Alt, arm und überschuldet? Ein Szenarium für die Schuldnerberatung im Jahr 2025

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1 Alt, arm und überschuldet? Ein Szenarium für die Schuldnerberatung im Jahr 2025 Lucia Gaschick Forschungszentrum Generationenverträge Albert Ludwigs Universität Freiburg Fachtagung Schulden im Alter Dortmund, 16. September 2009

2 Gliederung Gliederung des Vortrags 1. Demographische Entwicklung der deutschen Bevölkerung 2. Antwort auf das Demographie Problem der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV): Die neue deutsche Alterssicherungspolitik und ihre Folgen 3. Altersarmut heute und im Jahr 2025 Ein Vergleich 4. Überschuldung im Alter: Bedeutet mehr Altersarmut auch mehr Überschuldung im Alter? 5. Konsequenzen für die Schuldnerberatung in Zukunft

3 1. Demographische Entwicklung 1. Demographische Entwicklung der deutschen Bevölkerung

4 Demographische Entwicklung Entwicklung der Geburtenrate in Deutschland ,5 2 1,5 1 0,5 West Ost zusammengefasste Geburtenziffer Deutschland Jahr Quelle: Statistisches Bundesamt Ersatzniveau

5 Entwicklung der Lebenserwartung 1871 bis / / (2000) 2050 (2006) 2000/ Demographische Entwicklung Lebenserwartung bei Geburt Frauen Männer 1871/ / / / / / / / / / / / / / /2001 Quelle: Statistisches Bundesamt Jahr

6 1. Demographische Entwicklung Entwicklung der deutschen Bevölkerung Status quo Alter in Jahren Männer am Jahr 2008 AQ 34 Frauen Quelle: Statistisches Bundesamt Tausend Personen

7 1. Demographische Entwicklung Entwicklung der deutschen Bevölkerung Jahr 2025 Alter in Jahren Männer am Jahr 2025 AQ 44 Frauen Quelle: Statistisches Bundesamt Tausend Personen

8 1. Demographische Entwicklung Der Altenquotient (AQ) gibt das Verhältnis der Anzahl älterer Menschen zur Anzahl jüngerer Menschen in erwerbsfähigem Alter in einer Gesellschaft an. Altenquotient = Bevölkerung ab 65 J. Bevölkerung J. 100 Ein Altenquotient von 44 (2025) sagt somit aus, dass auf 100 Menschen in erwerbsfähigem Alter 44 alte Menschen kommen.

9 1. Demographische Entwicklung Entwicklung der deutschen Bevölkerung Jahr 2035 Alter in Jahren Quelle: Statistisches Bundesamt 1 Männer am Jahr 2035 AQ Tausend Personen Frauen

10 2. Antwort auf das Demographie Problem der GRV 2. Antwort auf das Demographie Problem der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV): Die neue deutsche Alterssicherungspolitik und ihre Folgen

11 2. Antwort auf das Demographie Problem der GRV Entwicklung der Rentenbezugsdauer 1960 bis 2005 Durchschnittliche Bezugsdauer in der GRV in Jahren Jahr

12 2. Antwort auf das Demographie Problem der GRV Ausgaben und Beiträge der GRV nach Alter 12,000 11,000 10,000 9,000 8,000 7,000 in in Euro 6,000 5,000 4,000 3,000 2,000 Rentenbeiträge Rentenleistungen 1, Jahr Jahr Quelle: Forschungszentrum Generationenverträge

13 2. Antwort auf das Demographie Problem der GRV Wenn statistisch auf einen Rentner immer weniger Beitragszahler kommen, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, um die langfristige Finanzierbarkeit sicherzustellen: Beitragserhöhungen und/oder Leistungskürzungen

14 2. Antwort auf das Demographie Problem der GRV Antwort aus Berlin: Die neue deutsche Alterssicherungspolitik 21. März 2001: Modifizierte Bruttolohnanpassung 26. Juni 2001: 5. Juli 2004: 21. Juli 2004: 9. März 2007: Staatlich geförderte Altersvorsorge (Riester) Nachgelagerte Besteuerung der Alterseinkünfte Nachhaltigkeitsfaktor Rente mit 67, Nachholfaktor

15 2. Antwort auf das Demographie Problem der GRV und ihre Folgen: Entwicklung der Beitragssätze zwischen 2003 und 2075 ohne Reformen mit Riester Beitrag in Prozent mit NHF mit Rente ab 67 (Status quo) Beitragssatzanpassung Quelle: Forschungszentrum Generationenverträge Jahr

16 2. Antwort auf das Demographie Problem der GRV Entwicklung des Nettorentenniveaus vor Steuern 2005 bis 2050 Nettorentenniveau vor Steuern in Prozent 56% 55% 54% 53% 52% 51% 50% 49% 48% 47% Jahr Quelle: Forschungszentrum Generationenverträge

17 2. Antwort auf das Demographie Problem der GRV Zwischenfazit: Stabilisierte Beitragssätze Sinkendes Leistungsniveau Gesetzliche Rente verliert zunehmend ihren früheren Status als Komplettvorsorge und wird in Zukunft eine Säule im Rahmen der Altersvorsorge sein

18 3. Altersarmut heute und 2025 Ein Vergleich 3. Altersarmut heute und 2025 Ein Vergleich

19 3. Altersarmut heute und 2025 Ein Vergleich Was ist Altersarmut? Versuch einer Definition Absolute Armut: Physisches Existenzminimum nicht gesichert Relative Armut: Sozio kulturelles Existenzminimum nicht gesichert

20 3. Altersarmut heute und 2025 Ein Vergleich Sozio kulturelles Existenzminimum und Armutsgrenze Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung: Allein Lebender: 695 Euro pro Monat Ehepaar: Euro pro Monat EU Definition: < 60 % des mittleren Einkommens (Medianeinkommen) = 982 Euro pro Monat Quelle: BMAS (2007), Integrierte Analyse der Einkommens und Vermögensverteilung, Tab. 119, S. 332 und eigene Berechnungen.

21 3. Altersarmut heute und 2025 Ein Vergleich Durchschnittliche Wohlstandsposition der alten Bevölkerung in Prozent Quelle: Hauser, R. (2009), Neue Armut im Alter, Wirtschaftsdienst, 4, S. 249; Berechnungen auf Basis der EVS 2003.

22 3. Altersarmut heute und 2025 Ein Vergleich Verteilung der Bevölkerung und der Alten auf die Einkommensklassen im Jahr 2003 Anteil der alten Bevölkerung Anteil der gesamten Bevölkerung in Prozent < 983 Euro Euro Euro Euro u. mehr Euro Quelle: Hauser, R. (2009), Neue Armut im Alter, Wirtschaftsdienst, 4, S. 250; Berechnungen auf Basis der EVS 2003.

23 3. Altersarmut heute und 2025 Ein Vergleich Zwei Szenarien: Heute 2025 Nettorente v. St. NRN v. St. Nettorente v. St., 2009 NRN v. St. Gutverdiener: Euro 55,2 % Euro 51,7 % Durchschnittsverdiener: Euro 55,2 % Euro 51,7 % Geringverdiener: 712 Euro 55,2 % 844 Euro 51,7 % Grundsicherung i. Alter: 695 Euro 882 Euro Quelle: Forschungszentrum Generationenverträge und eigene Berechnungen

24 3. Altersarmut heute und 2025 Ein Vergleich Zusammensetzung der Alterseinkommen Transferleistungen; 1 % Restl. Einkommen; 5 % Private Vorsorge; 10 % Andere Alterssicherungsleistungen; 19 % Gesetzliche Rentenversicherung; 65 % Quelle: BMAS (2008), Alterssicherungsbericht 2008, S. 98.

25 4. Überschuldung im Alter 4. Überschuldung im Alter: Bedeutet mehr Altersarmut auch mehr Überschuldung im Alter?

26 4. Überschuldung im Alter Beratene Personen und Gesamtbevölkerung 2007 nach Alter Quelle: Statistisches Bundesamt (2008), Überschuldung privater Personen und Verbraucherinsolvenzen, S. 18.

27 4. Überschuldung im Alter Hauptauslöser der Überschuldung 2007: Insgesamt und bei Personen ab 65 Jahren Gescheiterte Immobilienfinanzierung Unwirtschaftliche Haushaltsführung Gescheiterte Selbständigkeit Erkrankung, Sucht, Unfall Trennung, Scheidung, Tod des Partners Insgesamt 65 Jahre und älter Arbeitlosigkeit 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% Quelle: Statistisches Bundesamt (2008), Überschuldung privater Personen und Verbraucherinsolvenzen, S. 13.

28 4. Überschuldung im Alter Beratene Personen und Haushalte 2007 nach Haushaltstyp Sonstige Lebensform; 3 % Alleinlebende Frau; 17 % Paar mit Kind(ern); 21,2 % Paar ohne Kind; 16 % Alleinlebender Mann; 27,3 % Alleinerziehende; 15,5 % Quelle: Statistisches Bundesamt (2008), Überschuldung privater Personen und Verbraucherinsolvenzen, S. 18.

29 4. Überschuldung im Alter Beratene Personen 2007 nach Einkommensklassen: Insgesamt und ab 65 Jahren 50% 40% Insgesamt 65 Jahre und älter 30% 20% 10% 0% unter '300 2'000 2'600 bis bis bis und 1'300 2'000 2'600 mehr Quelle: Statistisches Bundesamt (2008), Überschuldungsstatistik 2008.

30 5. Konsequenzen für die Schuldnerberatung in Zukunft 5. Konsequenzen für die Schuldnerberatung in Zukunft

31 5. Konsequenzen für die Schuldnerberatung in Zukunft 4 Punkte auf dem Weg ins Jahr 2025: 1. Steigendes Überschuldungsrisiko für alte Menschen Wie können Betroffene im Notfall erreicht werden? 2. Stärkere Einkommenseinbußen für zukünftige Rentner Problem der unwirtschaftlichen Haushaltsführung 3. Mehr alte Menschen leben in Zukunft allein Problem des fehlenden sozialen Rückhalts 4. Thema Prävention Welche vorbeugenden Maßnahmen sind sinnvoll?

32 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

33 Literatur Literatur (Auszug) BMAS (2008): Alterssicherungsbericht 2008, Berlin. BMAS (2008): Der dritte Armuts und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Bonn. BMAS (2007): Integrierte Analyse der Einkommens und Vermögensverteilung, Bonn. Hauser, R. (2009): Neue Armut im Alter, Wirtschaftsdienst, Nr. 89, H. 4. Schmähl, W. (2006): Die neue deutsche Alterssicherungspolitik und die Gefahr steigender Altersarmut, Soziale Sicherheit, Nr. 55, H. 12. Statistisches Bundesamt (2008): Überschuldungsstatistik 2008, Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2008): Überschuldung privater Personen und Verbraucherinsolvenzen, Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2006): Bevölkerung Deutschlands bis 2050, Ergebnisse der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden.

34 Anhang Zusammenlebenswahrscheinlichkeiten 2002 bis 2030 Quelle: Hackmann, T./Moog, S. (2008), Pflege im Spannungsfeld von Angebot und Nachfrage, Diskussionsbeiträge der Universität Freiburg, Nr. 33, S. 7.

35 Anhang Erklärungsansätze für die gesunkene Fertilität a) Ökonomische Erklärungsansätze b) Soziologische Erklärungsansätze Gesetzliche Rentenversicherung (Kinder als Alterssicherung nicht mehr notwendig) Frauenerwerbstätigkeit Kinderbetreuungsangebot Entwicklung der Frauenlöhne (Opportunitätskosten) Elternzeit (hohe Elternzeit: entgangenes Arbeitseinkommen, Humankapitalentwertung) verändertes Rollenverständnis der Frau (keine Selbstverwirklichung mehr nur in der Rolle als Hausfrau und Mutter) veränderte Einstellung zu Familie und Ehe besseres Wissen um Empfängnisverhütung demografische Trends (Anstieg des Durchschnittsalters bei Heirat und erster Kindergeburt, abnehmende Geburtenfolge) Kinderkosten (Kinder als Konsumgut )

36 Anhang Gründe für den Anstieg der Lebenserwartung Medizinisch technischer Fortschritt Übergang von Agrar zu Industriegesellschaft, dadurch verbesserte allgemeine wirtschaftliche Situation Verbesserung der sanitären Verhältnisse Fortschritte im Bereich der Hygiene Ausbleiben von militärischen Konflikten und Epidemien

37 Anhang Entwicklung der Pflegefälle 2005 bis 2060

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