Mythos Family Office

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1 2010 Mythos Family Office AUSZUG AUS DER FAMILY OFFICE STUDIE 2010 Gerne stellen wir Ihnen bei Interesse die Gesamtstudie zur Verfügung. Kontakt: Simon Frey Projektleiter Complementa Investment-Controlling AG Beethovenstrasse 19 CH-8002 Zürich Tel.: Fax:

2 Vorwort Eine erste Studie über die Positionierung von Family Offices, ihre Charakteristika und ihr Dienstleistungsspektrum wurde von uns 2009 veröffentlicht. Die positive Resonanz auf die Untersuchung und die kooperative Mitarbeit der Family Offices haben uns bewogen, in diesem Jahr die vertrauensvolle Zusammenarbeit fortzuführen. Unsere Arbeit wurde in erheblichem Maße dadurch belohnt, dass sich die Zahl der mitwirkenden Family Offices gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelte. Vor dem Hintergrund der jüngsten Verwerfungen an den Kapitalmärkten und den erheblichen finanziellen Einbußen zahlreicher Marktteilnehmer richten wir unser Augenmerk 2010 darauf, welche Veränderungen die Finanzkrise bei Family Offices in den Bereichen Asset Management, Risikomanagement und Investment- Controlling hervorgerufen hat. Die Studie besitzt wieder primär explorativen Charakter. Wir können feststellen, dass Family Offices ihre gegenüber anderen institutionellen Anlegern größeren Anlagespielräume professionell nutzen, indem sie sehr heterogene Finanzinstrumente einsetzen und in diesen über eine hohe Expertise verfügen. Die Studie vermittelt eingangs einen Einblick in die Typologie der befragten Family Offices und ihrer Initiatoren und Kunden. Kernthemen bilden dann die Philosophie ihrer Asset Allocation, die Gestaltung ihres Investment Controllings und der Umfang ihrer Risikoabsicherung. Herausgearbeitet wird außerdem insbesondere, wie und warum Family Offices im Private-Equity-Sektor, in Hedgefonds und im Bereich Tangible Assets investieren. Wir sind uns bewusst, dass sich unsere Analyse in einem sehr sensiblen und der breiten Öffentlichkeit üblicherweise verschlossenen Bereich des Finanzmarktes bewegt. Umso dankbarer sind wir den zahlreichen Family Offices für das uns entgegengebrachte Vertrauen. Die von uns sorgsam anonymisierten und aggregierten Daten und die Ausarbeitung der vorliegenden Studie liefern ihnen als kleines Entgelt für ihr Mitwirken hoffentlich interessante Erkenntnisse. Prof. Dr. Wolfgang Gerke Michael Brandenberger Peter Schwicht Präsident CEO Managing Director Bayerisches Finanz Zentrum Complementa Investment-Controlling AG J.P. Morgan Asset Management

3 Mythos Family Office 2010 Inhalt Vorwort 01 Management Summary 04 1 Diskrete Player am Finanzmarkt Family Offices erfolgreich in der Krise? Dienstleistungsspektrum und Typologisierung 11 2 Management von Vermögenswerten Asset Allocation und Risikobereitschaft von Vermögensinhabern Vermögenskonsolidierung, Investment-Controlling und Risikoabsicherung 22 3 Alternative Anlagen im Fokus Private Equity als Renditetreiber Hedgefonds als Diversifikationselement Tangible Assets als Investmentobjekte 43 4 Untersuchungsdesign und Teilnehmerstruktur 51 Autorenteam 54 Quellenangaben 58

4 Management Summary Die vorliegende Studie Mythos Family Office 2010 wurde gemeinsam vom Bayerischen Finanz Zentrum e. V., der Complementa Investment-Controlling AG und J.P. Morgan Asset Management (Schweiz und Deutschland) durchgeführt. Sie folgt mit ihrer explorativen Anlage der letztjährigen Studie Mythos Family Office und setzt vor dem Hintergrund der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise Themenschwerpunkte in den Bereichen Asset Management, Risikomanagement und Investment-Controlling. Ergänzend wird das Engagement von Family Offices in den Bereichen Private Equity, Hedgefonds und Tangible Assets behandelt. Grundlage der Studie bildet eine Befragung von insgesamt 64 Family Offices im Zeitraum Mai bis Juli Unter den Teilnehmern finden sich zu einem Drittel Single Family Offices und zu rund zwei Dritteln Multi Family Offices. Sie haben ihren Sitz vorwiegend in der Schweiz (42,2 Prozent) und in Deutschland (39,1 Prozent). Darüber hinaus haben einige weitere Family Offices aus anderen Ländern teilgenommen. Auch die Vermögensinhaber hinter den Family Offices kommen zumeist aus Deutschland und der Schweiz. Zudem stammen einige aus Nordund Südamerika, dem Nahen Osten, Asien oder Israel. Für die Auswertungen und Analysen unterscheiden wir neben dem Family Office-Typ auch nach der Größe, gemessen an den Assets under Management (AuM). Von den betreuten Vermögen im Untersuchungssample sind 10,9 Prozent kleiner als 300 Millionen Euro, 40,6 Prozent zwischen 300 Millionen und einer Milliarde Euro, 23,4 Prozent zwischen einer und drei Milliarden Euro und 9,4 Prozent über drei Milliarden Euro groß. Werden Größe und Family Office-Typ miteinander in Bezug gesetzt, verteilen sich Single- und Multi Family Offices auf alle Gruppen außer der Gruppe mit Assets under Management zwischen einer und drei Milliarden Euro relativ gleichmäßig. Hier dominieren die Multi Family Offices deutlich mit 80 Prozent. Family Offices verfügen über ein breites Dienstleistungsspektrum, dessen Kernbereiche die Vermögensverwaltung sowie Reporting und Investment- Controlling sind. Da sich mit der Finanzkrise für viele Anleger die Bedeutung von Sicherheit und Liquidität gegenüber den Renditezielen gesteigert hat, waren bei der vorliegenden Befragung Veränderungen von Risikobereitschaft, strategischer Asset Allocation und Anlageprozessen sowie Renditeerwartungen

5 05 von besonderem Interesse. Zudem wurde ermittelt, ob sich Vermögenskonsolidierung, Investment-Controlling und Risikomanagement nach der Krise als Instrumente bei Family Offices stärker etablieren konnten. Es lässt sich festhalten, dass der Großteil der teilnehmenden Family Offices über eine strategische Asset Allocation verfügt, was sich bei der Vorgängerstudie noch nicht zeigte. Eine bereits etablierte Asset Allocation wurde von mehr als der Hälfte der Family Offices auch im Zuge der Krise nicht verändert. Dabei ist die effektive Asset Allocation der Family Offices individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die langfristigen Renditeerwartungen für die Gesamtvermögen liegen bei den Family Offices zwischen 5 und 10 Prozent. Die beiden wichtigsten Kriterien bei der Vermögensanlage bilden der Kapitalerhalt und die Vermeidung von Klumpenrisiken. hedgen Markt- und Zinsrisiken. Bei der Allokation in Liquidität wird jedoch durchaus Wert auf die Absicherung des Kontrahentenrisikos gelegt. Die befragten Family Offices sind insgesamt vergleichsweise sicher durch die Finanzkrise gesteuert: So gaben 80 Prozent der Befragten an, dass sie in den letzten zwei Jahren keine Anlagen aufgrund eines akuten Liquiditätsbedarfs veräußern mussten. Family Offices haben in den letzten Jahren zunehmend auf alternative Anlageklassen wie Private Equity, Hedgefonds oder exotischere Investments wie Kunst gesetzt. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise standen diese illiquideren Anlageklassen allerdings besonders auf dem Prüfstand und es stellte sich die Frage, ob sich das Interesse der Family Offices an diesen Produktbereichen tendenziell verringert hat, gleich geblieben ist oder gar vergrößert hat. Mit 52 von 64 nutzen knapp über 80 Prozent der befragten Family Offices heutzutage eine umfassende Vermögenskonsolidierung mit Performance Reporting, Investment-Controlling sowie Absicherung möglicher Risiken. Der Wunsch nach Übersicht und Transparenz mag eine Folge der Finanzkrise sein, in der nach eigenen Angaben einige Family Offices aufgrund mangelnder Transparenz Risiken nicht oder zu spät erkannten. Allerdings verfügt nur rund ein Viertel aller Teilnehmer über ein umfassendes Performance-Reporting über alle Vermögenswerte hinweg Gründe hierfür könnten die Komplexität der Vermögensstruktur und die dieser nicht immer gewachsene IT-Infrastruktur sein. Die Absicherung der Risiken erfolgt bei Family Offices selektiv: Nur rund die Hälfte der Befragten sichert beispielsweise Währungsrisiken ab, noch weniger Private Equity stellt für Family Offices eine wichtige Anlageklasse dar. Aufgrund der hohen Renditeerwartungen von 10 bis 20 Prozent haben die Befragungsteilnehmer rund 8 Prozent des verwalteten Vermögens in diese Anlageklasse allokiert. 28 Prozent gaben an, ihre Private Equity-Allocation über die nächsten zwölf Monate erhöhen zu wollen. Dabei werden Direkt- und Co-Investitionen präferiert, aber auch indirekte Anlageformen wie Limited Partnerships haben eine hohe Bedeutung. Die Investitionen erfolgen bevorzugt bei Private Equity-Gesellschaften, die die Renditeerwartungen in der Vergangenheit erfüllt haben. Beliebteste Strategien bei Private Equity-Anlagen sind themenbezogene Anlagen oder Opportunity Driven-Strategien. Für die Zukunft erwartet rund die Hälfte der Teilnehmer eine weiter steigende Bedeutung von Private Equity. >>

6 Management Summary >> Bei allen institutionellen Anlegern ist der Trend zu nicht traditionellen Assetklassen weiterhin ungebrochen. Insbesondere Hedgefonds haben sich in der Allokation alternativer Anlageformen etabliert, nicht zuletzt da sie eine große Vielfalt möglicher Anlagegegenstände und -strategien umfassen können. Der durchschnittliche Anteil beträgt bei allen untersuchten Family Offices 7 Prozent des verwalteten Vermögens, bei den bereits Investierten liegt die Quote sogar bei durchschnittlich 14,9 Prozent. Insgesamt berücksichtigen rund 80 Prozent der befragten Family Offices Hedgefonds in der Allokation. Entgegen der landläufigen Meinung stellen nicht etwa Spekulationsabsichten, sondern vielmehr Diversifikationsgedanken die wichtigste Motivation für Hedgefonds- Anlagen von Family Offices dar. Renditeerwartungen sind demgegenüber weniger relevant. Liquide Anlagevehikel im Rahmen von SICAV/UCITS setzen sich zunehmend durch, wobei Reputation, Risikomanagement und Transparenz die wichtigsten Auswahlkriterien von Managern sind. Favorisiert werden Singleund Multi Strategy-Hedgefonds, Dach-Hedgefonds konnten sich bisher weniger durchsetzen. Die teilnehmenden Family Offices bekundeten auch für die Zukunft ein großes Interesse an Hedgefonds. Im Rahmen der vorliegenden Studie werden unter Tangible Assets solche Anlagen verstanden, die typischerweise nicht in der Asset Allocation eines institutionellen Investors zu finden sind. Im Unterschied zu anderen professionellen Anlegern wie Pensionskassen oder Versicherungen investieren Family Offices nämlich nicht nur in den traditionellen, sondern auch in exotischere Anlageklassen wie Luxus-Liegenschaften, Yachten, Pferde, Kunstgegenstände oder Sammlungen, die von Autos über Wein bis hin zu Uhren reichen können. Von den 64 Family Offices, die sich an der Befragung beteiligt haben, investieren zwei Drittel in Tangible Assets. Die durchschnittliche Gewichtung in der gesamten Asset Allocation beträgt dabei 3,7 Prozent, wobei die Bandbreite hier bis zu 30 Prozent reicht. Bei Betrachtung nach Ländern zeigt sich, dass Schweizer Family Offices mit einer Allokation von 1,9 Prozent zurückhaltender sind als Family Offices in Deutschland mit 4,5 Prozent. Als wichtigster Grund für Investitionen in Tangible Assets gilt die Diversifikation des Vermögens, gefolgt von der persönlichen Vorliebe oder Leidenschaft des Vermögensinhabers. Aspekte wie Rendite oder Risiko sind nur von untergeordneter Bedeutung. Insbesondere Kunst wird primär aus Leidenschaft und Tradition gesammelt und weniger aus Renditeüberlegungen, wobei gerade Kunst mit 55 Prozent vor Ferienliegenschaften mit 41 Prozent sowie Wald und Farmland mit 36 Prozent genannt wurde. Etwas weniger hoch im Kurs stehen Anlagen in Luxusautos, Weine oder Uhren mit 31 Prozent sowie Yachten mit 24 Prozent. Aus Diversifikationsgründen stellen Tangible Assets eine interessante Beimischung zu traditionellen wie auch alternativen Portfolios dar. Tangible Assets sind mit den anderen Anlageklassen schwach oder sogar negativ korreliert und können sich in Krisensituationen deswegen oft als vorteilhaft erweisen. Die Diversifikation durch Tangible Assets wirkt also gerade dann verlustbegrenzend, wenn eine Verlustminimierung am dringendsten benötigt wird.

7 Das Autorenteam Das Bayerische Finanz Zentrum (BFZ) e. V. widmet sich als unabhängige und neutrale Plattform des Clusters Finanzdienstleistungen in Bayern über vielfältige Aktivitäten dem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis in relevanten Themen der Finanzwirtschaft. Prof. Dr. rer. pol. Wolfgang Gerke ist Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums sowie Honorarprofessor an der European Business School EBS. Seine Forschungs- und Veröffentlichungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten des Geld-, Bank- und Börsenwesens, der Altersvorsorge und der Mittelstandsforschung. Er ist Mitglied der Börsensachverständigenkommission und des Börsenrates der Frankfurter Börse. Dr. rer. pol. Felix Breuer ist Geschäftsführer des Bayerischen Finanz Zentrums und Manager des Clusters Finanzdienstleistungen in Bayern. Er ist Diplom-Wirtschaftsingenieur (Universität Karlsruhe, TH) und hat in den Schwerpunkten Börsenmärkte und Anlageverhalten promoviert (Universität Erlangen-Nürnberg). Bayerisches Finanz Zentrum (BFZ) e. V. Von-der-Tann-Straße München Telefon: +49 (0) Fax: +49 (0)

8 55 Die Complementa Investment-Controlling AG ist ein seit mehr als 25 Jahren bestehendes unabhängiges Schweizer Unternehmen in Familienbesitz, das große institutionelle und private Investoren bei der Führung ihrer Vermögen unterstützt, sodass die Interessen der Investoren konsequent gewahrt bleiben. Das 1984 in St. Gallen gegründete Unternehmen mit Niederlassungen in Zürich, München und Vaduz offeriert für institutionelle und private Investoren im In- und Ausland Dienstleistungen im Bereich Performance-Reporting, Investment-Controlling und -Consulting und hat derzeit 150 Mitarbeiter. Complementa war der erste unabhängige Performance-Measurer in der Schweiz. Vermögende Privatkunden und Family Offices in rund zehn Ländern zählen unter anderem zu den Kunden von Complementa. Dr. rer. pol. Sibylle Peter ist Mitglied der Geschäftsleitung der Complementa Investment-Controlling AG. Sie ist verantwortlich für Marketing, Vertrieb und Client Relationship Management. Zusätzlich betreut sie vermögende Privatkunden und Family Offices bei Mandaten und Projekten in den Bereichen Vermögenskonsolidierung und Performance-Measurement, Investment-Controlling sowie der Entwicklung von Anlagestrategien. Complementa Investment-Controlling AG Stampfenbachstr Zürich Telefon: +41 (0) Fax: +41 (0)

9 J.P. Morgan Asset Management ist Teil des globalen Finanzdienstleistungskonzerns J.P. Morgan Chase & Co. und gehört zu den weltweit führenden Investmentgesellschaften. Im Auftrag institutioneller und privater Kunden verwaltet J.P. Morgan Asset Management weltweit ein Vermögen von rund 1,21 Billionen US-Dollar (Stand: ). Mit 41 Niederlassungen weltweit verbindet J.P. Morgan Asset Management ein globales Angebot und eine breite Expertise in allen relevanten Anlageklassen mit einer starken lokalen Präsenz. Markus Anliker ist verantwortlich für das institutionelle Geschäft in der Schweiz und verfügt über langjährige Erfahrung im Asset Management. Er hat einen Abschluss der FH Zürich und hält ein CEFA. J.P. Morgan (Suisse) SA Dreikönigstrasse Zürich Telefon: +41 (0) Fax: +41 (0) Oliver Schäfer ist bei J.P. Morgan Asset Management insbesondere verantwortlich für die Betreuung von Privatbanken, unabhängigen Vermögensverwaltern und Multi Family Offices in Deutschland. Seit dem Abschluss in Betriebswirtschaft an der University of Applied Sciences/FH in Frankfurt am Main ist er seit vielen Jahren in der Vermögensverwaltung tätig. JPMorgan Asset Management (Europe) S.à r.l., Frankfurt Branch Junghofstraße Frankfurt am Main Telefon: +49 (0) Fax: +49 (0)

10 57 Das Autorenteam wurde bei der Umsetzung von folgenden Mitarbeitern der Partner tatkräftig unterstützt: Annabelle Düchting, PR und Marketing Manager, J.P. Morgan Asset Management Katerina Malina, Vice President Sales, Complementa Investment-Controlling AG Jean Guido Servais, Head of Marketing und PR Deutschland, Österreich und Schweiz, J.P. Morgan Asset Management

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