Die Prognose. Dipl.-Vw. Lutz Benson, Volkswirtschaftslehre, insbes. Stadt- und Regionalökonomie

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1 Die Prognose Basis jedes auf die Zukunft gerichteten Handelns Zielsetzung in der Regionalforschung ist die Abschätzung von raumbezogenen Veränderungen im Zeitablauf Diese Veränderungen werden bestimmt durch: 1) längerfristig wirkende Trends 2) sporadische, nicht kontinuierlich eintretende Einzelereignisse 3) bewusste, geplante Eingriffe in den Entwicklungsablauf

2 Die Qualität von Prognosen Prognosequalität bezieht sich auf die zwei Aspekte Informationsgehalt und Treffsicherheit die i. d.r. in einem negativen Verhältnis zueinander stehen Beide Aspekte werden beeinflusst durch die Art der Prognose: 1) Intervallprognose oder Punktprognose 2) Qualitative Prognose oder quantitative Prognose 3) Bedingte Prognosen oder Unbedingte Prognosen 4) Kurzfristprognose oder Langfristprognose

3 Prognoseverfahren 1) extrapolative, quantitative Methoden Trendprojektion Simulation 2) antizipative Methoden Delphi-Verfahren 3) Methoden der normativen Vorausschau z.b. Zukunftswerkstatt 4) gekoppelte Vorausschau Szenariomethode

4 Das Delphi-Verfahren Zielsetzung: Erarbeitung von Prognosen auf Basis von Expertenmeinungen Grundgedanken: Prognosen können und sollen von den Informationen und intuitiven Urteilen von Experten profitieren Experten können aufgrund ihres Fachwissens künftige Entwicklungen oft besser abschätzen, als dies mit anderen Methoden möglich wäre diese intuitiven Urteile sollen systematisch und unverfälscht von Nebeneinflüssen erfasst werden

5 Ablauf eines Delphi-Verfahrens I 1) Definition des Prognoseereignisses 2) Auswahl der Experten für Qualität und Aussagekraft des Ergebnisses von großer Bedeutung sollte entsprechend sorgfältig erfolgen 3) Unabhängige Befragung der Experten z.b. nach Eintrittswahrscheinlichkeit eines bestimmten Ereignisses, Eintrittsdatum

6 Ablauf eines Delphi-Verfahrens II 4) Auswertung der eingegangenen Ergebnisse Charakterisierung der Verteilung der Antworten, z.b. mittels Lage- und Streuungsparametern wie Median, Quartile etc. 5) Übermittlung der Ergebnisse und erneute Schätzung der Experten Bitte, Schätzung zu überdenken eventuell Begründung von starken Abweichungen von der Mehrheitsmeinung Wiederholung des Ablaufs so lange, bis gewünschte Konvergenz der Meinungen erreicht ist Konvergenz wird z.b. am Interquartilsbereich gemessen

7 Varianten des Delphi-Verfahrens 1) Delphi mit Orientierungshilfen 2) Delphi mit beschränkter Rückkopplung 3) Delphi mit Gewichtung Gewichtung der Expertenmeinungen z.b. nach Fachwissen 4) Delphi mit mehreren Schätzungen z.b. wahrscheinlichste, optimistischste und pessimistischste Schätzung 5) Delphi ohne Ziel der Konsensbildung statt dessen mehrere stabile Gruppenmeinungen 6) Delphi-Konferenzen in Echtzeit

8 Vor- und Nachteile des Delphi-Verfahrens + überschaubares, vielseitiges und unaufwendiges Verfahren + kaum Probleme mit Datenbeschaffung + bewusste Steuerung gruppendynamischer Prozesse durch Unterbindung eigenständiger face-to-face-kontakte und Rückkopplung der Ergebnisse + Konvergenz der Meinungen + sehr sinnvoll in Situationen mit hoher Prognoseunsicherheit! Konvergenz der Meinungen = verlässliche Prognosen? mangelnde Reproduzierbarkeit der Ergebnisse

9 Die Szenario-Methode Charakterisierung: Erarbeitung spekulativer, aufeinanderfolgender Zukunftsbilder zu alternativen zukünftigen Entwicklungen beruht nicht primär auf einem Satz quantifizierter Verhaltensgleichungen Basis sind Ketten logischer Schlüsse, Methodenvielfalt Zielsetzung ist nicht die treffsichere, quantifizierte Punktprognose von Einzelereignissen... sondern das Abstecken der ganzen Bandbreite zukünftiger Möglichkeiten

10 Bausteine der Szenario-Methode Denken in Alternative, Aufzeigen verschiedener Entwicklungsrichtungen unter veränderten Bedingungskonstellationen Deshalb: Nie nur ein Szenario, sondern Entwurf mehrerer Szenarien! 1) Trendszenario zukünftige Entwicklung unter gegebenen Bedingungen 2) Alternativszenario alternative Entwicklung auf Basis anderer Annahmen über Bedingungen oder kausale Beziehungen 3) Kontrast- oder Zielszenario was müsste zur Verwirklichung eines Zukunftsbildes geschehen? Vorwärts- oder Rückwärtsszenario

11 Ablauf der Szenario-Methode Die sieben Schritte der Batelle-Szenariomethode: 1. Untersuchungsfeld definieren 2. Umfelder strukturieren 3. Entwicklungsrichtungen projizieren 4. Konsistente Annahmenbündel bilden 5. Szenarien ausarbeiten 6. Stör-Ereignisse prüfen 7. Konsequenzen für das Untersuchungsfeld ableiten

12 Charakteristika der Szenario-Methode Denkweise Bei den bekannten Prognosemethoden überwiegt die lineare, eindimensionale, eindeutige, zwangsläufige Argumentation Bei Szenarien überwiegt......die regelkreismäßige, mehrdimensionale, alternative, flexible Argumentation Gegenstand... die Betrachtung isolierter Größen... die Betrachtung komplexer Systeme Vorgehensweise Zufall Genauigkeit... die Analyse von quantitativen Beziehungen,... die Beobachtung von Trends als Fortschreibung der Vergangenheit durch mathematisch-funktionale Verfahren... die pauschale Berücksichtigung des Zufalls als mathematisches Fehlerintervall... die mathematische (Schein-)Genauigkeit... die Analyse von qualitativen Beziehungen... die Beobachtung von Tendenzen und Tendenzänderungen aufgrund von Systemzusammenhängen durch Aufbau nachvollziehbarer Wirkungsketten... die explizite Berücksichtigung des Zufalls durch Analyse überraschender Ereignisse... die Plausibilität nachvollziehbarer Argumentation Quelle: Mitteilung des Batelle-Instituts 1977, zitiert nach: Knauer 1978, S. 15.

13 Vor- und Nachteile der Szenariomethode + Verzicht auf die Scheingenauigkeit quantitativer Verfahren + Interdisziplinarität + Besinnung auf inhaltliche Zusammenhänge + Berücksichtigung von Rückkopplungen, qualitativer Merkmale + vergleichsweise geringer Aufwand liefert keine eindeutigen quantitativen Aussagen hoher Aufwand Prognose ist nur ein Ziel des Verfahrens verfolgt werden auch didaktische Zielsetzungen wie die Denk- und Verhaltensschulung

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