Mediengespräch Freizeit-Monitor 2012

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1 Mediengespräch Freizeit-Monitor 2012 Neue Studie zum Freizeitverhalten in Österreich im Vergleich mit Deutschland Das Zentrum für Zukunftsstudien der Fachhochschule Salzburg hat in einer aktuellen Studie das Freizeitverhalten der Österreicherinnen und Österreicher systematisch untersucht. Parallel dazu hat die Stiftung für Zukunftsfragen Hamburg, eine Initiative von British American Tobacco, das Freizeitverhalten der Deutschen analysiert. Die Fragen an die Österreicher und Deutschen bezogen sich einerseits auf das gegenwärtige Freizeitverhalten und andererseits auf die zukünftig gewünschte Gestaltung der Freizeit. In Österreich wurden mehr als Personen, in Deutschland über Personen ab 14 Jahren repräsentativ (face to face!) befragt. KERNERGEBNISSE Fernsehen bleibt die unangefochtene Nummer eins! Medialisierung der Freizeit (z. B. Handy-, Internet- und Computernutzung) nimmt zu. Kein Ende der digitalen Spaltung der Gesellschaft. Wünsche für die Freizeitgestaltung der Zukunft: weniger Zeit für Freizeit mit Medien mehr Zeit zur Erholung und für soziale Kontakte. Vom Online-Shopping über das Ehrenamt bis zum Gottesdienst-Besuch: Viele Freizeitaktivitäten würde die große Mehrheit der Österreicher und Deutschen zukünftig weniger häufig ausüben! 1

2 GEGENWÄRTIGE FREIZEIT In Österreich und Deutschland lebt der heutige Durchschnittsmensch etwa Stunden. Nur etwa zehn Prozent dieser Lebenszeit widmen wir selbst im Falle eines Vollzeitjobs in der Dauer von 40 Jahren dem Beruf. Etwa ein Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir im Bett. Ein beachtlicher Teil unseres Lebens besteht in mehr oder weniger frei verfügbarer Zeit. Wie gestalten die Menschen in Österreich und Deutschland diese freie Zeit? Die Antwort auf diese Frage findet sich im Folgenden: Fernsehen, Radio hören, Telefonieren: Die besonders häufig ausgeübten Freizeitaktivitäten der Österreicher und Deutschen* * Die neunstufige Skala reichte hierbei von täglich bis zu niemals. In der Grafik werden die regelmäßig ausgeübten Freizeitaktivitäten (= wenigstens einmal pro Woche) berücksichtigt. 2

3 Seit den 1980er-Jahren stehen bei allen seriösen Befragungen zum Freizeitverhalten der Österreicher und Deutschen Fernsehen, Radio hören, Telefonieren und Zeitung lesen ununterbrochen auf den ersten Plätzen der häufigsten Freizeitaktivitäten. Obwohl sich aus technischer Sicht das Innenleben unserer TV- und Radiogeräte in den vergangenen drei Jahrzehnten radikal verändert hat, präsentiert sich die Nutzung dieser Medien auch 2012 verhältnismäßig traditionell. Univ.-Prof. Dr. Reinhold Popp, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien der Fachhochschule Salzburg: Das Fernsehen bleibt weiterhin das Leitmedium: 94 % der Österreicherinnen und Österreicher und 98 % der Deutschen schauen regelmäßig fern. Dabei landet der TV-Konsum in allen Altersgruppen auf dem ersten Platz. Fernsehen wird jedoch zunehmend zu einer so genannten Sekundäraktivität. Denn während des Zuschauens wird gegessen, telefoniert, Wäsche gebügelt oder auch gelesen. Zu den sowohl in Österreich als auch in Deutschland häufig ausgeübten Freizeitaktivitäten zählen außerdem die Beschäftigung mit der Familie und mit der Partnerin bzw. dem Partner, das Ausschlafen und Faulenzen sowie die Nutzung von Computer und Internet. Bei der Nutzung des Mobiltelefons in der Freizeit sind die Österreicherinnen und Österreicher übrigens deutlich aktiver als die Deutschen: Mehr als drei Viertel der Österreicher, aber nur knapp zwei Drittel der Deutschen telefonieren häufig mobil. Bei der Häufigkeit der Freizeit-Nutzung des Computers und des Internets liegen jedoch die Deutschen deutlich vor den Österreichern. Die Freizeitaktivität Kaffee trinken und Kuchen essen ist im gemütlichen Österreich deutlich wichtiger als in Deutschland. Erotik und Sex schaffen es in Österreich gerade noch unter die 15 häufigsten Freizeitaktivitäten, während diese Freizeitbeschäftigung in Deutschland mit 31 % nicht einmal unter den Top 15 zu finden ist. Die vorher präsentierten Daten unterstreichen die wachsende Dominanz der,neuen Medien auch im Bereich der Freizeitgestaltung. Die Zuwachsraten bei der Internetnutzung steigen weiter an, verlangsamen sich jedoch. Und während es nur eine Frage von wenigen Jahren sein wird, bis die Internetnutzung bei den jungen Mitbürgern dasselbe Niveau wie das Fernsehen erreichen wird, wird es noch bis zum Ende des Jahrzehnts dauern, bis wenigstens die Mehrheit der älteren Generation online ist. Bei der vertieften Auswertung der Daten zeigt sich jedoch ein interessantes Detail: Die traditionelle digitale Spaltung zwischen Männern und Frauen, Jung und Alt sowie Menschen mit niedrigerem und höherem Bildungsabschluss ist längst noch nicht beendet! 3

4 Digitale Spaltung am Beispiel Internet: Das Internet wird in der Freizeit von Männern (Österreich 52 %, Deutschland 59 %) deutlich häufiger genutzt als von Frauen (Österreich 37 %, Deutschland 48 %). Die größten Unterschiede offenbaren sich in Hinblick auf die Bildung und das Alter der Befragten. So ist der Anteil der Internetnutzer mit Matura bzw. Abitur (Österreich 64 %, Deutschland 73 %) etwa doppelt so hoch wie der von Befragten mit Pflichtschulabschluss (Österreich 33 %, Deutschland 35 %). Und während bei den unter 35-Jährigen in Österreich 68 % und in Deutschland sogar 80 % sowie bei den 35- bis 54-Jährigen in Österreich etwa die Hälfte (49 %) und in Deutschland fast drei Fünftel (59 %) regelmäßig im World Wide Web unterwegs sind, ist von den über 55-Jährigen in Österreich lediglich ein Fünftel (19 %) und in Deutschland nur ein Viertel (26 %) online. 4

5 ZUKÜNFTIGE FREIZEIT Spontan sein, Ausschlafen und Sex: Welche Freizeitaktivitäten die Österreicher und Deutschen zukünftig gerne HÄUFIGER ausüben würden Der Freizeit-Monitor 2012 beschäftigt sich auch mit der Frage, welche Aktivitäten die Österreicherinnen und Österreicher und die Deutschen zukünftig gerne häufiger ausüben würden. Reinhold Popp, der Wissenschaftliche Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien der FH Salzburg: Bei den regelmäßigen Aktivitäten landet das Bedürfnis spontan genau das zu tun, wozu man gerade Lust hat, sowohl in Österreich als auch in Deutschland an erster Stelle. Oft werden auch die Wünsche nach häufigerem Ausschlafen und Faulenzen genannt. Dies deutet darauf hin, dass die Bedürfnisse nach Erholung in der Freizeit in beiden Ländern gegenwärtig zu wenig befriedigt werden. Knapp dahinter folgen dann mehr Zeit für Partnerin bzw. Partner, Familie und Freunde. Mehr Sex spielt vor allem bei den Zukunftswünschen der Deutschen eine wesentliche Rolle. Bei den Österreicherinnen und Österreichern landet die Erotik erst auf Platz sieben der Hitparade der zukünftigen Freizeitgestaltung. Gerade noch unter die für die 5

6 Zukunft gewünschten wichtigsten zehn Freizeitaktivitäten schaffen es das Spielen mit Kindern, der Sport und das Reden über wichtige Dinge. Knapp nicht mehr unter den Top Ten der Freizeitbeschäftigungen ist das Lesen von Büchern zu finden. Deutlich geringer ist dagegen der Wunsch nach (noch) häufigerem Medienkonsum. So würde etwa nur jeder vierte Deutsche und gar nur jeder sechste Österreicher in der Freizeit gerne öfter den Computer nutzen oder im Internet surfen. Auch der Zukunftswunsch nach häufigerem Telefonieren oder Fernsehen hält sich in sehr überschaubaren Grenzen. Die Top-Wünsche für die zukünftige Freizeitgestaltung gehen also ganz klar in zwei Richtungen: Erstens mehr Zeit für Erholung und zweitens mehr Zeit für soziale Kontakte. Denn in einer zunehmend hektischen und medialisierten Welt wächst einerseits das Bedürfnis nach Ruhe und andererseits nach Geselligkeit. Gerade die junge Generation würde sich eigentlich lieber mit Freunden treffen, als nur mit ihnen zu skypen, zu posten, zu SMSen oder zu telefonieren. Doch in einem Freizeitalltag, der durch fast unbegrenzte Angebote und gleichzeitig chronische Zeitnot gekennzeichnet ist, liegen zwischen Wunsch und Wirklichkeit zunehmend Welten. 6

7 Vom Ehrenamt über den Kirchenbesuch bis hin zum Online-Shopping: Welche Freizeitaktivitäten die ÖSTERREICHER zukünftig lieber WENIGER HÄUFIG ausüben würden* Der Freizeit-Monitor 2012 beschäftigt sich auch mit der Frage, welche Aktivitäten die Österreicherinnen und Österreicher zukünftig weniger häufig ausüben würden. Reinhold Popp: Online-Shopping, Videospiele spielen, Telefonieren, im Internet surfen, Fernsehen oder Radio hören: Von diesem medialen Freizeitprogramm braucht die große Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher zukünftig nicht noch mehr als heute. Der Besuch eines Gottesdienstes zählt bereits in der Gegenwart nicht zu den Top-Aktivitäten des österreichischen Freizeitlebens und auch in der Zukunft sind keine nennenswerten Steigerungsraten zu erwarten. Leider gilt dies sinngemäß auch für das ehrenamtliche Engagement, wobei sich Österreich bei der Freiwilligenarbeit im europäischen Vergleich derzeit auf sehr hohem Niveau befindet. Für die seltene Nutzungsfrequenz der oben genannten Freizeitaktivitäten gibt es vor allem zwei Gründe: Erstens ist das für Freizeitzwecke verfügbare Geldbudget der Österreicherinnen und Österreicher seit Jahren relativ konstant, während die Möglichkeiten, dieses auszugeben, weiter ansteigen. Insofern fällt eine Entscheidung oftmals nicht gegen eine bestimmte Freizeitaktivität, sondern für eine andere. Und zweitens ist ebenso wie das Freizeitgeldbudget auch das Freizeitzeitbudget begrenzt. Denn genau wie jeder Euro kann auch jede Minute oder jede Stunde nur einmal verbraucht werden. Hiervon sind hauptsächlich zeitintensive Aktivitäten betroffen. * Bei dieser Frage waren die österreichischen Daten mit den deutschen Daten nicht vergleichbar. 7

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