Forum 6: Dr. med. Thomas Fischbach. Kooperation von Gesundheitswesen und Jugendhilfe

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1 Forum 6: Dr. med. Thomas Fischbach Kooperation von Gesundheitswesen und Jugendhilfe

2 Der Schutzauftrag als Herausforderung Kooperation von Gesundheitswesen und Jugendhilfe Fachkongress Qualitätsentwicklung im Kinderschutz Dortmund

3 Dr. med. Thomas Fischbach Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte BVKJ e.v.

4 BKiSchG -Kooperation erreichen

5 Bundeskinderschutzgesetz n : Zustimmung des Bundesrates nach Anrufung des Vermittlungsausschusses. Damit Inkrafttreten am n Nachbesserungen erreicht: - Verminderung bürokratischer Hemmnisse bei der Qualitätsentwicklung im Bereich der Jugendhilfe - Erweiterung der Bundesinitiative Familienhebammen - dauerhafte finanzielle Sicherstellung der psychosozialen Unterstützung von Familien mit kleinen Kindern.

6 Bundeskinderschutzgesetz Wesentliche Ziele n n n n n n Frühe Hilfen und Netzwerke für werdende Eltern. Stärkung des Einsatzes von Familienhebammen. Ausschluss einschlägig Vorbestrafter von Tätigkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe Befugnisnorm für Berufsgeheimnisträger zur Informationsweitergabe an das Jugendamt. Regelung zum Hausbesuch Verbindliche Standards in der Kinder- und Jugendhilfe.

7 Befugnisnorm im BuKiSchG

8 Was muss JH und Gesundheits- wesen zusammenführen? n Kinder- und Familienarmut und ihre auch gesundheitlichen Folgen. n Mangelhafte Erziehungskompetenz der Eltern incl. Bindungsstörungen. n Zunehmende Gewalt innerhalb der Familien.

9 Folgen der Kindesvernachlässigung. n Zunahme von Verhaltens-/psychischen Störungen n - Kinder und Jugendliche: 18% bis 27% (Petermann et al., 2000) n - Kindergartenkinder: ca. 18% (Hahlweg, & Miller, 2001) n - unter Dreijährige: ca. 20% (Remschmidt,1998)

10

11 Wer muss kooperieren? Geburtshilfe Frauenarzt Hebamme Kinderklinik Kinder- und Jugendarzt Sozialpäd. Dienst Clearing-Stelle Jugendhilfe

12 Ausgangssituation verbessern! n These 1: Viele Institutionen und Personen wissen etwas oder viel, aber selten genug von einer Mutter, einer Familie. n These 2: Durch eine konsequente Vernetzung der Akteure könn(t)en Risikofamilien und kinder rechtzeitig(er) identifiziert und Hilfestellungen angeboten werden.

13 BKiSchG birgt Chancen! n Gesundheitswesen als Türöffner der Jugendhilfe. n Dialogische Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten in Beratungsaufgaben schafft Kompetenzerweiterung. n Kinderschutzfachkraft kann Beratungsqualität des Arztes verbessern helfen (Lernen an der jeweils anderen Profession). n Erweiterung der mit dem Kindeswohl befassten gesellschaftlichen Gruppen/Institutionen.

14 BKiSchG birgt Chancen! n Zugangswege des Gesundheitswesens nutzen. Die Kindervorsorgeuntersuchung als Erkenntnisquelle potentieller Risikofaktoren. n Entstehung professionsübergreifender Unterstützungssysteme zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe (z.b. Multicenterprojekt Kinderzukunft NRW).

15

16 Und wo hakt es zwischen Gesundheits-- diensten und Jugendhilfe? n Zeit für eine zielführende Kommunikation fehlt. n Gegenseitige Erreichbarkeit ist schwierig. n etablierte, d.h. persönliche/regionale Netze fehlen in der Fläche noch. n Mangel an gegenseitiger Akzeptanz und Wertschätzung. Gutachten werden nicht akzeptiert (...das muß der Kinder- und Jugendpsychiater machen...).

17 Und wo hakt es zwischen Gesundheitsdiensten und Jugendhilfe? n Angst vor juristischen Problemen bei der Kooperation (Stichwort Schweigepflicht). Rechtfertigender Notstand gem. 34 StGB (Schutz höherrangiger Rechtsgüter), 138 ff (Anzeige geplanter schwerer Straftaten) und 9,10 IfSG (Meldepflicht). n Koordinationsinstanz fehlt weitgehend: 1. Clearingstelle/Casemanagement. 2. Kinderschutzbeauftragte 3. Gemeinsame Fallbesprechungen 4. KJGD als Mittlerinstanz

18 Und wo hakt es zwischen Gesundheitsdiensten und Jugendhilfe? n Zuständigkeitsgerangel/-unkenntnis: Sozialgesetzbuch VIII 8a: Schutzauftrag bei Kindewohlgefährdung: (1) Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt, so hat es das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte abzuschätzen...

19 Und wo hakt es zwischen Gesundheitsdiensten und Jugendhilfe? n Sozialgesetzbuch VIII 8a: Schutzauftrag bei Kindewohlgefährdung: (4) Soweit zur Abwendung der Gefährdung das Tätigwerden anderer Leistungsträger, Einrichtungen der Gesundheitshilfe...notwendig ist, hat das Jugendamt auf die Inanspruchnahme durch die Personensorgeberechtigten hinzuwirken. Ist ein sofortiges Tätigwerden erforderlich und wirken die Persornensorgeberechtigten nicht mit, so schaltet das Jugendamt die anderen zur Abwendung der Gefährdung zuständigen Stellen selbst ein.

20 Und wo hakt es zwischen Gesundheitsdiensten und Jugendhilfe? n Wissen um spezielle Hilfsangebote und möglichkeiten ist unzureichend. n Kenntnis über die gegenseitigen Arbeitsabläufe und strategien ist unzureichend (good man bad man). n Verbesserung der Kooperation durch gemeinsame Fortbildungen etc. n Unzureichende finanzielle wie personelle Ressource.

21 Und wo hakt es zwischen Gesundheitsdiensten und Jugendhilfe? n Fehlende Korrespondenznorm im SGB V. n Kooperation mit der Jugendhilfe und Koordinierungsleistungen werden im SGB V nicht honoriert. Position der Krankenkassen? n Ärzte arbeiten im Rahmen von Überweisungen ; hier muss eine Systemverträglichkeit mit der Jugendhilfe hergestellt werden. n Unterschiedliche Vorstellungen von Handlungskaskaden zwischen JH und Gesundheitswesen bei Vd. auf Kindeswohlgefährdung (z.b. Kontaktaufnahme zum ASD). n Prozessorientierung in der Jugendhilfe vs. Symptomlösungsorientierung im Gesundheitswesen.

22 Und wo hakt es zwischen Gesundheitsdiensten und Jugendhilfe? n Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft. Mehr Fragen als Antworten: - Qualifikation und Qualifizierung? - Was tut diese Fachkraft? - Spannungsfeld Leistungsmöglichkeit der Fachkraft und Erwartungen des Arztes. n Vertrauensverhältnis Arzt-Patient; Doktorhopping.

23 Wir brauchen ein neues Teamverständnis bei den Akteuren mehr Miteinander zwischen Gesundheitsdiensten und Jugendhilfe

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