Verheißungen der "Individualisierten Medizin" Chancen und Risiken

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1 Verheißungen der "Individualisierten Medizin" Chancen und Risiken Hardy Müller WINEG Wissenschaftliches Institut der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen Impuls-Referat auf der 15. Sitzung des Fachausschusses Qualität der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.v. 19. Juli 2010 Statement 1. Warum? Konjunktur oder Hype eines Themas 2. Was? Individualisierte, personalisierte, informations-basierte, patientenorientierte I_B_M, PPPM Medizin 3. Wieso? Chancen und Risiken 4. Wie weiter? 2 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 1-

2 Google Abfrage , 14h20: Ergebnisse für personalisierte Medizin 3 Google Abfrage , 14h20: Ergebnisse für individualisierte Medizin 4 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 2-

3 Google Abfrage , 16h50: Ergebnisse für individualisierte Medizin Jahrestagung DGSMP u.a Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 3-

4 12. Jahrestagung DNEbM Neugründung: Gesellschaft für Personalisierte Medizin 8 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 4-

5 EPMA Welt Kongress EPMA-World Congress in Bonn, 15-18th September 2011 The paradigm change from late interventional to Predictive, Preventive and Personalised Medicine (PPPM) is a leading global challenge in the 21st century. Of paramount importance is the communication among professionals medical doctors, biotechnologists, computer-scientists, healthcare providers, policymakers, educators, etc. This Wechsel is a new philosophy of advanced healthcare and the Paradigmen platform for personalised patient s treatment considered as the "medicine of the future". This paradigm change can be achieved only by well-coordinated measures focused on solving the accumulating problems in healthcare and reducing the concomitant economical burden that societies across the globe are progressively Medizin der Zukunft facing. This task requires novel and creative political regulations and formation of new guidelines to advance current healthcare systems. The overall concept in the field is conducted by the European Association for Predictive, Preventive and Personalised Medicine (EPMA) the umbrella -organisation in 30 countries around Europe and worldwide. The EPMA-Congress is an important global event promoting a multidisciplinary Neueconsolidation politische in the branch. Regularien Specialised sessions will take place as listed below: 9 Forschungsverbünde GANI_MED Greifswald Approach to Individualized Medicine (BMBF-Verbundprojekt) Laufzeit: bis Fördersumme des BMBF: 14 Mio. Euro, davon 12,6 Mio. Euro für den Standort Greifswald 10 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 5-

6 11 Gesundheitsforschung 12 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 6-

7 Selbsthilfegruppen 13 Exkurs: Thema Interessenkonflikte - Pharma Spenden an Selbsthilfegruppen Rund_Mail vom von Herrn Prof. Ollenschläger 14 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 7-

8 Statement 1. Warum? Konjunktur oder Hype eines Themas 2. Was? Individualisierte, personalisierte, informations-basierte, patientenorientierte I_B_M, PPPM Medizin 3. Wieso? Chancen und Risiken 4. Wie geht s weiter? 15 Typologie der individualisierten Medizin 1. Biomarkerbasierte Stratifizierung 2. Genombasierte Informationen über gesundheitsbezogenen Merkmale 3. Ermittlung individueller Erkrankungsrisiken 4. Differenzielle Intervention 5. Therapeutische Unikate 1-4 zielt auf Unterteilung der Bevölkerung = Stratifizierte Medizin 16 nach BT 16/12000:7 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 8-

9 Stratifizierte Medizin: 2 Prinzipien I Prädiktive Risikodiagnose Genombasierte Informationen über gesundheitsbezogene Merkmale, Prognose persönlicher Risiken für bestimmte Erkrankungen (Brustkrebs, Darmkrebs) II Ansprechbarkeit auf Therapien Wirkorte: z.b. bestimmte Rezeptoren, Brustkrebsmedikament Herceptin (Trastuzumab) Verstoffwechselung: bestimmt individuelle Dosierung 17 Keine Definition Individualisierte Medizin stellt in Aussicht, persönliche Risiken für bestimmte Krankheiten prognostisch zu ermitteln (Hempel Ulrike) Das Ziel besteht darin, eine Patientenpopulation mittels genetischer Informationen genauer zu stratifizieren, um auf diese Weise Behandlungsergebnisse für ein bestimmtes Medikamententregime, Toxikologiewerte und Patientenresultate im Allgemeinen zu verbessern (Casimir-Schenkel) 18 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 9-

10 Statement 1. Warum? Konjunktur oder Hype eines Themas 2. Was? Individualisierte, personalisierte, informations-basierte, patientenorientierte I_B_M, PPPM Medizin 3. Wieso? Chancen und Risiken 4. Wie geht s weiter? 19 Chancen: Die Treiber der IM 1. Medizinisch gesellschaftlicher Bedarf bislang unzureichend behandelbare Erkrankungen 2. Wissenschaftlich-technische Entwicklung Maßgeschneiderte präventive und therapeutische Intervention, Z.B. Zelltherapien, unikate Implantate und Prothesen 3. Patientenorientierung Stärkung der Patientenautonomie und Konsumentensouveränität 1-3 führt zur Aussicht auf Rationalisierung: = individualisierte Medizin 20 nach BT 16/12000:6 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 10-

11 Risiko: Test-Güte 21 Risiko: Kosten und Nutzenproblematik der neuen Medikamente Spiegel Artikel 20/2010 ( ) Von Blech, Jörg; Elger, Katrin; Grill, Markus; Hackenbroch, Veronika Schlicht obszön Dutzende neuer Krebsmittel drängen auf den Markt. Die Verheißung ist gewaltig, der Nutzen jedoch fraglich - nur die Hersteller profitieren. Jetzt wehren sich Ärzte. Denn die astronomischen Preise dieser Präparate gefährden das Gesundheitssystem. Fojo, F j T, Grady C (2009): How much is life worth: Cetuximab, Non-Small Lung Cancer, and the $440 Billion Question. JNCI Journal of the National Cancer Institute 2009;101: Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 11-

12 Der Spiegel 20/ Kosten und Nutzen neuer Krebsmedikamente 24 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 12-

13 Kosten und Nutzen neuer Krebsmedikamente 25 Fojo, T, Grady C (2009): How much is life worth: Cetuximab, Non-Small Lung Cancer, and the $440 Billion Question. JNCI Journal of the National Cancer Institute 2009;101: Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 13-

14 Conclusion Fojo, T, Grady C (2009): How much is life worth: Cetuximab, Non-Small Lung Cancer, and the $440 Billion Question. JNCI Journal of the National Cancer Institute 2009;101: Risiko: Gegensätze konstruieren 28 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 14-

15 Trugschluss: Individualisierte Medizin. heisst nicht Beliebigkeit. ist nicht contra evidenzbasierter Medizin sondern erfordert gerade die Anwendung der ebm! (klinische Expertise, Patientenpräferenzen, wissenschaftlicher Beleg) Die bislang dominierenden Methoden zur Nutzenbewertung werden ergänzt durch andere Methoden, die den Besonderheiten der IM entsprechen 29 Risiko: Verletzung des Selbstbestimmungsrecht ". orientiert sich gerade nicht an persönlichen Bedürfnissen der Patienten" ( AB). es geht nicht um eine Hinwendung zum Individuum (UH 2). ist nicht persönlicher, " hat nichts mit ganzheitlicher Behandlung zu tun" (Prof. H Kattus) eine auf spezifische (individuelle) biologische Prozesse abgestellte Medizin, nicht um eine am Individuum oder an persönlichen Bedürfnissen orientiere Medizin" (Prof. Paul) 30 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 15-

16 Eine Fülle offener Fragen Ist es statthaft, angesichts der finanziell prekären Lage im Gesundheitssystem und der ausstehenden Wirksamkeits- und Nutzenbelege die individualisierte Medizin zur Medizin der Zukunft zu deklarieren? Wie informieren wir PatientInnen qualitätsgesichert, d.h. neutral, objektiv, über den Nutzen der Tests? Wie weit wird und darf die individuelle Selbstbestimmung durch die individualisierte Medizin reduziert werden? Befähigung oder Verpflichtung zur Vorsorge? -> epistemologische und ethische Tragweite hinreichend ausgelotet? 31 Fazit: Individualisierte Medizin Ein Hype ist im Gange?! Terminologie ist unscharf: Stratifizierte Medizin ist gerade nicht "persönlich" Z. T. naive Verheißungen dominieren; Kontroversen sind programmiert Gefahren für Patienten (Selbstbestimmung) und das Gesundheitssystem (Finanzierung, Nutzenbeleg) nicht ausreichend analysiert Thema beobachten/ begleiten/ bearbeiten? 32 Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 16-

17 Statement 1. Warum? Konjunktur oder Hype eines Themas 2. Was? Individualisierte, personalisierte, informations-basierte, patientenorientierte I_B_M, PPPM Medizin 3. Wieso? Chancen und Risiken 4. Wie geht s weiter? 33 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Hardy Müller, WINEG, Hamburg - 17-

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