Finanzwirtschaft. Kapitel 8.: Finanzmanagement

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1 Finanzwirtschaft Kapitel 8.: Finanzmanagement Prof. Dr. Thorsten Poddig Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbes. Finanzwirtschaft Universität Bremen Hochschulring 4 / WiWi-Gebäude Bremen 1

2 Gliederung: 8.1. Aufgaben des Finanzmanagements 8.2. Finanzorganisation 8.3. Finanzplanung 8.4. Finanzkontrolle 8.5. Die Gestaltung der Kapitalstruktur und Kapitalkosten 2

3 8. Finanzmanagement 8.1. Aufgaben des Finanzmanagements Finanzmanagement: Erfüllung aller Aufgaben, die mit der Planung, Realisation und Kontrolle von Finanzströmen verbunden sind. Kappler/Rehkugler, 1991, S

4 Aufgabenbereiche: Gestaltung der Zahlungsströme aufgrund der Beziehungen zu Kapitalgebern ( Außenfinanzierung, Kap. 5. und 6.) Gestaltung der Zahlungsströme aufgrund früher getätigter Investitionen ( Innenfinanzierung, Kap. 7) Gestaltung der Kapitalstruktur 4

5 Voraussetzung für ein effizientes Finanzmanagement: Schaffung eines geeigneten organisatorischen Rahmens ( Finanzorganisation) Finanzplanung Überwachung und Kontrolle ( Finanzkontrolle) Risikomanagement 5

6 8.2. Finanzorganisation bei funktionaler Organisation Unternehmensleitung Forschung Entwicklung Einkauf Logistik Finanzen Verwaltung Fertigung Vertrieb Finanzleiter Controller Finanzmittel Dispositionen Banken Kreditwesen Debitoren Finanzbuchhaltung Finanzplanung Finanzanalyse Inland Ausland Konzern Großhandel und Importeure Einzelhandel Inland Einzelhandel Ausland Laufende Planung Wertpapierund Geldanlagen Devisengeschäfte Modellpflege Abweichungsanalyse und interne Revision Konkurrenz- und Marktanalyse 6

7 Finanzvorstand: unterstellte Instanzen: Finanzleiter (Treasurer) Finanzcontroller generelle Führungsverantwortung formuliert die Handlungsziele der ihm unterstellten Instanzen kontrolliert die finanzielle und personelle Führung des Finanzleiters und des Controllers 7

8 Finanzleiter (Treasurer): generelle Realisierungsverantwortung Aufgaben überwiegend operativer Natur, z.b. Kapitalbeschaffung und -anlage Investor Relations Kreditmanagement und Versicherungen 8

9 Finanzcontroller: generelle Rechnungsverantwortung überwiegend Planungs- und Kontrolltätigkeiten, z.b. Berichterstattung Rechnungswesen und Steuerangelegenheiten interne Revision volkswirtschaftliche Untersuchungen 9

10 8.3. Finanzplanung Planung und Budgetierung künftiger Zahlungsströme Ziel: vorausschauend die notwendigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Zahlungsbereitschaft und der Investitionstätigkeit einleiten zu können Arten von Finanzplänen: langfristig kurzfristig täglich 10

11 Langfristiger Finanzplan Ziel Sicherung der strukturellen Liquidität 5 Jahre halbjährlich erstellt Zentraler Planungsstab Genehmigung / Entscheidung Gesamtvorstand Unternehmensplanung Zeitraum Planerstellung Inhalt Planbilanz langfristige Kapitalflussrechnung Controller 11

12 Kurzfristiger Finanzplan Ziel Zeitraum Planerstellung Genehmigung / Entscheidung Sicherung der 1 Jahr Controller Finanzvorstand Zahlungsbereitschaft oder Bereichsleiter optimale Investition vorbereiten monatlich erstellt Inhalt Einzahlungen / Auszahlungen Finanzdispositionen, Liquiditätsstatusentwicklung 12

13 Täglicher Finanzplan Ziel tägliche Prüfung der Zahlungsbereitschaft 1 bis 10 Tage im voraus täglich erstellt kurzfristige Dispositionsgrundlage Gruppenleiter Zeitraum Planerstellung Genehmigung / Entscheidung Abteilungsleiter Finanzleiter Inhalt Bewegung auf Finanzkonten Liquiditätsstatus 13

14 Langfristige Finanzplanung (strategische Finanzplanung): Analyse der finanziellen Auswirkungen der generellen Ausrichtung der Unternehmenstätigkeit gängige Technik zur Analyse der eigenen strategischen Position: 4-Felder-Portfolio 14

15 relativer Marktanteil (eigene relative Stärke) Hoch Niedrig Hoch Marktwachstum (Attraktivität einer Investition) Niedrig Star Einnahmen ++ Ausgaben -- Cash flow 0 Cash-Cow Einnahmen +++ Ausgaben - Cash flow ++ Nachwuchs Einnahmen + Ausgaben -- Cash flow - Problem Einnahmen + Ausgaben - Cash flow 0 15

16 Sollposition : ausgewogene Besetzung aller vier Felder, damit 1. die strukturelle Liquidität des Portfolios insgesamt ausgeglichen ist und 2. immer ausreichend Nachwuchsprodukte zu Verfügung stehen, um dies auch in der Zukunft zu gewährleisten. 16

17 Kurzfristige Finanzplanung: Ermittlung der Zahlungsströme aus der beabsichtigten Investitionstätigkeit (Leistungsprozess) früheren Investitionsentscheidungen Ziel: Aufdeckung entstehender Liquiditätsdefizite oder -überschüsse nach Höhe und zeitlichem Anfall Planung kurzfristiger Ausgleichsfinanzierungen oder Ausgleichsinvestitionen 17

18 Tägliche Finanzplanung Ziel: Überschreitung der eingeräumten Kreditlinien auf den einzelnen Finanzkonten verhindern Verzögerung fälliger Zahlungen vermeiden Erhaltung der Kreditwürdigkeit Maximierung des Finanzergebnisses unter den genannten Nebenbedingungen 18

19 8.4. Finanzkontrolle systematischer, periodischer oder bedarfsweiser durchgeführter und institutionalisierter Vergleich von geplanten mit realisierten Finanzbeständen und -bewegungen Wichtige Ziele: Erhöhung der Treffsicherheit und Verlässlichkeit von Finanzprognosen Überprüfung der angestrebten Sollgrößen Dispositionsverbesserung Deliktaufdeckung und -vermeidung 19

20 8.5. Die Gestaltung der Kapitalstruktur und Kapitalkosten Problemstellung: Wie sind die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten (Finanzierungsformen) so zur Deckung des Kapitalbedarfs zu kombinieren, dass sich daraus die minimale Kapitalkostenbelastung ergibt? Vereinfachte Fragestellung: Welches ist die optimale Aufteilung zwischen Eigen- und Fremdkapital? Optimaler Verschuldungsgrad 20

21 Die These der optimalen Kapitalstruktur Leverage-Effekt Soweit die Gesamtkapitalrentabilität größer als der Zinssatz auf das Fremdkapital ist, führt eine zunehmende Verschuldung zu einer Erhöhung der Eigenkapitalrentabilität! Beispiel: Investitionssumme GE 1 Mio. Rendite des Investitionsportefeuilles sei 10% Fremdkapitalzinssatz sei 8%. 21

22 Leverage-Effekt bei alternativen Fremdfinanzierungsanteilen Ertrag Eigenkapital Fremdkapital Zinsaufwand Gewinn Rendite des Eigenkapitals 1,00 Mio ,00% 0,75 Mio. 0,25 Mio ,67% 0,50 Mio. 0,50 Mio ,00% 0,25 Mio. 0,75 Mio ,00% Problem: Leverage-Effekt wirkt ebenso in die entgegengesetzte Richtung! 22

23 Schematischer Verlauf der Kapitalkosten nach der traditionellen These Kapitalkosten Gesamtkapitalkosten r EK i Fremdkapitalanteil 0% optimale Verschuldungsgrad, z.b. 100% 40% Fremdkapitalanteil 23

24 Die These der Irrelevanz der Kapitalstruktur Modigliani-Miller-These Die Kapitalstruktur eines Unternehmens ist irrelevant für den Unternehmenswert, eine optimale Kapitalstruktur existiert nicht! Beweis durch Widerspruch Strategie: Annahme, es gebe eine optimale Kapitalstruktur! Welche Schlussfolgerungen ergeben sich dann? Führt dies zu einem Widerspruch, dann Annahme falsch! 24

25 Voraussetzungen: Gegeben seien zwei Unternehmen A und B derselben Risikoklasse. Beide besitzen denselben Bruttogewinn G. A sei voll eigenfinanziert. B sei teilweise fremdfinanziert; die Höhe des Fremdkapitals betrage F B, der Zinssatz i. Annahme: (Brutto-)Marktwert M B von B sei höher als der (Brutto-) Marktwert M A von A. 25

26 Folgerungen: Ein Aktionär sei am Eigenkapital von B mit einem Anteil a beteiligt. Sein Einkommen Y B aus der Beteiligung an B beträgt daher: (1) Y B = a (G - i F B ) Arbitrage: Verkauf seines Anteils an B Erlös: a (M B - F B ) Private Verschuldung im gleichen relativen Ausmaß wie B: Kreditbetrag a F B 26

27 Gesamtbetrag: a F B + a (M B - F B ) = a M B für Kauf einer Beteiligung an A Anteil an A: a M B / M A ; Einkommen aus der Beteiligung: M B (2) Y A = a M B M G - i a F B = a A M G - i F B A Wegen M B > M A gilt auch Y A > Y B Arbitrageprozess: Verkauf von Unternehmensanteilen an B, Kauf von Unternehmensanteilen an A Erhöhtes Angebot an Unternehmensanteilen an B sinkende(r) Kurse (Marktwert) 27

28 Erhöhte Nachfrage nach Unternehmensanteilen an A steigende(r) Kurse (Marktwert) Arbitrage dauert an bis beide Marktwerte gleich sind! Widerspruch zur Voraussetzung, also ist die Kapitalstruktur irrelevant für den Unternehmenswert! Beurteilung und Kritik: vollkommener Kapitalmarkt, d.h. insbesondere keine Steuern und Transaktionskosten Gleichsetzung von Unternehmens- und privater Verschuldung 28

29 Optimale Selbstfinanzierung Problem: welcher Anteil des Gewinns einer Periode soll im Unternehmen für die Selbstfinanzierung verbleiben? Gesucht: Anteil der Einbehaltung am Gewinn, so daß die (Eigen-) Kapitalkosten minimal und damit der Unternehmenswert maximal wird! Gewinnthese Höhe der Ausschüttung ist irrelevant! Dividendenthese Es gibt eine optimale Höhe der Ausschüttung! 29

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