Landesinitiative zur Fachkräftesicherung in Nordrhein- Westfalen. Ingrid Schleimer

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1 Landesinitiative zur Fachkräftesicherung in Nordrhein- Westfalen Ingrid Schleimer

2 1. Ausgangssituation Noch haben wir keinen allgemeinen Fachkräftemangel, wohl aber Fachkräfteengpässe in bestimmten Berufsfeldern, Branchen und Regionen des Landes, wie z.b. bei den Pflegefachkräften, der Metall- und Elektrobranche oder im Gastronomiebereich Absehbar ist jedoch ein allgemeiner Fachkräftemangel aufgrund des unvermeidbaren demographischen Wandels. Wir werden immer weniger und immer älter. PROGNOS rechnet mit einer Fachkräftelücke von Personen bis 2020 allein in NRW, wenn wir nicht erfolgreich gegensteuern, insbesondere bei der Erhöhung der Erwerbsquote und der Ausschöpfung aller brachliegenden Fachkräftepotenziale 2

3 1. Positionen des Landes zur Fachkräftesicherung Selbst eine gesteuerte Zuwanderung alleine kann das Fachkräfteproblem nicht lösen. Kern der Fachkräfteinitiative des Landes NRW ist es, mit bisher nicht ausgeschöpften Potenzialen den sich abzeichnenden Bedarf an Fachkräften zu sichern. Hierzu gehören: Frauen, die den Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt suchen oder ihre Arbeitszeit ausweiten würden, wenn die Rahmenbedingungen stimmten; Zugewanderte, die in Jobs feststecken, in denen sie ihre Ausbildung und ihre berufliche Erfahrung bei weitem nicht einsetzen können; Jugendliche, die Warteschleifen absolvieren, anstatt direkt in eine berufliche Ausbildung zu gehen; Ältere, die in Frührente geschickt werden, statt ihr Erfahrungswissen zu nutzen; Ausländische Studienabsolventen, die ein Jahr nach Abschluss des Studiums in die Heimat zurückkehren müssen. Die Landesregierung leistet durch Politik und Regelförderprogramme einen wesentlichen Beitrag. Sie kann das Fachkräfteproblem jedoch alleine nicht lösen. 3

4 3. Fachkräfteprogramm Wir setzen auf Verantwortung und Mitwirkung der Wirtschaft. Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kammern, Wirtschaftsförderer und Arbeitsverwaltung waren an der Ausarbeitung des Programms beteiligt. Für das Fachkräfteprogramm wendet das Land bis 2015 erhebliches zusätzliches Geld auf (bis zu 50 Mio. ). NRW ist regional sehr unterschiedlich strukturiert. Jede der 16 Regionen muss einen eigenen Handlungsplan erstellen, in dem Fachkräftebedarfe und vordringliche Handlungsfelder dargestellt sind. Federführung und Verantwortung sollen bei den Akteuren der Wirtschaft in der Region liegen. Projektvorhaben werden mit bis zu 50% der Kosten bezuschusst. Entsprechend ihrer Verantwortung und ihres Nutzens müssen sich die Wirtschaftsakteure und Betriebe an den Kosten beteiligen. Sachstand: - 15 Handlungspläne liegen vor Projektvorhaben aus elf Regionen wurden vom Auswahlgremium begutachtet Vorhaben wurden bislang, teils mit Auflagen, zur Förderung empfohlen. 4

5 Projektbeispiel 1 BANG e.v. Second Service Problem: Jedes Jahr brechen etwa 200 Studierende von MINT- Fächern an der FH Bielefeld ihr Studium ab. Die Abbrecher fallen in ein berufliches Loch bei gleichzeitigem Mangel an qualifizierten Metallfachkräften in der Region. Lösung: Ein von 35 Unternehmen getragener Verein in Gütersloh wird bis zu 50 Studienabbrechern das Angebot machen, eine je nach Vorkenntnissen verkürzte berufliche Ausbildung mit anschließender Übernahme in zuvor einbezogene Betriebe aus dem Maschinenbau und der Metallverarbeitung zu absolvieren. Kofinanzierung durch Beiträge der Mitgliedsunternehmen von BANG e.v. 5

6 Projektbeispiel 2 VDW Nachwuchsstiftung Starte durch! Dein Job im Maschinenbau Problem: Schulabgängern und Schulabgängerinnen mangelt es häufig an der erforderlichen Ausbildungsreife für qualifizierte Berufe. Betrieben des Maschinenbaus der Region fehlt zugleich der Nachwuchs. Lösung Förderbedürftige Schüler (v.a. Migrantinnen und Migranten) der Abschlussjahrgänge aus Haupt- und Realschulen sollen bereits ein halbes Jahr vor ihrem Schulabschluss zur Ausbildungsreife geführt und in 25 Ausbildungsbetriebe der Maschinenbaubranche im Kreis Gütersloh vermittelt werden. In dieser Zeit werden ihnen fachliche, methodische, soziale und persönliche Basiskompetenzen vermittelt. Die Auszubildenden werden 18 Monate (bis zur Abschlussprüfung Teil 1) in ihrer Ausbildung weiter begleitet. Kofinanzierung durch Stiftungsmittel der VDW Nachwuchsstiftung 6

7 Projektbeispiel 3 Deutsche Edelstahlwerke Witten, Karrierewerkstatt KarrierePfad Problem: Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes gelingt es häufig nicht mehr, gut ausgebildete Fachkräfte am Arbeitsmarkt zu rekrutieren. Es ist deshalb notwendig, bislang unterwertig Beschäftigte zum Nachholen eines Berufsabschlusses zu qualifizieren. Lösung: KarrierePFAD realisiert die individuelle Heranführung an die Externenprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf durch ein modularisiertes Schulungskonzept. Zielgruppe sind an- und ungelernte Beschäftigte sowie Beschäftigte der im verarbeitenden Gewerbe aktiven Zeitarbeitsunternehmen. Es sollen mindestens 30 Beschäftigte zu Maschinen- und Anlagenführer (IHK) qualifiziert werden und einigen zu einem Abschluss in einem darauf aufbauenden Beruf verholfen werden. Kofinanzierung durch Mittel der Bundesagentur für Arbeit (WeGebAU) 7

8 Optimierungsbedarf bei der Fachkräfteinitiative Die Projektbeispiele zeigen: - konkrete Projektinitiativen entstehen bei hohem Problemdruck. Dort wird auch seitens der Unternehmen Verantwortung übernommen, Einzelinteressen werden zurückgestellt, Kooperationen eingegangen und Kofinanzierung aufgebracht. Aber: - Bisher beteiligen sich längst nicht alle Wirtschaftsakteure in den Regionen und Unternehmen mit voller Kraft an der Suche nach zukunftsweisenden Handlungsansätzen zur Vermeidung der drohenden Fachkräftelücke. Arbeitsminister Guntram Schneider hat die mittelständische Wirtschaft, Verbände und Kammern aufgefordert, sich für die Gewinnung von Fachkräften vor Ort noch stärker einzusetzen und enger zu vernetzen. 8

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