S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G:

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1 Diese Kopie wird nur zur rein persönlichen Information überlassen. Jede Form der Vervielfältigung oder Verwertung bedarf der ausdrücklichen vorherigen Genehmigung des Urhebers by the author S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G: Risiko Luftfracht Warum sichere Versender massive Sicherheitslücken haben AutorInnen: Monika Anthes Sebastian Bösel Kamera: Gerald Volp Marek Zietak Schnitt: Tim Greiner Moderation Fritz Frey: Eine Premiere. Erstmals folgt Report Mainz dem Aufruf eines Ministers. Die Regierung ist nämlich nervös nach den Paketbomben. Deshalb hatte Innenminister De Maizière uns Bürger aufgefordert, Verdächtiges zu melden. Und genau das machen jetzt Monika Anthes und Sebastian Bösel. Sie berichten über den verdächtig leichtfertigen Umgang mit dem Thema Sicherheit in sensiblen Frachtbereichen mitten in Deutschland. Herr Minister, bitte aufgepasst!

2 2 Bericht: Verdeckt gedrehte Aufnahmen ein Produktionsbetrieb in der Nähe des Frachtflughafens Halle/Leipzig. Hier werden Waren produziert, verpackt und als sichere Luftfracht verschickt. Das heißt, die Fracht muss nicht mehr durchleuchtet werden. Deshalb ist das hier ein Sicherheitsbereich. Doch die Aufnahmen belegen: Ein Unbefugter kann bis in den sensiblen Frachtbereich vordringen. Könnte hier Frachtgut manipulieren. Die Firma ist Teil der sogenannten sicheren Lieferkette. Was heißt das? Eine Firma übergibt als sogenannter Bekannter Versender ein Paket an einen geprüften Transporteur, den Reglementierten Beauftragten. Der fährt das Paket zum Flughafen. Die Fracht kommt ins Flugzeug, muss nicht mehr durchleuchtet werden, weil sich alle Beteiligten verpflichtet haben, die Pakete vor Zugriffen zu schützen. Wir zeigen die Aufnahmen dem Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt. Er ist entsetzt.»ganz offensichtlich hat niemand dieser Mitarbeiter dort eine Vorstellung davon, dass das hier ein hochsicherheitsrelevanter Bereich ist. Deshalb werden hier Sicherheitslücken geschaffen, die so groß sind wie Scheunentore. Für Polizisten und Sicherheitsmenschen einfach unfassbar!«fakt ist: Bis Ende April konnte praktisch jeder Produktionsbetrieb, wie dieser, bekannter Versender werden, ohne staatliche Überprüfung. Voraussetzung war nur, dass diese Firmen eine Sicherheitserklärung abgeben, in der sie bestätigen, dass Vorbereitung und Lagerung von Luftfracht vor unbefugten Zugriffen geschützt ist, dass es sichere Betriebsräume gibt, und dass die Verpackung von Luftfrachtsendungen (...) manipulationssicher ist. Doch, halten sich solche Firmen auch an diese Sicherheitsbestimmungen? REPORT MAINZ liegen Aufnahmen von insgesamt vier bekannten Versendern vor, aus dem Großraum Leipzig und aus dem Rhein-Main-Gebiet. Diese Firma liegt in der Nähe des Frankfurter Flughafens. Keine Kontrolle am Eingang. Hinter dem Haus ein halb offenes Rolltor.

3 3 Leichter Zugang für Unbefugte zum Lager, in dem auch Luftfracht vorbereitet wird. Ein weiteres Beispiel: Region Leipzig. Wieder keine Zufahrtsbeschränkung. Gang in den Versandbereich. Keine Türen, keine Kontrollen. Auch hier wird Luftfracht versendet. Sind das sichere Betriebsräume? Mit dieser Frage gehen wir zu Christian Buchenthal. Er ist Luftfrachtexperte, erstellt Sicherheitskonzepte für große Firmen. Für ihn offenbaren die Aufnahmen große Sicherheitslücken.»Das sind Verpackungs Oh Gott, der ist bis an den Verpackungstisch gekommen! Da so tief reinzukommen, das ist wirklich gefährlich. Da kann ich natürlich jede Sendung für den Luftfahrtbereich manipulieren.«auch in diesem Fall erkennt der Experte Sicherheitslücken.»Wahnsinn! Keine Reaktion der Mitarbeiter. Da hätte schon längst jemand auf diesen Menschen zugehen müssen. Denn jeder, der so eine Sendung jetzt praktisch entgegennimmt für den Transport zum Flugzeug, was bedeutet das? Das geht ins Flugzeug und wird nicht geröntgt. Also wenn das kein Risiko ist, dann weiß ich nicht.«riskante Fracht. Unkontrollierter Zugang. Dabei haben alle diese Firmen die Sicherheitserklärung unterschrieben. Doch das heißt offenbar nicht viel.»die Aufnahmen, die wir jetzt eben gesehen, bestätigen auch das Bild, was ich durch Besichtigung anderer Firmen in meinem Kundenkreis auch habe. Das heißt also, es wurde etwas unterschrieben, in dem Gedanken, so nach dem Motto, OK, dadurch wird es schneller, ich habe hier keinen großen Aufwand.«

4 4»Diese Sicherheitserklärungen sind bürokratischer Unfug, aber haben mit Sicherheit und mit Luftsicherheit und Frachtsicherheit überhaupt gar nichts zu tun.«bürokratischer Unfug, doch den duldet das Luftfahrtbundesamt bis zum Flughafen München. Wir konfrontieren den Parlamentarischen Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums, Jan Mücke, zeigen ihm die Aufnahmen. Eine konkrete Einschätzung lehnt er ab, weil wir ihm die Firmennamen nicht nennen, um unsere Informanten zu schützen. Dann überrascht uns der Staatssekretär mit einer bislang noch unveröffentlichten Zahl, auf die Frage wie viele Firmen zur Zeit als bekannter Versender gelten.»also im Moment sind es ca Unternehmen.«Frage: Firmen, bei denen keine Kontrolle der Fracht vorgenommen werden muss? Ist das richtig?» Unternehmen, die ein Produkt herstellen und die das in die sogenannte sichere Lieferkette einbringen sollen.«tausende Unternehmen also, die sich selbst zu sicheren Luftfrachtversendern erklären. Erst ab 2013 müssen alle staatlich überprüft sein. Frage: Aber dann basiert doch für diese Übergangszeit diese sichere Kette rein auf dem Vertrauen gegenüber den Unternehmen?

5 5»Ja, deshalb ist es ja eine Übergangszeit. Und nach dieser Übergangszeit müssen alle dieses Konzept der sicheren Lieferkette einhalten.«ein erstaunliches Eingeständnis. Sichere Luftfracht in Deutschland also erst ab 2013.»Wir können unmöglich eine Nachricht an Al Kaida schicken und sagen: Lasst euch mal drei, vier Jahre Zeit mit eurem Anschlag, bis wir sicherheitstechnisch soweit sind. Deshalb darf es da überhaupt gar keine Übergangszeiten geben. Wir müssen jetzt und zwar sehr schnell auf europäischer Ebene ein vernünftiges System installieren.«abmoderation Fritz Frey: Bei der heutigen Sitzung der EU-Innenminister in Brüssel hat man sich darauf verständigt, vor allem die Kontrollen in unsicheren Drittstaaten zu verschärfen. Aber nach dem, was wir eben gesehen haben, reicht das wohl nicht aus. Links: Allgemeine Informationen zum Thema Luftfrachtsicherheit und konkret zu den Regeln für bekannte Versender

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