Prävention in der Arztpraxis Neues Forschungsprojekt gestartet

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1 Prävention in der Arztpraxis Neues Forschungsprojekt gestartet Steffen Taubert HIV im Dialog am

2 Verlauf der Präsentation 1. Die Fragestellung 2. Das Gesamtprojekt 3. Verlauf des Forschungsteils 4. die weiteren Schritte... 2

3 Rolle der ärztlichen Prävention Die individuelle ärztliche Beratung hat für präventives Verhalten einen hohen Stellenwert (Beispiel 5 A s )* Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, in der Prävention und Gesundheitsförderung personalkommunikative Vorgehensweisen in der ärztlichen Praxis zu stärken. Das Potenzial der präventiven ärztlichen Beratung ist im Bereich der HIV/STD-Prävention nur wenig ausgeschöpft 3 *: Whitlock, Orleans, et al. Evaluating primary care behavioral counseling interventions: an evidence-based approach, Am J Prev Med.2002 May;22(4): Review.

4 Die Fragestellung Kann die Arztpraxis ein wirksamer Ort für die Prävention von HIV und anderen STD s sein? Wenn ja, wie können Ärztinnen und Ärzte in Ihren Präventionsbemühen unterstützt werden? 4

5 Erster Studienreview Studien, die erheben, wie häufig über sexuell übertragbare Erkrankungen sowie deren Prävention gesprochen wird Studien, die unterschiedliche Präventionsstrategien vergleichen Erhebung von Haltungen und Einstellungen 5

6 Häufigkeit der Gespräche über safer sex (1) Befragung von HIV-positiven Patienten, ob Ärzte oder anderes med. Personal je mit ihnen über Safer Sex und/oder dem Umgang mit ihrem Serostatus ( disclosure ) gesprochen haben 839 Patient(inn)en (davon 607 MSM), 39 % Kaukasier, 36% hispanic, 17% afroamerik. 30% berichten, dass nie ein Gespräch über safer sex stattgefunden hat Marks, Richardson, et. al. Are HIV care providers talking with patients about safer sex and disclosure?: A multi-clinic assessment. AIDS Sep 27;16(14):1953-7) 6

7 (1) Häufigkeit der Gespräche über safer sex korrelieren nicht mit Viruslast oder Anzahl an ungeschützen Kontakten, sondern mit Geschlecht, Bildung und Einkommen (++ Frauen und heterosex. Männer) (MSM aus der Mittelschicht erhalten seltener Beratung) Hautfarbe ( non-white erhalten häufiger Beratung) und Besuchsfrequenz 7

8 Nutzen der Beratung (2) Welchen Nutzen haben ärztliche Präventionsberatungen bei HIV-Positiven Patient(inn)en? bei jeder Visite (3-5 min) eine kurze Präventionsberatung plus schriftliches Material Untersuchung in 6 Kalifornischen Kliniken, 585 Patient(inn)en über Monate, 3 Gruppen ( gain-framed approach ; loss-framed approach ) sowie eine attention control -Gruppe als Kontrolle. Zeitraum: Selbstberichte über ungeschützten Anal- Vaginalverkehr verringerte sich signifikant bei Männern mit häufig wechselnden Partner bei Kurzberatungen mit loss-framed approach Autoren weisen, hinsichtlich der Bedeutung der Beratungsansätze auf kleine Fallzahl hin 8 Richardson, Milam et. al. Effect of brief safer-sex counseling by medical providers to HIV-1 seropositive patients: a multi-clinic assessment. AIDS May 21;18(8):

9 Nutzen der Beratung (3) Welchen Nutzen haben ärztliche Präventionsberatungen bei HIV-Negativen Patient(inn)en?* multizentrische Studie mit heterosexuellen HIV-neg. Patienten (über 14J.), die wg. STD-Untersuchungen in 5 Kliniken (USA) kamen Zeitraum: Zielgröße: Kondomgebrauch und Erwerb von STD s 4 Gruppen (Follow up alle 3 Monate für Gruppen 1-3, STD- Test nach 6 und nach 12 Monaten) intensive Beratung, 4 interaktive theoriegeleitete Sitzungen Kurzberatung 4 interaktive Sitzungen fokussiert auf Risikoreduktion 2 Kurzberatungen, nur Information 2 Kurzberatungen, nur Information (keine Follow up-beratung) Kamb et al. Efficacy of risk-reduction counseling to prevent human immunodeficiency virus and sexually transmitted diseases: a randomized controlled trial. JAMA Oct 7;280(13):

10 (3) Ergebnisse Angabe no unprotected sex ist nach 9-12 Monaten in allen Beratungsgruppen höher als zur baseline. Auftreten von STD s in den interaktiven Beratungsgruppen seltener Nach 6 Monaten Auftreten von STD s bei 10,4 % (didaktische Gruppe) vs. 7,2 % (intensive interaktive Beratung) und 7,3 % (kurze interaktive Beratung) Nach 12 Monaten Auftreten von STD s bei 14,6 % (didaktische Gruppe) vs. 11,5 % (intensive interaktive Beratung) und 12,0 % (kurze interaktive Beratung Kurze Beratungen haben gegenüber längeren Beratungen keinen signifikanten Vorteil. 10

11 Das Gesamtprojekt Phase 1: Literaturrecherche zu vorhandenen Veröffentlichungen Phase 2: Befragung von Ärztinnen/Ärzte und Patient(inn)en über ihre Erfahrungen und Bedürfnisse Phase 3: Entwicklung eines Fortbildungscurriculums für Ärztinnen/Ärzte 11

12 Vorbereitungen Klärung der Finanzierung Zusage von der BZgA, Fördermittel der PKV zur Verfügung zu stellen Ausschreibung des Projekts: Dezember 2006 Einrichtung eines interdisziplinären Wissenschaftlichen Beirats, 2006/07 Beteiligung von DAGNÄ, DAIG, Kompetenznetz HIV/AIDS, Kassenärztliche Vereinigung Berlin, BZgA und Berliner Aidshilfe 12

13 Wissenschaftlicher Beirats Prof. Dr. N. H. Brockmeyer, Kompetenznetz HIV/AIDS Prof. Dr. Martin Dannecker, Sexualwissenschaftler Dr. Christiane Cordes, Arbeitskreis AIDS der Berliner Ärzte Dr. Jörg Gölz, Kassenärztliche Vereinigung Dr. Brunhilde Hartung-Böhmer, BZgA Dr. Heribert Knechten, DAGNÄ Dr. Luis Carlos Escobar Pinzón, Deutsche AIDS-Hilfe Jens Ahrens, Berliner Aids-Hilfe Viviane Brunne, Geschäftsführerin DAIG Helga Neugebauer, AIDS-Hilfe Hamburg Axel J. Schmidt, Robert Koch-Institut Engelbert Zankl, Münchner AIDS-Hilfe 13

14 Vorbereitungen Auswahl eines Kooperationspartners für die Phase über den wissenschaftliche Beirat Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften Phase 1 (Literaturrecherche): Zusammenfassung der relevanten Veröffentlichungen zu Strategien ärztlicher HIV/STD-Prävention Risikomanagement von HIV-positiven und HIV-negativen MSM Theorien der positive prevention 14

15 Vorbereitungen Phase 2 (Forschungsphase): Wie können verhaltensbezogene Beratungen erfolgreich durchgeführt werden? Welche Botschaften müssen vermittelt werden? Welche Barrieren gibt es? Wie muss die Kommunikation gestaltet werden? Welche Informationen, welche praktischen Hilfestellungen wünschen sich Patient(inn)en und Ärzte? 15

16 Hintergründe von HIV-Neuinfektion Zielgruppenspezifischer Zugang zum ärztlichen System Literaturrecherche Effektive präv. Botschaften & Strategien für Zielgruppe Deutsche AIDS-Hilfe e.v. Indikatoren für Identifizierung von Zielpersonen Modelle zur Umsetzung präv. Maßnahmen in der Praxis Entwicklung von Leitfäden für Interviews & Fokusgruppen Interviews mit Patienten HIV-positive MSM Hintergründe von HIV-Neuinfektion Einschätzung zu effektiven präv. Botschaften & Strategien HIV-negative MSM Hintergründe für Risikoverhalten Einschätzung zu effektiven präv. Botschaften & Strategien Bedarf & Bedürfnisse Fokusgruppen mit Ärzten Barrieren für präventive Beratung Erforderliche Hilfen / Lösungsmöglichkeiten Akzeptanz von verschiedenen Modellen zur Implementierung präventiver Strategien in der Praxis Bedarf & Bedürfnisse 16 Entwicklung von Empfehlungen

17 Methodische Vorgehensweise Semistandardisierte Interviews mit MSM (HIV-Negative und -Posititve), Jahre 5 Fokusgruppen mit je ca. 8 Ärzten HIV-Schwerpunktärzte Allgemeinärzte, ggf. andere Fachrichtungen, die Kontakt zur Zielgruppe der schwulen Männer haben 17

18 Zusammenfassung der Forschungsphase Die Studie soll durch qualitative Befragungen vor allem Motivation und Ressourcen der Beteiligten eruieren Unklar ist ob Ärzte in dieser Rolle akzeptiert werden ob sie über die für die Beratung benötigte Zeit verfügen wie kompetent sie sich bei Fragen fühlen, die über die Vermittlung medizinischer Informationen hinausgehen. 18

19 Phase 3: Strategieentwicklung/Fortbildung Langfristiges Ziel ist, auf der Grundlage der Ergebnisse, die Entwicklung eines Curriculums für interessierte Ärztinnen und Ärzte zur Verbesserung der Beratungskompetenz Erstellung von Medien und Manualen intensive Zusammenarbeit mit DAGNÄ, DAIG und den Kassenärztlichen Vereinigungen 19

20 DANKE FÜR IHRE AUFMERKSAMKEIT! Steffen Taubert, Deutsche AIDS-Hilfe e.v. in Abwesenheit Dr. med. Julika Loss, Universität Bayreuth Angelika Wolf, M.A., Universität Bayreuth 20

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