Akteureinstellungen: grundlegende Basis von Schul- und Unterrichtsentwicklung

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1 Akteureinstellungen: grundlegende Basis von Schul- und Unterrichtsentwicklung Bettina-Maria Gördel & Prof. Dr. Ulrike Stadler-Altmann Schulentwicklung trifft Unterrichtsentwicklung und Didaktik Pädagogische Hochschule Oberösterreich, Linz

2 Einführung Akteureinstellungen und -annahmen grundlegende Basis von intra- und interorganisatorischer Schul- und Unterrichtsentwicklung Bei übereinstimmenden Annahmen und Einstellungen gelingen Entwicklungsprozesse eher. können Entwicklungsprozesse eine höhere Wirksamkeit innerhalb einer (Mehrebenen-) Organisation entfalten (vgl. Kieser/Walgenbach 2007; Langer 2008).

3 Einführung Akteureinstellungen: grundlegende Basis von Schul- und Unterrichtsentwicklung (SE & UE) Ausgangsfragen: 1. Welche grundlegenden Annahmen und Einstellungen bringen die Akteure der verschiedenen Ebenen im Schulsystem zur Schulund Unterrichtsentwicklung mit? 2. Inwieweit sind die Annahmen der verschiedenen an SE und UE beteiligten Akteure miteinander kompatibel?

4 Überblick 1. Einstellungen von bayerischen Lehrkräften zu individuellem & organisationalem Lernen/Entwicklungsprozessen 2. Steuerungsannahmen von Mitgliedern der hessischen Schulaufsicht 3. Vergleich und Rückschlüsse zu ebenenübergreifenden Steuerungsprozessen im Rahmen von Schul- und Unterrichtsentwicklung 4. Methodische Diskussion

5 1. Einstellungen und Annahmen von bayerischen Lehrkräften zu Prozessen der Schul- und Unterrichtsentwicklung Schulentwicklungsprojekt KOMPASS ( ) (vgl. Scheunpflug/Stadler-Altmann/Zeinz 2012) didaktische Orientierungen (vgl. Stadler-Altmann/Gördel 2015; Dresel 2004) Professioneller Habitus: schafft Zusammenhang zwischen didaktischen Orientierungen und Einstellungen zu Prozessen der Schulentwicklung implizite Fähigkeitstheorie (vgl. Deci/Ryan 1985)

6 1. Einstellungen und Annahmen von bayerischen Lehrkräften Ergebnisse: Zusammenhang didaktische Orientierungen und Einstellungen zu Schul- und Unterrichtsentwicklung (SE & UE) Didaktische Orientierungen Autonomie/ individuelle Verbesserung/ Kooperation Sozialer Vergleich/ Wettbewerb Einstellungen zu SE und UE Demokratische Entscheidungsfindung Gemeinsames Schulentwicklungsziel Professioneller Habitus Kommunikation/Verhandlung Demokratie Kooperation Kollegialität

7 2. Einstellungen und Annahmen von Mitgliedern der hess. Schulaufsicht zu ebenübergreifenden Steuerungsprozessen innerhalb der Schulaufsicht Datenbasis: - qualitative Interviewstudie (2008) (vgl. Gördel 2015) - 6 Interviewpersonen aus den Staatlichen Schulämtern; 6 Interviewpersonen aus dem Hess. Kultusministerium Analysekategorien: - moderne und postmoderne Steuerungsannahmen (vgl. Kegelmann 2007; Snellen 2006) Auswertungsmethode: - interpretative und rekonstruierende Verfahren

8 2. Einstellungen und Annahmen von Mitgliedern der hess. Schulaufsicht zu Steuerungsprozessen innerhalb der Schulaufsicht (vgl. Kegelmann 2007) Systemtheorie Autopoiesis, Selbstreferenz Reflexivität, Identität Zirkularität Netzwerk, Mehrdeutigkeit, Heterarchie Operative Geschlossenheit Kontextsteuerung Wirklichkeit als Konstruktion Diskurs, Kommunikation Moderne Steuerungsdilemmata 1. Zweckrationalität Ziel: Telos Rationalitätsdilemma 2. Eindeutigkeit Ziel: Ordnung & Einheit Ordnungsdilemma 3. Steuerbarkeit Ziel: Stabilität Steuerungsdilemma 4. Objektivität, Neutralität Ziel: Wahrheit Objektivitätsdilemma Postmoderne Lokale Rationalitäten, Rationalität als Mythos Emotionen, Vernunft, Unbewusstes Ambiguität, Heterogenität, Differenz, Kontingenz Irritation, Unklarheit Begrenzte Steuerbarkeit Irritation, Interaktion, Kontext Sprachspiele, Diskurse Konflikt, Diskurs, Dissens

9 2. Einstellungen und Annahmen von Mitgliedern der hess. Schulaufsicht zu Steuerungsprozessen innerhalb der Schulaufsicht (vgl. Kegelmann 2007) Systemtheorie Autopoiesis, Selbstreferenz Reflexivität, Identität Zirkularität Netzwerk, Mehrdeutigkeit, Heterarchie Operative Geschlossenheit Kontextsteuerung Wirklichkeit als Konstruktion Diskurs, Kommunikation Moderne Steuerungsdilemmata 1. Zweckrationalität Ziel: Telos Rationalitätsdilemma 2. Eindeutigkeit Ziel: Ordnung & Einheit Ordnungsdilemma 3. Machbar-/Steuerbarkeit Ziel: Stabilität Steuerungsdilemma 4. Objektivität, Neutralität Ziel: Wahrheit Objektivitätsdilemma Postmoderne Lokale Rationalitäten, Rationalität als Mythos Emotionen, Vernunft, Unbewusstes Ambiguität, Heterogenität, Differenz, Kontingenz Irritation, Unklarheit Begrenzte Steuerbarkeit Irritation, Interaktion, Kontext Sprachspiele, Diskurse Konflikt, Diskurs, Dissens

10 2. Steuerungsannahmen von Mitgliedern der hessischen Schulaufsicht modern Steuerungsdilemma systemtheoret./postmodern Rationalitätsdilemma Reflexivität, Identität / Emotion ausreichende Informationen und Wissen technologische Machbarkeit, Planbarkeit Ordnungsdilemma Steuerungsdilemma Netzwerk, Mehrdeutigkeit/ Unklarheit, Irritationstoleranz Kontextsteuerung/ Irritation, Interaktion, Kontext Objektivität und Eindeutigkeit Objektivitätsdilemma Kommunikation, Diskurs/ Diskurs Verwindung moderner & systemtheoretisch-postmoderner Steuerungsannahmen pragmatisches, alltagstaugliches Steuerungs- und Kooperationsleitbild Konzept der Verwindung von Steuerungsannahmen nach Kegelmann: das jeweils Andere/Ausgeschlossene bereits im Eigenen zu integrieren, bzw. zu verwinden (ebd., 2007, S. 228)

11 3. Schlussfolgerungen zur explorativen Vergleichsstudie Ausgangsfragen: 1. Welche grundlegenden Annahmen und Einstellungen bringen die Akteure zur Schul- und Unterrichtsentwicklung mit? 2. Inwieweit sind die Annahmen der verschiedenen an SE und UE beteiligten Akteure miteinander kompatibel? Zielsetzung der Educational Governance-Forschung: Hinweise auf das Zusammen- oder Gegeneinanderwirken der verschiedenen, an Schul- und Unterrichtsentwicklung beteiligten Akteure und deren Handlungslogiken aufzuzeigen

12 3. Vergleich der Akteurseinstellungen Einstellung von Lehrkräften zu SE & UE Kommunikation und Verhandlung Demokratie Kooperation Kollegialität Einstellung von Schulaufsichtsmitgliedern zu Steuerung Ansätze der Verwindung von modernen und postmodernen Steuerungsannahmen Rationalität, Objektivität und Eindeutigkeit ausreichende Informationen und Wissen technologische Machbarkeit, Planbarkeit Emotion Unklarheit Reflexivität, Identität Netzwerk, Mehrdeutigkeit Kontextsteuerung, Interaktion, Kontext, Kommunikation, Diskurs Kommunikation/ personale Steuerung Behebung Objektivitätsdilemma Netzwerk, Irritation, Reflexion Behebung Steuerungs-, Objektivitäts- & Ordnungsdilemma Netzwerk, Interaktion, Emotion Behebung Steuerungs- & Objektivitätsdilemma

13 4. Methodische Diskussion der explorativen Vergleichsstudie Problematisch Erfassung der Einstellungen von Menschen (vgl. Helmke 2010; Bogner/Menz 2005; Schein 1995) Vergleich der Ergebnisse einer quantitativen und qualitativen Studie Repräsentativität (vgl. Mason September 2010; Mayring Februar 2001; Flick 2008) Stichproben aus zwei verschiedenen Bundesländern Weiteres Forschungsvorgehen Schlussfolgerungen für die Untersuchung von Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozessen Schlussfolgerungen für die Forschungsentwicklung Zusammenhänge herstellen und Ergebnisse bündeln

14 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 14

15 Literatur Bogner, A. & Menz, W. (2005). Expertenwissen und Forschungspraxis: die modernisierungstheoretische und die methodische Debatte um die Experten. Zur Einführung in ein unübersichtliches Problemfeld. In A. Bogner, B. Littig & W. Menz (Hrsg.), Das Experteninterview. Theorie, Methode, Anwendung (S. 7-30). Wiesbaden: VS. Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. New York: Plenum. Dresel, M. (2004). Motivationsförderung im schulischen Kontext. Göttingen: Hogrefe. Flick, U. (2008). Design und Prozess qualitativer Forschung. In Uwe Flick, Ernst von Kardoff & Ines Steinke (Hrsg.), Qualitative Forschung. Ein Handbuch (S ). 6., völlig überarb. u. erw. Aufl. Reinbek: Rowohlt. Gördel, B.-M. (2015, unveröffentlichte Promotion). Neue Steuerung im Schulsystem und ihre Konsequenzen für die Organisationsstrukturen und Binnensteuerung der Landesschulverwaltungen. Eine governance-orientierte Organisationsanalyse am Beispiel Hessens. Universität Erfurt. Kegelmann, J. (2007). New Public Management. Möglichkeiten und Grenzen des Neuen Steuerungsmodells. Wiesbaden:VS. Kieser, A. & Walgenbach, P. (2007). Organisation. 5., völlig überarb. u. erw. Aufl. Stuttgart: Schäffer-Poeschel. Langer, R. (2008). Steuerungs-Intentionen und Educational Governance eine Einleitung. In Ders. (Hrsg.), Warum tun die das? Governanceanalysen zum Steuerungshandeln in der Schulentwicklung (S. 7-16). Wiesbaden: VS.

16 Literatur Mason, M. (September 2010). Sample Size und Saturation in PhD Studies Using Qualitative Interviews. In Forum: Qualitative Social Research 11/3, Art. 8.; Mayring, P. (Februar 2001). Kombination und Integration qualitativer und quantitativer Analyse. In Forum: Qualitative Social Research 2/1, Art. 6. Schein, E. H. (1995). Unternehmenskultur ein Handbuch für Führungskräfte. Frankfurt a.m./new York: Campus. Scheunpflug, A.; Stadler-Altmann, U.; Zeinz, H. (2012), Bestärken und fördern. Wege zu einer veränderten Lernkultur in der Sekundarstufe I, Seelze. Simon, F. B. (2009). Einführung in die Systemtheorie und Konstruktivismus. Heidelberg: Carl-Auer. Ders. (2007). Einführung in die systemische Organisationstheorie. Heidelberg: Carl- Auer. Snellen, I. (2006). Grundlagen der Verwaltungswissenschaft. Ein Essay über ihre Paradigmen. Wiesbaden: VS. Stadler-Altmann, U. & Gördel, B.-M. (2015). Schule bildet. Organisations- und Schulentwicklung zu demokratischen Aspekten von Schulkultur und der Unterrichtstheorien von Lehrkräften. In H. Petzold & N. Hoffmann (Hrsg.), Organisation bildet (S ). Weinheim: Juventa.

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