Klimaschutz wird konkret Das Konzept der Bundesregierung

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1 Klimaschutz wird konkret Das Konzept der Bundesregierung Josef Göppel MdB Wofür wird die Energie verbraucht? 35% Wärme Primärenergieverbrauch in Deutschland 2006: Petajoule oder 4018 TWh 25% Kraftstoffe 1600 TWh 40% zur Stromherstellung

2 Wofür wird die Energie verbraucht? Gesamt: 4000 TWh 35% Wärme 1400 TWh 40% zur Stromherstellung: 40% davon nutzbarer Strom 600 TWh 25% Kraftstoffe 1000 TWh 60% davon Abwärme =1000 TWh Primärenergie 100% Vom Erzeuger zum Endnutzer Verlust Kohlekraftwerk 60% Verlust Übertragung 10% Einsparungen beim Endverbraucher bringen 3 x so viel Primärenergieeinsparung! Nutzenergie 30 % an der Steckdose Kohle Kessel Turbine Generator Trafo 3x Trafo Steckdose Herd Quelle:

3 Bei der Stromerzeugung müssen wir weg von den zentralen Großkraftwerken, weil mit ihnen die Abwärme nicht ausreichend nutzbar ist. Josef Göppel im Deutschen Bundestag am Blockheizkraftwerk Kosten und Chancen des Klimaschutzes Studie des Umweltbundesamts: Klimapaket der Bundesregierung führt zu Gesamtinvestitionen von 31 Mrd. Euro und spart langfristig Kohle, Öl und Gas im Wert von 36 Mrd. Euro: Gewinn 5 Mrd. Euro! Besonders Energieeinsparungen im Gebäudebereich rechnen sich volkswirtschaftlich Klimaschutz schafft Arbeitsplätze vor Ort : im Elektrohandwerk im Heizungsbau im Bauhandwerk im Zimmermannshandwerk

4 Entwicklung des Ölpreises Der Ölpreis ist innerhalb von 3 Jahren von 60 auf knapp 100 US-Dollar je Barrel gestiegen! Dynamik der technischen Entwicklung Je mehr Öl wir brauchen, desto teurer wird es! Je mehr erneuerbare Energien wir Kosten nutzen, je kwh desto billiger werden sie! Sonnenstrom: : -60% Prognose 2020: unter Haushaltsstrompreis

5 USA steuern um 80% weniger Treibhausgase bis 2050 massiver Ausbau erneuerbarer Energien Förderung von Gebäudedämmung und sparsamen Elektrogeräten Durchschnittlicher PKW-Verbrauch 2030: 4,3 Liter Streichung der Steuererleichterungen für die Ölindustrie Hillary Clinton Präsidentschaftskandidatin Deutsches Energie- und Klimapaket 1. Energieeinsparverordnung: Niedrigerer Energieverbrauch in Häusern: Strengere Standards und Förderprogramm 2. Regeneratives Wärmegesetz: Mehr erneuerbare Energie in Gebäuden 3. KWK-Novelle 2007: Verstärkte Nutzung der Abwärme, Förderung der Wärmenetze 4. EEG-Novelle 2007: Ausbau der erneuerbaren Energien 5. Biokraftstoffe: Höhere Pflichtbeimischung: 20% bis Strengere Effizienzstandards bei Elektrogeräten, Kennzeichnung sparsamer Geräte

6 Energieeinsparverordnung Ziel: 2020 Neubauten unabhängig von fossilen Energieträgern Verschärfung der Anforderungen 2009 um 30% auf 70 kwh/m um weitere 30% auf 40 kwh/m2 Bessere Kontrolle, ob Vorgaben erfüllt Stilllegung von Nachtspeicherheizungen ab Förderung über Gebäudesanierungsprogramm Energieausweis Nachweispflicht gegenüber Mietern oder Käufern: o ab für bis 1965 errichtete Wohngebäude o ab für später errichtete Wohngebäude o ab für Nichtwohngebäude. Für neue Gebäude mit weniger als 5 Wohneinheiten und Gebäude, die vor 1978 gebaut wurden, bei Verkauf oder Vermietung bedarfsorientierter Energieausweis Bei Gebäuden mit mehr als 5 Wohneinheiten: Berechnung auf Basis des tatsächlichen Energieverbrauchs der letzten Jahre möglich Übergangsregelung: Bis 30. September 2008 für alle Gebäude Wahlfreiheit Energieausweise sind 10 Jahre gültig

7 Neues Wärmegesetz Ziel: 14% Erneuerbare Wärme bis 2020 (heute: 6%) Bei Neubau oder grundlegender Sanierung Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien (Entwurf): Sonnenkollektoren: 0,04 m 2 je m 2 Nutzfläche oder mehr als 50% des Wärmebedarfs aus fester Biomasse und Erdwärme oder Anschluss an ein Wärmenetz oder durch mind. 50%ige Beimischung von Pflanzenöl oder Biogas oder mind. 15% Unterschreitung des geltenden EnEV- Niveaus Gesamtinvestition im Marktanreizprogramm förderfähig Energieeinsparung bei Gebäuden: Jährlich 1 Mrd. Euro 1 Mio. Tonnen CO2-Einsparung Zinsgünstige Kredite oder direkte Investitionszuschüsse zur Einsparung von Heizenergie Beispiele: Wärmedämmung an Dach, Außenwand und Kellerdecke, energiesparende Fenster Gebäudesanierungsprogramm

8 Künftiges Marktanreizprogramm Einsatz erneuerbarer Energien in Gebäuden: Erhöhung des Gesamtbudgets von 213 auf 350 Mio. Euro jährlich verstetigte Förderung Ausweitung auf neue Technologien: Solarthermische Kühlung besonders effiziente Wärmepumpen kombinierte Anlagen (z.b. Biogas und Geothermie) Pilotprojekte zur Stromspeicherung Klein-Blockheizkraftwerke Förderung von Nahwärmenetzen Das Prinzip des Energie-Contracting Ein Unternehmen finanziert die Investition. Es garantiert bestimmte Einsparungen. Einsparinvestition Der Kunde refinanziert mit den eingesparten Energiekosten die Investition. Den Vertragsabschluss darüber nennt man Contracting. Garantierte Einsparungen Jährliche Energiekosten vor der Einsparinvestition Verminderte Energiekosten

9 Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz Überarbeitung bis Dezember 2007 Weiterhin feste Vergütungssätze für eingespeisten Strom Laufzeit: 2007 bis 2013 (Inbetriebnahme der Anlagen) Jährlich 500 Mio. Euro für Anlagenerneuerung, Blockheizkraftwerke und Kleinstanlagen für Wohnhäuser 150 Mio. Euro jährlich für den Bau von Wärmenetzen mit 20% Investitionszuschuss Erneuerbare-Energien-Gesetz Ziel 2020: 25-30% der Stromproduktion Biogas: Stärkung hofintegrierter Anlagen, Vergärung von Gülle, breiterer Eingangsstoffmix, Nutzung der Abwärme Windkraft: Ersatz von Altanlagen und höhere Vergütung für Meeres-Windparks Sonne: Schnellere Senkung der Vergütung Geothermie: höhere Vergütung, Förderung Netzausbau Wasser: günstigere Bedingungen für Kleinanlagen

10 Zusammensetzung des Strompreises Durchschnittlicher Strompreis für Haushaltskunden 2006: 19,4 ct/kwh 1,8 2 Konzessionsabgabe 0,3 0,7 Stromsteuer Kraft-Wärme-Kopplung Erneuerbare Energien 11,8 2,7 Umsatzsteuer Stromerzeugung, - transport und - vertrieb Jeder Haushalt fördert erneuerbaren Strom mit 2,20 Euro im Monat. Entwicklung der EEG-Kosten Ausbau erneuerbarer Energien kostet den durchschnittlichen Haushalt nie mehr als 2,70 Euro im Monat! Quelle: BMU

11 EEG-Entwurf: Photovoltaik Anlage an oder auf einem Gebäude bis 30 kwp kwp ab 101 kwp Ab 1 MW Freiland anlagen Vergütungssatz 2009 in ct/kwh 42,48 40,36 39,9 34,48 32,0 Degression für Neuanlagen 7% ab 2009; 8% ab 2011 Fassadenzuschlag in ct/kwh Anlagengröße Vergütungssatz 2009 in ct/kwh Degression für Neuanlagen NaWaRo-Bonus (für Alt- und Neuanlagen) KWK-Bonus Technologiebonus Güllebonus (für Altund Neuanlagen) EEG-Entwurf: Biomasse bis 150 kw 11,67 (Altanlage: +1ct) kw 9,18 1% pro Jahr kw 5 MW 8,25 4* 2,5* MW 20 MW 7, *4ct auch für Holz aus Kurzumtriebsplantagen und Landschaftspflege; übrige Holzverbrennung: 2,5ct

12 EEG-Entwurf: Wasserkraft Anlage Vergütungssatz 2009 in ct/kwh Degression bis 500 kw 12,67 bis 2 MW 8,65 keine Bis 5 MW 7,65 Anlage über 5 MW Vergütung nur für Leistungserhöhung! bis 500 kw bis 10 MW bis 20 MW bis 50 MW ab 50 MW Vergütungssatz 2009 in ct/kwh 6,79 5,87 5,4 3,99 3,2 Degression für Neuanlagen 1% pro Jahr Energieeffiziente Elektrogeräte Anreize zum Kauf von hocheffizienten Produkten: Verbraucherberatung und Kaufanreize für besonders effiziente Elektrogeräte (ab 2008 jährlich 25 Mio. ) Ökodesign-Richtlinie: Mindeststandard für alle Elektrogeräte; Richtet sich nach den geringsten Lebenszykluskosten, also Kaufpreis und Stromkosten Ende 2008: Mindeststandard für neue Straßenbeleuchtung Energieverbrauchskennzeichnung: Aktualisierung und Ausweitung; Kunde soll schnell das sparsamste Gerät erkennen können

13 Energieeffizienz im Mittelstand Energieeffizienz in kleinen und mittleren Unternehmen: Fortbildungen für Handwerker Energieberatung für mittelständische Unternehmen Regionale Effizienz-Netzwerke Förderung von Pilotprojekten in der Produktion Durchführung gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden Staatliche Förderung ab 2008: 50 Mio. jährlich Flugzeugabgase - stark steigend und dreimal so gefährlich! Emissionshandel ab 2011 alle Flugzeuge, die in der EU landen Ausgangsbasis 95% der heutigen Emissionen

14 Klimabilanz von Bioenergie Die klimagerechte Landnutzung entscheidet über den Beitrag von Energiepflanzen zum Klimaschutz: genaue Dosierung der Stickstoffdüngung zur Vermeidung von Lachgasemissionen Humusbilanz des Bodens: Fruchtwechsel und Zwischenfrüchte vermeiden Freisetzung von Kohlenstoff möglichst kurze Transportstrecken energiesparende Verarbeitung Klimagerechte Landnutzung Wald bindet 3,6 t CO2/ha/J Grünland bindet 2,5 t CO2/ha/J Zweikultur Kohlenstoffbilanz ausgeglichen Raps setzt 1,5 t CO2/ha/J frei Mais setzt 3,2 t CO2/ha/J frei Klimagerechte Landnutzung baut den Bodenhumus langfristig auf und entzieht dabei der Atmosphäre Kohlenstoff. Das bremst den Klimawandel in den entscheidenden nächsten Jahrzehnten.

15 Euro/ Tonne CO 2 Biotreibstoffe: CO 2 -Vermeidungskosten Rapsöl Biodiesel Bioethanol synthetischer Biokraftstoff 50 0 Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe CO 2 -Emissionen von Kraftstoffen g/l synthetischer Biokraftstoff Biodiesel 1500 Nachhaltigkeitskriterium * 575 * 702 * 861 * Rapsöl Bioethanol Benzin Diesel 0 *CO2-Freisetzung bei Anbau und Verbrennung Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe

16 Was kann ich selbst tun? Wärme + Solarthermie Wärmedämmung und moderne Heizung mit staatlicher Förderung bis zu 80% Heizenergie einsparen Heizen mit erneuerbaren Energien staatlicher Zuschuss Nicht überheizen: Jedes Grad spart 6% Heizkosten. In der kalten Jahreszeit Stoßlüften, nicht Fenster kippen. Heizung jährlich warten (Anlage entrußen, Heizkörper entlüften) Was kann ich selbst tun? Stromverbrauch Bei der Nutzung sparen:» Waschmaschine voll beladen» Kühlschrank in kühlem Raum aufstellen» bei gutem Wetter auf Wäschetrockner verzichten Elektrogeräte immer ganz ausschalten (kein Stand-by!); spart bis zu 115 /Jahr Energiesparlampen sparen über die Lebensdauer bis zu 80 Stromfresser Heizungspumpe austauschen; weniger Stromkosten pro Jahr

17 Was können Gemeinden tun? Energiesparpotenziale untersuchen lassen Energetische Sanierung kommunaler Gebäude Wärmeliefervertrag: Unternehmen investiert in Wärmedämmung und neue Heizung. Bezahlt wird die Wärme. Eingesparte Betriebskosten finanzieren Investition. Neubaugebiete: o Passivhausstandard o Baupflicht für erneuerbare Energien Blockheizkraftwerke mit Nahwärmeversorgung Klimaschutz als Kriterium bei Ausschreibungen Klimafreundliche Stadtplanung: o Raum für Fußgänger und Fahrräder o Wohnraum in den Ortskernen o öffentlicher Nahverkehr Kommunales Energiemanagement als Einstieg Kommunales Energiemanagement: Überprüfung der kommunalen Gebäude: Regelungstechnik bei Heizungen und Stromverbrauch Schulung der Gebäude- und Energieverantwortlichen Monatliche manuelle Ablesungen! Erfahrung: mindestens 10% weniger Energiekosten Ab 2008 jährlich 25 Mio. Förderung für Pilotprojekte in sozialen, kulturellen und kommunalen Einrichtungen Informationen: EBA-Zentrum Triesdorf (www.triesdorf.de/eba) Energieagentur Mittelfranken (www.eamfr.de)

18 Beispiel: Baugebiet Deglholz in Ascha (bei Straubing) Bonusprogramm: Nachlass von bis zu 5 Euro/m 2 beim Kauf gemeindeeigener Baugrundstücke unter folgenden Bedingungen: - Passive Sonnennutzung - Regenwassernutzung - Sonnenkollektoren -Nahwärmeanschluss - Niedrigenergiehaus - Naturnaher Garten - geringe Versiegelung -Wärmerückgewinnung - Wärmepumpe Nahwärmeversorgung durch ein 1,5 MW-Biomasse- Heizkraftwerk mit Hackschnitzeln aus der Region Was kann ich selbst tun? Lebensstil Kurze Strecken nach Möglichkeit zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren So oft es geht, öffentliche Verkehrsmittel nutzen Muss es ein Urlaub mit dem Flugzeug sein? Beim Autokauf auf den Verbrauch achten Sprit sparend fahren (Reifendruck, vorausschauend und niedertourig fahren)

19 Energieaufwand für Lebensmittel 6 kg CO2/kg 6 kg CO2/kg 0,20 kg CO2/kg 0,15 kg CO2/kg 5 kg CO2/kg Näheres unter Gewohnheiten ändern! Wie früher Fleisch nur in Maßen!

20 Vision 2020 Jedes Haus wird zu einem kleinen Kraftwerk im dezentralen Erzeugernetz. Gebiete unter 100 Einwohner pro km 2 versorgen sich aus der eigenen Fläche mit Strom und Wärme.

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