Problem bei der Innovation von Unterricht:

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1 Unterrichtsentwicklung in Professionellen Lerngemeinschaften Erfahrungen aus dem Projekt PIK AS Prof. Dr. Martin Bonsen Institut für Erziehungswissenschaft (IfE) Westfälische Wilhelms-Universität Münster 12. März 2014, Berlin Problem bei der Innovation von Unterricht: Die Breitenwirkung einer Reform im Schulbereich ist umso geringer, je näher sie am Verständnis von Wissen und Lernen und den Lehr-Lernformen im Unterricht ansetzt (Elmore 1996, Staub 2001).

2 Die Ausbreitung einer Innovation wird erschwert durch die spezifische Organisation der Lehrerarbeit. im Arbeitsalltag wenig Kontakt zu anderen Lehrkräften Abgeschiedenheit der Lehrerarbeit im Klassenzimmer Schulen als lose gekoppelte Systeme Mangel an Rechenschaft und Evaluation (Weick 1982) pädagogische Autonomie : Lehrkraft kann Innovation umsetzen oder nicht und muss sich nicht vor anderen rechtfertigen Die Ausbreitung einer Innovation wird erschwert durch individuelle Unterrichtsskripte ( scripts )und Überzeugungen ( beliefs ). scripts und beliefs sind stabil (Seidel & Prenzel 2006) Veränderung von beliefs nur langfristig in kooperativer und forschungsorientierter Auseinandersetzung mit der eigenen Praxis möglich (Richardson & Placier 2002)

3 Warum verändern Forschungsergebnisse und gute Konzepte so häufig den Unterricht nicht? Weiterbildung, Lektüre einschlägiger Zeitschriften und Bücher führen kaum zu Veränderungen in der unterrichtlichen Praxis (Staub 2001; Millar, Leach & Osborne 2000) unterrichtsbezogenes Wissen ist häufig rein träges Wissen (Renkl 2001) und nicht in alltäglichen Situationen im Unterricht nutzbar Merkmale effektiver Lehrer-Fortbildung Fokussierung auf fachliches und fachdidaktisches Wissen Gelegenheit, sich mit ihren eigenen und fremden unterrichtsbezogenen Überzeugungen auseinander zu setzen Wahrnehmung von Kohärenz (Möglichkeiten der Verknüpfung mit bereits bestehendem Wissen; Kohärenz mit nationalen Vorgaben, Standards und Tests) Gelegenheiten zu aktivem Lernen (durch Selbst- und Fremdbeobachtung, Planung der Umsetzung im eigenen Unterricht; Möglichkeiten zur Evaluierung von Schülerarbeiten) Quelle: Garet et al. (2001). What Makes Professional Development Effective? Results From a National Sample of Teachers. American Educational Research Journal, 38(4),

4 Unterrichtsentwicklung erfordert Teamarbeit Quelle: Höfer, C. (2006). Unterrichtsentwicklung als Schulentwicklung. In H. Buchen & H. G. Rolff (Hrsg.), Professionswissen 7 Schulleitung ( ). Unterrichtsentwicklung erfordert Teamarbeit Bestehende Strukturen aktivieren und auf Unterrichtsentwicklung ausrichten (Horster & Rolff 2001): Fachkonferenz Jahrgangsteam Bildungsgangkonferenz Klassenteam Team (Weinert 2004, S. 439f.): gewöhnlich weniger als 10 Mitglieder komplementäre Fähigkeiten und Fertigkeiten gemeinsames Leistungsziel kollektive Arbeitsprodukte geteilte Führungsrollen diskutiert, entscheidet und arbeitet zusammen misst Leistungen direkt durch Bewertung kollektiver Arbeitsprodukte

5 Strong Professional Community : Unterrichtsbezogene Kooperation Gegenseitige Unterrichtsbesuche Reflektierender Dialog Begleitung neuer Lehrkräfte in der Schule Gemeinsame Verantwortungsübernahme für die Schulentwicklung Fokussierung auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler Meta-Analyse Professional Communities and student achievement : d =.25 (Lomos et al. 2011) Quelle: Bryk, A. S. (2010). Organizing Schools for Improvement. Phi Delta Kappan, 91(7), Schlüssel-Aktivitäten in PLGen: Gemeinsame Planung von Unterrichtseinheiten, Unterrichtsstunden oder außerunterrichtlichen Aktivitäten Lernen durch gegenseitige Beobachtung (im Unterricht) Gemeinsame Betrachtung von Schülerarbeitsproben, um Schwächen und Probleme zu identifizieren und gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln

6 Kulturwandel : vom isolierten Arbeiten zur Kooperation Fokus vom Lehren zum Lernen, von summativer zu formativer Leistungsfeststellung, veränderter Umgang mit Schüler, die nicht so lernen, wie wir es erwarten: rechtzeitige Intervention Beispiel aus dem Entwicklungsprojekt PIK AS Ziel: Einführung des neuen Mathematiklehrplans an Grundschulen in NRW begleiten Laufzeit: Struktur: Zwei Teilprojekte verbinden Mathematikdidaktik ( PIK - Prozessbezogene und Inhaltsbezogene Kompetenzen ) und Schulentwicklung ( AS Anregung von fachbezogener Schulentwicklung )

7 Teilprojekt PIK (Leitung: Christoph Selter) Team aus Grundschullehrerinnen und Mathematikdidaktikern Entwicklung von U-Material zum neuen Lehrplan für das Fach Mathematik zwölf Kooperationsschulen zur Erprobung und Weiterentwicklung des U- Materials Material wird über eine eigene Internetseite kostenlos zur freien Verfügung gestellt ( 13 Unterstützung der fachbezogenen UE in Teams ( Professionellen Lerngemeinschaften ) Bildung dauerhafter Teams mit fester Teilnehmerzahl Arbeitsziel: Nutzung und Erprobung der PIK-Materialien zur Weiterentwicklung des Mathematikunterrichts (Stärkung der Förderung prozessbezogener Kompetenzen) Entwicklung einer funktionierenden Arbeitsstruktur:

8 Beispiel: Arbeitsstruktur einer PLG Einrichtung und Themenfindung Begrenzen Sie die Gruppengröße der PLG (3-5 Personen) Einigen Sie sich auf regelmäßige (wöchentliche oder zweiwöchentliche) Treffen und halten Sie diese ein Einigen Sie sich im Team darauf, woran Sie arbeiten möchten. Wählen Sie hierzu eine didaktische Notwendigkeit aus, die alle Mitglieder der Lerngemeinschaft betrifft. Arbeiten Sie nicht exemplarisch an einem Thema, das nur einer Kollegin oder einem Kollegen interessiert. Beispiel: Arbeitsstruktur einer PLG

9 Beispiel: Zielfindung und Planung Erstellen Sie einen Arbeitsplan für Ihre PLG (z.b. PLG Planungsbogen ) Wählen Sie ein Entwicklungsvorhaben aus dem Unterricht, das es erfordert, regelmäßig Arbeiten von Schülern untersuchen und Schüler zu beobachten. Halten Sie fest, wer zur PLG gehört, welche Ressourcen sie nutzen wollen und welche Regeln für ihre PLG-Arbeit gelten sollen. Beispiel: Moderation und Protokoll Jedes Mitglied der PLG übernimmt nach dem Rotationsprinzip die Moderation einer Sitzung und führt Protokoll Ökonomischer Vorschlag: PLG Arbeitsprotokoll Im Protokoll wird u.a. festgehalten, ob Schülerarbeiten gesichtet wurden und was bis zum nächsten Treffen (von wem) zu erledigen ist.

10

11 Den in der Veranstaltung gezeigten Videofilm finden Sie unter: Dort erhalten Sie auch Informationen zum Passwort für die Videos. 21 Schlüssel-Aktivitäten in PLGen: Gemeinsame Planung von Unterrichtseinheiten, Unterrichtsstunden oder außerunterrichtlichen Aktivitäten Lernen durch gegenseitige Beobachtung (im Unterricht) Gemeinsame Betrachtung von Schülerarbeitsproben, um Schwächen und Probleme zu identifizieren und gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln

12 Literatur Bastian, J. (2007). Einführung in die Unterrichtsentwicklung. Weinheim und Basel: Beltz. Helmke, A. (2010). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze Velber: Klett, Kallmeyer. Hord, S. M. (1997). Professional Learning Communities: Communities of Continuous Inquiry and Improvement. Austin: Southwest Educational Development Laboratory. Horster, L. & Rolff, H. G. (2001). Unterrichtsentwicklung. Grundlagen, Praxis, Steuerungsprozesse. Weinheim, Basel: Beltz. Lomos, C., Hofman, R. H., & Bosker, R. J. (2011). Professional communities and student achievement a meta analysis. School Effectiveness and School Improvement, 22(2), Weinert, A.B. (2004). Organisations und Personalpsychologie (5. Aufl.). Weinheim, Basel: Beltz PVU. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Prof. Dr. Martin Bonsen Institut für Erziehungswissenschaft (IfE) Westfälische Wilhelms-Universität Münster 12. März 2014, Berlin

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