Master für Naturheilkunde und komplementäre Medizin Ziele, Struktur und Inhalte eines neuen Studiengangs

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1 Master für Naturheilkunde und komplementäre Medizin Ziele, Struktur und Inhalte eines neuen Studiengangs Der Bologna Prozess Während die Umsetzung des Bologna Prozesses in der ärztlichen Ausbildung in Deutschland nach wie vor kontrovers diskutiert wird, ist sie in anderen Ländern wie den Niederlanden, Österreich oder der Schweiz, anderen naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie, Chemie oder Physik und auch in anderen medizinischen Ausbildungen wie Gesundheitswissenschaft, Pflegewissenschaft, Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie längst Realität (1,, 3). Gleiches gilt für die medizinische Weiterbildung. Weiterbildende Masterstudiengänge für Mediziner, z.b. in Public Health oder Gesundheitsökonomie, gibt es seit mehreren Jahren. Ziele der im Juni 1999 von den verantwortlichen Politikern für Kultur und Bildung aus 9 Europäischen Staaten unterzeichneten Deklaration war die Schaffung einer "European Higher Education Area" (EHEA), innerhalb derer Diplome auf allen Niveaustufen möglichst problemlos gegenseitig anerkannt werden und in der Studierende und Lehrende die größtmögliche Mobilität genießen sollten (4). Zur Verwirklichung dieser Zielsetzung wurden u.a. folgende Punkten vereinbart: 1. Schaffung eines Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse. Schaffung eines dreistufigen Systems von Studienabschlüssen (Bachelor/Master/Doktorat)

2 3. Einführung eines Leistungspunktesystems (z.b. ECTS, das Europäische Credit Transfer System) 4. Förderung des lebenslangen Lernens 5. Förderung der Beteiligung der Studierenden an der Gestaltung des europäischen Hochschulraumes (EHEA) 6. Förderung der Attraktivität des europäischen Hochschulraumes (5) Unter diesen Prämissen wurde nun auch ein neuer Masterstudiengang geschaffen, der einerseits diesen Vorgaben gerecht werden soll, andererseits und vor Allem aber eine Möglichkeit zur Weiterbildung in Naturheilkunde und komplementärer Medizin auf akademischem Niveau bieten soll. Notwendigkeit der Akademisierung von Naturheilverfahren Naturheilkunde und Komplementärmedizin werden von der World Health Organisation (WHO) als Teil der Traditionellen Medizin betrachtet. Sie umfassen ein vielfältiges und heterogenes Gebilde diagnostischer und therapeutischer Methoden, die sich in der Regel auf ein reichhaltiges Erfahrungswissen gründen (6). Für die meisten Verfahren sind die zugrunde liegenden Wirkmechanismen bisher nur unzureichend erforscht. Durch den Mangel an belastbaren wissenschaftlichen Ergebnissen ist ihr Status im Rahmen des geltenden Kanons medizinischer Heilkunst westlicher Prägung daher umstritten (7). Doch trotz der anhaltenden wissenschaftlichen Debatte um Effektivität und Patientenschutz steigt die Akzeptanz gegenüber Naturheilverfahren und komplementärer Medizin in der Bevölkerung und auch innerhalb der Ärzteschaft kontinuierlich an (8, 9).

3 Vorliegenden Studien zu Folge wünschen sich bis zu 80% aller Patienten eine naturheilkundliche Behandlung, wann immer dies möglich ist. Gleichzeitig geben 87% der Befragten gute und sehr gute Erfahrungen mit diesen Behandlungen an (10, 11, 1). Obgleich Teile der Ärzteschaft über eine Weiterbildung in Naturheilverfahren und/oder einzelnen komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden, wie z.b. Homöopathie oder Akupunktur verfügen, ist eine umfassende Weiterbildung, die eine Ausbildung in mehreren Verfahren umfasst, die Ausnahme (1). Dabei werden Ärzte immer öfter mit dem Wunsch von Patienten nach Naturheilverfahren und komplementärer Medizin konfrontiert. Sie sehen sich einem ständig wachsenden globalisierten Gesundheitsmarkt gegenüber, der durch die weite Verbreitung neuer Medien fast jedem Bürger frei zugänglich ist und dessen Übergänge zum so genannten Wellness Bereich fließend sind. Der hierdurch entstehende qualifizierte Beratungsbedarf über Nutzen, Grenzen und auch Schaden einzelner Methoden ist erheblich und darf auch in seiner Bedeutung für eine vertrauensvolle und kooperative Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Patienten nicht unterschätzt werden. Der Anteil der Patienten, der sich nicht hinreichend über den Einsatz von komplementären Methoden informiert fühlt, erreicht je nach Studie bis zu 77 % (13). Demgegenüber fällt die Verankerung von Naturheilverfahren und komplementärer Medizin im Rahmen der ärztlichen Aus und Weiterbildung eher bescheiden aus und erobert sich nur langsam einen Raum in den Curricula. Während beispielsweise in den USA Komplementärmedizin schon seit vielen Jahren in den offiziellen Lehrkatalog aufgenommen wurde, gehört es in Deutschland erst seit 003 mit etwa 1/3 Semesterwochenstunde im Rahmen des Querschnittsbereichs 1

4 zur Pflicht (14). Ähnlich kümmerlich sieht es mit der Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren aus. Mit 160 Unterrichtsstunden Theorie und 80 Stunden Fallbesprechungen ist sie die am niedrigsten dotierte und die am einfachsten zu erwerbende Zusatzbezeichnung. Da es auf absehbare Zeit keine Weiterbildung zu einem Facharzt für Naturheilverfahren geben wird, versuchen nun neue Masterstudiengänge zu diesem Gebiet diese Lücke auf hohem Niveau zu schließen und damit dem Gegensatz zwischen Anspruch und Wirklichkeit Abhilfe zu leisten (15). Ziele des Studiengangs Allgemeines Ziel des neuen Masterstudiengangs ist es, die oben aufgezeigte Lücke zu schließen und die Akademisierung und Professionalisierung in diesem wichtigen Bereich voran zu treiben. Spezielle Ziele sind: 1. Vermittlung und Vertiefung von Kenntnissen und Fertigkeiten zu naturheilkundlichen und komplementärmedizinischen Verfahren bezüglich Wirkmechanismen, Stellenwert und differenzierter evidenzbasierter Anwendung sowie deren Verbindung mit Zielen der Gesundheitsförderung und Prävention.. Entwicklung und Förderung wissenschaftlicher, psychosozialer und didaktischer Kompetenz von Ärzten mit ganzheitlichnaturheilkundlichem Schwerpunkt. 3. Qualifikation der Teilnehmer im Hinblick auf Durchführung von Forschung, Lehre und Öffentlichkeitsarbeit auf dem Gebiet der Naturheilkunde und komplementären Medizin. 4. Kontakt und Netzwerkbildung mit kompetenten und wichtigen Vertretern naturheilkundlicher und

5 komplementärmedizinischer Forschung und Lehre auf nationaler und internationaler Ebene. Zielgruppe und Zulassungsvoraussetzungen Der Studiengang wendet sich speziell an Ärzte, die eine gewisse Berufserfahrung aufweisen und fundierte Kenntnisse in der Beurteilung und Anwendung von Naturheilverfahren und komplementärer Medizin erwerben und ihre Kompetenz hinsichtlich Forschung, Kommunikation, Bildungs und Öffentlichkeitsarbeit in diesem Bereich erweitern wollen. Dementsprechend sind die Voraussetzungen für die Zulassung ein abgeschlossenes Medizinstudium und die Approbation als Arzt sowie eine in der Regel mindestens zweijährige Berufserfahrung. Darüber hinaus wird mit jedem Bewerber ein Aufnahmegespräch zu Vorerfahrungen und Motivation geführt. Aufbau und Struktur des Studiengangs Die Regelstudienzeit zum akademischen Mastergrad beträgt vier Semester in Teilzeit und kann berufsbegleitend absolviert werden. Die Inhalte gliedern sich in sieben Module, die in Tutor und Internetgestützten Selbstlern und Präsenzphasen stattfinden. Die Präsenzphasen gliedern sich in neun Wochenblocks mit je etwa 60 Unterrichtseinheiten (UE) sowie ein Wochenende zur Einführung und eines zum Abschluss bzw. Präsentation der Masterarbeit. Das entspricht etwa 14 Präsenztagen pro Semester. Gemäß den Richtlinien des Bologna Konzepts werden die Studienleistungen in den Einheiten des European Credit Transfer Systems (ECTS) berechnet (4, 5). Definitionsgemäß entspricht 1 ECTS

6 5 30 Unterrichtseinheiten. Nach den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz sind dies 30 x 45 Minuten (16). Für den kompletten Masterstudiengang gibt es 60 ECTS (entsprechend 1800 UE bzw. studentische Arbeitsstunden), 15 pro Semester. Diese gliedern sich in 40 ECTS (67%) für die Modulpräsenz, die Modulvorund nachbereitung sowie den Leistungsnachweis, fünf ECTS (8%) für die Projektarbeit und 15 ECTS (5%) für die Masterarbeit. Um das Studium möglichst effektiv zu gestalten, ein optimales Lernen und eine intensive Betreuung zu gewährleisten, ist die Teilnehmerzahl auf acht bis 4 Ärztinnen und Ärzte pro Studienjahr beschränkt. Große Teile des Unterrichts finden in Kleingruppen statt und erarbeiten die Inhalte mittels problem und handlungsorientiertem Lernen. Die im Unterricht verwendeten Sprachen sind vorrangig Deutsch, teilweise auch Englisch. Da die Originalliteratur wissenschaftlicher Studien meist in Englisch erscheint, wird das Beherrschen der englischen Sprache vorausgesetzt. Der Studiengang wird in Kooperation mit einem Netzwerk von ausgewiesenen Spezialisten und Dozenten verschiedener nationaler und internationaler Universitäten (z.b. Berlin, Bonn, Frankfurt, Florenz, Köln, München und Rostock) ausgerichtet, um eine Vernetzung mit wichtigen und kompetenten Vertretern naturheilkundlicher und komplementär medizinischer Forschung herzustellen.

7 Tab. 1: Modulübersicht Studiengang Naturheilkunde und komplementäre Medizin Modul- Nr. Modulname Teilmodul Credits (gesamt ) Credits pro Salutogenese und Gesundheitsförderung/P 1 Bio-psychosoziale Regulationsbiologie Praxis der 7 1 Grundlagen Journalclub Bio psychosoziale Grundlagen Methoden Wiss. Lern u. 1 des A b it t h ik Praktisches Arbeiten mit 1 wissensch Qualitative Methoden 1 aft lichen Quantitative Methoden 1 8 Arbeitens und Journalclub Methoden.6 Schreiben s Vorstellun Klass g und Praxis und Fallarbeit Exploratio klass. 10 n Klass Praxis und Fallarbeit klassischer 35 Journalclub Klass Projekt Planung, Durchführung 1 1 Gesundhei und Präsentation von NKMts Projekten 6 4. förderung Selbständige 4 NKM-5.1 d Evidenzbasierung Komplementäre Medizin Evidence based Fallarbeit EbM in der 8 1 Praxis + Fallarbeit 1

8 5.5 der kompleme Journalclub EBM in n tären NHV/CAM Medizin Managem Ganzheitliches ent und Gesprächsführung und Kommunikation Führungskompetenz Journalclub M d Master Master Thesis Prüfung Master Kolloquium Didaktischer Ansatz Die Studiengruppen werden je nach Lernerfordernissen in Kleingruppen aufgeteilt, um persönlichen Erfahrungsaustausch und kreative, aufgabenorientierte Teamarbeit zu ermöglichen. Die Module werden in rhythmischem Wechsel von Impulsreferaten, Eigenarbeiten in POL Seminaren und praktischen Tätigkeiten mit großem Anteil an Selbsterfahrung erarbeitet. Lernen ist effektiver, wenn es an Vorwissen und Erfahrungen anknüpft, wenn die Lernenden den Stoff aktiv erarbeiten (Diskussion, eigene Aufzeichnungen, praktische Übungen usw.) und wenn unmittelbar Feedback gegeben wird. Deshalb profiliert sich der Studiengang durch seine didaktischen Ansätze des problemorientierten Lernens, in deren Mittelpunkt die Inhalte der Naturheilkunde und komplementären Medizin stehen. Dabei berücksichtigen die Veranstaltungen die Prinzipien des adult learning nach KNOWLES und knüpfen an die Erfahrungen und spezifische professionelle Motivation eines anwendungsrelevanten Lernprozesses an. Zentral ist ebenfalls das didaktische Konzept der Handlungsorientierung. Lernen findet statt durch eigenes Handeln, durch dessen Reflexion sowie durch das gedankliche Nachvollziehen von Handlungen anderer. Kennzeichnend ist eine praxisorientierte Herangehensweise, die geeignet ist, die erworbenen Kompetenzen auf die im Berufsalltag auftretenden Aufgaben und Herausforderungen anzuwenden. In den Modulen des Studiengangs werden Situationen, die für die Berufsausübung bedeutsam sind, als Fälle bearbeitet. Bei diesen Fällen handelt es

9 sich um zusammenhängende Aufgabenkomplexe, die zur Bewältigung von beruflichen sowie lebens- und gesellschaftsbedeutsamen Handlungssituationen befähigen sollen. Lernergebnisse und Kompetenzen Hinsichtlich der Qualifizierung orientiert sich der Studiengang konzeptionell an den Forderungen der Hufelandgesellschaft (17). Demnach soll der Master-Studiengang Naturheilkunde und komplementäre Medizin zur selbstständigen wissenschaftlich basierten Forschungstätigkeit im Bereich der Naturheilkunde und komplementären Medizin befähigen und den Weg zur Weiterqualifikation im Rahmen eines Promotionsprogramms eröffnen. aufbauend auf der schon vorhandenen selbständigen Berufsfähigkeit als Arzt oder Ärztin eine Spezialisierung im Schwerpunkt Naturheilkunde und komplementäre Medizin ermöglichen. den Erwerb von Methoden zur Qualitätssicherung diagnostischer oder therapeutischer Interventionen der Naturheilkunde und komplementären Medizin ermöglichen, um auf der Basis evidenzbasierter Praxis diese fortlaufend auf ihre Effektivität und Angemessenheit hin überprüfen zu können und Kenntnisse in lebenslangem Lernen weiter zu entwickeln. zur Einschätzung von langfristigen Trends im Gesundheitswesen sowie der strategischen und operativen Gestaltung und Begleitung von Managementprozessen und Mitarbeiterführung befähigen. zum Erwerb fundierter Kenntnisse und einschlägiger Erfahrungen im Bereich der dialogischen und Gruppenkommunikation als Basis interdisziplinärer Zusammenarbeit beitragen. auf der Basis eines berufsethischen Wertesystems Grundlagen für die Fähigkeit legen, zu einer Einschätzung über den Bereich der nationalen und internationalen Gesundheitspolitik und ihrer Entwicklung zu gelangen, um sich aktiv am Veränderungsmanagement im Interesse der Gesellschaft sowie der komplementären Medizin beteiligen zu können. Des Weiteren orientiert sich der Studiengang in Lernergebnissen und Kompetenzen am Qualifikationsrahmen für deutsche Hochschulabschlüsse die sich für Masterstudiengänge in folgende Komponenten unterteilt (18): 1) Wissen und Verstehen (Wissensverbreiterung und Wissensvertiefung) Die Absolventinnen und Absolventen sind in der Lage,

10 vertiefte Kenntnisse der multidisziplinären Grundlagenwissenschaften (Regulationsbiologie, Gesundheitspsychologie und Soziologie) von Naturheilkunde und komplementärer Medizin als theoretische Basis eigener Forschungsvorhaben darzustellen und gegen andere medizinische Ansätze abzuwägen und kritisch zu diskutieren. eine wissenschaftliche Fragestellung aus dem Bereich der Naturheilkunde und komplementären Medizin zu formulieren, sie einzugrenzen und unter Anwendung eines angemessenen methodischen Vorgehens und wissenschaftlicher Standards umzusetzen und zu verstehen, welche Validitäts- und Reliabilitätsbedrohungen, insbesondere im Rahmen der anwendungsorientierten Forschung, mit einer Feldstudie verbunden sind. auf der Basis der aktuellen Literaturlage Auskunft über den Forschungsstand zur Evidenzbasierung, den Wirkmechanismen, Indikationen, Kontraindikationen und Risiken in der Anwendung der wichtigsten Therapiekonzepte und Methoden der Naturheilkunde und komplementären Medizin zu geben und dieses Wissen auch auf die Auswahl von diagnostischen und therapeutischen Interventionen anwenden zu können. ihre vertieften Kenntnisse in dialogischer und Gruppenkommunikation auf unterschiedliche Anwendungsfelder der ärztlichen Tätigkeit als Forscher, Therapeut und als Führungskraft zu transferieren. umfängliche Kenntnisse im Bereich des normativen und operativen Managements nachzuweisen. ) Können (Wissenserschließung) a) Instrumentale Kompetenzen Die Absolventinnen und Absolventen sind in der Lage, fundierte Kenntnisse über ausgewählte Therapiekonzepte und Methoden der Naturheilkunde und komplementären Medizin auf Fallbeispiele aus ihrer täglichen Arbeitspraxis erfolgreich anzuwenden. ihre Fach- und Methodenkenntnisse im Rahmen einer selbstgewählten wissenschaftlichen Fragestellung aus dem Anwendungsfeld der Naturheilkunde und komplementären Medizin eigenständig und kreativ zu synthetisieren und flexibel an die konkreten Erfordernisse ihrer Forschungsfrage anzupassen. Mitarbeitergespräche und Teamprozesse professionell zu gestalten. die therapeutische Beziehung als Grundlage des therapeutischen Prozesses zu sehen und gezielt eine vertrauensvolle Beziehung mit ihren Patienten herzustellen sowie schwierige Interaktionsmuster zu erkennen und zu durchbrechen; individuelle Unterschiede, kulturelle Überzeugungen, Gewohnheiten und ihren Einfluss auf Betätigung und Partizipation zu respektieren und zu würdigen. ihre eigene Rolle als Wissenschaftlerin, Ärztin oder Führungskraft im sozialen Kontext differenziert wahrzunehmen und ihr Handeln entsprechend zu gestalten. ihre Fach- und Methodenkompetenz in allen Bereichen des Schwerpunkts Naturheilkunde und komplementäre Medizin selbständig zu erweitern, zu ergänzen und zu vertiefen und sich auch neue Fragestellungen des Gebiets erfolgreich anzueignen.

11 b) Systemische Kompetenzen Die Absolventinnen und Absolventen sind in der Lage, umfängliche Kenntnisse der Naturheilkunde und komplementären Medizin in ihr medizinisches Vorwissen zu integrieren und unter Bezugnahme auf relevante soziale, wissenschaftliche und ethische Fragen, je nach Krankheitsbild die Auswahl geeigneter Interventionen abzuwägen, zu treffen und zu begründen. ihre Methodenkenntnisse zu integrieren und sich für geeignete Methoden zur Exploration naturheilkundlicher und komplementärmedizinischer Forschungsfragen zu entscheiden und diese Entscheidung auch vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen begründen zu können. eigene Recherchen und Bewertungen der Evidenzbasis von naturheilkundlichen und komplementärmedizinischen Interventionen anhand vorgegebener und selbstgewählter klinischer Fragestellungen erfolgreich durchzuführen, Kosten und Nutzen von Interventionen im Gesundheitswesen zu bestimmen und den Einsatz von konventionellen und komplementären Methoden kritisch abzuwägen und auf wissenschaftlicher Grundlage kommentieren. Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen und die Grenzen der Machbarkeit von Naturheilkunde und komplementärer Medizin zu respektieren. c) Kommunikative Kompetenzen Die Absolventinnen und Absolventen sind in der Lage, mündlich und schriftlich, bezogen auf die Situation und vorhandenen Personen in angemessener Form zu kommunizieren und ihre Arbeitsergebnisse nach wissenschaftlichen Standards präzise zu formulieren. Die Leitung und Moderation von (Arbeits-) Gruppen zu übernehmen, Konflikte in Teams zu erkennen und geeignete Lösungswege zu finden. ihre Behandlung partnerschaftlich und mit Toleranz gegenüber unterschiedlichen Ansätzen in der Medizin und anderen Gesundheitsberufen zu gestalten. klinische Fragestellungen ihrer Patienten, die Verfahren der komplementären Medizin selbst, deren Evidenzgrad und Indikationslage sowie die damit verbundenen Risiken für ihre Patienten, deren Angehörigen, interessierte Laien und Experten im Rahmen öffentlicher Vorträge oder dialogischer Kommunikation klar und gut nachvollziehbar darzustellen und zu begründen. mit Kollegen/Partnern/Laien aus unterschiedlichen Sektoren des Gesundheitswesens interdisziplinär in Forschung und Anwendung effizient zu kommunizieren und zusammen zu arbeiten.

12 Internationalisierung Der Studiengang ist so konzipiert, dass auch ausländische Interessenten zur Teilnahme animiert werden sollen. In Bezug auf die Anwendung, Weiterentwicklung, Erforschung und Lehre von Naturheilverfahren und komplementärer Medizin ist Deutschland eines der führenden Länder in der Welt, das von anderen europäischen und außereuropäischen Ärzten mit Interesse an dieser Ausrichtung kontaktiert wird. Durch den Einsatz englischsprachiger Dozenten, der Durchführung einzelner Präsenzteile in Englisch sowie dem hohen Anteil englischsprachiger Studienliteratur soll auch Studierenden die Teilnahme am Studiengang ermöglicht werden, die Deutsch nicht fließend beherrschen. Das Curriculum ist an internationalen Standards ausgerichtet. Insbesondere durch den Journal Club besteht die strukturelle Möglichkeit, sich aktuellen internationalen Themen zu widmen. Zudem wird die übernationale Ausrichtung durch die Einbindung von Lehrbeauftragten und Forschungskooperationen aus verschiedenen Ländern garantiert. Feste Vereinbarungen für den Studiengang Naturheilkunde und komplementäre Medizin bestehen mit Dozenten aus England (Universität Exeter), Italien (Universität Florenz), Niederlande (Universität Utrecht), Österreich (Uni Graz) und der Schweiz (Universität Bern). Inhalte des Masterstudiums / Inhaltliche Schwerpunkte der einzelnen Module Die Module sind so konzipiert, dass sie einem salutogenetischen (statt pathogenetischen), ganzheitlichem Ansatz folgen. Theoretische

13 Inhalte werden überwiegend fallbezogen vermittelt mit großen Anteilen von Selbstlernphasen. Eine Besonderheit ist der regelmäßige Einsatz von Selbsterfahrungsphasen, die den Studierenden ermöglichen, die Auswirkungen bestimmter naturheilkundlicher und komplementärmedizinischer Methoden am eigenen Körper kennen und einschätzen zu lernen. Hierdurch gelingt es die Intensität, Möglichkeiten und vielleicht auch Schwierigkeiten einer Maßnahme besser einzuschätzen. Ein großer Teil beinhaltet die Analyse, Aufarbeitung und Anwendung wissenschaftlicher Informationen einerseits im Sinne der evidenz based medicine (EbM) und andererseits als Anleitung zu eigenem wissenschaftlichen Arbeiten. Die Bewertung wissenschaftlicher Methoden und die Anwendung statistischer bzw. biometrischer Methoden. Auch der interdisziplinäre Ansatz, die Integration verschiedener Fachgebiete in das Gedankenmodell der ganzheitlichen Heilkunde, wie auch die Verknüpfung klinischer, praktischer und wissenschaftlicher Medizin ist eine Besonderheit des Studiengangs. Das erste Semester beinhaltet zwei Module. Modul 1 vermittelt mit Themen wie Menschenbild und Heilkunde, interkultureller Vergleich verschiedener Heilsysteme, Orientierung an Ressourcen und therapeutische Beziehungsgestaltung die salutogenetischen und psychosozialen Grundlagen, die im Rahmen der Gesundheitsförderung und Prävention eine wichtige Rolle spielen. Zudem vermittelt es die Grundlagen und Theorien der Regulationsbiologie, die zusammen mit dem ersten Teil die Basis für das ganzheitliche Verständnis der Naturheilkunde und komplementären Medizin entscheidend sind. Modul

14 Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben beinhaltet eine Übersicht über qualitative und quantitative Forschungsmethoden im Kontext komplementärer Heilkunde und integrativer Gesundheitswissenschaften und vermittelt die Fach und Methodenkompetenz zur wissenschaftlichen Herangehensweise an dieses Spezialgebiet im interdisziplinären Kontext. Im zweiten Semester steht die Beschreibung, Vermittlung, Evaluation und Anwendung klassischer Naturheilverfahren (bewegungstherapeutische Maßnahmen, Massagebehandlung und reflexzonentherapeutischen Maßnahmen einschließlich manueller Therapie und Osteopathie, atem und entspannungstherapeutische Maßnahmen, Grundlagen der Ernährungsmedizin und Fastentherapie, Ordnungstherapie und Grundlagen der Chronobiologie, Phytotherapie und Anwendung weiterer Medikamente aus Naturstoffen wie orthomolekulare und mikrobiologische Therapie, balneo, klimatherapeutische und verwandte Maßnahmen (Hydro Thermotherapie), physikalische Maßnahmen einschließlich Elektro und Ultraschalltherapie sowie ausleitende und umstimmende Verfahren) im Vordergrund. Auch Modul 4, die Planung, Durchführung und Präsentation gesundheitsfördernder Projekt ist Bestandteil dieses Semesters. Im zweiten Semester steht die Anwendung der Forschungsmethoden und Forschungsanalysen anhand ausgewählter Studienprojekte im Mittelpunkt. Ferner sollen die Studierenden die Fachkompetenzen erhalten, gesundheitsökonomische Aspekte und u.a. klientenzentrierte Qualitätsmanagementsysteme in therapiewissenschaftliche Fragestellungen zu integrieren und so die Bedeutung von Finanzierungs und Steuerungsprinzipien der Gesundheitssysteme und strukturen zur Analyse der Effektivität und Effizienz (therapeutischer) Gesundheitsleistungen wissenschaftlich zu untersuchen. Die Handlungskompetenzen werden anhand der

15 Bearbeitung von Projekten bei Dienstleistenden im Gesundheitswesen vertieft und überprüft. Bereits im zweiten Semester beginnt mittels der Projektarbeit die Vertiefung der Methoden und Handlungskompetenzen und bietet im Wahlpflichtbereich eine Spezialisierung der Schwerpunkte Gesundheitsförderung, Prävention und Qualitätsmanagement, die auch zu einer berufsbezogenen, fachspezifischen Spezialisierung führen. Dieser Teil wird im dritten Semester fortgesetzt. Bestandteil des dritten Semesters ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit regulativen und komplementärmedizinischen therapeutischen Verfahren wie Neuralund Störfeldtherapie, Akupunktur, Moxibustion, Reflexzonentherapien, Homöopathie, Homotoxikologie, Anthroposophie und deren kritische Wertung im Sinne der Evidenz basierten Medizin (EBM). Zudem beginnt hier mit Modul 7 die Bearbeitung der Masterthese, die Erstellung des Studienentwurfs, des Prüfplans und der strukturierten Zusammenfassung. Im vierten und letzten Semester schließlich stehen ganzheitliches Management und Führungsqualität Rhetorik, Selbstmanagement und Kommunikation im Mittelpunkt. Daneben macht ein Großteil der Zeit die Erstellung der Masterthesis sowie die Absolvierung des zugehörigen Abschlusskolloquiums aus. 1. Salutogenetische und psychologische Grundlagen Menschenbild und Heilkunde, Orientierung an Ressourcen, therapeutische Beziehungsgestaltung. Regulationsbiologische und komplementärmedizinische Grundlagen a) Naturwissenschaftliche Grundlagen b) Manual und humoraldiagnostische Verfahren c) Regulationsmedizinische diagnostische Verfahren

16 d) Interkultureller Vergleich versch. Heilsysteme 3. Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben im Kontext komplementärer Heilkunde und integrativer Gesundheitswissenschaften 4. Klassische Naturheilverfahren I Systematik, Beschreibung, Praxis, Stand der Forschung, Vergleich und Integration a) Bewegungstherapeutische Maßnahmen b) Massagebehandlung und reflexzonentherapeutischen Maßnahmen c) Atem und entspannungstherapeutische Maßnahmen d) Grundlagen der Ernährungsmedizin und Fastentherapie e) Ordnungstherapie und Grundlagen der Chronobiologie 5. Klassische Naturheilverfahren II Systematik, Beschreibung, Praxis, Stand der Forschung, Vergleich und Integration a) Phytotherapie und Anwendung weiterer Medikamente aus Naturstoffen b) Balneo, klimatherapeutische und verwandte Maßnahmen c) Physikalische Maßnahmen einschließlich Elektro und Ultraschalltherapie d) Ausleitende und umstimmende Verfahren 6. Regulative und komplementärmedizinische Verfahren Systematik, Beschreibung, Praxis, Stand der Forschung, Vergleich und Integration a) Heilungshindernisse und Grundlagen der Neuraltherapie b) Akupunktur, Moxibution, Reflexzonentherapien c) Homöopathie, Homotoxikologie, Anthroposophie, Bachblüten 7. Evidence based Complementary and Alternative Medicine Advanced Studies in Complementary Medicine

17 8. Management und Kommunikation Professionelle Führung, effektive Kommunikation und ganzheitliches Management Tab. : Beispielhafter Wochenplan von Modul 3: Montag Dienstag Mittwoch Donnersta g Freitag Hydrotherapie Selbsterfahrung Wo. Überblick Grundlage n d. Ernährungs th. Ernährung bei Stoffw. Erkr POL Auflösung POL Neufall Grundlage n d. Phytothera pie Forschung in Phytothera pie Forschung in der Phytothera pie Entspannungsverfahren (AT / PM) Tagesüberblick / Fragen und Probleme Stationäre Hydrother apie Ernährungs ther internist. Erkr. Bewegungspause Hydrother apie gyn. Erkrank. Therapiepl äne in der Hydrother apie Pause Mittagspause Exkursion Bad Schw. Grundlage n Orthomole kul. Therapie Orthomole kul. Ther. bei Herz Kreislauf Erkr. Phytothera pie urolog. Krh. Phytothera pie b. Herz Kreisl. Krankheite n Phytothera pie bei Rheuma Entspannungsverfahren (AT / PM) Samstag Trainingsther. b. Atemwegskh Trainingsther. b. Herz Kreisl. Kh Hausaufg. POL Abschluss POL Neufall Evaluation 13:30 Ende der Präsenz

18 Grundlage n d. Hydrother apie Pause Klass. Massage Klass. Massage Blitzlicht Reflektion Bewegungstherapie Praxis Moorthera pie Einsatz in der Kurortmedizin bei rheumatisc hen Erkrankung en Reflextherapie Hydrother. bei Herz Kr.Kh. Reflextherapie Gruppenpu zzle NHV+Met.Syndr. Pause Gruppenpu zzle NHV+Met.Syndr. Blitzlicht Reflektion Bewegungstherapie Praxis Abendpause Eigenarbeit in Kleingruppen: Referate, POL, Projektarbeit Abschied Inhaltliche Schwerpunkte aller Module Vorträge zu persönlichen Schwerpunktthemen Rhetorik + Präsentationstechnik Arbeiten am Projekt = Wissenschaftliches Arbeiten am Modell (= Vorarbeit zur Masterthese) Gruppendynamik Coaching, Supervision Journal Club Problemorientiertes Lernen Praxis + Selbsterfahrung Praktische Hydro Thermotherapie (Güsse, Bäder, Wickel) Praktische Massagetherapie (klass., Reflexzonen, Sonderformen)

19 Praktische Bewegungstherapie (Nordic Walking, Jogging mit Pulsuhr, Gymnastik) Praktische Entspannungstherapie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Yoga, Qi Gong, Mentales Training, Musiktherapie Literatur 1. Gerke W, Breipohl W, Forster J, Hahn EG, Kraft HG, Oechsner W, Onur Ö, Schirlo C, Tullius M, Wennekes V: Medizinische Ausbildung und der Bologna Prozess. Gesellschaft für Medizinische Ausbildung medizinische ausbildung.org. AMEE and WFME Taskforce on the Bologna Declaration/Process and medical education 3. Hochschulrektorenkonferenz (HRK): Potenziale und Grenzen des Europäischen Reformprozesses für die Medizin und die Gesundheitswissenschaften in Deutschland 4. Bologna Declaration: The European Higher Education Area. Joint Declaration of the European Ministers of Education. Bologna berlin003.de/pdf/bologna_declaration.pdf 5. The European Higher Education Area Achieving the Goals; Communiqué of the Confe rence of European Ministers Responsible for Higher Education, Bergen, 19 0 May 005 bergen005.no/docs/00 Main_doc/05050_Bergen_Communique.pdf 6. WHO. Traditional Medicine Strategy S Ernst E. The role of complementary and alternative medicine. BMJ 000; 9:

20 8. Eisenberg DM. Davis RB, Ettner SL, Appel S, Wilkey S, Van Rompay M, Kessler RC. Trends in alternative medicine use in the United states, Results of a follow up national survey. JAMA 1998; 80: Lafferty WE, Tyree PT, Bellas AS, Watts CA, Lind BK, Sherman KJ, Cherkin DC, Grembowski DE. Insurance coverage and subsequent utilization of complementary and alternative medicine providers. Am J Manag Care 006; 1(7): Beuth J. Repräsentative Umfrage über die Einstellung der Bevölkerung zu Naturmedizin in Deutschland. Pascoe, Gießen, Härtel U, Volger E. Inanspruchnahme und Akzeptanz klassischer Naturheilverfahren und alternativer Heilmethoden in Deutschland Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsstudie. Forsch Komplementärmed Klass Naturheilk 004; 11: Marstedt G, Moebus S. Inanspruchnahme alternativer Methoden in der Medizin. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 9, RKI/ Stat. Bundesamt,. Auflage, Berlin, Joos S, Rosemann T, Szescenyi J, Hahn EG, Willich SN, Brinkhaus B. Use of complementary and alternative medicine in Germany a survey of patients with inflammatory bowel disease. BMC Complementary and Alternative Medicine 006; 6: Jobst D, Musselmann B. Naturheilverfahren ein Publikumsliebling geht an die Uni. Z Allg Med 003; 79: Gündling PW. 1. Masterstudiengang zu Naturheilkunde und komplementärer Medizin für Ärzte. Erfahrungsheilkunde 009; 58(1): Kultusministerkonferenz (Hrsg.). Ländergemeinsame Strukturvorgaben gemäß 9 Abs. HRG für die Akkreditierung von Bachelor und Masterstudiengängen (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom i. d. F. vom ).

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