R18 e-tron quattro zu sehen sondern auch diverse auf die Technik fokussierte Exponate. So präsentierten die Ingolstädter in einem als Technikträger fungierenden Audi Q7 unter dem Namen Audi Q7 sound concept sowie in einer kino-ähnlichen Umgebung 3D-Sound fürs Auto: Mit Stereo und 5.1-Surround-Sound bleibt die Musikwiedergabe in einer Ebene und ignoriert damit die in den Musikaufnahmen enthaltenen Informationen aus der dritten Dimension. Bei Konzerten werden die Schallwellen auch am Boden und der Decke reflektiert sowie zum Teil durch Lautsprecher über der Bühne gezielt abgegeben. Die akustische Räumlichkeit der Musikaufnahme wird durch 3D-Klang natürlicher wiedergegeben als zuvor ein echtes Erlebnis, zumal Audi für diese Demo im Gegensatz zu anderen OEMs auf der CES bewusst die Türen des Fahrzeugs schloss, so dass sich das Fahrzeug im Innern als ruhige Insel im Messelärm erwies, die das Sound-Erlebnis richtig zur Geltung brachte: Cocooning pur. Sehr eindrucksvoll präsentierte Audi auch seine Licht-Technologie: von einem OLED-Technologieträger über ein Laser-Schlusslicht bis zum Matrix-Beam-Scheinwerfer auf LED-Basis, der kameragesteuert und ganz ohne Schwenk-Mechanik Teile des Scheinwerfers ausblendet, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird. Nicht nur Audi selbst sondern auch seine Zulieferer waren vertreten. So stellte Nvidia neben einem Tesla S vor allem einen Audi ins Zentrum seines Messestands, weil ein Tegra-Prozessor als Herzstück des Audi-Infotainments fungiert. Gleichzeitig präsentierte der Chiphersteller auch sein neustes IC, den Tegra 4. Connectivity für Daten und Power Nicht nur die drahtlose Datenkommunikation (Connectivity) sondern auch das drahtlose Laden mobiler Endgeräte scheint sich in Zukunft seinen Weg bis zum Endkunden zu bahnen. So zeigte Delphi beispielsweise eine Technologie-Lösung, bei der an vielen Stellen des Fahrzeugs (siehe Bild 3) Vorrichtungen für das drahtlose Laden von Smartphones, Tablets, Media-Playern, Aftermarket- Navis etc. vorhanden sind. Aus Sicht von Jeffrey J. Owens, Chief Technology Officer bei Delphi, entfallen damit nicht nur die lästigen Ladekabel und Steckverbinder, sondern es erhöht sich damit auch die Verkehrssicherheit: Der Ladevorgang stellt auch eine potenzielle Quelle für Ablenkungen dar, weil die Fahrer die Augen von der Straße nehmen, wenn sie ein Gerät in einen Lade-Anschluss einstecken wollen. Da auch viele andere Unternehmen Lösungen für drahtloses Laden jenseits des Autos zeigten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest auf der Endgeräte-Seite bald ein derartiger induktiv gekoppelter Ladeanschluss weit verbreitet sein wird. In der nächsten Ausgabe der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK werden wir in unserem Schwerpunkt zum Thema Infotainment & Multimedia ausführlicher auf einige Konzepte eingehen, die auf der CES von OEMs und Zulieferern erstmals vorgestellt wurden. Unter infodirekt 301AEL0113 erhalten Sie bereits vorab weitere Infos zu den in Las Vegas vorgestellten Lösungen: von der individuell anpassbaren Bedienungs-Oberfläche des Infotainments bis zu diversen Connectivity-Lösungen. Der Autor: Alfred Vollmer ist Redakteur der AUTOMOBIL-ELEKTRONIK. CES Apps überwachen den Fahrer und helfen ihm Für den Aftermarket präsentierte Delphi sein Connected Car and Vehicle Diagnostic Module. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus einem Dongle für den OBD2-Bus und einer multifunktionalen Smartphone-App. Damit soll der Werbung zufolge der Zugriff auf die Familienfahrzeuge überall per Smartphone oder Web-Browser möglich sein. Die Software liefert dem Anwender aufbereitete Klartext-Infos aus dem Fehlerspeicher, aber auch viele zusätzliche Features wie (Schlüssel-)Funkfernbedienung über das Handy, Standortermittlung über den eingebauten GPS-Empfänger, Live-Tracking, -Benachrichtigung beim Verlassen eines bestimmten Geofence -Bereichs oder bei Überschreitung der Geschwindigkeit (offi ziell nur für minderjährige Fahrer gedacht) sowie weitere Applikationen, die bei uns wohl zu herben Problemen in punkto Datenschutz führen würden. Das System verkauft Delphi nicht in Eigenregie sondern über den amerikanischen Mobilfunkanbieter Verizon in einem Bundle aus Dienstleistung und Hardware. Es soll mit den meisten in den USA seit 1996 verkauften Fahrzeugen funktionieren. Selbst Fahrerassistenzsysteme für den Aftermarket waren auf der CES zu sehen beispielsweise ein LDW mit Auffahr-Warner von MobilEye. infodirekt 301AEL AUTOMOBIL ELEKTRONIK 01 / 2013

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