Die neue Teilbibliothek Theologie - Philosophie an der Universitätsbibliothek München

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1 Konstanze Söllner Die neue Teilbibliothek Theologie - Philosophie an der Universitätsbibliothek München 1. Ausgangslage Im Hochschulentwicklungsplan der Ludwig-Maximilians-Universität München für die Jahre wird als eines von zehn»investitionsfeldern in Lehre und Forschung«das»Theologicum«genannt. 1 Unter dieser Überschrift finden sich Planungen zur räumlichen Zusammenlegung der beiden Münchener theologischen Fakultäten im Universitäts-Hauptgebäude und zur Schaffung einer zentralen Bibliothek für Theologen und Philosophen nach dem Beispiel des Münchener»Historicums«. Vorausgegangen war die Forderung des Bayerischen Obersten Rechnungshofs,»Instituts- bzw. Lehrstuhlbibliotheken der Katholisch-Theologischen, Evangelisch-Theologischen und der Philosophischen Fakultät zu einer Bibliothek zusammenzuführen«2. Von der räumlichen Integration erwartete die Universität eine stärkere Vernetzung in Lehre und Forschung, bessere Benutzungsbedingungen für die umfangreichen Buchbestände der beteiligten Einrichtungen und Synergieeffekte bei der Bucherwerbung. Das Theologicum stehe nicht zuletzt auch für das Bestreben der Universität, die Ökumene und den interreligiösen Dialog zu fördern. 3 Vor der Zusammenführung befanden sich die 27 Institutsbibliotheken mit einem Gesamtbestand von ca Bänden an den unterschiedlichsten Standorten im Stammgelände der Universität. Folgende Einrichtungen der Katholischen Theologie waren im Adalbert- bzw. Nordtrakt des Hauptgebäudes untergebracht: Biblische Exegese ( Bände), Kirchengeschichte des Altertums und Patrologie ( Bände), Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit ( Bände), Bayerische Kirchengeschichte (11900Bände), Missionswissenschaft (4300Bände), Dogmatik (18500Bände), Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie (26300Bände), Moraltheologie ( Bände), Christliche Sozialethik ( Bände), Martin-Grabmann-Forschungsinstitut für mittelalterliche Theologie und Philosophie ( Bände), Christliche Philosophie (10900Bände), Liturgiewissenschaft (9800Bände), Religionspädagogik und Kerygmatik ( Bände), Pastoraltheologie (16500 Bände), Kanonistik ( Bände), Religionspädagogik und -didaktik (9 500 Bände). Sieben evangelisch-theologische Bibliotheken nutzten gemeinsame Räumlichkeiten als»bibliothek Evangelische Theologie«4 : Altes Testament ( Bände), Neues Testament (16300 Bände), Kirchengeschichte (21700 Bände), Systematische Theologie ( Bände), Praktische Theologie (21800 Bände), Missions- und Religionswissenschaft (15100 Bände), Arbeitsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte (13100 Bände). An der Philosophischen Fakultät bestanden folgende Bibliotheken: Philosophisches Seminar (35000 Bände), Seminar für Christliche Weltanschauung (»Guardini-Lehrstuhl«, jetzt: Seminar für Religionswissenschaft und Philosophie der Religionen Europas, Bände), Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance (»Grassi- Lehrstuhl«, Bände), Wissenschaftstheorie und Logik (16400 Bände). Im Gesamtbereich sind derzeit 36 C4-Lehrstühle eingerichtet. Es wurde damit gerechnet, dass fast 29% ( Bände) dublett vorhanden sind und zu einem großen Teil ausgesondert werden können. Knapp Dubletten, insbesondere Subskriptionswerke und ältere Zeitschriftenjahrgänge, konnten bereits im Vorfeld der Zusammenlegung ausgesondert werden. Insgesamt besaßen die beteiligten Einrichtungen zum Zeitpunkt des Umzugs ca Bände. Auf die katholische Theologie entfiel mit Bänden der Löwenanteil, die evangelisch-theologische Fakultät verfügte über einen Bestand von Bänden, die Philosophie über knapp Bände. 1 Hochschulentwicklungsplan / Ludwig-Maximilians-Universität München. München o. J., S. 40 f. 2 Bayern / Oberster Rechnungshof: Prüfung der Haushalts- und Wirtschaftsführung der Universität München für die Haushaltsjahre 1995/96, Prüfungsbericht vom München 1998, S.4. 3 Hochschulentwicklungsplan (Anm. 1), S Das Evangelische Pressearchiv war wegen der für die Freihandaufstellung nicht geeigneten Materialien gesondert untergebracht und für die Integration nicht vorgesehen. 1

2 Erfahrungen bei der Zusammenlegung von Institutsbibliotheken zu Teilbibliotheken bestehen an der Universitätsbibliothek München bereits seit fast zwanzig Jahren. 1985/86 wurde die Teilbibliothek Psychologie und Pädagogik eröffnet erfolgte der Zusammenschluss der Bibliotheken der Fakultät für Betriebswirtschaft und des Volkswirtschaftlichen Instituts zur Bibliothek Wirtschaftswissenschaften. In den Jahren 1996 bis 1998 entstand im ehemaligen Gebäude von»radio Free Europe«die»Bibliothek der Institute am Englischen Garten« wurden die Bibliotheken für Chemie und Pharmazie in Großhadern und die Bibliothek des Historicums eingeweiht. 2. Personal Ausgebildetes Personal stand in den betroffenen Einrichtungen nicht zur Verfügung. Aus den bestehenden Bibliotheken konnten zwei Bibliotheksangestellte ohne bibliothekarische Ausbildung und eine Aufsichtskraft übernommen werden. Die Universität stellte im Vorgriff auf die Errichtung der neuen Bibliothek eine Beamtenstelle des gehobenen Dienstes zur Verfügung. Das Gesamtprojekt wurde mithilfe einer bereits langfristig im dezentralen Bereich der Universitätsbibliothek bestehenden Einsatzgruppe von Diplombibliothekaren bewältigt. Aus einmaligen Sondermitteln der Universität konnten über vier Jahre hinweg studentische Hilfskräfte für die Retrokonversion der Kartenkataloge und die Umsystematisierung der Bestände beschäftigt werden. Abb. 1: Blick in den Eingangsraum mit Theke und Zeitschriftenauslage (Foto: Sven Kuttner). Die Universitätsbibliothek stellte für ein Jahr befristet eine halbe Stelle für einen Theologen bereit, der die Fachreferentin bei den Systematisierungsarbeiten unterstützte. 2

3 3. Bauplanung Der Umbau der für die gemeinsame Bibliothek vorgesehenen Räumlichkeiten im Nordtrakt des Universitäts-Hauptgebäudes begann im Juni 2002 und war im März 2004 abgeschlossen. Vor Baubeginn mussten u.a. die zunächst dort untergebrachten Bestände der drei kirchengeschichtlichen Bibliotheken (insgesamt ca Bände) in einen Magazinraum der Universitätsbibliothek verbracht werden. Die Baukosten beliefen sich auf 4,448 Millionen Euro. Der gestalterische Ansatz der Architekten des Universitätsbauamts 5 lebt vom Kontrast zwischen dem historischen Gärtner-Bau ( ) und den neuen Einbauten im Inneren. Die im Stil der florentinischen Frührenaissance durch Reihen von Rundbogenfenstern klar gegliederte denkmalgeschützte Fassade wird ergänzt durch die freien Schwünge der Galerien und Treppen in der Bibliothek. Die unterschiedlichen historischen Geschosshöhen sollten nicht durch totale Entkernung aufgehoben werden. Unter pragmatischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten bot sich ein Flächengewinn durch den Einbau geschwungener Galerien an, die den Fensterfronten auch im Inneren ihre gliedernde Wirkung belassen. Die Größe der Galerien passt sich durch alle Ebenen den Geschosshöhen an. Funktional wurden alle Verkehrswege in Vertikale und Horizontale klar definiert. An das die Bibliothek durchgängig vertikal erschließende und in der farblichen Gestaltung hervorgehobene Treppenhaus knüpfen horizontal nach Ost und West die Gangbereiche an, die in allen Ebenen gleich definiert und durch ein Lichtsegel zusätzlich herausgehoben sind. In Anlehnung an die beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzten Materialien wurde beim Treppeneinbau und der Möblierung helles Eichenholz verwendet. Die Arbeitstische und die Theke waren Spezialanfertigungen nach Architektenentwurf. Dieser nimmt insbesondere bei der Theke die zentralen Gestaltungsprinzipien des Baus auf- Sie präsentiert sich als großzügiges Rund und zentraler Orientierungspunkt im Eingangsbereich, nach oben findet sie ihren Abschluss durch ein analog geschwungenes Lichtsegel. Neben den terrakottafarbenen Akzenten des Stuccolustro im Treppenhaus und an den Rundsäulen dominiert die Grundfarbe Anthrazit. Im Eingangsbereich und im Treppenhaus wurde granitfarbener Kunststein eingesetzt (s. Abb. 1-4). Die Bibliothek verfügt über eine Hauptnutzfläche von 2758 m2 (davon ca. 500 M2 Galeriefläche), bei systematischer Freihandaufstellung bietet sie Platz für mindestens Bände und bis zu 700 laufende Zeitschriften. Ein Magazinraum wurde für ca Bände Altbestand konzipiert. Die Regalanlage wurde als Mittelpfosten-System von Arbitec-Forster bezogen. Sie fasst insgesamt laufende Meter Bücher. Unterschiedliche statische Voraussetzungen stellten erhöhte Ansprüche an die Lastenverteilung, zumal wegen der umfangreichen Bestände in einzelnen Bereichen mit einer nahezu vollständigen Auslastung der Regale zu rechnen war. Von den 154 Arbeitsplätzen sind 93 mit festen Netzzugängen ausgestattet, vier W-LAN-Hotspots ermöglichen den drahtlosen Datenempfang. Der Umbau und die Gesamtrenovierung des zukünftig von den Lehrstühlen beider theologischer Fakultäten genutzten Adalbert-Trakts erfolgt im Anschluss an den Bibliotheksumbau bzw. -neubau und erfordert die Bereitstellung weiterer umfangreicher Finanzmittel durch Bund, Land und Universität. 6 5 Universitätsbauamt München, Abt. IV, Leitung: Thomas Kiermeyer, Entwurf: Wolfgang Hurmer. 6 Im 33. Rahmenplan für den Hochschulbau wurde das Umbauvorhaben zur Schaffung eines Theo- Logicums nach Empfehlung des Wissenschaftsrat für Kategorie I nochmals in Kategorie IIa aufgenommen (Rahmenplan für den Hochschulbau nach dem Hochschulbauförderungsgesetz / Anlage Bayern 33,2 (2004/2007),S. 30) 3

4 Abb. 2: Die freie Stahlkonstruktion im entkernten Ostturm öffnet den Raum bis unter das Dach (Foto: Wolfgang Hurmer). 4

5 Abb. 3: Eingangsbereich mit Garderobenschränken und Theke (Foto: Wolfgang Hurmer) 4. Retrokonversion der Bibliothekskataloge Im Vordergrund der integrationsvorbereitenden Arbeiten stand die Online-Katalogisierung der Bestände wurde mit der Konversion der Kartenkataloge begonnen. Um bei der geplanten Umsystematisierung nach der Regensburger Verbundklassifikation unproblematisch auf Fremddaten aus anderen bayerischen Bibliotheken zugreifen zu können, stand von vornherein fest, dass die Kataloge vollständig in den Bayerischen Verbundkatalog integriert werden mussten. Eine Katalogkonversion außerhalb des Verbundkatalogs hätte nicht nur die eindeutige Zuordnung von Fremdsignaturen zu Titeln erschwert. Da zu Projektbeginn fast die Hälfte aller Bücher bereits in BVB-KAT katalogisiert war, wäre eine Vielzahl von dubletten Katalogaufnahmen entstanden, was in der Folge die Erkennung von dubletten Büchern behindert hätte. 5

6 Realisiert wurde die Katalogkonversion zum Großteil durch studentische Hilfskräfte, die im Verbundkatalog vorhandene Titelaufnahmen durch Lokaldaten (Standort und Signatur) ergänzten. 7,4 % der Titel (18 968) mussten allerdings original katalogisiert werden, was den Einsatz qualifizierter Mitarbeiter erforderlich machte. In den Jahren 1998 bis 2003 wurden insgesamt Titel in den Online-Katalog aufgenommen. Darunter befanden sich zwangsläufig viele Tausend Dubletten, die IM Anschluss ausgesondert und wieder gelöscht werden mussten. Um sie überhaupt zu identifizieren, war eine Erfassung allerdings unumgänglich. 5. Bereitstellung elektronischer Datenbanken im Campus-Netz Parallel zur Retrokonversion der Kataloge wurde die zunächst nur virtuelle Integration der theologischen und philosophischen Bibliotheken durch die Erwerbung einer ganzen Reihe von Online- Datenbanken aus Sondermitteln der Universität unterstützt. Auf dem Server der Universitätsbibliothek wurden philosophische Klassikerausgaben aus der Past Masters-Serie von InteLex, die Patrologia Latina, die Acta Sanctorum, die Weimarer Ausgabe von Luthers Werken und eine ganze Reihe weiterer bibliographischer und Volltext-Datenbanken bereitgestellt. Die Versorgung mit Datenbanken lässt in den beteiligten Fächern seither nur noch wenige Wünsche offen. 6. Neuaufstellung nach der Regensburger Verbundklassifikation In den letzten Jahren wurden an der Universitätsbibliothek München im Rahmen zweier anderer Großprojekte Erfahrungen bei der Bibliotheksintegration gesammelt. Dies sind die integrierte Bibliothek Chemie - Pharmazie auf dem HighTechCampus LMU in München-Großhadern mit einem Bestand von Bänden und die Bibliothek des Historicums im Universitäts-Stammgelände mit Bänden. Die einheitliche Aufstellung der Bestände heterogener Herkunft wurde durch Umsystematisierung nach der Regensburger Verbundklassifikation erreicht. 7 Auch im Falle der Theologie und Philosophie fiel die Entscheidung bei Universitätsbibliothek und Fakultäten zugunsten der Regensburger Verbundsystematik (RVK). Die RVK bietet einen im Verbund laufend gepflegten Text für alle benötigten Fachsystematiken mit formal einheitlichen Notationen. Die Erschließungstiefe ist für die vorgesehene Bestandsgröße ausreichend. Der Umfang des Projekts machte es nötig, dass Signaturen in großem Umfang als Fremddaten abgerufen wurden. Im Rahmen des Bibliotheksverbunds Bayern stellen bekanntermaßen eine Reihe von Universitätsbibliotheken nach der RVK auf, und das technische Vorgehen bei der Einspielung der Fremddaten war in der Version BVB-KAT wegen der zentralen Vorhaltung aller Lokaldaten relativ einfach. 7 6

7 Abb. 4: Das Treppenhaus vereint klare Formensprache und logistische Funktionalität (Foto: Wolfgang Hurmer). 7

8 a. Vorbereitende Arbeiten zur Änderung des Texts der RVK Die vorbereitenden Arbeiten zur Reformierung der Fachgruppen Theologie (B) und Philosophie (CA - CI) konnten im Verbund rechtzeitig abgeschlossen werden. Hier erwies sich die zeitliche Koinzidenz von Integrationsmaßnahmen in der Theologie an vielen außerbayerischen Universitätsbibliotheken als besonderer Vorteil. Der»Greifswalder Vorschlag«8 bot die notwendigen Ergänzungen der Fachsystematik Theologie durch neue Fachgruppen in der evangelischen Theologie, so etwa die Dogmatik und die neuere Kirchengeschichte. In der Theologie konnten nun bestimmte Bestandsbereiche wie die exegetischen Fächer, die Alte Kirchengeschichte und die Pastoraltheologie bzw. Praktische Theologie dem Wunsch der Münchener Einrichtungen entsprechend konfessionsübergreifend zusammengeführt werden. Zugleich stellte die Systematik Untergruppen zur Verfügung, wo eine gemeinsame Aufstellung dem Selbstverständnis der heutigen theologischen Wissenschaft beider oder einer der Konfessionen weitgehend widerspricht, so z. B. in der systematischen Theologie, insbesondere der Dogmatik, und in der Kirchengeschichte der Neuzeit. Auf diese Weise war eine inhaltlich angemessene Präsentation auch der evangelisch-theologischen Bestände möglich, ohne dass die Vereinigung der evangelisch-theologischen mit den katholischtheologischen Beständen von den evangelischen Theologen als Subsumtion empfunden wurde. Einen Sonderfall stellt die in die Fachsystematik Theologie integrierte Religionswissenschaft (BE) dar. In Kooperation mit den Universitätsbibliotheken Berlin und Potsdam wurde die Terminologie modernisiert und der Text in den Bereichen Religionsethnologie, Religionspsychologie, Religionskontakt und religiöse Zeitgeschichte sparsam erweitert. Der schlanke Text der Fachsystematik Philosophie (CA - CI) war nach der Erweiterung um die Bereiche Analytische Philosophie und Philosophie des Geistes ein geeignetes Instrumentarium, um die philosophischen Buchbestände systematisch aufzustellen. Der entsprechende Abschnitt zur Philosophie im Rahmen der Fachsystematik Theologie (BF) fand keine Anwendung. Ergänzend kamen die Fachsystematiken Allgemeines (A) und Geschichte (N, ausgenommen Kirchengeschichte NV) zum Einsatz, weil zusätzlich fachübergreifende Nachschlagewerke und ein hoher Anteil profangeschichtlicher Literatur aufgestellt werden mussten. Die Auswahl der Fachsystematiken folgte dem Grundsatz, möglichst wenige Doppelstellen zuzulassen. Dies hätte nicht nur die Orientierung der Benutzer in der Bibliothek erschwert, sondern auch eine uneinheitliche Aufstellung infolge des erhöhten Fehlerpotentials bei der Fremddatenübernahme provoziert. b. Fremddatennutzung bei der Umsystematisierung nach RVK Als Fremddaten wurden nicht RVK-Notationen, sondern vollständige Signaturen abgerufen. Dazu wurden Präferenzen bei der Reihenfolge der Abrufbibliotheken und bestimmter Einzelstandorte festgelegt. Anhand von Listenausdrucken wurden die abgerufenen Signaturen korrigiert, insbesondere durch Abgleich der Bandsignaturen und Sammelbandsignaturen auf Konsistenz. Diese meist einfachen Korrekturen betrafen etwa 30% der abgerufenen Signaturen. Für ca. 20% der Titel konnten keine Fremddaten abgerufen werden. Dies waren zur Hälfte die Titel, die in den Abruf-Bibliotheken in anderen als den vorgesehenen RVK-Fachsystematiken A, B, CA - CI und N signiert waren, und zur anderen Hälfte alle Titel im Alleinbesitz der Universitätsbibliothek München. Insbesondere die Bestände, die künftig nach den für die evangelische Theologie neu entworfenen Systematikbereichen aufgestellt werden sollten, erforderten die aufwendige Neusystematisierung. Als Hilfsmittel dienten Konkordanzen von Institutssystematiken und RVK. Auf den verbundübergreifenden Abruf von Signaturen der Greifswalder und Rostocker theologischen Bibliotheken wurde wegen der aufwendigen händischen Einzelsuche nach Titeln verzichtet. Die Zeitschriften wurden alphabetisch aufgestellt, um die bei einer Aufstellung nach RVK erzwungene teilweise künstliche Zuordnung zu Theologie oder Philosophie zu umgehen. 8 Wolff, Peter: Aufstellungssystematik Theologie und Religionswissenschaften (B) in Anlehnung an die Regensburger Verbundklassifikation (Entwurf), Greifswald

9 c. Integrative Funktion der einheitlichen Aufstellungssystematik Die Umsignierung der Bestände nach der RVK führte für die Lehrstühle zunächst zum Verlust von Gewohntem und der Schlussfolgerung, zusammengehörige Bestände seien in großem Maßstab auseinander gerissen worden. Diese Wahrnehmung artikulierte sich insbesondere am Bespiel der Monographienreihen, deren Einzelbände nun häufiger thematisch aufgestellt sind. Bislang lässt sich nur allmählich vermitteln, dass der Vorteil der Zusammenführung bislang getrennter Bestände bei weitem überwiegt. Im Fachreferat ist die mit dem Abrufen von Fremddaten importierte kontinuierlichere Signierpraxis, als sie an den Institutsbibliotheken geübt werden konnte, jedoch bereits deutlich spürbar. Insbesondere seit dem Einzug in die Räume der neuen Bibliothek wird die Uneinheitlichkeit der alten Signiersysteme auch für die Lehrstuhlangehörigen offensichtlich. Die Benutzungssituation und einfache Vergleichbarkeit der Systeme führt nun umgekehrt zum Druck auf die Bibliotheksverwaltung, die Altbestände so rasch wie möglich in den RVK-Bestand einzugliedern. Zwölf Institutsbibliotheken aus der Katholischen Theologie, die Geistesgeschichte der Renaissance und die Wissenschaftstheorie und Logik stehen noch aus. Die Bearbeitung erfolgt sukzessive, parallel werden alle aktuell benutzten Titel im beschleunigten Verfahren umsystematisiert. Die Anwendung der Regensburger Verbundsystematik ist für die neue Münchener Bibliothek Theologie - Philosophie ein wesentliches integratives Element. Der Einsatz einer einheitlichen Systematik ermöglicht erst die Integration der Vielzahl von Einzeleinrichtungen und die Evaluation des Gesamtbestands. Die Bibliotheksleitung erwartet sich Impulse für ein rationelles Verfahren der Mittelbewirtschaftung und Rechenschaftslegung mit zentralisierten Ansätzen durch die lehrstuhlunabhängige fachliche Ordnung der Literatur. Die Anwendung der Regensburger Verbundsystematik wird damit zu einem wesentlichen Integrationsfaktor weit über die Bestandspräsentation hinaus. 7. Bibliotheksumzüge und Dublettenaussonderung Die Aussonderung der Vielzahl an unerwünschten Mehrfachexemplaren (nahezu Dubletten) barg und birgt besondere räumliche und organisatorische Schwierigkeiten. Da bis zum Bezug der neuen Bibliothek der Betrieb der stark dislozierten Institutsbibliotheken aufrechterhalten werden musste, konnte ein Aussondern der Dubletten und sonstiger nicht in der Präsenzbibliothek aufzustellender Literatur erst nach der räumlichen Integration erfolgen. Ein Aussondern»vom grünen Tisch aus«, d. h. nach Kataloglage, war aufgrund der zu erwartenden großen Zahl vermisster Bücher und der eingeschränkten Zuverlässigkeit der konvertierten Kataloge nicht sinnvoll. In der Evangelischen Theologie war bereits 1998 die gemeinsame Beschaffung eingeführt worden, um den Kauf weiterer Dubletten in diesem teilintegrierten Bereich zu vermeiden. Die Umzüge der Bibliotheksbücher an den neuen Standort nahmen knapp 15 Wochen in Anspruch. In den ersten Wochen wurden die Bestände der Evangelischen Theologie ( Bände) je nach den zu erwartenden Buchmengen im entsprechenden Systematikbereich lockerer oder dichter aufgestellt. Anschließend wurden alle anderen neu signierten Bücher (ca Bände) zusortiert. Die Grobsortierung (nach Notationen) übernahm die Umzugsfirma, die Feinsortierung und anschließende Dublettenaussonderung musste durch Hilfskräfte und Bibliotheksmitarbeiter erfolgen. Wegen des knappen Platzvorrats mussten die Bücher von vornherein relativ eng gestellt werden, so dass umfangreiches Nachrücken die Bibliotheksarbeit seither begleitet. Auch die noch nach alten Systemen aufgestellten Bücher zogen in die neue Bibliothek ein. Die jederzeitige Verfügbarkeit der Bücher ermöglicht nun ein Resystematisieren nach Bedarf, weil zuvor Dubletten problemlos verifiziert werden können. 9

10 8. Synergie- und Einspareffekte Der Schwerpunkt im Gesamtprojekt lag zunächst darauf, den Bezug weiterer dubletter Zeitschriften und Subskriptionswerke noch vor der Zusammenlegung einzuschränken. Von 1063 Zeitschriftenabonnements waren 253 (23,8%) wegen Mehrfachbezugs zu kündigen. Mit den Lehrstühlen wurden entsprechende Absprachen getroffen. Bei den Zeitschriften konnten damit jährlich Euro an Einsparungen erzielt werden. Bei den Subskriptionen (mehrbändige Werke, Monographien-Reihen usw.) waren von 860 Titeln 215 (25 %) dublett. Bei einem Durchschnittspreis von 40,39 Euro pro Band 9 und einem angenommenen Erscheinen von durchschnittlich zwei Bänden pro Jahr und Subskriptionswerk ergab sich ein Einsparpotential von ca Euro. Bei den sonstigen monographischen Neuerwerbungen kann von einem noch höheren Prozentsatz freiwerdender Buchmittel ausgegangen werden, da der Dublettenanteil aufgrund der weniger einschränkenden Preishöhe größer gewesen ist. Soweit diese Einsparungen nicht durch Preissteigerungen und bayernweite Etatkürzungen aufgezehrt wurden, können sie nun für den Bestandsausbau eingesetzt werden. Durch die bibliothekarische Leitung ist auch die laufende Evaluation des nur in einem Exemplar vorhandenen Bestandes und die Archivierung und Aussonderung wenig genutzter Literatur sichergestellt. Insbesondere in der katholisch-theologischen und der philosophischen Fakultät wurden hohe Mittelzuweisungen für die Sicherstellung der Öffnungszeiten in den Instituts- und Lehrstuhlbibliotheken benötigt (Katholische Theologie: 469/330 Stunden pro Woche im Semester/in der vorlesungsfreien Zeit, Philosophie: 171/149 Stunden pro Woche im Semester/in der vorlesungsfreien Zeit). In der neuen Teilbibliothek müssen nun durchschnittlich nur noch 35 Stunden pro Woche (Abendstunden, Samstagsöffnung, Urlaubszeiten der Aufsichtskraft) durch Hilfskräfte abgedeckt werden, bei aus Sicherheitsgründen doppelter Besetzung ergeben sich 70 Stunden pro Woche. Der Bedarf an Arbeits- und Leseplätzen sank durch die gemeinsame Nutzung der Bibliothek erheblich. Mehr als 30 Bibliotheksräume konnten einer anderen Nutzung zugeführt werden. 9. Aufnahme des Bibliotheksbetriebs Die Zeit unmittelbar vor Beginn der Bücherumzüge war begleitet von den Turbulenzen um den Vorschlag der Bayerischen Rektorenkonferenz zur Schließung von drei katholisch-theologischen und einer evangelisch-theologischen Fakultät. 10 Die Befürchtung, dass davon auch die Münchener Evangelisch-Theologische Fakultät betroffen sein könnte, hat sich bisher nicht bewahrheitet. Bereit s eine Woche nach Beginn der Umzüge konnte die neue Bibliothek im Februar 2004 den Betrieb aufnehmen. Mit Beginn der Vorlesungszeit wurden die Öffnungszeiten auf 67 Stunden pro Woche erweitert. Die Benutzerzahlen schnellten von 1010 im März auf im Juli. Dabei kommen allerdings nur 18 % aller studentischen Benutzer aus den beteiligten Einrichtungen, ein Umstand, der den nach wie vor niedrigen Einschreibzahlen in Theologie und Philosophie geschuldet ist. Eine bessere Identifikation der Lehrstühle mit der Bibliothek zu erreichen, erfordert noch sehr viel Überzeugungsarbeit. Dabei ist der Blick von Außenstehenden und Neuberufenen hilfreich, die die außergewöhnliche Präsenz von Philosophie und Theologie mit einer Bibliothek dieser Größe und Attraktivität im Hauptgebäude der Universität betonen. Für die Universitätsbibliothek München ist die Errichtung der neuen Teilbibliothek ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur funktionalen Einschichtigkeit. Dass Theologie und Philosophie sich hier in einer Reihe mit einigen der renommiertesten Fachbereiche (und beileibe nicht an deren Ende) befinden, ist hervorzuheben. 9 Griebel, Rolf: Etatbedarf universitärer Bibliothekssysteme : ein Modell zur Sicherung der Literatur- und Informationsversorgung an den Universitäten. Frankfurt am Main 2002 (ZfBB / Sonderheft 83), S Burtscheidt, Christine: Vertreibung aus der Universität. In: Süddeutsche Zeitung,

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