Abenteuer Schrift in der Kita Rappelkiste" in Wünsdorf Wir arbeiten seit 6 Jahren nach dem infans-konzept der Frühpädagogik

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1 Abenteuer Schrift in der Kita Rappelkiste" in Wünsdorf Wir arbeiten seit 6 Jahren nach dem infans-konzept der Frühpädagogik Immer wieder erleben wir, wie sich die Kinder mit Schrift und Sprache im Kita-Alltag auseinandersetzen. Viele Kinder interessieren sich schon lange vor Schulbeginn für Zeichen und Symbole. Sie erwerben durch eigene Bildungsprozesse Fähigkeiten, selbst Zeichen und Spuren in ihrer Welt zu hinterlassen. Das geschieht zum Beispiel durch Schreiben von Buchstaben, Schreiben des eigenen Namens, Schrift in der Umwelt wieder finden, Symbole erkennen, Interesse an Büchern und durch das Mitteilen der eigenen Gedanken. Da viele Kinder in unserem Bereich dafür Interesse zeigen, haben wir das Thema beim Treff der Ältesten aufgegriffen. Die Kinder erhielten die Aufgabe, auf Buchstabensuche in der Kita zu gehen. Gerüstet mit Stift und Papier ging es los. Josephine und Fabio fanden ihre ersten Wörter an der Ortskarte. Sehr konzentriert übertrugen sie jeden einzelnen Buchstaben auf ihr Papier. Jennifer richtete ihre Aufmerksamkeit auf Buchstaben in einem Bilderrahmen. Weitere Anregungen fand sie auf einem Foto, in dem Schrift integriert ist. Diesen Schriftzug überträgt sie auf ihr Klemmbrett. Die Kinder haben sich im gesamten Haus verteilt und fanden immer wieder neue Anregungen. Sie hatten Spaß daran und sie sind stolz auf ihr Können. Sie waren kleine Buchstabenforscher. 32 ABenteUeR schrift In DeR KItA RAPPeLKIste"

2 Nachdem die Kinder die ersten Wörter übertrugen, erfasste sie eine unbändige Freude, immer mehr Schrift zu finden. Sie hörten gar nicht auf zu schreiben. Immer wieder suchten sie nach Vorlagen und Ideen, welche sie auf ihr Blatt Papier schrieben. Aaron nutzte sogar Verpackungsvorlagen, um Wörter abzuschreiben. Diese Aktivitäten können Kinder nur entwickeln, wenn sie Buchstabenkenntnisse besitzen und sich für Schrift interessieren. Einen Tag später ging die Buchstabenjagd im Ort weiter. Die Umgebung bietet sich den Kindern als Entdeckungsfeld für Buchstaben an. Ausgerüstet mit festen Schreibunterlagen und Stiften gingen die Kinder im Heimatort auf Wortsuche. Sie entdeckten zum Beispiel Straßenschilder, Werbungslogos und Nummernschilder an Autos. Unsere Kinder wollten nicht nur die Worte abschreiben, sondern auch die Bedeutung dieser Worte erfahren. So begannen spannende Gespräche untereinander. Verschiedene Zeichen und Logos wurden von den Kindern wahrgenommen. Es wurden Beschriftungen an Geschäften entdeckt und von den Kindern natürlich abgeschrieben. Sammeln, Entdecken, Gruppieren und Unterscheiden von Zeichen und Buchstaben helfen bei der Formeinprägung und Unterscheidung. Es kommt nicht auf die Vollständigkeit des Erwerbs der Buchstaben-Laut-Beziehung oder gar auf das Erlernen des ABC s an. In dieser Lernstufe geht es in erster Linie um das Spielerische, Lustvolle und Experimentelle in der Auseinandersetzung mit Buchstaben. ABenteUeR schrift In DeR KItA RAPPeLKIste" 33

3 Die Kinder waren nun gespannt darauf, was alles aufgeschrieben wurde, und sie lauschten dem Vorlesen der Wörter. Sie waren sehr überrascht, was alles auf ihrem Blatt stand. Später in der Kita dachten wir uns zu diesen gefundenen Wörtern Sätze aus. Ich schrieb die Sätze auf und die Kinder klebten ihre gefundenen Worte ein. So wurden sie ein Teil des Satzes auf unserem Entdeckungswortsatzblatt. Die Buchstabenjagd ging weiter. Die Kinder brachten leere Verpackungen von Zuhause mit, auf denen Abbildungen von Zeichen und Buchstaben erkennbar waren. Den Kindern ist der Inhalt dieser Verpackungen bekannt. Bei diesem spielerischen Umgang mit den alltäglichen Verpackungen erfuhren die Kinder, dass diese auch mit Zeichen, Buchstaben, Wörtern und Texten bedruckt sind. Solche Wort-Bilder prägen sich auch leicht ein, weil Kinder den sozialen Bedeutungskontext erfahren haben und dadurch den semantischen Zusammenhang begreifen. Später kamen die Kinder auf die Idee, eigene Buchstaben anzufertigen. Dazu stellten die Kinder einen Salzteig her. Von Thorben wurden genau nach dem Rezept die verschiedenen Zutaten abgemessen. Fabio verarbeitete diese nun zu einem glatten Teig. Die Kinder wechseln sich bei dieser Tätigkeit ab und haben viel Freude am gemeinsamen Tun. 34 ABenteUeR schrift In DeR KItA RAPPeLKIste"

4 Damit der Teig die richtige Konsistenz erhält, musste er mehrmals kräftig durchgeknetet werden. Dabei setzten Fabio und Jennifer ihre gesamte Körperkraft ein. Celia beobachtet erwartungsvoll das Geschehen. Dabei wurden Begriffe, wie zum Beispiel Salzteig und Konsistenz, erklärt. Endlich ist es soweit. Die Kinder formten ihnen bekannte Buchstaben. Oft sind es die Buchstaben, die sie aus ihren Namen kennen. Dreidimensionale Buchstaben sind wichtige Sinnesmaterialien, denn sie ermöglichen das begreifbare Erfassen des Alphabetes. Nach dem Trocknen erhielten die Buchstaben noch einen farblichen Anstrich. Während dieser Arbeit tauschten sich die Kinder über die Auswahl der Buchstaben aus und benannten diese. Nach verschiedenen Spielhandlungen mit den selbst hergestellten Buchstaben, fädelten sie diese nun zu Buchstabenketten auf. Diese schmücken unseren Gruppenraum. Die Kinder erfuhren dadurch eine Wertschätzung ihrer Tätigkeit. Buchstaben zum Essen gefallen allen Kindern gut. Theresa hatte diese Idee. Also kauften wir Russisch Brot. Es wurde auf ein Tablett verteilt und genau betrachtet. Buchstaben unterscheiden sich in ihrer formalen Gestaltung. Durch die intensive Betrachtung der Formen prägten sich die Kinder die Schriftbilder der Buchstaben ein. Die Kinder übten sich im Wiedererkennen, indem sie einen Buchstaben zeigten und benannten. Am Ende durfte natürlich jeder seinen Buchstaben essen. Für alle war es ein zuckersüßer Genuss. ABenteUeR schrift In DeR KItA RAPPeLKIste" 35

5 In der spielerischen Tätigkeit mit Schrift ist vieles möglich. Die Kinder schreiben oft und gern Buchstaben auf. Hier wurden von den Kindern bekannte Buchstaben als riesiger Großbuchstabe aufgezeichnet. Dann beklebten sie die Umrisse der Buchstaben mit diversen Naturmaterialien. Dabei erfassten die Kinder über die taktile und visuelle Wahrnehmung die Gestalt der einzelnen Buchstaben. Die Kinder hingen ihre gestalteten Buchstaben an eine Schnur an. Dabei benannten sie nochmals ihre Buchstaben und erkennen gleiche Buchstaben. Sie nannten Wörter mit gleichem Anlaut und schulten so ihre phonologische Bewusstheit. Die Kinder waren sehr engagiert und ließen sich auf kleine Wortspielereien ein. Wir fügten gemeinsam einzelne Silben zu Worten zusammen. Ich hoffe, dass das Interesse an Zeichen und Schrift noch lange anhält. Die Kinder brauchen, um durch Sprache und Schrift kommunizieren zu können, eine anregend gestaltete Umgebung und die Interaktion mit Kindern und Erwachsenen. Nur so können sie vielfältige Erfahrungen mit Sprache und Schrift machen. Dabei müssen Kinder ein Text- und Sinnverständnis entwickeln, Interesse an Büchern haben, sich schriftlich ausdrücken können, mit der Sprache und mit der literarischen Sprache vertraut sein und Medienkompetenzen besitzen. Sie brauchen Zeit für ihre individuellen Bildungsprozesse, für das Entdecken der Schrift. Sie lernen voneinander und miteinander. Der Schrift- und Spracherwerb sollten spielerisch, lustvoll und anregend sein. In unserer Kindertagesstätte hat die Schriftsprache bereits bei den Einjährigen einen festen Platz. Durch die Beobachtung und Dokumentation werden die Themen und Interessen der Kinder erkannt und ihre Themen individuell beantwortet. April 2009; dokumentiert von Tina Gesche Kontakt: Konsultationskita Rappelkiste Am Eiskutenberg Wünsdorf Tel.: / ABenteUeR schrift In DeR KItA RAPPeLKIste"

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