Entwicklung der Operationsfallzahlen

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1 Kontinuierlicher Anstieg der stationären Operationen in Deutschland - Ergebnisse einer dreidimensionalen Marktanalyse Einleitung Eine erste Auswertung der aktuellsten Leistungsdaten für die deutschen Krankenhäuser zeigt, dass sich das Marktwachstum für die stationären Operationen weiter fortgesetzt hat. Für das Berichtsjahr 2010 wurden ca. 13,933 Mio. operative Prozeduren kodiert. Dieses ist ein weiterer Anstieg um ca. 4% gegenüber der letzten offiziellen Krankenhausstatistik für das Jahr Genaue Daten werden mit der kompletten Veröffentlichung der Daten für 2010 vorliegen. Bedingt durch die hohe Komplexität der Aggregationsverfahren für die ca. 18 Mio. Datensätze sind diese Statistiken jedoch nur mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung verfügbar. Für die valide Beschreibung von Teilmärkten mittels der dreidimensionalen Marktanalyse wurden die Daten für die Berichtsjahrgänge ausgewertet. An Hand der Fallzahlstarken Indikationsbereiche operative Arthroskopie und Endoprothetik können beispielhaft verschiedene Entwicklungen genauer dargestellt werden. Entwicklung der stationären operativen Eingriffe Das Marktvolumen für Operationen hat sich in den Jahren 2006 bis 2009 positiv entwickelt. Die Fallzahl der kodierten operativen Eingriffe zeigt in diesem Zeitraum einen Zuwachs von ca. 1,455 Mio. Fällen auf insgesamt 13,441 Mio. Fälle (+12%). Entwicklung der Operationsfallzahlen Abb. 1: Gesamtfallzahlen für Operationen in der stationären Versorgung Der Anstieg der dokumentierten Reoperationen in diesem Zeitraum beträgt 25% und die Quote ist von 0,86% auf 0,96% gestiegen. Deutlich über dem Durchschnitt hat sich die Anwendung von Mikroverfahren entwickelt. Die Fallzahl der mikrochirugischen Operationen ist um 20% gestiegen. Das Marktvolumen für die Anwendung der mikroinvasiven Verfahren ist zwar um den Faktor 4 geringer, allerdings wächst dieser Teilmarkt mit +59% sehr dynamisch. 1

2 Entwicklung Fallzahlen Mikroverfahren Mikrochirugie Mikroinvasive Verfahren Abb. 2: Fallzahlen Mikrotechnische Operationsverfahren 2006 und 2009 Die verschiedenen Operationsfelder haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Die Kapitel mit den höchsten absoluten Fallsteigerungen sind der folgenden Abbildung zu entnehmen. Veränderung 2009 vs Fallzahlstärkste Operationsgruppen Operationen am Nervensystem Operationen an Haut und Unterhaut Operationen am Verdauungstrakt Operationen an den Bewegungsorganen Abb. 3: Differenz der Fallzahlstärksten Operationsgruppen von 2006 bis 2009 Das Kapitel der Operationen an Bewegungsorganen ist mit 3,946 Mio. Fällen in 2009 der größte Teilmarkt. Mit einem überdurchschnittlichen Wachstum von 19% weist dieses Kapitel die mit Abstand höchste Fallzahlsteigerung auf und wird im Folgenden beispielhaft für die zwei Gruppen Arthroskopie und Endoprothetik unter verschiedenen Marktrelevanten Gesichtspunkten analysiert. 2

3 Arthroskopische Operationen Der Teilmarkt für arthroskopische Operationen ist in dem betrachteten Zeitraum ebenfalls stetig gewachsen. Die Zunahme der Fallzahlen von 2006 bis 2009 beträgt 16% auf insgesamt 783 Tsd. Fälle. Fallzahlen operative Arthroskopie Abb. 4: Entwicklung der Fallzahlen für die arthroskopische Eingriffe von Die durchgeführten operativen Arthroskopien verteilen sich auf 6 Subgruppen. Die differenzierte Analyse ermöglicht die genaue Berechnung der Anteile für die verschiedenen Anwendungsgebiete. Verteilung Arthroskopische Gelenkoperationen 14% 1% 21% Arthroskopische Gelenkrevision 6% Arthroskopische Operation an der Synovialis 36% 21% Arthroskopische Operation am Gelenkknorpel und an den Menisken Arthroskopische Refixation und Plastik am Kapselbandapparat des Kniegelenkes Arthroskopische Refixation und Plastik am Kapselbandapparat des Schultergelenkes Andere arthroskopische Operationen Abb. 5: Anteile der Subgruppen an der Gesamtgruppe Arthroskopische Eingriffe (2009) Für jede dieser Subgruppen kann eine Regionalisierung der Fallzahlen durchgeführt werden. Die Regionalisierung der Daten kann im zeitlichen Verlauf für die Trendanalyse oder als Statuserhebung für die lokale Potenzialbewertung verwendet werden. 3

4 Den größten Anteil an den arthroskopischen Eingriffen hat mit 36% die Arthroskopische Refixation und Plastik am Kapselbandapparat des Kniegelenks. Die regionalisierte Auswertung der Fallzahlen für diese Subgruppe in den bevölkerungsähnlichen Regionen Düsseldorf, Duisburg, Essen und Kreis Mettmann ergibt unterschiedliche Marktvolumina. regionalisierte Fallzahlen Arthroskopie-Subkapitel "Kniegelenk" Düsseldorf Duisburg Essen Mettmann, Kreis Abb. 6: Regionalisierte Betrachtung des Teilmarktes für die Arthroskopische Refixation und Plastik am Kapselbandapparat des Kniegelenks (2009) Eine weitere geografische Differenzierung auf Basis der endstelligen OPS-Notationen ist bis auf die Fachabteilungsebene der Krankenhäuser möglich und erlaubt gezielte Vermarktungsstrategien. Abb. 7: Fallzahlstärkste Kliniken für die Arthroskopische Refixation und Plastik am Kapselbandapparat des Kniegelenks (2010) 4

5 Im folgenden Beispiel wurden für den Wachstumsmarkt der Endoprothetik die Variablen spezifische Marktanteile sowie Implikation der demografischen Entwicklung in die Analyse mit einbezogen. Schwerpunkt ist dabei mit der Hüft-Totalendoprothese das häufigste Einzelverfahren. Endoprothetik Der Markt für den endoprothetischen Gelenk- und Knochenersatz hat sich in den letzten Jahren ebenfalls sehr dynamisch entwickelt. Insgesamt ergibt sich in dem Zeitraum eine Steigerung des Marktvolumens um 20%. Fallzahlen Endoprothetik Abb. 8: Gesamtfallzahlentwicklung endoprothetischer Gelenk- und Knochenersatz Die größte Einzelgruppe mit einem Anteil von 49% bildet die Hüft-Endoprothetik. Dabei entfallen 82% der Eingriffe auf die Erstimplantation. Das Hauptvolumen in dem Teilmarkt der Hüft- Endoprothetik wird im Falle der Erstimplantation über den Einsatz einer Total-Endoprothese (TEP) generiert. Der Marktanteil dieser Subgruppe beträgt 73%; das Marktwachstum ist mit 5% in dem Zeitraum seit 2006 eher verhalten. Für die verschiedenen Verfahren der Hüft-TEP Implantation (zementiert, nicht zementiert, Hybrid) ergibt sich in der Feinanalyse ein Marktanteil von 66% für das häufigste Verfahren; der nicht zementierten TEP. 5

6 Marktanteile nach Implantationsverfahren 19% 15% 66% TEP, nicht zementiert TEP, zementiert TEP, Hybrid Abb.8: Anteile der Implantationsverfahren bei der Hüft-TEP (2009) Während die Verwendung der nicht zementierten Form in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist, hat die Bedeutung der zementierten Form deutlich abgenommen. Die Veränderung der Marktanteile für die verschiedenen Implantationsverfahren ist in Abbildung 9 dargestellt. Veränderung der Marktanteile nach Implantationsverfahren -9% TEP, Hybrid -21% TEP, zementiert TEP, nicht zementiert 10% -25% -20% -15% -10% -5% 0% 5% 10% 15% Abb. 9: Veränderung der Marktanteile für die Implantationsverfahren Hüft-TEP 2009 vs Die entsprechenden Daten können regionalisiert werden, um lokale Abweichungen zu analysieren und evtl. geografisch spezifisch gegenläufige Entwicklungen zu verifizieren. Dieses kann wiederum bis auf Ebene der Krankenhäuser durchgeführt werden. Für die Marktbeurteilung ist nicht nur die retrospektive Trendauswertung wichtig, sondern auch die valide mittel- und langfristige Prognose für das Marktpotenzial. Der Indikation für eine Hüft-TEP Implantation liegen im Wesentlichen zwei Diagnosen zugrunde: - ICD-10: M16 (Koxarthrose) - ICD-10: S72 (Fraktur des Femur). 6

7 Die alters- und geschlechtsspezifische Prognoserechnung für die beiden Erkrankungen lässt bis zum Jahr 2020 eine Zunahme von aktuell ca stationären Fällen auf dann ca Fälle erwarten. Dabei werden 94% des prognostizierten Zuwachses in der Altersgruppe >75 Jahre generiert. Konsequenz der starken Zunahme in den Fallzahlen ist auch eine Zunahme des Marktpotenzials für die Endoprothetik; sowohl als Erstimplantation wie auch besonders in der Indikation Revision bzw. Wechsel. Die prognostizierte Fallzahlsteigerung in der geriatrischen Altersgruppe hat Konsequenzen für das OP-Management und die Nachsorge, aber auch für die weitere Entwicklung der Marktanteile der Implantationsverfahren. Die aktuelle Altersverteilung der verschiedenen Verfahren für die Hüft-TEP und die Marktanteile in den Altersgruppen ist den folgenden Abbildungen zu entnehmen. Demnach ist die Altersverteilung in den drei Implantationsverfahren sehr unterschiedlich. Altersverteilung Hüft-TEP 30% 25% 20% 15% 10% 5% 0% < Altersgruppe TEP, nicht zementiert TEP, zementiert TEP, Hybrid Abb. 10: Altersverteilung Hüft-TEP nach verschiedenen Verfahren; Berichtsjahr 2009 Anteile der Implantationsverfahren nach Altersgrupppen 100% 80% 60% 40% TEP, Hybrid TEP, zementiert TEP, nicht zementiert 20% 0% < > Abb. 11: Anteile Implantationsverfahren nach Altersgruppen; Berichtsjahr

8 Auf Grund dieser Altersverteilung ist das Wachstum des Gesamtmarktes sehr differenziert zu betrachten. So wird der - bisher rückläufige - Marktanteil der zementierten Hüft-TEP durch den demografischen Effekt u.u. wieder deutlich zunehmen. Weiterhin müssen sich die Anbieter sowie Leistungserbringer auf ein deutlich komplexeres Patientenkollektiv mit den entsprechenden Implikationen einstellen. Nachlese Das vorgestellte Analysekonzept umfasst drei Dimensionen, die jeweils unterschiedlich stark in den einzelnen Beispielen herausgearbeitet wurden. Die drei Dimensionen des Analysemodells beziehen sich auf die: - fachliche Ebene - räumliche Ebene - zeitliche Ebene Auf der fachlichen Ebene wird die Analysetiefe der Parameter ICD, OPS und DRG für die Beantwortung der Fragestellung festgelegt. Für den wichtigsten Parameter in der Medizintechnik, den OPS, bedeutet dieses die Verwendung der vierstelligen Kodes zur Beurteilung von Gesamtmärkten bis zur Verwendung der sechsstelligen Notationen für die Analyse hochspezifischer medizintechnischer Anwendungen. Die räumliche Ebene bildet die verschiedenen geografischen Bezugsebenen ab und reicht von der nationalen Ebene bis hinunter zu der Fachabteilung eines einzelnen Krankenhauses. Mit den verschiedenen Ebenen kann das ganze Spektrum in Marketing und Vertrieb - von der Betrachtung des Gesamtmarktes für strategische Entscheidungen bis zur potenzialgesteuerten effizienten Vertriebsoptimierung - bedient werden. Die zeitliche Ebene umfasst die Trendanalyse der vergangenen Jahre und die Prognoserechnungen für frei wählbare Zeiträume. Diese Ebene ist sowohl mit der fachlichen Ebene in verschiedenen Kodierungstiefen als auch mit den verschiedenen räumlichen Ebenen kombinierbar. Die verschiedenen Ebenen können einzeln oder in Kombination für die optimale Beantwortung von spezifischen Fragestellungen zur Marktentwicklung verwendet werden. Autoren: Dr. Dirk Bartig Robert Schwanitz drg market 8

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