Commerzbank Chartschule. Teil 1: Lernen, verstehen, handeln

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1 ideas Mai 2014 Ausgabe 145 Werbemitteilung Anlageideen für Selbstentscheider Commerzbank Chartschule Teil 1: Lernen, verstehen, handeln»im Interview: Prof. Dr. Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung

2 8 Titelthema: Commerzbank Chartschule, Teil 1 Lernen, verstehen, handeln 14 Interview: Prof. Dr. Gustav A. Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) 34 Rohstoffstrategie: Starker Jahresauftakt bei Gold und Platin kein Strohfeuer 4 Aktuelles 6 Marktbericht Dividendensegen für Aktionäre Zertifikate auf dem Vormarsch 8 Titelthema Commerzbank Chartschule, Teil 1: Lernen, verstehen, handeln 14 Interview»Ein viel gefragter Partner in der Politikberatung«16 Technische Analyse EURO STOXX 50 und MDAX 20 Akademie Was ist das Emittentenrisiko? 22 Capped Bonus-Zertifikate Pro Entspannt anlegen durch Capped Bonus-Zertifikate Pro 25 Direktbroker Feiertags-Free Trade zum Frühlingsanfang 26 McDonald s Stärkerer Fokus auf Rentabilität 28 Aktienstrategie US-Aktienmärkte zunächst im Seitwärtstrend 30 Währungsstrategie Japan braucht einen schwächeren Yen 33 Messen, Börsentage & Seminare Commerzbank Derivate-Experten vor Ort 34 Rohstoffstrategie Starker Jahresauftakt bei Gold und Platin kein Strohfeuer 38 Pinnwand Buchbesprechung, Free Trade - Aktionen und Pressestimmen 40 Terminkalender Die wichtigsten Termine auf einen Blick 41 Disclaimer/Kontakt/Impressum 42 Bestellkupon 2

3 Inhalt / editorial Commerzbank Chartschule: Lernen, verstehen, handeln Seit es Aktienbörsen gibt, ist die Vorhersage des Kursverlaufs von Aktien und Aktienindizes das große Ziel von Anlegern und Analysten. Diese Vorhersagen werden in der Regel als Finanzanalysen bezeichnet und basieren auf einer systematischen Aufbereitung von Informationen über die finanzielle Situation beispielsweise einer Aktiengesellschaft. Während sich die Fundamentalanalyse mit betriebswirtschaftlichen Daten eines Unternehmens und dessen ökonomischem Umfeld befasst, verfolgt die Chartanalyse oder auch technische Analyse das Ziel, auf Grundlage der historischen Kurs- und Umsatzentwicklung von Aktien und Aktienindizes die zukünftige Wertentwicklung zu prognostizieren. Um dabei den geeigneten Zeitpunkt für den Kauf oder Verkauf festzustellen, setzt die technische Analyse auf wiederkehrende Muster und Trends. Mit der Commerzbank Chartschule, deren ersten Teil Sie auf Seite 8 finden, möchten wir Ihnen ein kleines Kompendium der technischen Analyse zur Verfügung stellen. Sophia Wurm, als Technische Analystin aus dem Handelsraum der Commerzbank zuständig für deutsche und europäische Aktien und Aktienindizes, erläutert für Sie die wichtigsten charttechnischen Formationen beginnend mit den einfachen Trendmärkten bis hin zu komplexeren Schulter-Kopf-Schulter-Formationen. Neben dem Einblick in die Welt der technischen Analyse finden Sie in der aktuellen Ausgabe weitere Beiträge unserer Aktien-, Währungs- und Rohstoffanalysten. Spannende Themen wie»japan braucht einen schwächeren Yen«,»McDonald s Stärkerer Fokus auf Rentabilität«,»US-Aktienmärkte zunächst im Seitwärtstrend«und»Starker Jahresauftakt bei Gold und Platin kein Strohfeuer«warten auf Sie. Werfen Sie ebenfalls einen Blick auf einen interessanten Artikel zum Thema Capped Bonus- Zertifikate Pro. In diesem Beitrag stellen Ihnen unsere Produktexperten die Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten dieser Bonus-Zertifikate-Variante vor. Erfahren Sie mehr über die Unterschiede zu klassischen Bonus-Zertifikaten und wie Sie vor allem in volatilen Marktphasen etwas Ruhe und Entspannung in Ihre Geldanlage bekommen können. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen der aktuellen Ausgabe! Laura Schwierzeck Chefredakteurin 3

4 Aktuelles Neuer Basiswert im Angebot: Akamai Technologies Die Commerzbank bietet neben einer großen Vielfalt an unterschiedlichen Optionsscheinen, Zertifikaten und Aktienanleihen eine der umfangreichsten Paletten mit über 900 Basiswerten an. Seit kurzem finden Sie auch Optionsscheine und Turbo-Zertifikate auf Akamai Technologies im Produktangebot der Commerzbank. Weitere Informationen sowie eine Übersicht aller Commerzbank-Produkte stehen im Internet unter commerzbank.de zur Verfügung. Kurzprofil: Akamai Technologies Akamai Technologies Inc. ist ein Lösungs anbieter für die Beschleunigung von Online Content und Geschäftsprozessen. Die Akamai EdgePlattform ist ein verteiltes Netzwerk von Servern, die Online-Inhalte und Web-Anwendungen ausliefern. Mit Servern in 72 Ländern innerhalb von über Netzwerken besitzt die Akamai EdgePlattform weltweit die größte Reichweite für die Auslieferung und Beschleunigung von Online Content. So wickelt das Unternehmen tagtäglich mehrere zig Milliarden Web-Anfragen ab. Akamai liefert 10 bis 30 Prozent des gesamten weltweiten Internet-Traffics aus, das sind täglich mehrere Milliarden Interaktionen. Das Unternehmen bietet Lösungen für den Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie, für Software- und Technologieunternehmen, Medien und die Unterhaltungsindustrie, Touristik, Finanzdienstleistungen sowie für den öffentlichen Sektor. Quelle: finanzen.net DDV-Umfrage: Zertifikate gewinnen weiter neue Anleger Mehr als die Hälfte der Zertifikateanleger hat erstmals ab dem Jahr 2002 in Zertifikate investiert. Das geht aus der aktuellen Online-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands (DDV) hervor. Jeder Fünfte der Befragten kaufte sein erstes Zertifikat zwischen 1990 und 1995, den Anfangsjahren der Zertifikatebranche. 19 Prozent investieren erstmals zwischen 1996 und 2001 in strukturierte Wertpapiere. Ein Fünftel der Teilnehmer hat zwischen den Jahren 2002 und 2007 erstmalig Zertifikate erworben. Zwischen 2007 und 2012 legten 19 Prozent der Befragten zum ersten Mal in Zertifikaten an. Für 22 Prozent der Befragten sind Zertifikate eine noch recht neue Anlageklasse, sie kauften ihr erstes Zertifikat nach 2012.»Das allererste Zertifikat war ein Index- Zertifikat. Es wurde im Juni 1990 von der Dresdner Bank aus der Taufe gehoben. Sein Basiswert war der DAX. Käufer des Index-Zertifikats waren insbesondere private Anleger, die von steigenden Kursen des DAX mit einem einzigen Wertpapier profitieren wollten. Fast 25 Jahre später steht den Anlegern eine Vielzahl verschiedener Basiswerte zur Verfügung, seien es Aktien, Rohstoffe oder Indizes. Darüber hinaus können sie in eine Strategie, Branche oder Region investieren und attraktive Renditen erzielen, ganz gleich, ob die Märkte steigen, fallen oder seitwärts tendieren«, so Hartmut Knüppel, geschäftsführender Vorstand des DDV. Wann haben Sie Ihr erstes Zertifikat gekauft? 19,2 % 21,6 % 20,1 % zwischen 1990 und 1995 zwischen 1996 und ,7 % 19,3 % zwischen 2002 und 2007 zwischen 2007 und 2012 nach 2012 Stand: 9. April 2014; Quelle: Deutscher Derivate Verband (DDV) Weitere Informationen finden Sie auf der DDV-Webseite unter 4

5 Aktuelles Indikationen von Basiswerten jetzt auf der Zertifikate-Webseite Ab sofort zeigen wir auf unserer Zertifikate-Webseite eine weitere wichtige Information an. Auf jeder Produkt-Detailseite finden Sie zukünftig immer auch die aktuelle Indikation des zugrunde liegenden Basiswerts. Unter dem Reiter»Basiswert«können Sie neben den Kursen nun auch den aktuellen Chart abrufen. Hilfreich ist dies nicht nur bei Aktien und Indizes gerade auch außerhalb der Börsenöffnungszeiten, sondern auch für die eher schwer zugänglichen Kursdaten wie zum Beispiel für Rohstoff-Futures. Jetzt vorbeischauen und testen: Börsenhandel an den Feiertagen Handeln an den Feiertagen ohne Transaktionskosten erfahren Sie mehr auf Seite 25. Während an Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag und Fronleichnam die meisten Geschäfte geschlossen bleiben, wird an den Börsen in Deutschland normal gehandelt. Das heißt für Sie, dass der Handel mit allen Optionsscheinen, Zertifikaten, Aktienanleihen sowie ETCs und ETNs der Commerzbank am 29. Mai sowie am 9. und 19. Juni 2014 über die Börsen Frankfurt und Stuttgart von 9.00 bis Uhr und außerbörslich über unsere Direkthandelspartner von 8.00 bis Uhr möglich ist. Feiertage im Überblick: 29. Mai 2014: Christi Himmelfahrt 9. Juni 2014: Pfingstmontag 19. Juni 2014: Fronleichnam Cortal Consors Handeln zu 2,90 Euro Noch bis zum 30. Juni 2014 können von Cortal Consors-Kunden alle Produkte der Commerzbank auf Aktien, Edelmetalle und Industriemetalle sowie Energie zu einer Pauschalgebühr von 2,90 Euro gehandelt werden. Sie von einer Top-Auswahl von über Produkten. Dazu zählen Optionsscheine, Zertifikate und Aktienanleihen auf rund 500 verschiedene Basiswerte. Weitere Free Trade- und Flat Fee-Aktionen finden Sie auf Seite 39 in der Rubrik»Pinnwand«und natürlich im Internet unter Dieses Angebot gilt für den außerbörslichen Handel ab einem Mindestordervolumen von Euro je Order. Profitieren 5

6 Marktbericht Dividendensegen für Aktionäre Zertifikate auf dem Vormarsch Anouch Alexander Wilhelms (Derivate-Experte, Equity Markets & Commodities) Die Dividendensaison ist in Deutschland in vollem Gange. Die 30 größten Konzerne werden dieses Jahr rund 27 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Minus von rund 3 Prozent. Die Spreu trennt sich vom Weizen. Während einige Unternehmen ihre Dividende gekürzt haben, wird sie bei anderen teils kräftig erhöht. BMW rückte in den Fokus der Öffentlichkeit, weil der bayrische Premiumhersteller eine Rekorddividende in Höhe von 2,60 Euro verkündete. Im DAX haben oder werden 18 Unternehmen ihre Dividende anheben. Die größten Sprünge gab es bei der Lufthansa (von 0 Euro auf 0,45 Euro), bei Henkel (von 0,95 Euro auf 1,22 Euro) und bei HeidelbergCement (von 0,47 Euro auf 0,60 Euro). Die absolut höchsten Dividenden werden von den Versicherern Münchener Rück (7,25 Euro) und Allianz (5,30 Euro) bezahlt, wobei die Münchener Rück mit 4,6 Prozent auch die relativ höchste Dividendenrendite im DAX ausweist. Es verwundert also nicht, wenn viele Anleger deutsche Einzelaktien fest im Blick haben. Die Analysten trauen dem DAX einen weiteren Kursanstieg zu, allerdings gibt es unter ihnen nur wenige, die einen Anstieg über die Marke von Punkten vorhersagen. Bei der Commerzbank liegt die Prognose zwischen und Punkten für das Jahresende. Anleger, die in diesen Zeiten nicht direkt in Aktien investieren möchten, finden insbesondere im Bereich der Zertifikate Alternativen. Das verdeutlichen vor allem die beeindruckenden Zahlen, die der Deutsche Derivate Verband kürzlich veröffentlicht hat. So wurden an den deutschen Börsen in Stuttgart und Frankfurt allein im März Zertifikate, Aktienanleihen und Optionsscheine im Wert von 4,1 Milliarden Euro gehandelt. Ein außerordentlich hoher Wert, der ein deutliches Zeichen für Zertifikate und deren Vorteile setzt. Auf der Liste der beliebtesten Aktienanleihen standen bei der Commerzbank die deutschen Dividendentitel ganz vorne. Großes Interesse fand eine Aktienanleihe auf Lufthansa (WKN: CB8 GR8) mit einem Kupon von 9,5 Prozent. Laufzeitende ist im März 2015 und die Rendite liegt aktuell bei 12,79 Prozent, da die Aktie Aktienanleihen WKN Kupon Basiswert Basispreis Bewertungstag Max. Rendite p.a. Geld-/Briefkurs CB8 L4E 5,00 % Bayer 88,50 EUR ,35 % 99,55/99,75 % CB8 GR8 9,50 % Lufthansa 19,06 EUR ,79 % 97,10/97,20 % CB8 L4H 5,00 % Volkswagen Vz. 175,00 EUR ,33 % 100,25/100,45 % Discount-Zertifikate WKN Basiswert Cap Bewertungstag Discount Max. Rendite p.a. Geld-/Briefkurs CB6 MW0 Allianz 126,00 EUR ,08 % 11,47 % 100,84/100,85 EUR CB9 GG1 Nokia 4,60 EUR ,28 % 8,62 % 4,25/4,26 EUR Stand: 22. April 2014; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produkt informationen stehen im Internet unter zur Verfügung. 6

7 Marktbericht»Die Dividendensaison ist in vollem Gange die Spreu trennt sich vom Weizen.«Grafik 1: Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre im Vergleich (normiert) in Prozent von Lufthansa derzeit unterhalb des Basispreises von 19,06 Euro notiert. Ebenfalls gefragt war eine Aktienanleihe auf den Chemiekonzern Bayer (WKN: CB8 L4E). Der Kupon liegt in diesem Fall bei 5 Prozent und die Laufzeit endet bereits im Januar Somit ergibt sich eine Rendite p.a. von 5,35 Prozent. Hier liegt die Aktie aktuell etwa 7,5 Prozent über dem Basispreis von 88,50 Euro. Für Interesse sorgte darüber hinaus eine Aktienanleihe Classic auf Volkswagen. Für den Wolfsburger Autokonzern läuft es nach wie vor gut. Im ersten Quartal verkaufte Volkswagen auf Konzernebene rund 2,4 Millionen Fahrzeuge, ein 0 Mrz 09 Sep 09 Mrz 10 Sep 10 Mrz 11 Sep 11 Mrz 12 Sep 12 Mrz 13 Sep 13 Mrz 14 Lufthansa Bayer Volkswagen Nokia Allianz Stand: 14. April 2014; Quelle: Bloomberg Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. Plus gegenüber dem Vorjahr von 5,8 Prozent. Unter den Konzernmarken legten Audi, Skoda und Seat am stärksten zu. Anleger griffen bei einer Aktienanleihe (WKN: CB8 L4H) mit einem Basispreis bei 175,00 Euro und einem Kupon von 5 Prozent zu. Diese Aktienanleihe wurde Anfang April aufgelegt und weist aktuell eine Rendite von 4,33 Prozent p.a. aus. Die Laufzeit endet im Januar Im Bereich der Discount-Zertifikate schaffte es ein europäischer Wert in die Top-Liste. Der gefallene Stern Nokia fand in Form eines Discount-Zertifikats (WKN: CB9 GG1) mit einem Cap bei 4,60 Euro großes Interesse. Die Rendite liegt aktuell bei 8,62 Prozent p.a. Die Aktie markierte ihr Tief bei 1,33 Euro im Juli Seitdem hat sie sich wieder erholt und notiert derzeit bei etwa 5,43 Euro. Der Discount des Zertifikats liegt demnach bei rund 21 Prozent, die Laufzeit endet im März Außerdem wurde ein Discount-Zertifikat auf Allianz (WKN: CB6 MW0) stark nachgefragt. Mit einer durchaus langen Laufzeit bis Juni 2016 erzielt der Anleger aktuell eine Rendite p.a. in Höhe von 11,47 Prozent. Dazu muss die Aktie der Allianz am Ende der Laufzeit des Zertifikats oberhalb des Caps von 126,00 Euro liegen. Gegenwärtig notiert der Versicherer bei etwa 120,00 Euro. Auf der Internetseite de finden Anleger Informationen zu den meistgehandelten Produkten der Commerzbank in der Rubrik»Marktübersicht«. 7

8 Titelthema: Commerzbank Chartschule, Teil 1 Commerzbank Chartschule, Teil 1: Lernen, verstehen, handeln SOPHIA WURM (Technische Analyse, CM Research), Laura Schwierzeck (Produktmanager, Equity Markets & Commodities) Seit es Aktienbörsen gibt, ist die Vorhersage des Kursverlaufs von Aktien und Aktienindizes das große Ziel von Anlegern und Analysten. Diese Vorhersagen werden in der Regel als Finanzanalysen bezeichnet und basieren auf einer systematischen Aufbereitung von Informationen über die wirtschaftliche Situation beispielsweise einer Aktiengesellschaft. Während sich die Fundamentalanalyse mit betriebswirtschaftlichen Daten eines Unternehmens und dessen ökonomischem Umfeld befasst, verfolgt die Chartanalyse oder auch technische Analyse das Ziel, auf Grundlage der historischen Kurs- und Umsatzentwicklung von Aktien und Aktienindizes die zukünftige Wertentwicklung zu prognostizieren. Um dabei den geeigneten Zeitpunkt für den Kauf oder Verkauf festzustellen, setzt die technische Analyse auf wiederkehrende Muster und Trends. Mit der Commerzbank Chartschule stellen wir Ihnen ein kleines Kompendium der technischen Analyse zur Verfügung. Sophia Wurm, als Technische Analystin aus dem Handelsraum der Commerzbank zuständig für deutsche und europäische Aktien und Aktienindizes, erläutert für Sie die wichtigsten charttechnischen Formationen beginnend mit den einfachen Trendmärkten bis hin zu komplexeren Schulter-Kopf-Schulter-Formationen. 8

9 Titelthema: Commerzbank Chartschule, Teil 1 Sophia Wurm arbeitet seit dem Abschluss ihres Studiums (BWL) Ende 2007 im Bereich Technische Analyse im Team von Achim Matzke. Neben der Analyse deutscher und europäischer Aktien und Aktienindizes gehört die Zusammenarbeit mit dem Team der Commerzbank Produktplattform zu ihren Aufgabenschwerpunkten. 1. Aufwärts- und Abwärtstrend Ein wesentlicher Bestandteil der technischen Analyse ist die Annahme, dass sich Aktienmärkte in Trends entwickeln. Diese können sich über sehr kurzfristige Zeiträume wie eine Intraday-Bewegung bis hin zu mehrjährigen Verläufen erstrecken. Ein Aufwärtstrend ist in der technischen Analyse durch das Aufeinanderfolgen von steigenden Tiefpunkten charakterisiert. Mindestens zwei zeitlich voneinander getrennte ansteigende Tiefpunkte werden hierbei zu einer Trendlinie verbunden. Umgekehrt entsteht ein Abwärtstrend durch fallende Hoch punkte. Ein Beispiel hierfür ist die Kursentwicklung des DAX in den Jahren 2008 bis Anfang 2009 mit einem Abwärtstrend (siehe Grafik 1). Seit Frühjahr 2009 befindet er sich bis heute in einem langfristigen Aufwärtstrend. Innerhalb dieses langfristigen Trends ergaben sich zusätzlich kurz- und mittelfristige Auf- und Abwärtstrends. Ein Trend gibt dem Investor eine Indikation über Richtung und Ausmaß der zu erwartenden Kursentwicklung. Als intakt gilt ein Aufwärtstrend, bis das vorangegangene Tief bzw. die Trendlinie unterschritten wird. Dies gilt analog für einen Abwärtstrend. Das Verletzen einer Trendlinie ist ein Warnsignal. Für sich genommen ist es allerdings kein ausreichender Indikator für eine folgende Trendumkehr und somit auch kein Kauf- oder Verkaufssignal. Insbesondere bei längerfristigen Hausseoder Baissephasen kommt es vor, dass ein Trendbruch nur eine Pause oder eine Veränderung der Auf-/Abwärtsdynamik innerhalb einer intakten, übergeordneten Bewegung darstellt. Als Konsequenz sollte ein Trendbruch nicht die einzige Entscheidungsgrundlage für den Kauf oder Verkauf einer Aktie darstellen. Vielmehr sollte die technische Gesamtlage (Volumenverhalten, Formationen) berücksichtigt werden. Grafik 1: Aufwärts- und Abwärtstrend am Beispiel des Deutschen Aktienindex (DAX) Punkte Pkt Pkt Pkt Abwärtstrend Aufwärtstrend Pkt Aufwärtstrend Pkt Stand: März 2014; Quelle: Reuters Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. Wie erkenne ich die Formation? Aufwärtstrend: steigende Hoch- und Tiefpunkte Abwärtstrend: fallende Hoch- und Tiefpunkte Innerhalb eines lang fristigen Trends können sich kurzfristige Trends unterschiedlicher Tendenz ergeben Trendbruch: bei Verletzen der Trendlinien/Unterschreiten des vorange gangenen Tiefpunkts (Aufwärtstrend) Was sagt die Formation aus? Festlegung der (übergeordneten) Kurstendenz einer Aktie Fortsetzung dieser Kurstendenz Dynamik der zu erwartenden Kurstendenz Trendbruch als Warnsignal Trendbruch allein ist nicht zwangsläufig ein Kauf-/Verkaufssignal 9

10 Titelthema: Commerzbank Chartschule, Teil 1 2. Widerstand und Unterstützung Widerstand und Unterstützung entstehen durch eine Veränderung von Angebot und Nachfrage bei einer Aktie. Es handelt sich um Kursbereiche, die erreicht, aber nicht überboten (Widerstand) bzw. nicht unterschritten (Unterstützung) werden. Widerstände und Unterstützungen können (müssen aber nicht) den mittel- oder langfristigen Trend zum Halten bringen oder drehen und geben somit eine Indikation über das zu erwartende Kurspotenzial. Sowohl Widerstände als auch Unterstützungen sind Bestandteil weiterführender charttechnischer Formationen, die im Folgenden erläutert werden. Ein Widerstand entsteht durch ein ausreichendes Angebot an Aktien, welches die vorhandene Nachfrage vollkommen abdeckt. Dies kann zum Beispiel für die Höchstkurse vorangegangener Aufwärtstrends gelten. Im Beispiel (Grafik 2) ist Daimler 2013 an die Höchststände aus dem Jahr 2011 (59 Euro) herangelaufen. Dort ging die Aktie in eine Seitwärtsbewegung über, bevor sich der Trend fortsetzte. Bei einer Unterstützung handelt es sich um ein Kursniveau, welches durch ausreichende Nachfrage dazu führt, dass die Kurse zum Beispiel innerhalb eines Abwärtstrends zunächst nicht weiter fallen. In der Praxis erweist es sich als hilfreich, Unterstützung und Widerstand nicht als punktgenaue Bereiche, sondern als Zonen zu definieren. Dies reduziert das Risiko von Fehlsignalen. Wird ein Widerstand nachhaltig (zum Beispiel an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen) durchbrochen und entfernt sich der Kurs zeitlich und räumlich von diesem Niveau, wird dieser Widerstand zur Unterstützung und umgekehrt. So ist Daimler im Jahr 2011 an die Zone um 59 Euro herangelaufen, die im Jahr 2007 als Unterstützung diente. Ähnliches gilt für den Kursrückgang Dieser endete an der Unterstützungszone um 29 Euro (Widerstand aus 2008/2009). Grafik 2: Widerstand und Unterstützung am Beispiel der Daimler-Aktie Euro EUR Unterstützung EUR EUR Widerstand 59 EUR 29 EUR Widerstand Unterstützung EUR Stand: März 2014; Quelle: Reuters Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. Wie erkenne ich die Formation? Widerstand: Kursniveau, welches erreicht, aber nicht überboten wurde Unterstützung: Kursniveau, welches erreicht, aber nicht unterschritten wurde Historische Höchst- und Tiefstkurse können Widerstand/Unterstützung sein Ehemalige Widerstände dienen als Unterstützungen Ehemalige Unterstützungen sind Widerstände Was sagt die Formation aus? Widerstand: Kursniveau, auf dem das Angebot die Nachfrage vollkommen deckt Unterstützung: Kursniveau, auf dem die Nachfrage das Angebot vollkommen deckt Widerstand/Unterstützung können einen intakten Trend stoppen oder drehen Widerstand/Unterstützung helfen bei der Wahl eines Kursziels (zum Beispiel Höchstkurse ehemaliger Aufwärtstrends) 10

11 Titelthema: Commerzbank Chartschule, Teil 1 3. Schulter-Kopf-Schulter- Formation Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS-Formation) gehört zu den Trendumkehrformationen. Diese treten am Ende von mittel- bis langfristigen Tre nds auf. Die Umkehr eines mittelfristigen Trends benötigt Zeit, sodass sich diese Formationen in der Regel über Wochen und Monate entwickeln. Das zu erwartende Kurspotenzial hat ebenfalls mittelfristigen Charakter. Die SKS-Formation ist durch ihr charakteristisches, symmetrisches Aussehen geprägt. Sie besteht aus zwei etwa gleich hohen Schultern und einem Kopf, dessen Grafik 3: Schulter-Kopf-Schulter-Formation am Beispiel der E.ON-Aktie Euro Schulter 51,40 EUR Nackenlinie Kopf Schulter 38,00 EUR Kursziel Fallender Umsatz Sep 07 Mrz 08 Sep 08 Mrz 09 Stand: März 2014; Quelle: Reuters Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. 17,80 EUR Kurshoch über dem der beiden Schultern liegt. Begrenzt wird die Formation durch die»nackenlinie«, welche durch die Verbindung der beiden Tiefpunkte von linker Schulter und Kopf entsteht. Im Beispiel von E.ON (Grafik 3) beendete der Rutsch durch die Nacken linie im September 2008 einen mehr jährigen Aufwärtstrend (Kursanstieg: 11,40 Euro bis 51,40 Euro). Auch in Bezug auf das Volumen gibt es einen typischen Verlauf. Dieses steigt in der Aufwärtsbewegung der linken Schulter und des Kopfes jeweils an. Die Abwärtsbewegungen werden von fallenden Umsätzen begleitet. Die Ausbildung der rechten Schulter wird bereits beim Kursanstieg nur noch von geringen Volumina begleitet. Dieser Volumenverlauf ist wichtig für die Beurteilung der Formation. Die zu erwartende Bewegung nach Abschluss einer SKS-Formation ergibt sich aus deren Ausdehnung. Das Mindestkursziel lässt sich aus dem Abstand der Nackenlinie zum Kopf ermitteln. Im Beispiel ergibt sich aus der Formation ein Kursziel von ca. 25 Euro. Grafik 4: Schulter-Kopf-Schulter-Bodenformation am Beispiel des DAX-Index Punkte Pkt Schulter Nackenlinie Pkt. Kopf Schulter Kursziel Pkt. Apr 08 Okt 08 Apr 09 Okt 09 Apr 10 Okt 10 Apr 11 Schulter-Kopf-Schulter-Bodenformation Inverser Kursverlauf zur SKS-Topformation Tritt am Ende einer mittel- oder langfristigen Bewegung auf Klassischerweise bestehend aus zwei Schultern, Kopf und Nackenlinie Deutlicher Volumenanstieg beim Ausbruch über die Nackenlinie Kurszielformel: Abstand von Kopfzur Nackenlinie (Grafik 4) Stand: März 2014; Quelle: Reuters Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. zu Grafik 3 und 4: Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre Euro E.ON (linke Skala) DAX (rechte Skala) 10 Apr 09 Dez 09 Aug 10 Apr 11 Dez 11 Aug 12 Apr 13 Dez 13 Indexpunkte Stand: März 2014; Quelle: Reuters Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung Wie erkenne ich die Schulter- Kopf-Schulter-Formation? Tritt am Ende einer mittel- oder langfristigen Bewegung auf Klassischerweise bestehend aus zwei Schultern, Kopf, Nackenlinie (Unterstützung) Symmetrie Klassischer Volumenverlauf Was sagt die Schulter-Kopf- Schulter-Formation aus? Mittel-/langfristige Trendwende Verkaufssignal mit dem Rutsch unter die Nackenlinie Kurszielformel ergibt sich aus der Ausdehnung der Formation (zeitlich und räumlich) Hohe Aussagekraft 11

12 Titelthema: Commerzbank Chartschule, Teil 1 4. Doppeltop und Doppelboden Das Doppeltop gehört zu den Trendumkehrformationen. Diese Formation ist verhältnismäßig selten zu finden und tritt am Ende langfristiger Trends auf. Ein Doppeltop wird erst im Augenblick des Abschlusses eindeutig identifiziert, Grafik 5: Doppeltop-Formation am Beispiel der Inditex-Aktie Euro EUR 90 EUR 122 EUR 121 EUR 111 EUR Kursziel Sep 12 Mrz 13 Sep 13 Mrz 14 Stand: März 2014; Quelle: Reuters Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. hat allerdings eine hohe Aussagekraft. Charakterisiert ist ein Doppeltop durch zwei Tops, die sich auf nahezu gleichem Niveau befinden. Wie im Beispiel der spanischen Inditex-Aktie (Grafik 5) liegen diese Tops (122 Euro bzw. 121 Euro) zeitlich meist mehr als einen Monat auseinander. Der Umsatz steigt während der ersten Aufwärtsbewegung deutlich an. Dieser Effekt ist während des zweiten Kursanstiegs merklich geringer und somit ein erstes Warnzeichen. Zwischen den beiden Tops kommt es zu einer Abwärtsbewegung, die von einem deutlichen Kursrückgang und fallenden Volumina begleitet wird. Dieser klassische Verlauf lässt sich im Beispiel sehr gut erkennen. Eindeutig als Doppeltop charakterisiert und gleichzeitig ab geschlossen ist die Formation mit dem Rückfall unter das Zwischentief. Dieses Verkaufssignal wird nicht zwangsläufig von steigenden Umsätzen begleitet. Es sollte aber dennoch ernst genommen werden, da in der Regel der langfristige Trend gedreht wird und entsprechend mit weiteren Kursverlusten zu rechnen ist. Der mindestens zu erwartende Kursrückgang ausgehend vom Zwischentief wird aus dem Abstand zwischen den beiden Tops und der Unterstützung abgeleitet. Bei Inditex ergab sich daraus ein Kursziel von 100 Euro. Neben Doppeltops gibt es auch Dreifachtops (und Dreifachböden), die eine ähnliche Aussage haben, in der Praxis allerdings noch seltener auftreten. Grafik 6: Doppelboden-Formation am Beispiel der Siemens-Aktie Euro ,3 EUR 77,5 EUR 60,2 EUR Kursziel Apr 11 Okt 11 Apr 12 Okt 12 Apr 13 Okt 13 Doppelboden-Formation Inverser Kursverlauf zum Doppeltop; positive Implikation Tritt am Ende eines langfristigen Abwärtstrends auf Klassischerweise bestehend aus zwei zeitlich voneinander getrennten Tiefpunkten Deutlicher Volumenanstieg beim Ausbruch über das Zwischentop Neues Kaufsignal Kursziel ergibt sich aus der Ausdehnung der Formation (Grafik 6) Stand: März 2014; Quelle: Reuters Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. 12

13 Titelthema: Commerzbank Chartschule, Teil 1 Wie erkenne ich das Doppeltop? Tritt am Ende eines langfristigen Aufwärtstrends auf Zwei zeitlich voneinander getrennte Höchstkurse auf ähnlichem Niveau Geringes Volumen während des Anstiegs zum zweiten Top Verhältnismäßig seltene Formation Eindeutig erkennbar mit dem Rutsch durch die Unterstützung Was sagt das Doppeltop aus? Langfristige Trendwende neues Verkaufssignal Hohe Aussagekraft Mindestkursziel ergibt sich aus der Ausdehnung der Formation zu Grafik 5 und 6: Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre Euro Siemens Inditex Apr 09 Okt 09 Apr 10 Okt 10 Apr 11 Okt 11 Apr 12 Okt 12 Apr 13 Okt 13 Stand: März 2014; Quelle: Reuters Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. Freuen Sie sich auf die nächste Ausgabe unseres ideas-magazins: Hier stellt Ihnen Sophia Wurm weitere interessante charttechnische Formationen vor. Erfahren Sie mehr über Keil, Dreieck, Flagge, Wimpel, Gap sowie Insel und wie Sie diese Formationen erkennen bzw. was sie aussagen. Werfen Sie ebenfalls einen Blick auf unsere Internetseite. Unter chartschule finden Sie ab sofort TV-Beiträge zu den einzelnen charttechnischen Formationen und deren Implikationen. 13

14 interview Ein viel gefragter Partner in der Politikberatung Interview mit Prof. Dr. Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung ideas: Herr Professor Horn, seit dem Jahr 2005 stehen Sie als Wissenschaftlicher Direktor an der Spitze des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Nicht allen Lesern wird das IMK bekannt sein. Worin liegt der Auftrag des Konjunkturforschungsinstituts? Prof. Dr. Gustav A. Horn: Wie aus dem Namen schon hervorgeht, liegt der Schwerpunkt unserer Tätigkeit in gesamtwirtschaftlichen Analysen. Das heißt, wir beschäftigen uns mit den Themen Wachstum, Konjunktur, Beschäftigung und Inflation. In diesem Rahmen erstellen wir allein oder in Kooperation mit anderen nationalen wie internationalen Instituten mindestens vier Mal im Jahr eine Konjunkturprognose. Als Sie vor knapp zehn Jahren das Amt als Wissenschaftlicher Direktor angetreten haben, welche Ziele und Erwartungen hatten Sie? Mein Ziel war, in der ersten Reihe der Konjunkturforschungsinstitute in Deutschland mitzuspielen. Vor allem wollten wir auch in der akademischen Forschung Akzente für einen modernisierten gesamtwirtschaftlichen Ansatz setzen, der auf den Lehren von John Maynard Keynes beruht. Und all diese Ideen und Überlegungen wollten wir in der Politikberatung einsetzen. Wenn Sie heute ein Fazit ziehen müssten, wie würde dieses lauten? Ich bin mit dem Erreichten mehr als zufrieden. Wir spielen in der ersten Reihe mit. Wir sind ein viel gefragter Partner in der Politikberatung und unsere akademischen Leistungen können sich im Vergleich mit anderen, viel größeren Instituten sehen lassen. Diese Erfolge dürfen aber nicht überdecken, dass vieles von dem, was wir seit 2005 gesagt und geschrieben haben, zu spät kam oder zu spät wahrgenommen wurde, um die tiefen Krisen seit 2008 zu verhindern. Die Berichterstattung rund um die Eurokrise hat sich in den vergangenen Monaten deutlich reduziert. Gehen Sie davon aus, dass die Krise überstanden ist? Nein. Die Ankündigung der EZB, im Notfall unbegrenzt mit Anleihekäufen zu intervenieren, hat zwar die Märkte deutlich beruhigt und Panik abgebaut. Aber der Euroraum ist in einer tiefen politischen Krise, die nicht zuletzt auf der überzogenen wirtschaftspolitischen Härte gegenüber einigen Krisenländern beruht, die derzeit unter der Bürde untragbar hoher Arbeitslosigkeit leiden. Diese Situation kann jederzeit zu einem Aufflackern der Krise führen.»unsere akademischen Leistungen können sich im Vergleich mit anderen Instituten sehen lassen.«sie haben im August vergangenen Jahres in einem Interview des Nachrichtensenders n-tv der Bundesregierung schlechte Noten gegeben: Eine 4 für die Finanz- und Wirtschaftspolitik und eine 5 für die Politik während der Eurokrise. Was genau hat Sie dazu bewegt? Im Kern ist die Forderung der Bundesregierung, jene Länder des Euroraums, die in der Krise sind, allein durch harte Sparprogramme und Lohnkürzungen wieder zu mehr Wettbewerbsfähigkeit 14

15 interview zu führen, verfehlt. Denn die Ergebnisse zeigen, dass diese Politik gescheitert ist. Die Wirtschaft dieser Länder liegt am Boden und die Arbeitslosigkeit ist unerträglich hoch. Und aufgrund dieser unhaltbaren wirtschaftlichen Lage in den Krisenländern ist der Euro trotz Belebungstendenzen immer noch stark gefährdet. Das ist in meinen Augen mangelhaft. Die Alternative wäre eine wesentlich vorsichtigere Anpassung mit flankierender Nachfragepolitik gewesen. In Ihrer Konjunkturprognose für die deutsche Wirtschaft für das Jahr 2014 rechnen Sie mit einer zögerlichen Belebung nach 0,4 Prozent BIP-Wachstum in 2013 erwarten Sie in 2014 ein Wachstum von 1,2 Prozent. Die Prognosen anderer Institute sind deutlich positiver, wie kommt das? Der Grund hierfür war eben, dass wir die Krise des Euroraums nicht für überwunden hielten. Das ist nach wie vor richtig. Allerdings entwickelt sich die Weltwirtschaft etwas günstiger, als wir das seinerzeit gesehen haben. Zudem erwarten wir nunmehr auch wegen der Einführung des Mindestlohns einen kräftigen Lohnanstieg für 2014 und Dies hat uns veranlasst, unsere Prognose leicht auf 1,6 Prozent anzuheben. Für den Euroraum erwarten Sie ein Wachstum von 0,8 Prozent. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Herausforderungen, um die Weichen für eine positive Zukunft Europas zu stellen? Wir müssen die einseitige wirtschaftspolitische Ausrichtung auf die Angebotsseite überwinden. Es ist ja richtig, dass die Krisenländer wettbewerbsfähiger werden müssen. Aber um die errungene Wettbewerbsfähigkeit auch ausspielen zu können, bedarf es dynamischer Absatzmärkte, auf denen eine starke Nachfrage herrscht. Daran müssen wir arbeiten. Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Laura Schwierzeck. 15

16 Technische Analyse»Der Euro Stoxx 50 sollte ver suchen, die langfristige Bodenformation mit einem neuen Investment-Kaufsignal abzuschließen.«euro Stoxx 50: Fünfjährige Bodenformation vor dem Abschluss Achim Matzke (Leiter Technische Analyse, CM Research) Der Euro Stoxx 50 befindet sich seit März 2009 in einer langfristigen Seitwärtsbewegung in Form eines technischen Aufwärtsdreiecks (Widerstandszone: bis Punkte). Diese hat den Charakter einer langfristigen technischen Bodenformation und folgt auf die ausgeprägte Baisse der Jahre 2007 bis 2009 (Gesamtkursrückgang: auf Punkte). Hierbei hat sich, ausgehend vom Tiefpunkt bei Punkten, ein moderater Haussetrend etabliert (Trendlinie zurzeit um Punkte), der in Kombination mit der Widerstandszone das Aufwärtsdreieck ergibt. Zudem hat sich ab Juni 2012 ein zusätzlicher Haussetrend ergeben, der im Moment bei etwa Punkten liegt. Dieser Trend hat den Index wieder ins Umfeld der vierjährigen Widerstandszone bei bis Punkten geführt. Seit Dezember 2013 bewegt sich der Index in einer normalen Seitwärtskonsolidierung direkt an dieser Widerstandszone. Hinzu kommt, dass aufgrund der verbesserten technischen Lage vieler südeuropäischer Standardwerte der Euro Stoxx 50, zum Beispiel im Vergleich zum DAX, eine moderate mittelfristige Relative Stärke aufgebaut hat. Deshalb weist diese Konsolidierung einen trendbestätigenden Charakter nach oben auf. Anfang April erreichte der Index bereits ein neues Jahreshoch. Mit Blick auf die kommenden Wochen sollte der Euro Stoxx 50 versuchen, die langfristige Bodenformation mit einem neuen Investment-Kaufsignal abzuschließen und sich in Richtung des nächsten technischen Etappenziels von Punkten in Bewegung zu setzen. Aufgrund der einsetzenden Dividendensaison (ausgeschüttete Dividenden sind im Euro Stoxx 50 als Kusindex nicht enthalten) sollte die Dynamik hierbei allerdings eher moderat ausfallen. 16

17 Technische Analyse Anlageidee Spekulativ Mit dem Unlimited Turbo-Zertifikat können Anleger gehebelt an der Wertentwicklung des EURO STOXX 50-Index partizipieren. Die Laufzeit des Zertifikats ist unbegrenzt. Erst bei fallenden Notierungen des EURO STOXX 50-Index unter die Knock-Out-Barriere endet die Laufzeit des Zertifikats. Dies kann gegebenenfalls zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Neutral Mit dem Unlimited Index-Zertifikat auf den EURO STOXX 50 können Anleger eins zu eins an der Wertentwicklung des EURO STOXX 50 partizipieren sowohl positiv als auch negativ. Die Laufzeit des Zertifikats ist unbegrenzt. Konservativ Beim Kauf des Classic Discount-Zertifikats auf den EURO STOXX 50 erhalten Anleger einen Preisabschlag (Discount) auf den aktuellen Wert des EURO STOXX 50-Index. Im Gegenzug für diesen Discount verzichtet der Anleger auf die Möglichkeit, unbegrenzt an Kurssteigerungen des EURO STOXX 50-Index zu partizipieren. Der maximale Rückzahlungsbetrag entspricht 32,00 Euro. Produkttyp Unlimited Turbo-Zertifikat WKN CZ6 Z0S Typ Bull Bezugsverhältnis 100:1 Basispreis 2.450,67 Punkte Knock-Out-Barriere 2.483,23 Punkte Laufzeit Unbegrenzt Geld-/Briefkurs 7,27/7,28 EUR Hebel 4,4 Produkttyp Unlimited Index-Zertifikat WKN Bezugsverhältnis 100:1 Laufzeit Unbegrenzt Geld-/Briefkurs 31,73/31,73 EUR Produkttyp Classic Discount-Zertifikat WKN CZ8 2BH Cap Punkte Bezugsverhältnis 100:1 Bewertungstag Fälligkeit Geld-/Briefkurs 29,73/29,74 EUR Discount 6,39 % Max. Rendite p.a. 11,26 % Stand: 22. April 2014; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter zur Verfügung. EURO STOXX 50 Punkte Pkt. TP V V K = Kaufsignal V = Verkaufssignal TP = Take-Profit-Signal Zentraler Baissetrend 200-Tage-Linie K Pkt Pkt Stand: 14. April 2014; Quelle: Reuters, Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung Pkt Pkt. K Pkt Pkt. K Aufwärtstrend V Pkt. Widerstand im Fokus Langfristige Bodenformation Pkt. 17

18 Technische Analyse»Vor dem Hintergrund dieser technischen Gesamtlage deutet sich im MDAX ein mittelfristiger Slowdown an.«mdax: Mittelfristige technische Eintrübung Sophia Wurm (Technische Analyse, CM Research) Der MDAX hatte, ausgehend von Punkten im Herbst 2011, eine technische Bilderbuchhausse durchlaufen. Ab September 2012 etablierte er hierbei nach dem Überwinden der langfristigen Widerstandszone um bis Punkte (alte Allzeithochs) eine ausgeprägte Relative Stärke gegenüber dem DAX. Der beschleunigte Haussetrend (aus Oktober 2011) führte den MDAX zum Jahresbeginn 2014 auf ein neues Allzeithoch bei Punkten. Seitdem steckt der Index in einer mittelfristigen Seitwärtskonsolidierung unterhalb dieses Niveaus und oberhalb der Unterstützungszone um bis Punkte. Nach einem Kursgewinn von über 120 Prozent (seit Herbst 2011) ergab sich zuletzt auch eine deutliche Eintrübung der technischen Marktbreite: Unter anderem weisen Indexschwergewichte wie Airbus, ehemals EADS, (ca. 9,7 Prozent Indexanteil), ProSiebenSat.1 Media (ca. 5,4 Prozent) und GEA (ca. 4,7 Prozent) verschlechterte mittelfristige Gesamtbilder auf. Zuletzt ist der MDAX an die Unterstützungszone von bis Punkten zurück gefallen und die mittelfristige Relative Stärke gegenüber dem DAX ist ausge laufen. Vor dem Hintergrund dieser technischen Gesamtlage deutet sich im MDAX nach zweieinhalb Jahren Bilderbuchhausse ein mittelfristiger Slowdown an. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass es sich bei der mittelfristigen Seitwärtskonsolidierung der Vormonate um eine technische (Trading-)Topformation handelt. Als Konsequenz sollte beim nachhaltigen Unterschreiten der Unterstützungszone bei bis Punkten mit einer mittelfristigen technischen Gegenbewegung zur vorherigen Aufwärtsbeschleunigung gerechnet werden. Die Ausweitung zu einer technischen Korrektur (Kursverluste zwischen 10 Prozent und 20 Prozent vom vorherigen Höchstkurs bei Punkten) sollte in diesem Fall einkalkuliert werden. 18

19 Technische Analyse Anlageidee Spekulativ Mit dem Faktor-Zertifikat 3x Long auf den MDAX Future können Anleger gehebelt an der Wertentwicklung des MDAX Future partizipieren. Die Laufzeit des Zertifikats ist unbegrenzt. Steigt der MDAX Future, steigt der Wert des Faktor-Zertifikats circa um den jeweiligen Faktor (Hebel) und umgekehrt. Neutral Mit dem Capped Bonus-Zertifikat können Anleger an der Wertentwicklung des MDAX-Index bis zum Cap partizipieren. Zudem erhält der Anleger den Bonusbetrag, solange die Barriere bis zum Bewertungstag nicht erreicht oder unterschritten wird. Bei Unterschreitung der Barriere folgt das Zertifikat unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses dem MDAX-Index bis zum Cap. An Kurssteigerungen über den Cap hinaus nehmen Anleger nicht teil. Konservativ Beim Kauf des Classic Discount-Zertifikats auf den MDAX erhalten Anleger einen Preisabschlag (Discount) auf den aktuellen Wert des MDAX-Index. Im Gegenzug für diesen Discount verzichtet der Anleger auf die Möglichkeit, unbegrenzt an Kurssteigerungen des MDAX-Index zu partizipieren. Der maximale Rückzahlungsbetrag entspricht 155,00 Euro. Produkttyp WKN Basiswert Strategie Bezugsverhältnis 1:1 Laufzeit Indexgebühr Geld-/Briefkurs Faktor 3 Faktor-Zertifikat CZ9 P8U MDAX Future Juni 2014 Long Unbegrenzt 0,50 % p.a. 12,26/12,33 EUR Produkttyp Capped Bonus-Zertifikat WKN CB1 T33 Barriere Punkte Bonuslevel/Cap Punkte Höchstbetrag 173,00 EUR Bezugsverhältnis 100:1 Bewertungstag Fälligkeit Geld-/Briefkurs 160,46/160,51 EUR Abstand zur Barriere 12,46 % Bonusrendite p.a. 10,25 % Produkttyp Classic Discount-Zertifikat WKN CZ9 1MX Cap Punkte Bezugsverhältnis 100:1 Bewertungstag Fälligkeit Geld-/Briefkurs 152,48/152,50 EUR Discount 6,69 % Max. Rendite p.a. 7,16 % Stand: 22. April 2014; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets. Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter zur Verfügung. MDAX Punkte Pkt. V K Pkt Pkt. Allzeithoch Haussetrend 200-Tage-Linie Stand: 14. April 2014; Quelle: Reuters, Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. K K Pkt. TP Pkt. Gefahr einer Topformation K = Kaufsignal V = Verkaufssignal TP = Take-Profit-Signal MDAX Punkte Tage-Linie Stand: 14. April 2014; Quelle: Reuters, Commerzbank Corporates & Markets Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung. 19

20 akademie Was ist das Emittentenrisiko? Jan Schneider (Produktmanager, Equity Markets & Commodities) 15. September 2008: Lehman Brothers, eine der größten US-amerikanischen Investmentbanken, meldet Insolvenz an und sendet dadurch eine Schockwelle durch das globale Finanz- und Wirtschaftssystem. In den folgenden Monaten rauschten die Indizes der Weltbörsen in den Keller, es tobte eine globale Finanzkrise, deren Auswirkungen wir noch bis heute spüren. Auch für einige Zertifikate- Inhaber hatte dieses Datum Folgen. Sie waren in Besitz von Zertifikaten der niederländischen Tochtergesellschaft, der Lehman Brothers Treasury Co. B.V., damit standen sie in einer Reihe mit anderen Fremdkapitalgebern der Bank. Ein Begriff wurde Zertifikate-Inhabern allgegenwärtig: das Emittentenrisiko. Das Emittentenrisiko beschreibt die Möglichkeit einer Insolvenz des Emittenten, was unmittelbare Auswirkungen auf den Zertifikate-Inhaber haben kann. Der Käufer eines Zertifikats erwirbt eine Inhaberschuldverschreibung, das bedeutet, meldet der Emittent Insolvenz an, ist das Derivat im ungünstigsten Fall wertlos. Der Einlagensicherung, wie sie bei Kontoeinlagen bei einer Bank üblich ist, unterliegen»das Emittentenrisiko beschreibt die Möglichkeit einer Insolvenz des Emittenten.«Zertifikate nicht. Ein geschütztes Sondervermögen, wie man es von Fonds kennt, existiert ebenfalls nicht. Beim Erwerb des Zertifikats sollte der Anleger also neben den Risiken, die beispielsweise mit dem Basiswert des Zertifikats in Zusammenhang stehen, auch das Emittentenrisiko in seine Überlegungen miteinbeziehen. Es stellt sich nun die Frage, mit welchen Instrumenten er dies tun kann. Es gibt verschiedene Kennzahlen, um die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz eines Emittenten zu bewerten. Beispielsweise Ratingeinstufungen der Ratingagenturen, Kernkapitalquoten, aber auch sogenannte CDS-Spreads. Doch was ist eigentlich ein CDS-Spread? CDS steht für Credit Default Swap, dieser ermöglicht es, Ausfallrisiken zu handeln, um sich damit abzusichern. Der Swap besteht aus einem Vertrag zwischen dem Sicherungsnehmer und dem Sicherungsgeber und bezieht sich auf einen Basiswert (Referenzschuldner). Der Sicherungsnehmer (Käufer) zahlt eine Prämie, den sogenannten CDS-Spread, an den Sicherungsgeber (Verkäufer), damit dieser das Ausfallrisiko des Referenzschuldners übernimmt. Gegebenenfalls 20

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