Do something, do more, do better Ein Vorschlag für eine stufenförmige Strategie der Zusammenarbeit von Selbsthilfe und Krankenhäusern

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1 an institute of the Do something, do more, do better Ein Vorschlag für eine stufenförmige Strategie der Zusammenarbeit von Selbsthilfe und Krankenhäusern Rudolf Forster Daniela Rojatz LBIHPR: A-1020 Vienna, Untere Donaustraße 47, Austria FAX - 50

2 Ausgangspunkt: In der Kooperation von KH mit SHG in Österreich besteht große Heterogenität In immerhin 62 KH gibt es systematische Ansätze, die unterschiedlichen Modellen folgen die unterschiedlich weitreichend ausgelegt sind die unterschiedlich gut unterstützt und ausgestattet sind die wenn sie dem Hamburger Modell folgen vermutlich nicht alle Kriterien gleichermaßen umsetzen (vgl. Trojan et al. 2012) In ca. 80% aller 279 KH bestehen keine systematischen Ansätze zur Kooperation Anzunehmen bzw. fallweise belegt ist aber eine (personenabhängige) Kooperation zwischen einzelnen Abteilungen und SHG 2

3 Unterschiedliche Wege zur und unterschiedliche Stufen der Selbsthilfefreundlichkeit? Selbst in einem kleinen (aber föderal organisierten!) Land wie Österreich, ist es schwierig, alle Initiativen auf einen Ansatz festzulegen. Zwei Fragen: Kann/soll der Begriff der Selbsthilfefreundlichkeit in Österreich unterschiedliche Ansätze beinhalten? Kann/soll es unterschiedliche Stufen/Grade der Selbsthilfefreundlichkeit geben? Antwort auf beide Fragen: prinzipiell ja, wenn die Ansätze in transparenter Weise bestimmte Kriterien erfüllen Was ist die Essenz von Selbsthilfefreundlichkeit? 3

4 Zur Essenz von Selbsthilfefreundlichkeit (1): Konsens der Partner im Hamburger Modellprojekt (Bobzien 2007) Ein Krankenhaus ist selbsthilfefreundlich: wenn kooperationsbereite Selbsthilfegruppen aktiv unterstützt werden wenn der Kontakt zwischen Patientinnen und Patienten und Selbsthilfegruppen gefördert wird wenn das ärztliche und pflegerische Handeln durch das Erfahrungswissen der Selbsthilfe erweitert wird (wenn Vorkehrungen zur Sicherung von Nachhaltigkeit getroffen werden) Operationalisierung/Kriterien: Bereitstellung von Infrastruktur etc. SH-Beauftragter Unterstützung von Öffentlichkeitsarbeit Information für PatientInnen Regelmäßiger Austausch SHG-KH Einbindung von SHG in Fort- und Weiterbildung Mitwirkung in Institutionen des KH SH-Beauftragter Regelmäßiger Austausch SHG-KH Formalisierung und Dokumentation 4

5 Zur Essenz von Selbsthilfefreundlichkeit (2): Ableitungen aus der Programmatik der Gesundheitsförderung und von HPH (Forster et al 2013; Rojatz & Forster 2015) Selbsthilfefreundlichkeit im KH bedeutet Unterstützung der SHG seitens der KH PatientInnen-Information über SHG; Förderung der Kontaktaufnahme von PatientInnen zu SHG Ermöglichung mitgestaltender Rollen der SHG: wissensvermittelnde (edukative) Rolle im Austausch mit den Gesundheitsberufen evaluative Rolle im Rahmen des KH-Monitoring kooperative Rolle bei patientenorientierter Programme partizipative Rolle bei Strategieentwicklung und Planung Bestätigung des Hamburger Ansatzes Ausdifferenzierung des dritten allgemeinen Kriteriums 5

6 Zur Abstufung von Selbsthilfefreundlichkeit Die genannten Kriterien stellen unterschiedlich hohe Anforderungen an beide Seiten Vertrauen, Zeitaufwand, Kompetenzen, Ressourcen Nicht alle SHG und KH wollen/können diese erfüllen Selbst bei bestehender Bereitschaft zu weitreichender Kooperation ist ein schrittweises Vorgehen angemessen Vorschlag einer stufenförmigen Strategie mit zunehmend höheren Anforderungen an KH und SHG 6

7 Sechs Stufen der patientenorientierten Kooperation zwischen SHG und KH Stufe 2 Stufe 3 Stufe 4 Stufe 6 Beteiligung von SHG an Planungs- und Strategieentwicklungsprozessen Stufe 5 Beteiligung von SHG an der Entwicklung und Durchführung patientenorientierter Programme Einbeziehung von SHG in das Monitoring der Patientenorientierung der Einrichtungen Einbeziehung von SHG in die einrichtungsspezifische Fortund Weiterbildung der Gesundheitsberufe Information von Patienten und Angehörigen über SHG; Förderung der Kontaktaufnahme mit SHG Stufe 1 Unterstützung der Präsenz und von Aktivitäten der SHG seitens der Einrichtungen 7

8 Drei Grade der Selbsthilfefreundlichkeit (SHF) 3 Selbsthilfefreundlichkeit als partnerschaftliche Mitgestaltung durch SHG (Stufe 5, 6) 2 Selbsthilfefreundlichkeit als Einbeziehung des Erfahrungswissens von SHG (Stufe 3, 4) 1 Selbsthilfefreundlichkeit als Unterstützung von SHG (Stufe 1, 2) Zunehmende Grade bedeuten: Zunehmende Integration in KH-Strukturen und Abläufe Zunehmende Anforderungen an Kompetenzentwicklung und zunehmende personelle/sachliche Ressourcen auf beiden Seiten Zunehmend längere Vor- und Nachbereitungszeit Zunehmend intensive gemeinsame Lernprozesse 8

9 Eine Strategie zur Entwicklung und Verbreitung von SHF in Österreich SHF ersten Grades (= auf den unteren 2 Stufen) möglichst weit (tendenziell flächendeckend) entwickeln Anreize (wie z.b. Auszeichnungsverfahren) und Unterstützungsangebote für die Entwicklung in Richtung höherer Grade der SHF bereitstellen Gründung eines Kooperationsnetzwerks von KA-Trägerorganisationen, GF-Institutionen (FGÖ; ONGKG) und SH-Organisationen (ARGE/DV) zur Begleitung der Umsetzung Qualitätskriterien, Anleitungen, Schulungen, Evaluation Unterstützung durch ein programmatisches Bekenntnis der wesentlichen Stakeholder des Gesundheitssystems (Bund, Land, Sozialversicherungen; Gesundheitsberufe), verbunden mit Vereinbarungen zur Ressourcenbereitstellung 9

10 Zusammenfassung Ein gestuftes Modell, in dem Platz für unterschiedliche Umsetzungsmodelle und Grade der SHF ist: erlaubt alle in Österreich existierenden, institutionalisierten Formen der SH-Kooperation unter einem Begriff zu subsumieren erlaubt einzelnen KH, in deren Bundesländern keine entsprechenden landesweiten Initiativen existieren, erste Schritte zur SHF zu setzen bietet eine niedrige Schwelle zum Einstieg und damit eine Chance auf breite Realisierung eröffnet gleichzeitig Perspektiven für erfahrungsbasierte weitere Entwicklungsschritte könnte das ONGKG anregen, in seinem Netzwerk eine entsprechende Initiative für SHF zu starten 10

11 Literatur Bobzien, M. (2007): Ein selbsthilfefreundliches Krankenhaus was soll das sein? In: DAG Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppenjahrbuch 2007, S Forster, R., Rojatz, D., Schmied, H., Pelikan, J. (2013): Selbsthilfegruppen und Gesundheitsförderung im Krankenhaus eine entwicklungsfähige Allianz für Gesundheit. In: Prävention und Gesundheitsförderung 8 (1), S Rojatz, D., Forster, R. (2015): Gemeinschaftliche Selbsthilfe als Gesundheitsförderung pur!? Analyse des Verhältnisses anhand von Grundsatzdokumenten und gemeinsamer Praxis. In: Gesundheitsförderung und Prävention 10, Heft 3, S Trojan, A. et al. (2012): Selbsthilfefreundlichkeit im Gesundheitswesen. Wie sich selbsthilfebezogene Patientenorientierung systematisch entwickeln und verankern lässt. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag. Verlag für neue Wissenschaft 11

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