Unverkäufliche Leseprobe des St. Benno-Verlages

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1 Unverkäufliche Leseprobe des St. Benno-Verlages Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung von Text und Bildern, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen. St. Benno-Verlag GmbH, Leipzig 2008

2 HERMANN MULTHAUPT VARUS Von Herodes in die Schlacht im Teutoburger Wald HSTORSCHER ROMAN

3 i Bibliografische nformation der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im nternet über abrufbar. Prolog Besuchen Sie uns im nternet unter: SBN St. Benno-Verlag GmbH Stammerstr. 11, Leipzig Umschlaggestaltung: Ulrike Vetter, Leipzig, unter Verwendung von Thomas Ernsting/Agentur Bilderberg Gesamtherstellung: Kontext, Lemsel (A) i

4 Feldpost Cara Julia,. ich schicke Dir diesen Gruß in der Hoffnung, dass es die Götter gut mit Dir meinen und Du mit den Kindern wohlauf bist. ch freue mich, nun bald wieder im Winterlager Castra Vetera zu sein und von den Strapazen der letzten Monate ausruhen zu dürfen. Unsere Soldaten sind ziemlich erschöpft von den immer wieder aufflackernden Aufständen der Germanen gegen unsere römische Ordnung, und vor allem die Cherusker machten uns in den letzten Wochen sehr zu schaffen. Wir kommen seit unserem Aufbruch vor einer Woche in Hedemünden an der Werra nur schlecht vorwärts, weil wir immer wieder in Scharmützel verstrickt werden. Keine großen Angriffe, aber kleine Attacken aus dem Hinterhalt, die uns meist in unwegsamem Gelände treffen, wo das Land moorig und sumpfig oder dicht bewaldet ist. Frag mich nicht, wo wir uns genau befinden, ich wüsste es Dir nicht zu sagen. ch halte mich an ein Wort Caesars, der nicht wusste, wo er über König Ariovist und die Sueben im Bellum Gallicum gesiegt, doch gesagt hat, es komme nicht darauf an, wo eine Schlacht geschlagen, sondern dass der Krieg gewonnen werde. Wir haben die Weser Visurgis überschritten und hoffen, in diesen Tagen in Aliso eine mehrtätige Rast einlegen zu können, denn der Tross kommt nur schlecht voran. Unsere drei Legionen, die XV., XV. und XX. mit ihren Wurfmaschinen und Katapulten, mit den Belagerungstürmen und Marketenderwagen zu bewegen, ist keine Kleinigkeit, und ich bewundere Publius Quinctilius Varus ob seiner strategischen Vorgehensweise. Manche halten ihn für einen zur Behäbigkeit neigenden Mann, der, der vielen Kämpfe vielleicht müde und überdrüssig, ein Leben auf einem Landgut in Umbrien der rauen Wirklichkeit Germaniens vorziehen würde, doch ich lasse nichts auf ihn kommen. Gewiss, ein Gerücht bereitet mir etwas Sorge. Seit Tagen mahnt ein gewisser Cheruskerführer Segestes Varus vor einer Verschwörung des Arminius. Sein Schwiegersohn ziehe aus allen Landesteilen germanische Krieger und aufständische Freiwillige zusammen, das unsrige Heer in einen Hinterhalt zu locken. Doch solche Warnungen haben wir schon häufig gehört. Überall in Germanien haben sich die Stämme gegen unser römisches Recht und erst recht gegen das Steuerrecht zur Wehr gesetzt und lokale Aufstände angezettelt, die wir gezielt niederwerfen konnten. ch kann mir auch jetzt nicht vorstellen, dass unsere bestgeschulten Söldner mit langjähriger Kriegserfahrung einem noch so gewieften Cherusker auf den Leim gehen werden. Zudem ist Arminius ein in unseren Diensten stehender und verdienter Mann, der von Rom sogar in den Ritterstand erhoben worden ist. Er hat seine Loyalität gegenüber unserem Staat des Öfteren bewiesen und wird seinen Treueid gegenüber dem Kaiser nicht brechen. Dennoch zwingt uns die Warnung des Segestes zur Vorsicht. 6 7

5 Die Nachricht über einen vermeintlichen kleinen regionalen Aufstand hat Varus immerhin bewogen, nicht über die Hauptverkehrsstraße ins Winterquartier zu marschieren, sondern zweigeteilt einen kleinen Umweg durch ein uns weitgehend unbekanntes Gebiet zu nehmen. Zu dem unübersichtlichen Gelände mit engen Schluchten, Sümpfen und zerklüfteten Waldgebieten kommt das schlechte Wetter, das den Herbst ankündigt und unseren Rückmarsch unnötig verzögert. Als Centurio der Legio XV. Augusta bin ich mit für die Sicherung unserer Vorhut verantwortlich. ch werde also mit einer Kohorte Hilfstruppen einige Meilen vorausreiten, um die Lage zu erkunden, dann einen Bogen schlagen und zu den Legionen zurückkehren. Da ich nicht weiß, wie viele Tage sich unsere Ankunft in Casta Vetera verzögert, schreibe ich Dir jetzt diesen Gruß, weil noch heute Abend eine Botenstaffel an den Rhein abgeht, die die Post nach Colonia agrippina und von dort weiter Richtung Rom befördert. Gott Mars sei uns gewogen. Bleib gesund, Julia, die Penaten mögen Dich schützen. ch umarme Dich in Liebe und Verehrung. Vale, carissime Kenotaph wurde in der frühen Neuzeit in der Nähe von Castra Vetera entdeckt. Der Grabstein zeigt das Bildnis des Toten in voller Uniform mit allen militärischen Auszeichnungen, mit der ordensartigen Phalerae auf dem Brustpanzer, Armreifen und auf dem Kopf die corona civica die Bürgerkrone. n der Hand hält er einen Stock, was auf sein Recht, Untergebene zu züchtigen, verweist. Flankiert wird Marcus Caelius von seinen beiden freigelassenen Sklaven, Marcus Caelius Privatus und Marcus Caelius Thiaminus, die wahrscheinlich ebenfalls in der Schlacht den Tod fanden. Marcus Caelius. * Die Feldpost hat Rom nie erreicht. Marcus Caelius fiel wenige Tage später im September 9 n. Chr. im Kampf des Arminius gegen Varus. Sein als Caeliusstein bekanntes 8 9

6 i. i m heiligen Land n dem Jahr, in dem Publius Quinctilius Varus von Kaiser Augustus zum Legaten in Syrien ernannt wurde, machte sich ein junges Mädchen von Nazareth aus auf den Weg in eine Stadt im Bergland von Judäa. Es war Frühling, die Luft mild, der Himmel veilchenblau, nur im Westen standen ein paar Wolken am Horizont. Der Weg führte durch fruchtbare Täler, in denen die Feldarbeiten im Gange waren, so durch das Tal Esdrelon, sowie über Höhen, auf denen das frische Gras Schafe und Ziegen zu einem Festmahl lud. Die Hirten winkten dem Mädchen zu, das nur ein leichtes Bündel auf der Schulter trug. Es hatte sich gegen die schon kraftvolle Sonne mit einem Schleier geschützt, unter dem an der Stirn eine dunkle Haarlocke hervorquoll, und es trug ein langes leinenes Kleid mit einem Gürtel um die Hüfte, an dem ein kleiner Beutel hing. Die Regenzeit war zwar noch nicht ganz vorbei, und manchmal musste sich das Mädchen unter einen Felsvorsprung oder unter eine Terpentinpistazie flüchten, um von den plötzlichen Schauern nicht durchnässt zu werden, doch ebenso schnell, wie der Regen gekommen war, verzog er sich auch wieder, und die Sonne zeigte alsbald wieder ihr strahlendes Gesicht. Das Mädchen war schlank und geschmeidig, sein Gang wiegend, sein Schritt fest. Es kam gut voran, und die endlosen Meilen, die vor ihm lagen, schienen es nicht zu entmutigen. Viermal musste es unterwegs übernachten, zwei- 11

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