S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G:

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1 Diese Kopie wird nur zur rein persönlichen Information überlassen. Jede Form der Vervielfältigung oder Verwertung bedarf der ausdrücklichen vorherigen Genehmigung des Urhebers by the author S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G: Drückerkolonnen auf Mitgliederfang Die fragwürdigen Methoden der Johanniter Autoren: Oliver Heinsch Edgar Verheyen Kamera: Helmut Fischer Marek Jungwirth Klaus Maikath Frank Waldschmitt Schnitt: Zsuzsa Döme Moderation Fritz Frey: Guten Abend zu REPORT MAINZ. In der Vorweihnachtszeit, wenn unsere Herzen weicher werden und der Geldbeutel lockerer sitzt, dann haben sie Hochkonjunktur: die Spendensammler. Was die wenigsten wissen, hier sind nicht etwa nur Ehrenamtliche unterwegs, sondern auch Profis. Geschulte Spezialisten, die wissen, wie man an der Haustüre Geschäfte macht schließlich winken nicht selten fette Provisionen.

2 2 Oliver Heinsch und Edgar Verheyen haben das Spendeneinwerben der Johanniter mal unter die Lupe genommen. Bei ihren Recherchen sind sie zunächst in eine opulente Feier hineingeraten. Bericht: Weihnachtsfeier im Mainzer Hilton. Es fehlt an nichts. So feiert die Johanniter Unfallhilfe. Eine Organisation der evangelischen Diakonie. Geladen sind Mitarbeiter und großzügige Spender der Johanniter. Sie sollen es sich mal richtig gut gehen lassen. Schließlich läuft das Geschäft mit dem Rettungsdienst bestens. O-Ton, Manfred Herholz, Regionalvorstand Johanniter Rheinhessen:»Das, was wir in die Hand nehmen, wir haben einen guten Lauf, das gelingt uns, und da kann man Überschüsse erwirtschaften, und die können wir dann hier auch in solche Abende auch mit investieren, ja.«am Morgen in der Nähe von Mainz. Wir verfolgen einen Bus der Johanniter. An Bord fünf Mitarbeiter. Ihr Ziel: diese Hochhäuser in Ludwigshafen. Doch sie kommen nicht, um zu helfen. Zwei Frauen klappern diese Wohnungen ab. Andere ein Wohnviertel in der Nähe. Wir wollen wissen warum. Frage: Schönen guten Tag!» Schönen guten Tag! «Frage: Sind Sie eigentlich Rettungsassistent? Frage: Öffentlichkeitsarbeit?»Nein, ich bin von den Johannitern. Öffentlichkeitsarbeit.Ja.«

3 3 Frage: Wieso Öffentlichkeitsarbeit? Frage: Müssen Sie? Frage: Johanniter-Ausweis?»Ja, wir müssen Spenden sammeln.ja, die Zuschüsse vom Staat sind begrenzt. Ich kann Ihnen auch gerne meinen Ausweis zeigen. Hier!Ja, wie Sie sehen.«tatsächlich haben die Johanniter eine eigene Firma gegründet, die ständig neue Mitarbeiter sucht. Leute, die mit Rettungsdienst nichts zu tun haben und ausschließlich Mitglieder werben. Je mehr, desto mehr Geld bekommen sie. Also eine Drückerkolonne im Auftrag der gemeinnützigen Johanniter. Mit welchen Methoden wird geworben? Wir fragen bei den Anwohnern nach. O-Ton, Anwohner:»Die haben in etwa gesagt, wir wollen den Alten helfen, darf ich Sie aufklären.«o-ton, Anwohner:»Da hat sie gesagt, so geht es ja nicht, wir sind ja jemand, der Spenden braucht, und Sie brauchen ja jemand, wo nach Ihnen guckt, wenn Ihnen etwas passiert Vor allen Dingen hat mich gestört, dass die gesagt hat, alle anderen Spenden kommen ins Ausland, aber bei mir, wenn wir unterschreiben und brauchen dann Hilfe, das war mir schon ein wenig verdächtig.«

4 4 Eine Mischung aus falschen Behauptungen und Andeutungen. Ein ehemaliger Mitarbeiter schreibt uns: Zitat:»Mit der Wahrheit halten es die Werber nicht so genau. Es werden Dinge behauptet, die gar nicht stimmen.«der evangelische Seelsorger Herbert Fischer-Drumm war bis vor kurzen Pfarrer bei den Johannitern. Er hörte auf aus Protest. Er erzählt, immer wieder gab es Beschwerden über die Methoden der Werber. Es würden gezielt Menschen angesprochen, die nicht verstehen, was sie unterschreiben. O-Ton, Herbert Fischer-Drumm, Evangelischer Pfarrer:»Drückerkolonnen haben nichts in kirchlichen Organisationen zu suchen. Und wenn ich morgens beginne um acht Uhr, meinen Dienst als Werber anzufangen und bis 16Uhr in die Straßen und Häuser gehe, wen treffe ich da an? Ich treffe ältere Menschen an, ich treffe Arbeitslose an, ich treffe Menschen an, die möglicherweise leichter zu überzeugen sind als Menschen, die ich nach 16 Uhr, nach der Arbeit in ihren Wohnungen antreffe.«ein Rettungsassistent der Johanniter. Er will aus Angst um seinen Job nicht erkannt werden. Auch er hat das Vorgehen der Drücker miterlebt. O-Ton, Stimme nachgesprochen:»mir persönlich ist es auch mal passiert, dass diese Werber bei mir zu Hause geklingelt hatten und mich als Fördermitglied werben wollten. Die waren wie beim Rettungsdienst gekleidet und stellten sich dann auch vor als Mitarbeiter des Rettungsdienstes hier vor Ort. Da habe ich gesagt, ich bin da selbst Mitarbeiter, und dann haben die das Gespräch so schnell wie möglich beendet.«wir konfrontieren die Johanniter mit den Vorwürfen und bekommen eine schriftliche Antwort. Darin heißt es:

5 5 Zitat: Tatsächlich?»Die Johanniter betrachten Werbung um finanzielle Unterstützung als legitime, ( ) sogar notwendige Maßnahme, um ihre karitativen Aufgaben erfüllen zu können. Darauf, dass es sich um eine kommerzielle Werbung handelt, wird ( ) ausdrücklich hingewiesen.«frage: Darf ich Sie etwas fragen gerade? Keine Antwort aber die Menschen, bei denen diese Werber waren, haben jedenfalls nicht gemerkt, dass es eine kommerzielle Aktion war. Das ist eine Schweinerei! Also, wie gesagt, wenn, sollte es schon wirklich dazugehören.das wusste ich nicht, dass da noch eine Firma dahinter steckt.«frage: Und das hat man auch nicht bemerkt?»nein.«frage: Hätten Sie denn auch unterschrieben, wenn Sie das gewusst hätten?»ich glaube nicht.«wir zeigen unser Aufnahmen Stefan Loipfinger von CharityWatch. Eine Organisation, die die Seriosität von Spendensammlungen kritisch unter die Lupe nimmt. Sein Urteil: Lügen, Tricksen, Täuschen habe hier offenbar System. O-Ton, Stefan Loipfinger, CharityWatch:»Es wird der Eindruck vermittelt, es wäre ein Rettungssanitäter, der vielleicht sogar ehrenamtlich in seiner Freizeit hier versucht, Mitglieder zu werben oder Spenden zu

6 6 sammeln. Und am Ende entsteht auch der Eindruck bei dem, der angesprochen wird, das ist notwendig, um Rettungseinsätze zu finanzieren. Rettungseinsätze muss man nicht über Spenden finanzieren, das ist ein gutes Geschäft, das wird von den Krankenkassen im Grunde bezahlt.«spenden sammeln für einen karitativen Zweck, ist das eine, doch Menschen zu täuschen, das andere. O-Ton, Herbert Fischer-Drumm, Evangelischer Pfarrer:»Wenn die Johanniter das Selbstverständnis haben, dass sie eine kirchliche Organisation sind, dann ist die Rekrutierung von Mitgliedern, das Werben von Mitgliedern auf diese Art und Weise unwürdig.«dubiose Drückerkolonnen und Feiern im Hilton, weil man als kirchliche Organisation beste Geschäfte macht, das passt nicht zusammen. Abmoderation Fritz Frey: Zum Thema unter ein Gespräch mit unseren Autoren, unter anderem zur Frage, was man tun kann, wenn man einem Drücker auf den Leim gegangen ist. Links: Spendnerberatung des Deutsches Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Das DZI vergibt auch das Spendensiegel: CharityWatch nimmt die Seriosität von Spendensammlungen kritisch unter die Lupe: Verhaltenskodex zur Mitgliedergewinnung und Satzung der Johanniter:

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