Personalbindung und Fachkräftesicherung in der AWO

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1 Abschlusstagung Personalbindung und Fachkräftesicherung in der AWO Brigitte Döcker, Mitglied des Vorstandes, AWO Bundesverband e.v.: Begrüßung: Abschlusstagung des ESF-Projektes Lernnetzwerk Personalbindungskonzepte in der stationären Altenpflege Wir möchten Ihnen auf der heutigen Tagung die Erfahrungen und Ergebnisse vorstellen, die im Rahmen des Verbundprojektes Lernnetzwerk Personalbindungskonzepte in der stationären Altenpflege entstanden sind. Das Projekt fand statt im Rahmen des ESF-Programms rückenwind Für die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft, das von dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der europäischen Kommission mit ESF-Mitteln gefördert wird. Verbundprojekt Das Besondere an dem Projekt ist, dass es ein Verbundprojekt war, das der Bundesverband initiiert und gemeinsam mit den Bezirksverbänden Braunschweig und Oberbayern durchgeführt hat. Es gibt ein gemeinsames Projektziel und gemeinsame Aktivitäten, aber jeder Partner hat auch seine eigenen Aktivitäten umgesetzt. Zwischen dem Bundesverband und den beiden Bezirksverbänden gab es eine klare Aufgabenteilung. Die Bezirksverbände haben vor Ort für ihre Einrichtungen in der stationären Altenpflege Konzepte der Personalbindung entwickelt und während der Projektlaufzeit umgesetzt. So haben z.b. alle Führungskräfte der 22 Einrichtungen in Oberbayern an einer Schulung zur Dienstplansicherheit teilgenommen und in Braunschweig wurden z.b. in fünf Einrichtungen der stationären Altenpflege Gesundheitszirkel eingerichtet. Der Bundesverband hatte als zentrale Aufgabe, die Erfahrungen und Ergebnisse, die vor Ort in den Bezirksverbänden entstanden sind, einer Fachöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und Veranstaltungsformate zu entwickeln, damit andere Träger und Einrichtungen davon profitieren können. In diesem Punkt unterscheidet sich das Projekt von anderen rückenwind Projekten, aber auch von anderen Konzepten der Personalbindung innerhalb der AWO. Diese werden vor Ort entwickelt und umgesetzt, sind aber meistens in ihrer Wirkung auf die eigene Gliederung oder Region beschränkt.

2 -2- Mit der Konzeption Verbundprojekt wollten wir es von vornherein anders machen. Der Bundesverband hat in dem Projekt Veranstaltungsformate, wie Transferworkshops und Tagungen durchgeführt und zwar mit der Intention, dass die Teilnehmenden Anregungen und konkrete Informationen für eine Umsetzung ähnlicher Konzepte in ihren Einrichtungen und Diensten erhalten. Neben der heutigen Tagung haben wir in den Transferworkshops Interessenten aus der AWO die Möglichkeit gegeben, sich mit den spezifischen Themen des Projektes intensiver zu befassen. Die Transferworkshops boten einen ungeschminkten Einblick in die Umsetzungen und in die damit verbundenen Ergebnisse, aber auch die Stolpersteine, die im Rahmen der Arbeit immer wieder auftauchten. Dieses Ziel, die Verbreitung und Sichtbarkeit von Aktivitäten in der Personalbindung innerhalb der AWO zu fördern, hat der Bundesverband über die Projektpartnerschaft hinaus verfolgt. Darum war ein wichtiger Aspekt des Projektes die Vernetzung möglichst aller AWO Projekte aus den ESF-Programmlinien rückenwind, gleichstellen und weiter bilden. Bei der Fachtagung So wertvoll wie nie zu vor Personalbindung in der AWO vor einem Jahr, konnten somit viele Ansätze, Konzepte und Instrumente aus diesen Projekten der AWO-Öffentlichkeit vorgestellt und ein innerverbandlicher Dialog zur Personalbindung angeregt werden. Die im Projekt entwickelte Datenbank fachkräftesicherung.awo.org liefert einen guten Überblick über diese Projekte. In ihr kann man recherchieren, wer in der AWO bereits zu welchem Thema der Personalgewinnung und bindung arbeitet und welche Instrumente in den Projekten entstanden sind. Weiterhin bietet sie die Möglichkeit direkt mit den zuständigen Projektverantwortlichen Kontakt aufzunehmen. Mit der Datenbank wollen wir auch über die Projektlaufzeit hinaus die Vernetzung und den Austausch untereinander fördern. Die Kooperation der Akteure der Personalentwicklung untereinander zu fördern und regional entstandene Konzepte bundesweit zur Verfügung zu stellen, werden wir als Bundesverband über den AK Personal und die Geschäftsführungskonferenz sowie über die Fortbildungen der Akademie weiterverfolgen. Die Abschlusstagung Auf der heutigen Abschlusstagung wollen wir Ihnen zeigen, was in den letzten fast drei Jahren bei den Bezirksverbänden Braunschweig und Oberbayern zur Mitarbeiterbindung entwickelt und umgesetzt wurde. Beide Bezirksverbände haben auf unterschiedliche Schwerpunkte in der Personalbindung gesetzt.

3 -3- Der Bezirksverband Oberbayern stellte als übergeordneten Aspekt die Work-Life- Balance als Ansatz zur Förderung der Mitarbeiterzufriedenheit in den Vordergrund. Auf der Tagung stellen Ihnen die Kollegen aus dem Bezirksverband zwei Ergebnisse zur Förderung einer mitarbeiterorientierten Dienstplangestaltung vor: den Leitfaden familienbewusste Dienstplangestaltung und das Schulungspaket zur Dienstplansicherheit. Alle Einrichtungsleitungen der 22 stationären Altenpflegeeinrichtungen in Oberbayern haben an diesen Schulungen teilgenommen. Morgen erhalten Sie Einblick in das Schulungsprogramm emofit, einem Training zur Stärkung der Mitarbeitenden bei psychischen Belastungen. Hierin sind während des Projekts fast alle Mitarbeitenden aus allen Bereichen und Hierarchieebenen in der stationären Altenpflegeeinrichtung geschult worden. Im Bezirksverband Braunschweig lag der Fokus zur Personalbindung auf der Stärkung der Führungskräfte, die generell eine zentrale Bedeutung bei der Förderung der Mitarbeiterzufriedenheit haben. Heute wird Ihnen ein Führungsförderungsprogramm vorgestellt, das der Bezirksverband während der Projektlaufzeit entwickelt und durchgeführt hat. An dem Programm haben sich über 30 Personen beteiligt, die entweder eine Führungstätigkeit anstreben oder diese bereits innehaben. Mit sogenannten Begrüßungs- und Führsorgegesprächen haben die Führungskräfte im Bezirksverband Braunschweig ein niederschwelliges Instrument, das sie frühzeitig vor Einsetzen des Betriebliches Wiedereingliederungsmanagements befähigen soll, Belastungen der einzelnen Mitarbeiter zu erkennen und diese ggf. ausgleichen zu können. Eingerahmt werden die praktischen Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Projekt von zwei Vorträgen, die den theoretischen Hintergrund von Mitarbeiterbindung beleuchten. Herr Dr. Horn-Wagner gibt Ihnen einen Einblick, welche Bedeutung Mitarbeiterbindung für eine Einrichtung hat, wovon sie abhängt und welche Rolle und Funktion dabei den Führungskräften zukommt. Dem betrieblichen Gesundheitsmanagement wird eine zentrale Bedeutung für die Personalbindung zugewiesen. Wie dieses Thema strategisch in einem Verband und den dazugehörigen Einrichtungen verankert werden kann, werden Sie morgen aus dem Bezirksverband OWL erfahren.

4 -4- Zum Abschluss der Tagung möchten wir mit Ihnen über unsere Erkenntnisse aus dem Projekt diskutieren, von Ihren Erfahrungen und Konzepten mit Personalbindung in Ihren Einrichtungen hören und den Austausch untereinander anregen. Was haben andere AWO Gliederungen im Programm Rückenwind geleistet? In dem Programm rückenwind für die Beschäftigten der Sozialwirtschaft sind 17 Projekte der AWO gefördert worden. Das betriebliche Gesundheitsmanagement und die Förderung von Führungskräften waren Schwerpunkte der AWO Aktivitäten. In den Projekten Das Gold in den Köpfen - Nachwuchs fördern, Vielfalt stärken vom Bezirksverband Niederrhein oder TAFF vom Landesverband Schleswig-Holstein sind innovative Konzepte zur Identifikation von Potentialen von Mitarbeitern entstanden, die in passenden Förderkonzepten umgesetzt wurden. In dem Projekt Nachwuchsförderung Gewinnung junger Menschen für die Beschäftigung in der Sozialwirtschaft durch aufsuchende Berufsberatung des Bezirksverband OWL sind nachhaltige Kooperationen und Strukturen zur Gewinnung von Schüler/innen aufgebaut worden. Bei den Projekten Die Gemeinschaftspartner des Bezirksverbands Sachsen und Stark und motiviert für ein modernes Pflegekonzept des Bezirksverbands Baden stehen neue Ansätze der Arbeitsorganisation und der Pflegekonzepte im Vordergrund. Die Projektbeschreibungen mit Kontaktadressen und teilweise auch die entstandenen Instrumenten finden Sie auf der Datenbank fachkraeftesicherung.awo.org Wie geht es mit dem Thema Personalbindung und Fachkräftesicherung nach Projektende beim Bundesverband weiter? Auch nach Projektende wird der Bundesverband die Aktivitäten, die vor Ort in den Gliederungen und Einrichtungen zur Personalgewinnung und -entwicklung entstanden sind und weiter entstehen, durch Vernetzung und Veranstaltungen dem Gesamtverband zur Verfügung stellen. Die Datenbank zur Fachkräftesicherung werden wir auch nach Projektende mit an uns gemeldeten Projekten und Konzepten zur Personalentwicklung bestücken und die Vernetzung der zukünftig im neuen ESF-Programm geförderten AWO-Projekte dann fortsetzen. Der BUKO Beschluss Dem Fachkräftemangel entgegen wirken definiert dies explizit als Aufgabe des Bundesverbands zur Sicherung der Fachkräfte in den Diensten und Einrichtungen. Die Transferworkshops, die in dem Projekt als erfolgreicher Ansatz zur Verbreitung von Praxisansätzen entwickelt wurden, werden wir auch in Zukunft für die Verbreitung innovativer Konzepte und Instrumente der Personalentwicklung anbieten.

5 -5- Was ist sonst noch wichtig für das Thema Fachkräftesicherung aus Sicht des Bundesverbandes? Neben den aktiven Maßnahmen vor Ort in den Einrichtungen, die die AWO in ihrer Funktion als Arbeitgeber umsetzt, sind aus Sicht unseres Verbandes die politischen Rahmenbedingungen für die Fachkräftesicherung entscheidend und die daran gebundene Erbringung von qualitativ hochwertigen Dienstleistungen in der Pflege. Immer wieder wird auch innerhalb der AWO das Thema Anwerbung von ausländischen Fachkräften aus Europa aber auch anderen Staaten der Welt diskutiert. Die AWO sieht, dass Anwerbung nur einen geringen Beitrag zur Beseitigung des Fachkräftemangels leisten kann. Die AWO hat aber aufgrund der verstärkten innerverbandlichen und öffentlichen Diskussion sowohl in einem eigenen Positionspapier als auch in einem gemeinsamen mit den anderen in der BAGFW kooperierenden Wohlfahrtsverbänden die Bedingungen beschrieben, unter denen eine faire Anwerbung erfolgen kann. Wir müssen uns auch die Folgen von Anwerbung auf die Menschen und die Herkunftsländer ansehen und dafür Verantwortung übernehmen. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Pflege und die Gewinnung von bereits in Deutschland lebenden Migranten oder die Migranten, die auf eigene Initiative nach Deutschland kommen für eine Tätigkeit in der Pflege, haben für die AWO Vorrang. Die Forderung der AWO nach einem einheitlichen Entgelttarifvertrag Soziales ist eine zentrale Forderung um gute Rahmenbedingungen für die Beschäftigen zu schaffen und so das Image der Pflege aufzuwerten und dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken.

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