Die umgekehrte Hypothek ist schwere Kost. Die Altersversorgung ruht in der Regel auf drei Pfeilern. Zuerst

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1 23. Oktober 2009 Die umgekehrte Hypothek ist schwere Kost Die Altersversorgung ruht in der Regel auf drei Pfeilern. Zuerst kommt die gesetzliche Rente. Dann folgen die betrieblichen Leistungen. Zum Schluß wird das private Vermögen angezapft. Es besteht in vielen Fällen aus dem Eigenheim und freiem Kapital, so daß die Gesamtrente aus vier Quellen gespeist wird. In einzelnen Haushalten, vor allem bei Freiberuflern und Gewerbetreibenden, sieht die finanzielle Wirklichkeit weniger rosig aus. Hier reicht die gesetzliche Rente, sofern sie überhaupt fließt, fürs tägliche Leben, aber betriebliche Zuwendungen sind ein Fremdwort. Das Eigenheim mag schuldenfrei sein, doch zusätzliches Vermögen wie Anleihen, Immobilien und Aktien ist nicht vorhanden. Genauso kann es auch Angestellten gehen, und die Tendenz, daß es so kommen wird, nimmt in starkem Maße zu. Das liegt in erster Linie an der Lebensgestaltung, die sich in den letzten Jahren gewaltig geändert hat. Die akademische Ausbildung verschlingt viel Zeit. Danach kann es eine Weile dauern, bis der Einstieg in das Berufsleben klappt. Wenn überhaupt geheiratet wird, findet die Hochzeit selten vor Ende 20 oder Anfang 30 statt. Die ersten Kinder kommen bei vielen Frauen mit Mitte 30. Das Eigenheim wird mit Ende 30 angepackt. Wenn dann auch noch die Finanzierung auf 25 oder 30 Jahre angelegt wird, sind Engpässe kaum zu vermeiden. Hier steht kein oder wenig Geld für den Aufbau des freien Vermögens zur Verfügung, so daß im frühen Alter guter Rat teuer ist. 1

2 Die jungen Rentner, vormals angestellt oder selbständig, sitzen in der Falle. Sie leben in goldenen Käfigen, die oder Euro wert sind, doch die laufenden Bezüge sind so gering, daß die Frage auftaucht, wie die Objekte versilbert werden können, um den Lebensabend in finanzieller Hinsicht aufzuhellen. Die konkreten Chancen und Risiken aktueller Lösungen werden in folgendem Fall deutlich. Ein Handelsvertreter ist 68 Jahre alt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder, die finanziell auf eigenen Beinen stehen. Der Vater hat über viele Jahre hinweg gut verdient. Allerdings hat der Vertreter, wie das im Verkauf üblich ist, auch flott gelebt. In den Anfangsjahren sind die Provisionen sofort in den Konsum geflossen. Später hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß es nicht nur Einnahmen und Ausgaben, sondern auch noch Steuern gibt. So hat es für größere Rücklagen nie gereicht. Autos, Kleidung und Urlaube stand immer an vorderster Stelle. Vor diesem Hintergrund war das Leben des Handelsvertreters von Provisionen, Konsum und Steuern bestimmt, und es ist fast ein Wunder, daß der Familienvater wenigstens das Eigenheim gebaut und die Kredite getilgt hat. Die Reserve ist heute Gold wert, weil die gesetzliche Rente nur Euro pro Monat beträgt. Die laufenden Ausgaben für Auto, Ernährung, Haus, Kleidung und Versicherungen betragen aber Euro pro Monat. Der Rentner macht trotz seiner 68 Jahre noch das eine oder andere Geschäft, doch auf Dauer sind die Einnahmen im Verhältnis zu den Ausgaben zu gering. Daher ist es kein Wunder, daß das Eigenheim, das etwa Euro wert ist, immer mehr in den 2

3 Blickpunkt der familiären Diskussionen und Gespräche rückt: Verkaufen, Verschulden oder Verrenten? Der einfachste Weg ist der Verkauf des Hauses, doch dieser Schritt erscheint dem Mann wie ein Offenbarungseid. Er hat Jahrzehnte für das Eigenheim geschuftet und die Schulden abgetragen, so daß es eine bittere Erfahrung wäre, diesen Schatz wieder aus der Hand zu geben. Trotzdem kann der Umzug in eine Mietwohnung sinnvoll sein. Der Verkauf des Hauses liefert, falls es für Euro über den Tisch geht, monatliche Einnahmen von Euro Protokoll 1. Voraussetzung für diesen Wert sind drei Dinge. Erstens: Das Geld wird 17 Jahre angelegt, weil der Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit noch so lange leben wird. Zweitens: Das Kapital wird zu 4 Prozent vor Steuern in sichere Geldanlagen investiert, damit nach dem Abzug der Abgeltungsteuer noch 3 Prozent übrig bleiben. Drittens: Das Vermögen muß im Laufe der Zeit aufgebracht werden, so daß der fidele Mann nicht auf die tollkühne Idee kommen sollte, vielleicht 87 oder 90 Jahre alt zu werden. Von den Euro ist die Miete für die neue Wohnung abzuziehen. Je billiger die Mietswohnung ist, desto höher ist die freie Rente. Bei einer Kaltmiete von Euro kann die Wohnung warm Euro kosten, so daß die wahre Zusatzrente im vorliegenden Fall voraussichtlich Euro betragen wird. Der zweite Weg auf dem Weg zum flüssigen Eigenheim sind die Aufnahme und die Anlage von Geld. Der Handelsvertreter beleiht das Objekt bis zum Dachfirst und nimmt Euro auf. Dafür bezahlt er bei zehnjähriger Zinsbindung nominal 5 Prozent pro Jahr. Wenn er Glück hat, 3

4 verlangt die Bank gar keine Tilgung, sondern gibt sich mit den monatlichen Zinsen zufrieden. In diesem Fall würde die Rate monatlich Euro betragen Protokoll 2. Die Euro fließen in einen Investmentfonds, der zu gleichen Teilen aus Aktien und Renten besteht. Die Mischung soll 5 Prozent pro Jahr nach Steuern bringen, und das Kapital wird im Laufe der 17 Jahre aufgezehrt. Das führt zu einer Rente von Euro pro Monat Protokoll 3. Die Differenz zwischen Kreditrate und Fondsrente beträgt DM und ist die effektive Zusatzrente. Außerdem kann es nach dem Tod des Handlungsreisenden a.d. für die Nachkommen noch ein Resterbe von Euro geben, wenn der Hauswert höher als die Restschuld ist. Der verständliche Wunsch, bis zum Tode im Eigenheim zu leben, hat jetzt die Stiftung Liebenau auf den Plan gerufen. Sie bietet älteren Menschen die Möglichkeit, ihr Haus gegen Zahlung einer Leibrente kaufen. Die Oberschwaben sind aber keine Samariter, sondern Leute, die wissen, wo der Bartel den Moscht holt, wie man in diesem Landstrich sagt. Sie wissen, was eine Sterbetafel ist. Sie können Immobilien bewerten, und auch Zinsen sind ihnen nicht fremd. Sie lassen den Handelsvertreter erst einmal 88 Jahre werden. In den 20 Jahren wird das Haus mit 2 Prozent abgeschrieben. Folglich sinkt der Wert im Laufe der Zeit von auf Euro. Sie wollen einen Zins von 4,5 Prozent pro Jahr. Folglich würden sie dem Handelsvertreter eine Rente von 563 Euro pro Monat zahlen. Dahinter verbirgt sich für die Stiftung ein Sparvertrag. Sie zahlt 20 Jahre monatlich 563 Euro in den Topf, sprich in den Handelsvertreter, und am 4

5 Schluß müssen im Hafen, wie der Topf im Schwäbischen heißt, bei einem Zins von 4,5 Prozent mindestens Euro sein Protokoll 4. Die Differenz zu den kalkulierten Euro ist Reserve. Nun ist der Handelsvertreter am Zuge. Er hat die Wahl der Qual. Der Wechsel in die Mietswohnung bringt Euro, die Geldaufnahme führt zu Euro, und die Stifterrente spült 563 Euro in diese Kasse. Bei diesen Zahlen spricht vieles für die erste Lösung. Der Haken an der Sache ist aber das Risiko steigender Mieten. Die zweite Lösung birgt die Gefahr steigender Zinsen und gewisser Tilgung in sich. Vor diesem Hintergrund kann die Stifterrente durchaus eine Überlegung wert, frei nach dem Motto: Weniger ist manchmal eben doch mehr. Erstens darf der Mann in diesem Modell auch 90 oder 95 Jahre alt werden, ohne aus dem Haus vertrieben zu werden, und zweitens ist die Rente sicher. Folglich kann man dem Renter bei dem Rentenmodell nur mit dem lateinischen Trinkspruch zuprosten: Ad multos annos! Volker Looman ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Reutlingen und berät Freiberufler auf Honorarbasis in Vermögensfragen. Kontakt Herderstraße Reutlingen Telefon: / Fax: / Internet: 5

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