Neurowissenschaftliche Grundlagen psychischer Störungen

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1 Neurowissenschaftliche Grundlagen psychischer Störungen Siegfried Gauggel Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie Universitätsklinikum der RWTH Aachen

2 Neuropsychotherapie

3 Das Gehirn: Das einzige Organ, das über sich selbst nachdenken kann

4 Überblick über den Vortrag Das Gehirn: Eine Interpretationsmaschine Neurowissenschaftliche Forschungsmethoden Struktur-Funktionszusammenhänge: Von Leonardo da Vinci über die Phrenologie zu neuronalen Netzwerken Beispiele Warnung

5 Die "Interpretationsmaschine" Gehirn top-down Reize Verhalten/ Erleben bottom-up

6 Wie kommen wir zu Erkenntnissen über die Strukturen und Funktionen des Gehirns?

7 Analyseebenen und Forschungsgebiete Psychologie/ Psychotherapie Neuropsychologie Pharmakotherapie

8 Neuropsychologie - Läsionsmethodik Damasio H, Grabowski T, Frank R, Galaburda AM, Damasio AR. (1994). The return of Phineas Gage: clues about the brain from the skull of a famous patient. Science, 264(5162):

9 Lobotomie/Leukotomie Methode zur Behandlung von Patienten mit psychischen Störungen (bis 70er Jahre des 20. J.) entwickelt 1935 in Portugal von Egas Moniz (Neurochirurg) erhielt hierfür 1949 den Nobel Preis für Physiologie/Medizin

10 Gedächtnisstörungen

11 Registrierung der elektrischen Aktivität des Gehirns

12 Magnetresonanztomographie (MRI)

13 Bildgebende Verfahren liefern Hinweise auf die Strukturen

14 funktionelle Magnetresonanztomographie (fmrt)

15 Hirnaktivierung bei verschiedenen Gesichtsemotionen Philipps et al., 1999

16 Lokalisation von Funktionen mittels Positronen-Emissions-Tomographie

17 Virtuelle Läsionen durch Transkranielle Magnetstimulation

18 Struktur-Funktions- Zusammenhänge

19 Anatomisches Verständnis Leonardo da Vinci ( )

20 René Descartes ( ) Dualismus

21 Struktur Funktion: Phrenologie Joseph Gall ( ) 37 getrennte Organe, verantwortlich für Begabung/Persönlichkeit Organe sind veränderbar ( therapierbar ) phrenological analysis

22 Methoden der Phrenologen Caesar Rasputin

23 Hirnkarten (Kleist, 1934)

24 Struktur-Funktions-Zusammenhänge

25 Funktionelle neuronale Systeme (Luria, 1970)

26 Neuronale Netzwerke Medoff, D.R. & McIntosh, A.R. (2000). Neural Networks: Neural Systems I. Am J Psychiatry, 157: 877

27 Problematische Übertragung neurowissenschaftlicher Erkenntnisse auf die Psychotherapie Solms, 1999, Forum der Psychoanalyse

28 Problematische Übertragung neurowissenschaftlicher Erkenntnisse auf die Psychotherapie Sitz des von Freud beschriebenen Systems Bewusstsein und des sekundärprozesshaften Denkens Sitz des Unbewussten und daher des primärprozesshaften Denkens

29 Beispiele von Forschungsgebiete und -themen

30 Plastizität und Lernen das Gehirn ist plastisch und reagiert auf Erfahrungen (Psychotherapie ist daher Somatotherapie) Dauer, Intensität und Zeitpunkt der Erfahrung/der Stimulation sind wichtig Psychotherapie stimuliert Lernen Psychotherapie ist daher eine theoriegeleitete Form der verbalen/averbalen Hirnstimulation psychologische und neuronale Prinzipien und Mechanismen dieser Stimulation müssen verstanden werden

31 Allgemeine Formen der Hirnstimulation

32 Das Gehirn hat eine große Plastizität!

33 Mit bildgebenden Verfahren können Veränderungen im Gehirn aufgezeigt werden! Paquette et al., 2003, Neuroimage

34 Fragen an die Psychotherapie Welche empirischen Belege sprechen für den unterschiedlichen Umfang von Psychotherapien? Dauer von Psychotherapien insg.? Verhaltenstherapie: KZT = 25 TE, LZT = 45 TE Analytische Psychotherapie: bis 160 TE Indikationsspezifische Dauer statt Gießkannenprinzip?

35 Hirnstimulation Anwendungsgebiete Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson, Tourette-Syndrom affektive Störungen

36 Neuro-Prothetik durch Gedankenlesen Andrew Schwarz, Carnegie Mellon, Pittsburg

37 Molekulare und Verhaltensgenetik

38 Fragen an die Psychotherapie Kombination von somatischen und psychologischen Methoden? Gentypisierung von Probanden in Verbindung mit spez. Therapieindikationen

39 Emotionsregulation Emotionsregulation beinhaltet Prozesse mit denen wir Emotionen (z.b. Ärger, Trauer, Aggression) verstärken, abschwächen oder aufrechthalten "refers to the processes by which individuals influence which emotion they have, when they have them, and how they experience and express these emotions." (Rottenberg & Gross, 2003)

40 Emotionsregulation z.b. Neubewertung z.b. Unterdrückung

41 Experimentelles Design zur Erforschung der Emotionsregulation Davidson et al., 2000, Science Richards & Gross, 2000, Journal of Personality and Social Psychology

42

43 Mood Repair Questionnaire (MRQ) Fragebogen zur Erfassung von Stimmungsregulationsstrategien (insg. 55 funktionale und dysfunktionale Strategien)

44 Perspektiven stärkere empirische Fundierung der Psychotherapie, inkl. Verwirklichung eines bio-psycho-sozialen Ansatzes Verschreibungsrecht für Psychotherapeuten Entwicklung einer schulenübergreifenden Psychotherapie mit stärkerer Verankerung in der wissenschaftlichen Psychologie Neue Medien und Psychotherapie: z.b. internetbasierte Psychotherapie

45 Zum Schluss: Ein Wort der Vorsicht!

46 Grenzen eines neurobiologischen Forschungszugangs Die kulturelle Evolution verläuft schneller als die biologische Evolution Die Neurobiologie erklärt nicht die menschlichen Unterschiede in Einstellungen, Werthaltungen, religiöser Orientierung usw. Die Hardware bestimmt nur teilweise, welche Software abgespielt wird bzw. werden kann (Fernseher-Metapher) Neurobiologische Studien geben keinen Hinweis darauf, wie Lern- oder Therapiebedingungen optimal gestaltet werden müssen

47 Rituale und Kulturen

48 Variabilität metabolischer Aktivitäten bei fmri-studien 6 Probanden beim Bearbeiten einer räumlichen Gedächtnisaufgabe Dobbs, 2005, Scientific American Mind

49 Hydrocephalus bei einem Patienten ohne funktionelle Einschränkungen Feuillet, Dufour & Pelletier, 2007, Lancet 44 Jahre alt Untersuchung wegen Schwäche im linken Bein postnataler Hydrocephalus im Shunt (6 Mo. nach Geburt) IQ= 75, Verbal-IQ=84, Handlungs-IQ=70 Verwaltungsmitarbeiter

50 Gefahr von Fehlschlüssen Paul Julius Möbius ( ) "Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes" (1900) verglich das Hirn von Frauen und Männern stellte Unterschied bei Gewicht, Form etc. fest Schlussfolgerung: "Die schiere körperliche Masse und Form dürfte für den Zustand von Seele und Geist verantwortlich sein." Fazit: Wichtige Gehirnteile des Weibes sind schlechter entwickelt.

51 Epidemiologisches zur Depression: Genetik oder Umwelt? Kessler & Walters, 1998, National Comorbidity Study

52 Danke für die Aufmerksamkeit

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