Kundenbeziehungsmanagement: B2B ist nicht B2C!

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1 Kundenbeziehungsmanagement: B2B ist nicht B2C! Unterschiedliche Anforderungen an CRM- Lösungen für Business-To-Business und Business-To-Consumer? Titel des Interviews: Name: Funktion/Bereich: Organisation: Kundenbeziehungsmanagement: B2B ist nicht B2C! Unterschiedliche Anforderungen an CRM- Lösungen für Business-To-Business und Business-To- Consumer? Dr. Bernhard Braunmüller Associate Partner, Head of CRM ESPRiT Consulting AG Liebe Leserinnen und liebe Leser, CRM feiert als Begriff für das computergestützte Kundenbeziehungsmanagement in 2007 sein 10-jähriges Jubiläum. Bis 1997 dominierten die Begriffe Sales Force Automation (SFA) im amerikanischen und Computer Aided Selling (CAS) im deutschsprachigen Markt, wenn auch mit etwas anderen thematischen Schwerpunkten. Die Entwicklung am CRM-Softwaremarkt hat nach der Beobachtung von Wolfgang Schwetz spätestens seit der Deregulierung im Telefon- und Energiemarkt Anfang des Jahrtausends zu einer deutlichen Aufspaltung nach verschiedenen Marktsegmenten geführt. Dennoch werden diese Unterschiede häufig nicht wahrgenommen bzw. zu wenig beachtet. Das gilt besonders im Softwareauswahlprozess, für die Berichterstattung in den Medien, aber auch für Tagungen und Kongresse. CRM-Software ist bei näherer Betrachtung eben nicht CRM-Software. Ein ganz wesentlicher Unterschied bei der Betrachtung des CRM-Softwaremarkts ergibt sich aus den verschiedenen Anforderungen des Business-to-Business- (B-to-B-) und des Business-to- Consumer-Marktes (B-to-C). Das Consumer-Geschäft kennzeichnet meist sehr große Kundendatenbanken und Call Center für die Kundenbetreuung. Wegen der großen Datenmengen werden hier leistungsfähige Datawarehouses Seite 1

2 und Analysesysteme und -verfahren eingesetzt (Analytisches CRM). Stark ausgeprägt ist hier auch das sogenannte "Collaborative CRM", mit dem die Kommunikation über verschiedene Vertriebskanäle unterstützt wird. Auf der anderen Seite steht der B-to-B-Markt, vor allem der Mittelstand, der sich schon viel länger mit der Optimierung der Kundenbeziehungen beschäftigt als der B-to-C-Markt. CRM im B-to-B-Markt baut inhaltlich auf den Systemen für Salesforce-Automation und Computer Aided Selling auf, die es seit Mitte der 80er Jahre gibt. Pioniere damals waren Konsumgüterindustrie, Pharmaindustrie und Versicherungen. B-to-B-Unternehmen verarbeiten ein relativ geringes Datenvolumen und betreuen ihre Kunden typischerweise über eine Außendienstorganisation. Daraus resultieren völlig andere Geschäftsprozesse und typischerweise auch weniger komplexe technologische Anforderungen, weshalb in der Regel hier auch andere Anbieter zum Zuge kommen. Wir wollen die unterschiedlichen Entwicklungen in diesen beiden Marktsegmenten betrachten und laden Sie zur Diskussion der folgenden Fragestellungen ein. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr Wolfgang Schwetz Seite 2

3 Sehr geehrter Herr Dr. Braunmüller, Frage 1: Vorstellung des Unternehmens, B2B versus B2C Skizzieren Sie bitte kurz, welche Produkte und Dienstleistungen im Vordergrund Ihrer Geschäftstätigkeit stehen. B2B oder B2C: Welchem Segment würden Sie sich zuordnen? Die ESPRiT Consulting AG ist ein international tätiges, unabhängiges Beratungshaus für integrierte IT und Managementberatung. Als Unternehmensberatung konzentriert es sich somit ausschliesslich auf B2B/Geschäftskunden. ESPRiT bietet Lösungen in den Bereichen Kundenund Lieferantenmanagement, Unternehmenssteuerung und IT Management und Integration für die Branchen Banking, Erst- und Rückversicherungen sowie Industrie an. Im Bereich CRM unterstützt ESPRiT seine Kunden bei der Auswahl, Implementierung und Integration von CRM Systemen sowie der Identifikation von Nutzenpotentialen bestehender Systeme. ESPRiT Consulting ist Special Expertise Partner der SAP im Bereich CRM (Deutschland). Ist die Beobachtung aus Ihrer Erfahrung richtig, dass sich der CRM-Markt aufgrund der verschiedenen Anforderungen in zwei Welten (B2C, B2B) aufteilt? Nein, aus unserer Sicht ist durch den Kundentyp (also B2C vs B2B) per se keine signifikante Aufspaltung des CRM Marktes zu erkennen. Vielmehr sehen wir Themen wie Geschäftsprozesse, vorhandene IT Architektur inkl. Datenvolumina, Organisationsgröße und Wettbewerbsstrategie als Treiber von Entscheidungen hinsichtlich einzusetzender CRM Lösungen. Seite 3

4 Frage 2: Kundenbeziehungsmanagement in B2B und B2C Worin unterscheiden sich Ihrer Erfahrung nach das Kundenbeziehungsmanagement bzw. Geschäftsprozesse und resultierende IT- Anforderungen in B2C- und B2B-Märkten? Wie wichtig erscheinen Ihnen diese Unterschiede? Im B2C Markt sind insbesondere Reaktionszeiten der CRM Lösung ein wichtiges Thema. Diese sind im B2B Bereich deutlich weniger wichtig. Wir sehen einen Trend im B2B Bereich, den Geschäftskunden über das Portal zu bedienen und dadurch stärker an das Unternehmen zu binden. Dies war bisher eher die Domäne von B2C. Hier reduziert sich also der Unterschied. Der B2C Bereich arbeitet oft mit größeren Kundendatenvolumina, auf der anderen Seite hat man im B2B Bereich häufig deutlich komplexere Produktstammdaten und Produktkonfigurationen. Frage 3: Unterschiede und Gemeinsamkeiten CRM B2B und B2C Wodurch unterscheiden sich nach Ihren Erfahrungen die daraus resultierenden Anforderungen an CRM-Softwarelösungen im B2B- und B2C-Markt konkret und wo gibt es Gemeinsamkeiten? Was sind Nachteile fehlender Differenzierung? Für CRM- Softwareanbieter: Mit welchen Mitteln differenziert sich Ihre Lösung bereits? Im B2C Bereich sind Performance Themen und ecommerce unverändert wichtig. Im B2B Bereich gewinnt das Thema Channel Sales / Partnerportale und Produktkonfiguratoren zunehmend an Bedeutung. Insgesamt ist das Thema Integration in die IT Landschaft übergreifend wichtig. Für CRM- Anwender: Wo sehen Sie die größten Probleme und Optimierungspotentiale hinsichtlich einer möglichen / notwendigen Differenzierung? Wir setzen SAP CRM im Portal mit BW Integration ein und haben damit unsere CRM Kernprozesse gut abgedeckt. Optimierungspotentiale sehen wir vor allem im Bereich CRM Strategie, d.h. welche Ziele sollen erreicht werden und wie sieht der Masterplan aus? Viele grundsätzlich gute CRM Installationen sind gescheitert, da es keinen Masterplan gab. Die entscheidende Frage ist also keine alleinige Softwarefrage, sondern vielmehr eine Strategie- und Prozessfrage. Seite 4

5 Frage 4: Segmentierung des CRM-Marktes, Zukunft Würden Sie eine stärkere Differenzierung im Marktangebot zwischen CRM- Lösungen für Unternehmen im B2B- und B2C-Markt begrüßen? Im Hinblick auf Pre-Packages würde das sicherlich Sinn machen. Auf der anderen Seite haben heute sehr viele Unternehmen sowohl B2C- als auch B2B-Kunden (wenn auch in unterschiedlichen Skalen). Es ist also fraglich, ob dies wirklich eine sinnvolle Trennung von CRM Lösungen darstellen würde. Welche weiteren Erwartungen an CRM-Funktion und den CRM-Markt haben Sie für die Zukunft? Die Überarbeitung der angebotenen User Interfaces ist ein erkennbarer Trend (z.b. SAP CRM 7.0, SalesLogix 7.2). Zudem nehmen die Customizing Fähigkeiten zu, sprich Softwareanpassung ohne Programmierung. Zahlreiche Firmen stellen ihre CRM Systeme derzeit auf den Prüfstand und lösen sie teilweise durch neue CRM Lösungen ab dies wird noch eine ganze Weile anhalten. Vielen Dank für das Interview! Seite 5

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