Dipl.-Ing. Winfried Langlouis: Warmgasextrusionsschweißen von Dichtungsbahnen nach DVS

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1 Inhalt: 1. Richtlinien 2. Verfahren 3. Voraussetzungen 4. Schweißen 5. Baustellenbedingungen 7. Problematik 8. Fazit 1. Richtlinien Wozu gibt es Richtlinien wie die DVS ? q Zusammenfassung des aktuellen Sachverstandes (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung) q Anleitung bei der Durchführung der Schweißarbeiten und Prüfungen für Behörden, Auftraggeber, Ausführende und Verantwortliche für die Qualitätssicherung (Mindestanforderungen) q DVS enthält Vorgaben z. B. zu Voraussetzungen, Material, Konstruktion, Verlegung, Schweißverfahren, -ausführung, - maschinen, Prüfungen, Bewertung der Schweißnahtqualität, Hinweise zu Nachbesserungen, Dokumentation und Hinweise auf weitere Richtlinien und Normen q DVS-Richtlinien stellen die allgemein anerkannten Regeln der Technik für das Fügen dar! q für das Bahnenschweißen gibt es umfassende DVS-Regelwerke für alle praktisch alle Bereiche (Ausbildung bis Prüfung)

2 1. Richtlinien Grundlagen des Warmgasextrusionsschweißens (WE): q DVS (für Deponien): Achtung gerade neu überarbeitet (12/06)! Grundlage für die Schweißzusätze: q DVS 2211, DVS (Schweißeignung) Grundlagen für die Bahnen: q TA Abfall und TA Siedlungsabfall (rechtlicher Hintergrund) q amtlich zugelassene Bahnen für Deponien (BAM) Grundlagen für die Ausbildung: q DVS (WE, HH, WU) q DVS 2213 (Schweißfachmann) 2. Verfahren qplastifizieren des Schweißzusatzes und Förderung mit beheiztem Zylinder/ Schnecke q Schweißzusatz - Granulat oder Draht qzuführen des Schweißzusatzes durch einen Schweißschuh (fest am Gerät) q Erwärmen der Fügeflächen mit Warmgas q Aufbringen des Fügedruckes mit dem Schweißschuh q Kontinuierliche Arbeitsweise q Dickenbereich: 5-20mm

3 2. Verfahren 3. Voraussetzungen Voraussetzungen für die Einhaltung der DVS-Standards: Verwendung von (BAM-) zugelassenen und qualitativ einwandfreien Bahnen konstruktive Verlegung der Bahnen entsprechend der DVS Schweißgeräte müssen dem Stand der Technik entsprechen und regelmäßig fachmännisch geprüft werden die Schweißzusätze müssen aus der gleichen Formmasse wie die Bahnen bestehen (ansonsten: spez. Nachweis) u. qualitativ einwandfrei sein die Schweißer müssen eine entsprechende Ausbildung nach DVS haben (+ Erfahrung!) die Schweißungen müssen nach DVS erfolgen und sollten regelmäßig dokumentiert werden (Schweißprotokolle)

4 3. Voraussetzungen die Schweißerausrüstung muss vorhanden sein und pfleglich behandelt werden Prüfgeräte (Messschieber, Temperaturmessgeräte ) müssen vorhanden und regelmäßig kalibriert werden der Untergrund muss zum Schweißen geeignet sein die Umwelt- und Baustelleneinflüsse müssen entsprechend berücksichtigt werden regelmäßige Überwachung der Fügearbeiten (inklusive Lagerung, Ausrüstung ) Durchführung von Baustellenprüfungen (Eigenkontrolle) 4. Schweißen Was ist Schweißen? Fügeteil A Fügeteil B Temperatur und Zeit 3. Druck und Zeit

5 4. Schweißen Grundlegende Zusammenhänge: 1. Temperatur (Extrudat, Warmgas) 2. Druck (Anpressdruck) 3. Zeit (Vorwärmen, Schweißgeschwindigkeit, Abkühlung) 4. Schweißnahtqualität hängt zudem wesentlich von weiteren Parametern wie Volumenstrom (+ Düsengeometrie!), Schweißschuhgeometrie (Fügedruck, Fließen) ab 5. Parameter sind abhängig z. B. von Umgebung (Temperatur), Werkstoff, Bahnendicke, und Oberflächenstruktur Deshalb: - Schweißparameter auf einander abstimmen, d. h. - Probeschweißungen durchführen! 4. Schweißen Schweißnahtvorbereitung: Untergrund muss geeignet sein Fügeflächen müssen trocken und frei von Verunreinigungen sein Entfernung der werksseitig aufgebrachten Folienstreifen und der Oxidschicht (Achtung: keine Kerben einbringen) Anschrägung der oberen überlappten Dichtungsbahn (ca. 45 : Achtung: Schädigungsgefahr!) Umgebungsbedingungen beachten Zugänglichkeit der Schweißnaht beachten technische Voraussetzungen (Generator, Kabeltrommeln) Ausrüstung muss komplett vorhanden und funktionstüchtig sein

6 4. Schweißen Schweißen: vor dem Fügen: Bahnen heften (Fixierung) richtige Schweißschuhe richtige Warmgasdüsen Masse- und Warmgastemperatur einstellen und richtig messen! erforderlichen Fügedruck gleichmäßig aufbringen (möglichst keine Wulstbildung) Schweißgeschwindigkeit ausstoß- und extrudatbedingt anpassen Schweißzusatz darf beim Abrollen nicht verschmutzen Dokumentation der Schweißergebnisse mittels Schweißprotokoll (Anlage DVS ) 4. Schweißen Schweißparameter nach DVS (12/06): Warmgastemperatur: C Extrudattemperatur: C Schweißgeschwindigkeit: 0,2 bis 1,0 m/min 50 30

7 4. Schweißen Schweißnahtausführung: Bahnendicke (do, du) Überlappung vorn (Ü) Breite der Naht (bn) Außermittigkeit, Versatz Dicke der Naht (dn) 2,5mm 40mm 30mm 5mm 1,25 x (do + du) 1,75 x (do + du) 5. Baustellenbedingungen Niederschlag (Regen, Nieselregen, Reif, Schnee usw.): nicht Schweißen! Umgebungslufttemperatur < + 5 C (ohne Vorkehrungen): nicht Schweißen! zu hohe Luftfeuchtigkeit (Oberfläche muss mindestens 3 K über Taupunkt liegen!): nicht Schweißen! hohe Luftbewegung (Wind): Verschmutzungsgefahr, Abkühlungsgefahr Sonneneinwirkung: Spannungen, keine gleichmäßige Schweißung durch Verzug / Faltenbildung Lufttemperatur Taupunkttemperatur in C bei einer relativen Luftfeuchte von C 30% 35% 40% 45% 50% 55% 60% 65% 70% 75% 80% 85% 90% 95% 30 10,5 12,9 14,9 16,8 18, ,4 22,7 23,9 25,1 28,2 27,2 28,2 29,1 29 9, ,9 17, ,4 21, ,1 25,2 26,2 27,2 28,1 28 8,8 11,1 13, ,6 18,1 19,5 20, ,2 24,2 25,2 26,2 27, ,2 12,2 14,1 15,7 17,2 18,6 19,9 21,1 22,2 23,3 24,3 25,2 26,1 26 7,1 9,4 11,4 13,2 14,8 16,3 17,6 18,9 20,1 21,2 22,3 23,3 24,2 25,1 25 6,2 8,5 10,5 12,2 13,9 15,3 16, ,1 20,3 21,3 22,3 23,3 14,1 24 5,4 7,6 9,6 11,3 12,9 14,4 15, ,2 19,3 20,3 21,3 22,3 23,1 23 4,5 6,7 8,7 10, ,5 14,8 16,1 17,2 18,3 19,4 20,3 21,3 22,2 22 3,6 5,9 7,8 9,5 11,1 12,5 13,9 15,1 16,3 17,4 18,4 19,4 20,3 21,2 21 2,8 5 6,9 8,6 10,2 11,6 12,9 14,2 15,3 16,4 17,4 18,4 19,3 20,2 20 1,9 4,1 6 7,7 9,3 10, ,2 14,4 15,4 16,4 17,4 18,3 19, ,2 5,1 6,8 8,3 9,8 11,1 12,3 13,4 14,5 15,5 16,4 17,3 18,2 18 0,2 2,3 4,2 5,9 7,4 8,8 10,1 11,3 12,5 13,5 14,5 15,4 16,3 17,2 17-0,6 1,4 3,3 5 6,5 7,9 9,2 10,4 11,5 12,5 13,5 14,5 15,3 16,2 16-1,4 0,5 2,4 4,1 5,6 7 8,2 9,4 10,5 11,6 12,6 13,5 14,4 15,2 15-2,2-0,3 1,5 3,2 4,7 6,1 7,3 8,5 9,6 10,6 11,6 12,5 13,4 14,2 14-2,9-1 0,6 2,3 3,7 5,1 6,4 7,5 8,6 9,6 10,6 11,5 12,4 13,2 13-3,7-1,9-0,1 1,3 2,8 4,2 5,5 6,6 7,7 8,7 9,6 10,5 11,4 12,2 12-4,5-2,6-1 0,4 1,9 3,2 4,5 5,7 6,7 7,7 8,7 9,6 10,4 11,2 11-5,2-3,4-1,8-0,4 1 2,3 3,5 4,7 5,8 6,7 7,7 8,6 9,4 10, ,2-2,6-1,2 0,1 1,4 2,6 3,7 4,8 5,8 6,7 7,6 8,4 9,2

8 5. Baustellenbedingungen Eigenüberwachung Wird vom Verleger durchgeführt und protokolliert. Fremdüberwachung Wird von qualifizierten Prüfinstituten oder Sachverständigen durchgeführt. Überprüfung der Eigenüberwachung, Kontrollprüfungen und ergänzende Prüfungen im Labor Über die Qualität und Ordnungsgemäße Ausführung der Schweißverbindungen ist in der Regel ein Nachweiß zu führen. Dies geschieht durch laufende Überwachung de Schweißarbeiten und Protokollierung der Ergebnisse.

9 Qualitätskriterien Prüfungsumfang Nahtformen Beschaffenheit durchgehend visuell Reißnadel Abmessungen Stichproben mechanisch Festigkeit Stichproben Schälversuch Dichtigkeit durchgehend Vakuum Hochspannung DVS gibt Aussagen über Prüfverfahren Anwendungsbereich Durchführung Wertung der Ergebnisse Grenzen des Prüfverfahrens Prüfen der Beschaffenheit: durch Inaugenscheinnahme: Fehlstellen, Unregelmäßigkeiten, Gleichmäßigkeit, Form, Lage, Oberflächenfehler, Kerben Reißnadel / Schraubendreher an Nahtkanten unter Druck entlangführen: ungeschweißte Bereiche Bewertung nach DVS , Abschnitt 6.2.5

10 Prüfen der Abmessungen: Nahtdickenfaktor fna = dn / (do + du) Nahtdickenfaktor bei Auftragnaht 1,25 < fna < 1,75 Prüfen des Versagensverhaltens (Schälversuch): Versuchsdurchführung nach DVS Bewertet wird die Verstreckung (im Grundmaterial / Schälen der Naht / kein plastisches Verformungsverhalten)

11 Prüfen auf Dichtheit: durchsichtige Prüfglocke mit Anpressdichtung zu prüfender Nahtbereich wird mit einer blasenbildenden Flüssigkeit eingestrichen. Werkstoff Prüfunterdruck Prüfdauer sec. PE-HD 0,5 10 Prüfspannung auf Werkstoff und Dicke der Bahn sowie auf die Schweißnahtbreite abstimmen. Prüfspannung liegt ab einer Dicke von 2,5mm bei etwa 60 kv Bürstenelektrode wird mit einer Geschwindigkeit von ~10m/min über die Naht geführt

12 7. Problematik Probleme sind schlechte / keine Ausbildung der ausführenden Schweißer (kein Grundverständnis, billige Arbeitskräfte ) keine / zu wenig Erfahrung der Schweißer (Vorgehen, Probleme erkennen, schwierige und anspruchsvolle Stellen schweißen) 7. Problematik schlechte / unvollständige Ausrüstung (Extruder entsprechen nicht dem Stand der Technik, Schweißschuhe nicht angepasst, keine / nicht kalibrierte Prüfgeräte, zu viele Baustellen zu wenig Ausrüstung vor Ort, schlechte Elektrik (Generatoren, Kabeltrommeln) ) keine / zu wenig Überprüfung der Schweißnahtqualität Zeitdruck (Schweißen ist letzte Tätigkeit: alles muss sehr schnell erfolgen) kein / ungenügender Witterungsschutz schlechte / nicht schweißgerechte Planung (Improvisation)

13 8. Fazit Problematik ist nicht das Schweißen und Verlegen an sich (ist geregelt)! teure Vernichtung / Reduktion der ingenieurmäßig vorhandenen Basis, bestehend aus qmaterialsicherheit qverlegesicherheit qfügesicherheit qbauwerkssicherheit und Lebensdauer durch (leicht vermeidbare) Fehler. Die ökonomischen Fesseln senken die Qualität und damit die Sicherheit der gesamten Bauwerke unverhältnismäßig! Planung und Verlegung

14 Lagerung Probeschweißungen

15 Wichtige Schweißausrüstung: Thermometer / Hygrometer (Taupunkt) Temperaturmessgerät (Masse- bzw. Warmgasfühler, kalibriert) geeignete Schleifer (Winkel- oder Bandschleifer, geeignete Körnung 100 (sonst zuviel Abtrag / zu heiß)) Schaber (z. B. Dreikantschaber) Warmgasschweißgerät zum Heften mit Breitschlitzdüse, Andrückrolle (Reinigungs-) Tücher (sauber!) Warmgasextrusionsschweißgerät (regelmäßig gewartet, entspr. dem Stand der Technik) Schweißschuhe Schweiß- und Prüfprotokolle (siehe DVS )

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