Arbeitsmedizinische Vorsorge

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1 Arbeitsmedizinische Vorsorge Welche Ziele sollten Sie erreichen? Arbeitsbedingte Gesundheitsstörungen und Berufs krankheiten der Beschäftigten werden frühzeitig erkannt und verhütet. Beschäftigte, die gefährdende Tätigkeiten ausführen, bleiben gesund. Welche Anforderungen müssen Sie erfüllen? Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen gehören zu den Maßnahmen, die aus der Gefährdungsbeurteilung abgeleitet werden. Je nach Gefährdung müssen Sie Ihren Beschäf - tigten Vorsorgeuntersuchungen und/oder Impfungen anbieten, beziehungsweise diese Maßnahmen veranlassen. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Betriebsarzt beraten. Nur Ärzte mit der Bezeichnung Betriebs- /Arbeitsmedizin können mit der Durchführung von arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen beauftragt werden. Sie führen die Vorsorgeuntersuchungen nach vorgegebenen Standards durch (G-Grundsätze). Welche Arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen sind in einer Pflegeeinrichtung erforderlich? Entsprechend dem Zeitpunkt unterscheidet man zwischen Erstuntersuchung, Nach untersuchungen und nachgehenden Untersuchungen. Für Jugendliche sind Erst- und Nachuntersuchungen gesetzlich verpflichtend vorgeschrieben (siehe Jugendarbeitschutzgesetz (JArbSchG)). Sichere Seiten: Arbeitsmedizinische Vorsorge 1

2 Erstuntersuchung Sie wird durchgeführt bevor der Beschäftigte erstmals eine Tätigkeit in einem mit einer Gefährdung oder Belastung verbundenen Arbeitsbereich aufnimmt. Mit der Erstuntersuchung soll festgestellt werden, ob die gesundheitlichen Voraus - setzungen für die Arbeitsaufnahme gegeben sind. Nachuntersuchungen Sie finden in regelmäßigen Abständen statt, um zu prüfen, ob sich die Gefähr - dung oder der Gesundheitszustand verändert hat. Sofern die Wiederholungs - fristen gesetzlich nicht vorgeschrieben sind, legen Sie als Arbeitgeber die Termine aufgrund Ihrer Gefährdungsbeurteilung fest. Nachgehende Untersuchungen Sie finden nach Beendigung bestimmter Tätigkeiten statt, bei denen nach längerer Latenzzeit Gesundheitsstörungen auftreten können. Außerdem unterscheidet man zwischen Pflicht-, Angebots- und Wunsch unter - suchungen: Pflichtuntersuchungen Pflichtuntersuchungen sind vom Arbeitgeber zu veranlassen und Voraus setzun - gen für die Ausübung der Tätigkeit. Es gehört zu den Pflichten der Beschäftigten, an den Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen. Ohne die Bescheinigung über die Durchführung einer verpflichtenden Vorsorgeuntersuchung dürfen Beschäftigte keine gefährdenden Tätig - keiten ausüben. In der Regel erfolgt die erste Nachuntersuchung nach einem Jahr. Weitere Nachuntersuchungen erfolgen nach 1 bis 5 Jahren, abhängig vom Gefähr dungs - potenzial. Bei besonderen Vorkommnissen, wie etwa Stich ver letzungen, müssen vorzeitige Nachuntersuchungen veranlasst werden dieses ist auch im Notfallplan festzulegen. Der Umfang dieser Untersuchungen sollte im Einzelfall mit dem Betriebsarzt geklärt werden. Angebotsuntersuchungen Jeder Arbeitnehmer hat das Recht auf arbeitsmedizinische Angebots unter - suchun gen. Die Teilnahme ist freiwillig und die ärztliche Bescheinigung nicht 2 Sichere Seiten: Arbeitsmedizinische Vorsorge

3 Voraus set zung für die Tätigkeit. Angebotsuntersuchungen, wie zum Beispiel G 37 Bildschirmarbeitsplätze, ergeben sich aus der Gefährdungs beur tei lung. Wunschuntersuchungen Jeder Arbeitnehmer hat das Recht sich auf Wunsch, je nach den Gefahren für seine Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen, es sei denn, auf Grund der Gefährdungsbeurteilung und der getroffenen Schutzmaßnahmen ist nicht mit einem Gesundheitsschaden zu rechnen. Wer trägt die Kosten? Die Kosten für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen trägt der Arbeit - geber. Die Mitarbeiter müssen für die Untersuchung freigestellt werden. Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, die in Pflegeeinrichtungen relevant sein können: Exposition Angebotsuntersuchungen Pflichtuntersuchungen Ungezielte Tätigkeiten mit regel mäßigem Kontakt zu HBV/HCV G 42 Tätigkeiten mit Infektions - gefährdung Impfberatung und Impfangebot HBV Bei Kontakt mit Kindern: Bordetella pertussis Corynebacterium diphteriae HAV Masernvirus Mumpsvirus Rubivirus Varizella-Zoster-Virus G 42 Tätigkeiten mit Infektions - gefährdung Impfberatung und Impfangebot soweit impfpräventabel Bei regelmäßigem Kontakt zu er krank ten oder krankheitsverdäch tigen Personen Tbc G 42 Tätigkeiten mit Infektions - gefährdung Feuchtarbeit Arbeiten in Feuchtigkeit oder flüssigkeitsdichten Handschuhen Fortsetzung auf der folgenden Seite Sichere Seiten: Arbeitsmedizinische Vorsorge regelmäßig > 2 Stunden pro Arbeitstag G 24 Hauterkrankungen regelmäßig > 4 Stunden pro Arbeitstag G 24 Hauterkrankungen 3

4 Exposition Angebotsuntersuchungen Pflichtuntersuchungen Bewegen von Patienten und Lasten G 46 Muskel- und Skelett - Erkrankungen Bildschirmarbeit G 37 Bildschirmarbeit Nachtarbeit (23:00 bis 06:00 Uhr): Angebot von Vorsorgeunter suchungen, wenn mindestens 48 Mal im Jahr mehr als 3 Stunden pro Nacht gearbeitet wird. Vorsorgeuntersuchung nach Arbeitszeitgesetz Impfangebot Liegt eine Gefährdung durch Infektionserkrankungen vor, die durch Impfungen verhindert werden können, muss der Arbeitgeber den Beschäftigten ein Impf - angebot machen. Die Impfungen können von jedem Arzt durchgeführt werden. Eine Impfpflicht besteht für die Beschäftigten nicht. Die Kosten der Vorsorgeuntersuchungen und der Impfungen trägt der Arbeit - geber. Dokumentation Verpflichtende Untersuchungen sind zu dokumentieren: Der Betriebsarzt erstellt eine Bescheinigung für den Arbeitgeber. Werden dabei gesundheitliche Bedenken geäußert, sollte der Arbeitgeber sich durch vom Betriebsarzt beraten lassen. Der Arbeitgeber führt eine Vorsorgekartei, siehe die Formblätter Übersicht Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen und Arbeits- medizinische Vorsorgeuntersuchungen Vorsorgekartei bei den Arbeitshilfen Nr. 4. Die Vorsorgekartei ist ebenso wie die Personalunterlagen aufzubewahren. Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses händigt der Arbeitgeber den Beschäftigten eine Kopie der sie betreffenden Daten aus der Vorsorge - kartei aus. 4 Sichere Seiten: Arbeitsmedizinische Vorsorge

5 Gut vorgesorgt Tipps für die Praxis Motivieren Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Beratungs- und Impf - angebote sowie Vorsorgetermine beim Betriebsarzt oder Arbeitsmediziner wahrzunehmen. Denken Sie auch daran Grippeschutzimpfungen anzubieten. Kosten für Grippeschutzimpfungen werden von der GKV übernommen. Hinweise zur Schutzimpfungsrichtlinie des G-BA finden Sie im Internet auf Der Tetanusimmunschutz der Beschäftigten wird vom Betriebsarzt überprüft. Bei Praktikanten sollte schon vor dem Praktikum geklärt werden, wer die Kosten für Pflichtuntersuchungen und Impfungen übernimmt der Betrieb, der Ausbildungsträger oder (bei privat organisierten Praktika) der Praktikant, beziehungsweise dessen Erziehungsberechtigte. Die Kosten - frage wird im Praktikumsvertrag geregelt. Sichere Seiten: Arbeitsmedizinische Vorsorge 5

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