Zusammenfassung RWG I. Jahresabschluss / Grundlagen SB 4

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1 Zusammenfassung RWG I Jahresabschluss / Grundlagen SB 4

2 Inhaltsverzeichnis 1. Bilanz und Jahresabschluss Bilanz Jahresabschlussunterlagen 3 2. Adressaten d. Jahresabschlusses 3 3. Bilanztheorien und Bilanzarten Statische und dynamische Bilanztheorien Neue Bilanztheorien Bilanzarten Kurzübersicht Handels- und Steuerbilanz (direkte / indirekte Maßgeblichkeit) 5 4. Rechtliche Grundlagen HGB Formatdifferenzierung f. Kapital- und Personengesellschaften Übersicht über Rechtsformen 8 5. Bilanz und Jahresabschluss Gegenstand und Ermittlung Handelsrechtliche GoB einzelne GoB Grundsatz der Richtigkeit / Wahrheit Grundsatz d. Klarheit Grundsatz d. Rechtzeitigkeit Grundsatz d. Vollständigkeit Grundsatz der Periodenabgrenzung Grundsatz der Vorsicht Aufstellung, Prüfung, Aufbewahrung und Offenlegung von Jahresabschlüssen11 Seite 2 von 12

3 1. Bilanz und Jahresabschluss 1.1 Bilanz - eine Bilanz ist eine Gegenüberstellung der Vermögenswerte und der Kapitalarten - es erfolgt eine Gliederung nach bestimmten Kriterien - Aktivseite: Mittelverwendung - Passivseite: Mittelherkunft 1.2. Jahresabschlussunterlagen - GuV - Anhang - Lagebericht Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften besteht der Jahresabschluß aus Bilanz und GuV Kapitalgesellschaften müssen nach 264 den Jahresabschluß um Anhang und Lagebericht erweitern (erweiterter Jahresabschluß) Teile d. Jahresabschluß Bilanz GuV Bilanz GuV Anhang Lagebericht alle Kaufleute Kapitalgesellschaften + eg HGB 242 ff 264 ff, 336 f 275 ff, 336 f 284 ff, 313 f, , 315, GuV: Wertentstehungen und - Verzehr Erfolg d. Unternehmen - Anhang, Lagebericht: - Informationen f. Nichtkaufleute / Nicht-Bilanzfachleute (Gläubiger, Anteilseigner) zur Unterstützung der Urteilsbildung Schutz vor Verlust 2. Adressaten d. Jahresabschlusses - Management - Anteilseigner - Arbeitnehmer, allgemein - Arbeitnehmer, gewinnbeteiligt - Arbeitnehmer, um Arbeitsplatz besorgt - Gewerkschaften mit jeweils unterschiedlichen Zielen und - Fiskus Interessenlagen - Banken - Lieferanten - sonst. Gläubiger - potentielle Gläubiger - Kunden Seite 3 von 12

4 3. Bilanztheorien und Bilanzarten 3.1 Statische und dynamische Bilanztheorien Systematisierung nach Anzahl und Priorität der verfolgten Ziele: - monistisch - dualistisch Zielsetzung - multiple Systematisierung nach dem Faktor Zeit - statisch: - Zeitpunktbezogener Bestand an Vermögen und Schulden - Gesichtspunkt des Schuldendeckungspotentials - dynamisch: - Ermittlung und Erklärung des Erfolgs im Zeitablauf Bilanztheorien traditionelle monistische dualistische statische dynamische 3.2 Neue Bilanztheorien - erhebliche Erweiterung der Informationsfunktion - Zukunftsorientiert ermittelter Unternehmenswert ist zu erhalten - ökonomischer Gewinn als der Betrag, der von Anteilseignern entnommen werden darf, ohne den Unternehmenswert zu ändern 3.3 Bilanzarten Kurzübersicht A - U - F - S - G - L - Ü - K - Auseinandersetzungsbilanz Umwandlungsbilanz Fusionsbilanz Sanierungsbilanz Gründungsbilanz Liquiditätsbilanz Überschuldungsbilanz Konkursbilanz Wir unterscheiden auch nach verschiedenen Kriterien, wie z.b. Periodenlänge, Rechtsvorschriften, Adressaten usw. Seite 4 von 12

5 3.3.2 Handels- und Steuerbilanz (direkte / indirekte Maßgeblichkeit) Handelsbilanz (HB) - Vergangenheitsbezogene, regelmäßig zu erstellende Beständebilanz für externe Adressaten - Zwingend gesetzliche vorgeschriebenes Rechenschaftslegungsinstrument Steuerbilanz (StB) - Grundlage der Besteuerung - Wird unter Berücksichtigung Einkommensteuer-Vorschrift unter Ableitung aus der HB nur für Fiskus erstellt Maßgeblichkeitsprinzip: - Gewerbetreibende müssen bei der Erstellung der Steuerbilanz (StB) auf rechtsgültige HB zurückgreifen Generelle / direkte Maßgeblichkeit - Bilanzierungsvorschrift: - Maßgeblichkeit der HB für die StB - Handelsrechtliche Bilanzierungsgebote und Bilanzierungsverbote gelten auch für die StB - Handelsrechtliches Aktivierungswahlrecht steuerrechtlich Aktivierungsgebot für Vermögensgegenstände - Handelsrechtliches Bilanzierungswahlrecht steuerrechtlich Passivierungsverbot für Passiva - Fiskus möchte dadurch zu niedrige Erfolgsausweis verhindern (Bemessungsgrundlage für die Besteuerung) - Bewertung: (Höhe des Wertansatzes) - Steuerliche Bewertungsgebote Zwingende Einhaltung in d. StB - Steuerliche Bewertungswahlrechte handelsrechtliche Wertansätze maßgeblich Umgekehrte / indirekte Maßgeblichkeit: - Verwendung der steuerlich günstigeren Ansätze und Bewertungen in der HB - Rechtsgrundlage: 5 Abs. 1 Satz 2 EStG in Verbindung mit 247 Abs. 3, 254, 273, 279 Abs. 2, 280 Abs. 2, 281 Abs. 1 HGB Praktische Auswirkungen: - Einheitsbilanz für kleine Unternehmen - Berücksichtigung der steuerlichen Gebote und Möglichkeiten in der HB WAS ist in der Bilanz zu erfassen (Frage nach der Bilanzierung) handelsrechtliche GoB WIE werden die einzelnen Posten bewertet (Frage nach der Bewertung) - richtet sich primär nach steuerlichen Vorschriften - subsidiär (untergeordnet) nach GoB 4. Rechtliche Grundlagen 4.1 HGB - allgemeingültige Rechtsvorschriften HGB für alle Kaufleute - ergänzende Vorschriften für Kapitalgesellschaften HGB - Bilanzgliederung, Informations- und Publizitätspflichten und Prüfungsvorschriften richten sich nach Rechtsform und Größe des Unternehmens - Zusätzlich branchenspezifische Regelungen Seite 5 von 12

6 Erster Abschnitt Vorschriften für alle Kauleute Unterabschnitt: - Buchführung - Inventur Unterabschnitt: - Eröffnungsbilanz - Jahresabschluss Titel allg. Vorschrift Titel Ansatzvorschrift Titel Bewertungsvorschrift Zweiter Abschnitt Ergänzende Vorschriften f. Kapitalgesellschaften Unterabschnitt: - Jahresabschluss und Lagebericht 1. Unterabschnitt: - Konzernabschluss und Konzernlagebericht 1. Titel allg. Vorschrift Titel Bilanz Titel GuV Titel Bewertungsvorschrift Titel Anhang Titel Lagebericht 289 Kaufmannseigenschaften: Kaufleute HGB Unternehmen Entstehung Ist-Kaufmann 1 Abs. 2 - jeder Gewerbebetreibender - bei Aufnahme des - Unternehmen erfordert Gewerbes kaufm. Eingerichteten Geschäftsbetrieb - HR-Eintrag nicht erforderlich Kann-Kaufmann 2 und 105 Abs. 2 - Kleingewerbebetreibende - HR-Eintrag freiwillig Form-Kaufmann 6 Abs. 2 - Handeslgesellschaften (OHG, KG, KGaA, GmbH, eg) - nach erforderlicher vollzogener HR-Eintragung Seite 6 von 12

7 4.2 Formatdifferenzierung f. Kapital- und Personengesellschaften HGB - 3 Kriterien - Umsatzerlöse - Bilanzsumme - Arbeitnehmer-Zahl im Jahresdurchschnitt - Rechtsfolgen treten ein, wenn an zwei aufeinander folgenden Abschlusssticktagen mindestens zwei der drei Kriterien erfüllt sind Differenzierung: Größenklassen ( 267 HGB) Kapitalgesellschaften Größenkriterien Klein Mittel Groß Bilanzsumme (Mio. ) < 3,4375 > 3,4375 > 13,75 Abzüglich Akt. Angewiesenem Fehlbetrag < 13,75 Umsatzerlöse (Mio. ) < 6,875 > 6,875 > 27,5 In d. 12 Monat vor Stichtag (= doppelte Bilanzsummenobergrenze) < 27,5 Zahl der AN im In- und Ausland < 50 > 50 > 250 ( / / / 31.12) < 250 ( 1 PublG) Personenhandelsgesellschaften u. Einzelkaufleute Bilanzsumme (wie oben) Klein Groß Umsatzerlöse (wie oben) < 80 > 80 Zahl d. AN als 1/12 d. Summe aller Zahlen am Ende < 160 >160 eines jeden Monats d. zurückliegenden Geschäftsjahres < > Seite 7 von 12

8 4.3 Übersicht über Rechtsformen Seite 8 von 12

9 5. Bilanz und Jahresabschluss 5.1 Gegenstand und Ermittlung - HGB 238 Abs. 1 und 243 Abs. 1 - Aktiengesetz 149, 154, GmbH G 41 - GenG 33 - EstG 5 - Kriterien f. Erfassung, Bewertung und Ausweis v. Sachverhalten in Buchführung und Jahresabschluss - Grundnorm 243 Abs. 1 und 2 HGB - Für Kapitalgesellschaften 264 Abs. 2 HGB Differenzierung: Grundsätze d. Handelsrechts Allg. Grundsatz Jahresabschluss und d. Grundsätze d. Buchführung Formgrundsatz Klar u. übersichtliche Aussagegrundsatz Vermögens-, Finanz- u. Ertragslage ( 264 Abs. 1) Einzelunternehmen und Personenhandelsgesellschaften Nicht Publizitäts-pfl. publizitätspfl. Kapitalgesellschaften x x x x x x - - x Zusätzl. Angaben - - x Gliederungsgrundsatz 265 Abs. 1 - x x 5.2 Handelsrechtliche GoB - übergeordnete Grundsätze - Dokumentationsgrundsatz - Rahmengrundsatz - Systemgrundsatz - spezifische Grundsätze - Jahreserfolg - Ansatz - Bilanz - Kapitalerhaltung Seite 9 von 12

10 5.3 einzelne GoB Grundsatz der Richtigkeit / Wahrheit - Jahresabschlussangaben müssen mit dem Satzverhalten, den sie widerspiegeln, objektiv übereinstimmen - Gilt für Inhalt und Wertansätze - Dritte (Steuerberater, Wirtschaftsprüfer) müssen bei Kenntnis d. Regeln zu gleichen Aussagen kommen Grundsatz d. Klarheit Abs. 2 und 246 Abs. 2 HGB - formale Darstellung d. Bilanzinhalts - übersichtliches Bilanzbild - scharf abgegrenzte Bilanzpositionen - keine Saldierung v. Aktiv- und Passivposten Grundsatz d. Rechtzeitigkeit - Aufstellung des Jahresabschlusses innerhalb der einem ordnungsgemäßen Geschäftsgang entsprechenden Zeit - Fiskus, Kreditinstitute, Aktionäre Abs. 3 HGB Grundsatz d. Vollständigkeit Abs. 1 HGB - mengenmäßige vollständige Erfassung aller Bestände und Erfolgskomponenten - weglassen oder Einfügen von Positionen ist Bilanzfälschung Teilgrundsätze: - Grundsatz der Bilanzkontinuität ( 265 Abs. 1 HGB, 252 Abs.1 Nr.6) - Stetigkeit, Vergleichbarkeit - Soll den Vergleich aufeinander folgender Bilanzen ermöglichen und erleichtern - Formelle und materielle Bilanzkontinuität - Grundsatz der Bilanzidentität ( 252 Abs. 1 Nr. 1 und 242 Abs. 1 Satz 2 HGB - Positionen der Bilanz einer Periode müssen wert- und mengenmäßig mit den Positionen der Eröffnungsbilanz übereinstimmen Grundsatz der Periodenabgrenzung - es ist von einer Fortführung des Unternehmens auszugehen Abs. 1 Nr. 2 - Ermittlung des Erfolges der abgelaufenen Periode (Vergangenheitsprinzip) Grundsatz der Vorsicht Abs. 1 Nr. 4 HGB - Gläubiger- und Anteilseignerschutz - Soll verhindern, dass Bestand an Reinvermögen höher als tatsächlich ausgewiesen wird - Bei unsicheren Werten: - Aktiva untere Grenze d. Schätzrahmens - Passiva obere Grenze d. Schätzrahmens Seite 10 von 12

11 Teilgrundsätze: - Realisierungsprinzip - Ausweis der Erträge erst nach Realisierung - Imparitätsprinzip - Drohende Verluste werden in der Bilanz vorweggenommen - Verhindert Ausschüttung / Besteuerung von noch nicht realisierten Gewinnen - Verminderung von Kapitalverzehr - Bezieht sich auf alle am Abschlussstichtag schwebende Geschäfte - Niederwertprinzip - Heranziehung des niedrigsten von mehreren möglichen Wertansätzen bei Vermögensgegenständen am Abschlussstichtag - i.e.s. Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens ( 253 Abs. 3 HGB) - i.w.s. Anlagevermögen Ausprägungsformen des Niederwertprinzips Rechtsformen Anwendungen der Formen d. Niederwertprinzips Niederwertprinzip i.e.s. Umlaufvermögen NWP i.w.s. Voraussichtl. Gesamtes bei Wertminderung Dauernder Art Anlagevermögen Voraussichtl. Imm... u. Sach- Vorübergehender AV Art Finanz-AV Einzelunternehmen u. Personengesellschaften Nicht Publizitätspfl. publizitätspfl. Abwertungspflicht Abwertungspflicht Abwertungswahlrecht Kapitalgesellschaften Abwertungspflicht Abwertungswahlrecht - Werterhellungsprinzip - Berücksichtigung von Sachverhalten, welche vor dem Bilanzstichtag eingetreten sind, aber erst zwischen dem Abschlussstichtag und dem Tag der Bilanzaufstellung bekannt werden - Sachverhalten, welche erst nach dem Bilanzstichtag eingetreten sind müssen nach dem Werterhellungsprinzip nicht berücksichtigt werden 6. Aufstellung, Prüfung, Aufbewahrung und Offenlegung von Jahresabschlüssen - Aufstellungsfristen richten sich nach: - Rechtsform - Branche - Größe Seite 11 von 12

12 Gültigkeit Rechtsformen, Branchen und Größen (Rechtsgrundlage) Aufstellungspflicht 3 Monate - Kapitalgesellschaften (allg.) 264 Abs. 1 Satz 2 HGB - Mittel- und großformatig - Unternehmen gem. 5 Abs. 1 Satz 1 PublG - Kreditinstitute (unterschiedliche rechtsformabhängige Gesetzesgrundlagen) 3 Monate, ggf. 6 Monate (wenn aus einem ordnungsgemäßen Geschäftsgang entspricht - kleinformatige Kapitalgesellschaften ( 264 Abs. 1 Satz 3 HGB) 4 Monate - Versicherungsunternehmen (allg.) ( 55 Abs. 1 Satz 1 VAG) 4 Monate, ggf. 10 Monate (wenn Geschäfts- und Kalenderjahr übereinstimmen) - Rückversicherungsunternehmen, deren Beiträge aus in Rückdeckung übernommenen Verträgen die übrigen Beiträge übersteigen ( 55 Abs. 2 Satz 1 u. 3 VAG) 5 Monate - Genossenschaften als Nichtkreditinstitute Innerhalb der einem ordnungsgemäßen Geschäftsgang entsprechenden Zeit ( 336 Abs. 1 Satz 2 HGB) - sonstige Kaufleute - Prüfung und Offenlegung des Jahresabschlusses - richtet sich nach Größe und Gesellschaftsform s. a Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die nicht dem PublG unterliegen und kleine Kapitalgesellschaften müssen den Jahresabschluss nicht prüfen lassen - Vorschriften über Umfang der Prüfung, Abschlussprüfer, Prüfbericht und Bestätigungsvermerk 316 ff HGB - Art und Umfang der Offenlegung sind im 4. Unterabschnitt der ergänzenden Regelungen f. Kapitalgesellschaften geregelt ( HGB) - Aufbewahrungsfristen - Allg. Teil d. Rechnungslegungsvorschriften für Kaufleute ( 257 HGB) 10 Jahre Eröffnungsbilanz Jahresabschluss Inventare Handelsbücher Tagesberichte Arbeitsanweisungen Organisationsunterlagen Handelsbriefe Buchungsbelege 6 Jahre Lieferscheine Frachtbriefe Kontoauszüge v. Kreditinstituten Lohn- und Gehaltslisten Auftragsbücher und unterlagen Provisionsabrechnungen u. ä. - Fristenlaufzeiten beginnen am 1. Januar des Kalenderjahres (unabhängig v. Geschäftsjahr), welches dem Kalenderjahr folgt, in dem Jahresabschluss und Bilanzen erstellt worden sind oder Belege erstellt worden sind Seite 12 von 12

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