Risikoorientierte Fleischuntersuchung Informationsmanagement und Entscheidungsmodell

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1 Risikoorientierte Fleischuntersuchung Informationsmanagement und Entscheidungsmodell Thomas Blaha Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover Aussenstelle für Epidemiologie in Bakum 1 Das neue EU-Lebensmittelrecht VO 178/2002: Basisverordnung zur Lebensmittelsicherheit VO 852/2004: allgemeine Lebensmittelhygiene (HACCP) VO 853/2004: Lebensmittelhygiene tierische Lebensmittel (Informationen) VO 854/2004: amtliche Überwachung tieri scher Lebensmittel ( risikoorientierte FU) ersetzt ab das deutsche Fleischhygienerecht 2

2 Risikoorientierte Fleischuntersuchung: Nach Bewertung von Lebensmittelketteninformationen vor Anlieferung der Tiere am Schlachthof, Entscheidung über die jeweils angemessene Untersuchungstechnik durch den amtlichen Tierarzt. Mögliche Untersuchungstechniken sind: a) nur visuell b) traditionell, d.h. wie bisher mit Inzision und Palpation c) gezielt erweitert, also mit eitergehenden Untersuchungen jedes Einzeltier soviel untersucht werden, wie für die Sicherstellung des gesundheitlichen Verbraucherschutzes notwendig ist (z.b. Trimmband, separates Kühlhaus usw.), d.h. gleiche Genusstauglichkeit!!! 3 Entscheidungskaskade für r die Zulassung von Schlachtschweinen zur Schlachtung und die Wahl der angemessenen Untersuchungstechnik im Rahmen der risikoorientierten Fleischuntersuchung 4

3 Vorarbeit durch GIQS Ab muss die Zulassung von Schlachtschweinen zur Schlachtung risikoorientiert erfolgen. Das Projekt Grenzüberschreitende Integrierte Qualitätssicherung in der Schweineproduktion entwickelt und erprobt Werkzeuge, die u.a. bei der Umsetzung der risikoorientierten Fleischuntersuchung helfen werden. Zum Informationsmanagement Zur Bewertung von Informationen 5 Informationsmanagement Relevante Daten und Informationen aus der Lebensmittelkette müssen verfügbar sein, am Schlachthof zusammengeführt werden und für den amtlichen Tierarzt zur Bewertung aufbereitet werden. Sie sollten idealerweise: umfassende Aussagen zu Lebensmittelsicherheits-Risiken erlauben zum Zeitpunkt der Bewertung durch den amtlichen Tierarzt valide und aktuell sein übersichtlich aufbereitet und gewichtet sein in einem EDV System vorliegen und der Datenverarbeitung zugänglich sein 6

4 Von GIQS genutzte Informationen aus der Lebensmittelkette: Zum Herkunftsbestand: Teilnahme an einem Qualitätssicherungssystem Betriebsmanagement / Haltungsfaktoren Salmonellenstatus des Bestands Organbefunde (retrospektiv) Ergebnisse der amtlichen Schlachttier- und Schlachtkörperuntersuchung (retrospektiv) Liefermanagement Zur Lieferpartie: Gesundheitsstatus der Schlachttiere AM-Anwendungen Mortalität in der Mastgruppe 7 Visualisierung der Lebensmittelketteninformationen: Ampelsystem im GIQS Backbone Für jeden Parameter Festlegung eines Warnund eines Grenzwertes Für jeden Parameter eine grüne, gelbe oder rote Ampel Bei der Anmeldung einer Lieferpartie Schlachtschweine sieht der amtliche Tierarzt für jeden Parameter eine Ampel, dadurch wird eine detaillierte (Risiko-)Einschätzung möglich. 8

5 Ampelschaltung für f r eine Lieferpartie 9 Report: QS-Kategorie 10

6 Report: Organbefundindex 11 Report: Gesundheitsstatus 12

7 Pilotversuch risikoorientierte Fleischuntersuchung Seit Juli 2004 ist der GIQS Backbone mit dem Ampelsystem zugriffsgeschützt online Pilotkette: ein Schlachthof, ein Veterinäramt, eine Erzeugergemeinschaft mit 89 teilnehmenden Landwirten 1. Phase des Versuchs: Charakterisierung von Problemfeldern und Erarbeitung von Lösungen 13 Ergebnisse: Prinzipiell: die benötigten Informationen sind vorhanden!!! 2 Hauptproblemfelder: Aufbau produktionsstufenübergreifender Informationsflüsse in offenen Produktionssystemen Informationen aus der Primärproduktion 14

8 Informationsmanagementsysteme Problem: Nicht-Kompatibilität der EDV- Systeme der einzelnen Produktionsstufen und mangelndes Vertrauen in die Neutralität des Datenhandlings Lösung: Aufbau überbetrieblicher, neutral und unabhängig verwalteter Datenbanken (wie der GIQS Backbone ) 15 Informationen aus der Primärproduktion rproduktion (1) Problem: standardisierte Datenerfassung für Integration in ein EDV-System Lösung: Entwicklung übersichtlicher und vielseitig einsetzbarer Formulare, minimale Datenerfassung, evtl. Nutzung technischer Hilfsmittel ( Palm ) oder automatisches Scannen der Formulare 16

9 Informationen aus der Primärproduktion rproduktion (2) Problem: regelmäßige Datenerfassung und zeitnahe Verfügbarkeit der Daten Lösung: Schulung der Landwirte, Tierärzte und Berater, Überzeugungsarbeit, ( Druck durch rechtliche Vorgaben z.b. VO 854/04: Schweine werden ohne die Informationen aus der Primärproduktion nicht zur Schlachtung zugelassen) 17 Informationen aus der Primärproduktion rproduktion (3) Problem: Erfassung valider Daten Lösung: Maximierung des Nutzens für die Landwirte, d.h. Auswertung relevanter Daten auch für das Betriebs- und Herdenmanagement und Entwicklung sich selbst kontrollierender Systeme, z.b. das hier vorgestellte Ampelsystem, in dem mangelnde Korrelation von Daten verschiedener Parameter offensichtlich ist 18

10 Fazit: Die risikoorientierte Fleischuntersuchung wird ab in Deutschland Realität sein. Es ist möglich, Lebensmittelketteninformationen auf Lieferpartie-Basis 24h vor der Schlachtung zur Verfügung zu stellen. Diese Informationen können so aufbereitet werden, dass sie eine Bewertung und Entscheidungsfindung erlauben. 19 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Kofinanziert durch das EU-Programm INTERREG IIIA der Euregio Rhein Waal sowie durch das niederländische Landwirtschaftsministerium, die Provinz Gelderland, sowie die Wirtschaftsministerien von Nordrhein Westfalen und Niedersachsen 20

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