Museum für Gestaltung Zürich Jahresbericht 2009

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1 Museum für Gestaltung Zürich Jahresbericht 2009

2 Museum für Gestaltung Zürich Inhalt 3 Vorwort 6 Ausstellungen 8 Museum für Gestaltung Zürich 18 Museum Bellerive 36 Sammlungen 58 Vermittlung 62 Publikationen / Verlag 65 Kommunikation 68 Museumsdienste 69 Werkstatt 70 Forschungsprojekte 71 Sponsoren 73 Freundeskreis Museum für Gestaltung Zürich 74 Mitarbeitende 76 Adressen und Standorte

3 Vorwort Jahresbericht Museum für Gestaltung Zürich 2009 Das Jahr 2009 gehört zu den erfolgreichsten in der Geschichte des Museums: Ein beachtliches Publikumsinteresse, bedeutende internationale Kooperationen, wichtige Forschungsprojekte Schweizerischer Nationalfonds (SNF) DO Research (DoRe) sowie ein konsequenter Know-how- Transfer aus dem Museum in die Lehre der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) haben die nationale und die internationale Reputation des Hauses erneut unterstrichen. Zudem wurden die reichen Bestände der vier Sammlungen mit einer repräsentativen Ausstellung und einer einzigartigen Publikation erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eröffnet wurde das Ausstellungsjahr mit Good Design, Good Business Schweizer Grafik und Werbung für Geigy einer Sternstunde des internationalen Grafikdesigns mit Schweizer Wurzeln. Mit der Ausstellung und einer als Standardwerk zu bezeichnenden Publikation fand das designgeschichtliche SNF-Forschungsprojekt seinen krönenden Abschluss. Parallel dazu machte das Museum Bellerive mit Hermann Obrist Skulptur/ Raum/Abstraktion um 1900 das Gesamtwerk des wohl einflussreichsten Künstlers des Schweizer Jugendstils greifbar, dies in Kooperation mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München, wo die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne über Besuchende anzog. Every Thing Design führte die vier Sammlungen des Hauses in einer thematischen Schau zusammen und machte deutlich, wie wertvoll eine Dauerausstellung der Sammlungsbestände wäre, nicht zuletzt auch für die Lehre der ZHdK. Folglich muss dies als strategisches Ziel von Hochschule und Museum weiterverfolgt werden. Die Publikation zur Ausstellung gestaltet von der Niederländerin Irma Boom vereint auf über 800 Seiten 700 ausgewählte Sammlungsobjekte in einer inhaltlich übergreifenden Darstellung und dient dem Museum als wichtiges Referenzwerk. Roboter Von Motion zu Emotion? verband Unterhaltung mit Tiefgang und war ein wahrer Publikumsmagnet für Gross und Klein. Hier gelang es, eine Brücke zu schlagen zwischen den Forschungslabors der ETH Zürich, der Universität Zürich, der ZHdK und einem breiten Publikum, das auf spielerische Weise viel zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Robotik erfuhr. Die Ausstellung Michel Comte war mit Besuchenden schliesslich die erfolgreichste Ausstellung des Museums seit Das Projekt gab nicht nur Einblick in das beeindruckende Werk des bekanntesten Schweizer Werbe- und Modefotografen, sondern auch in die Entstehungsprozesse einer Bildwelt, die zunehmend unseren visuellen Alltag prägt. 3

4 Das Museum verzeichnete 2009 einen Besucherrekord. Allein in Zürich wurden Ausstellungsbesuche registriert, darunter zehntausende Besucher, die sich bisher wenig mit den Themenfeldern der ZHdK auseinandergesetzt haben. So viele Eintritte hat das Museum seit mindestens 65 Jahren nicht registriert für die Zeit vor 1944 bestehen keine gesicherten Informationen. Damit positioniert sich das Haus erneut als eines der best besuchten Museen der Stadt Zürich. Nimmt man die Eintritte in Zürich und jene der Wanderausstellungen in Lissabon, München und Köln zusammen, so erreichte das Haus national und international weit über eine Viertelmillion Menschen. gewachsenes Renommee sind hierbei ausschlaggebend. Ebenso wichtig ist jedoch das grosse, motivierende Engagement all jener Menschen, die innerhalb und ausserhalb für das Museum und dessen Ziele arbeiten, die uns inhaltlich, finanziell oder ideell unterstützen. Ihnen allen sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt! Christian Brändle Direktor Wesentlicher ist jedoch, dass das Museum für Gestaltung Zürich nun seit Jahren kontinuierlich mehr Publikum anspricht, und dies bei sinkenden Budgets wohlgemerkt. Das Museum ist stolz auf diesen Erfolg und freut sich, damit wesentlich zum internationalen Ansehen der ZHdK beizutragen, deren Departemente zudem regelmässig in Ausstellungsprojekte involviert sind. Besucherzahlen lassen sich einfach vermitteln, sind aber nur ein einzelner Indikator für den Zustand einer Institution. Das Jahr 2009 war in mehrfacher Hinsicht erfolgreich: Die Sammlungen des Hauses wurden im Kontext von Forschungsprojekten, Ausstellungsvorhaben und Lehrveranstaltungen intensiv genutzt. Die Onlinedatenbank verzeichnet bereits über Einträge. Dadurch wiederum steigen die Anfragen für Bilddienstleistungen und Leihgaben, welche die Eigenwirtschaftlichkeit des Hauses weiter erhöhen. Ungelöst bleibt indessen der seit Jahren beantragte Umzug der Plakatund Kunstgewerbesammlung an einen sicheren Standort. Wohl wurden die Archive der Plakatsammlung saniert, aber nur dank eines Wunders führte der Bruch einer Druckwasserleitung in der Limmatstrasse ( ) und ein massiver Wassereinbruch in der Kunstgewerbesammlung aufgrund eines defekten Klimagerätes ( ) nicht zur Zerstörung dieser weltweit einmaligen Bestände konnte der Freundeskreis des Museum für Gestaltung Zürich erstmals Mittel an die Sammlungen ausschütten: Ankäufe und die Finanzierung von Restaurierungsprojekten sind die Früchte dieser mehrjährigen Aufbauarbeit. Dank des attraktiven Programms und hochkarätiger Editionen wächst der Kreis der Freunde des Hauses kontinuierlich, sodass die Mitgliederzahl innert Jahresfrist verdoppelt werden konnte. Die ausgezeichnete Bilanz unserer Institution hat viele Standbeine: Ein spannendes Programm, gute Vermittlung, ein fruchtbarer Rahmen im Kontext der ZHdK, erfolgreiche Kooperationen und ein über Jahrzehnte 4 5

5 Ausstellungen A B C D E Ausstellungsplakate F G H A Good Design, Good Business Schweizer Grafik und Werbung für Geigy NORM, Zürich, Serigrafie Uldry B Every Thing Design Die Sammlungen des Museum für Gestaltung Zürich Irma Boom, Amsterdam, Serigrafie Uldry Swiss Poster Award 2009 C Roboter Von Motion zu Emotion? Martin Woodtli, Zürich, Serigrafie Uldry D Michel Comte Bureau New York, Nadia Niemann, Sylvia Gruber, New York, Lichtdruck AG E Formlose Möbel Hi Visuelle Gestaltung, Claudio Barandun, Megi Zumstein, Luzern 100 Beste Plakate 2009 F Hermann Obrist Skulptur /Raum /Abstraktion um 1900 Heimann und Schwantes, Berlin, Lichtdruck AG G Porzellan Weisses Gold Weiersmüller Bosshard Grüninger WBG, AG für visuelle Kommunikation, Zürich, Lichtdruck AG H Scherenschnitte Kontur pur Müller + Kübler Kommunikationsdesign, Zürich, Lichtdruck AG 6 7

6 Museum für Gestaltung Zürich 2009 zeigte das Museum für Gestaltung Zürich sechs Ausstellungen in seiner Halle und Galerie und parallel dazu kleinere Projekte im Vestibül, dem Bibliotheksgang und dem Museumspark. Das erste neu eröffnete Projekt 2009 war Good Design, Good Business Schweizer Grafik und Werbung für Geigy , Resultat eines Forschungsprojekts über einen bedeutenden Schweizer Beitrag zur internationalen Designgeschichte. In der Halle wurde die viel beachtete Ausstellung Kopf an Kopf Politikerporträts Anfang April von der Überblicksausstellung Every Thing Design Die Sammlungen des Museum für Gestaltung Zürich abgelöst, für die das Designbüro Atelier Oï eine eindrückliche Szenografie schuf. In der Galerie folgte mit Roboter Von Motion zu Emotion? einer der Publikumshits des Jahres und das Museum wurde zum beliebten Familien-Ausflugsort. Diese Anziehungskraft wurde mit der ersten monografischen Ausstellung des Schweizer Modefotografen Michel Comte in seinem Geburtsland noch gesteigert, ehe sich mit der Ausstellung Formlose Möbel, eine erneute Zusammenarbeit mit dem MAK Wien, der Jahreskreis schloss. Good Design, Good Business Schweizer Grafik und Werbung für Geigy , Galerie «Geigy forscht für morgen» dieser zukunftsorientierten Devise lebte der ehemalige Basler Chemiekonzern auch in seiner Unternehmenskommunikation nach. So wurde die J.R. Geigy A.G. zum Ausgangspunkt einer Sternstunde der modernen Schweizer Grafik und Werbung. In der vielfältigen Formensprache, die Slogan und Bildgestaltung in ebenso erfrischender wie anspruchsvoller Weise zu verbinden wusste, hatten symbolische Visualisierung, Fotografie und markante Typografie ebenso ihren Platz wie das Lernen von der zeitgenössischen Kunst. Im Geigy-Atelier unter der Leitung von Max Schmid arbeiteten unter anderem Roland Aeschlimann, Steff Geissbuhler, Karl Gerstner und Nelly Rudin. Ausgewählte Aufträge gingen an frei schaffende Gestalter wie George Giusti, Gottfried Honegger, Herbert Leupin und Niklaus Stoecklin. Auch die Ateliers der Tochterfirmen in den USA und in Grossbritannien trugen massgeblich zur internationalen Verbreitung des Swiss Graphic Design bei. Die Ausstellung präsentiert erstmals umfassend diesen bedeutenden Schweizer Beitrag zur Designgeschichte. Kuratorium: Andres Janser, Barbara Junod Projektleitung: Andres Janser Wissenschaftliche Mitarbeit: Vanessa Gendre, Nathalie Killias Ausstellungskoordination: Marilena Cipriano Leiterin Ausstellungen: Angeli Sachs Bauten: Jürg Abegg, Mirco Brugnoli, Andrea Castiglia, Nils Howald, Xavier Perrinjaquet, Mohsen Rahimi, Domenico Scrugli, Mark Weibel, Nicole Würth Ausstellungsgrafik: Moritz Wolf AV Technik: ZHdK AVZ Kommunikation: Bernadette Mock Museumsdienste: Mireille Osmieri, Nelly Schnetzer Publikationen / Verlag: Christina Reble, Annamaria Keel Filmbearbeitung: Christine Hemauer, Zürich Ausstellungsarchitektur: GXM Architekten, Alexandra Gübeli und Yves Milani mit Albert Gübeli, Mitarbeit: Coralie Leuba Werbemittel: NORM, Dimitri Bruni, Manuel Krebs, Ludovic Varone Publikation: Museum für Gestaltung Zürich (Hg.) Corporate Diversity Schweizer Grafik und Werbung für Geigy Lars Müller Publishers Besuchende: 9431 Öffentliche Führungen: 15 Private Führungen: 12 Workshops / Schulklassen:

7 Every Thing Design Die Sammlungen des Museum für Gestaltung Zürich , Halle Wie wird ein Designobjekt wahrgenommen? Wie verändert sich diese Wahrnehmung im Laufe der Zeit? Warum nimmt es ein Museum in die Sammlung auf, und wie entstehen Bedeutung und Wert? Ist heute alles Design? Diese Fragen stellt sich das Museum für Gestaltung Zürich bei der Präsentation seiner noch nie in dieser Bandbreite gezeigten Sammlungen. Über alldem steht die Beobachtung von Veränderungsprozessen in soziokultureller Hinsicht. Unter dem Aspekt des «Wertewandel» lassen sich über Jahrzehnte hinweg wiederkehrende Qualitätsmerkmale und Entwicklungen in der Produktion und Rezeption alltäglicher und künstlerisch anspruchsvoller Designkultur feststellen. Die Ausstellung in einer Szenografie des renommierten Atelier Oï und die von der bekannten Buchgestalterin Irma Boom konzipierte Publikation machen das breite Spektrum und die vielfältigen Bezüge der international bedeutenden Plakat-, Design-, Kunstgewerbe- und Grafiksammlung des Museums erfahrbar. Kuratorium und Projektleitung: Verena Formanek Wissenschaftliche und kuratorische Mitarbeit, Objektauswahl und Recherchen: Designsammlung, Renate Menzi. Grafiksammlung, Barbara Junod. Kunstgewerbesammlung, Eva Afuhs. Plakatsammlung, Bettina Richter. Unter Mitarbeit von Liana Bähler, Alessia Contin, Gabriela Dietrich, Vanessa Gendre, Kristin Haefele, Nico Lazúla Baur, Denise Locher, Franziska Müller-Reissmann, Balthasar Zimmermann, Nadine Zuni Assistenz Sammlungsleitung: Rhea Kyvelos Ausstellungskoordination: Christine Kessler Leiterin Ausstellungen: Angeli Sachs Bauten: Jürg Abegg, Andrea Castiglia, Nils Howald, Frank Landes, Reto Lardi, Mohsen Rahimi, Domenico Scrugli, Mark Weibel Ausstellungsgrafik: Tobias Strebel AV Technik: ZHdK AVZ IT Technik: ZHdK IT Kommunikation: Bernadette Mock Museumsdienste: Mireille Osmieri, Nelly Schnetzer Publikationen / Verlag: Christina Reble, Annamaria Keel Ausstellungsarchitektur: Atelier Oï SA, Aurel Aebi, Simone Egli und Patrick Reymond, La Neuveville Werbemittel: Irma Boom, Amsterdam Publikation: Museum für Gestaltung Zürich (Hg.) Every Thing Design Die Sammlungen des Museum für Gestaltung Zürich Verlag Hatje Cantz Roboter Von Motion zu Emotion? , Galerie Roboter sind allgegenwärtig. Besonders durch die Verbreitung in den Medien und in der Filmindustrie besitzt das Thema grosse Aktualität. Wissen und Vorstellungen über Roboter scheinen indessen von der Science- Fiction geprägt zu sein. Dies mag damit zusammenhängen, dass der Begriff Roboter auf das tschechische Science-Fiction Drama R.U.R. (Rossum s Universal Robots) von Karel Čapek aus dem Jahre 1921 zurückgeht und dass die Roboter-Fiktion anfänglich auch als Inspirationsquelle der Wissenschaft diente. Die Ausstellung widmet sich deshalb einerseits dem Verhältnis von Fiktion und heutiger Realität und andererseits den Emotionen, die der Umgang mit der Maschine hervorruft. Ausgehend von den geschichtlichen Wurzeln vermittelt sie einen Einblick in den heutigen Einsatz von Robotern sowie in den Stand der Robotik-Forschung. Gezeigt werden rund 200 Exponate. Das Spektrum reicht von historischen Automaten über Roboter im Haushalt, in der Industrie, Medizin und im Militär bis hin zu Spielzeugrobotern. Zahlreiche Objekte funktionieren interaktiv oder werden in Bewegung präsentiert. Kuratorium: Cynthia Gavranic Idee: burkhalter sumi architekten GmbH, Zürich, Marianne Burkhalter und Aret Tavli Wissenschafltiche Beratung: Rolf Pfeifer, Artificial Intelligence Laboratory Universität Zürich, Roland Siegwart, Autonomous Systems Lab, ETH Zürich Wissenschaftliche Mitarbeit: Caroline Dyck, Nathalie Killias, Inga Vermeulen Ausstellungskoordination: Marilena Cipriano Leiterin Ausstellungen: Angeli Sachs Bauten: Jürg Abegg, Andrea Castiglia, Nils Howald, Reto Lardi, Mohsen Rahimi, Domenico Scrugli, Mark Weibel Ausstellungsgrafik: Tobias Strebel AV Technik: ZHdK AVZ Filmbearbeitung: ZHdK ITZ Kommunikation: Bernadette Mock, Stefanie Schweizer Museumsdienste: Mireille Osmieri, Nelly Schnetzer Publikationen / Verlag: Christina Reble, Annamaria Keel Ausstellungsarchitektur: burkhalter sumi architekten GmbH, Zürich, Marianne Burkhalter und Aret Tavli Werbemittel: Martin Woodtli, Zürich Besuchende: Öffentliche Führungen: 14 Private Führungen: 35 Workshops / Schulklassen: 77 Besuchende: Öffentliche Führungen: 15 Private Führungen: 27 Workshops / Schulklassen:

8 A C B D Ausstellungsansichten / Halle und Galerie A Every Thing Design Die Sammlungen des Museum für Gestaltung Zürich B Roboter Von Motion zu Emotion? C Good Design, Good Business Schweizer Grafik und Werbung für Geigy D Formlose Möbel 12 13

9 Michel Comte , Halle Michel Comte zählt zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart. Mit Schauspielerinnen und Models, Musikern und Künstlerinnen von Weltrang schuf der Zürcher Ikonen der Porträtfotografie und der Werbung. Vom Modeschöpfer Karl Lagerfeld entdeckt, machte der 1954 geborene Autodidakt eine kometenhafte Karriere und realisiert seit nunmehr 30 Jahren internationale Aufträge für Marken wie Ungaro, Dolce & Gabbana oder Nespresso. Die erste umfassende Ausstellung beleuchtet Comtes Werk, das die glamouröse Welt der Superstars und der Werbung ebenso zum Thema hat wie Reportagen aus den ärmsten Gegenden der Welt. Dabei sind die Arbeiten Comtes stets einer übergeordneten Ästhetik verpflichtet. Neben den Fotografien vermittelt diese Retrospektive Einblicke in den Entstehungsprozess einer Bildwelt, die zusehends unseren visuellen Alltag dominiert. Kuratorium, Projektleitung, Szenografie: Christian Brändle Ausstellungskoordination: Marilena Cipriano Leiterin Ausstellungen: Angeli Sachs Bauten: Jürg Abegg, Andrea Castiglia, Nils Howald, Frank Landes, Reto Lardi, Mohsen Rahimi, Domenico Scrugli, Mark Weibel Ausstellungsgrafik: Moritz Wolf AV Technik: ZHdK AVZ IT Technik: ZHdK IT Kommunikation: Bernadette Mock, Stefanie Schweizer Museumsdienste: Mireille Osmieri, Nelly Schnetzer Publikationen / Verlag: Christina Reble, Annamaria Keel Leihgaben: I Management (Suisse) SA: Suzanne Speich und Andreas Putsch Fachvergrösserungen: Tricolor, Zürich, Ronny Ochsner und Nora Howald Rahmen: Studio Arte, Zürich, Christoph Flückiger Licht: Matí Licht und AV, Adliswil, Hans-Peter Keller, Claude Hidber, Mica Ostermeier Making of Engiadina: Eric Stitzel, Zürich / Camille Budin, Thomas Gassmann, Heidi Hiltebrand Film Michel Comte 360 : Ralph Goertz, IKS, Düsseldorf Werbemittel: Nadia Niemann, Sylvia Gruber, Bureau New York, New York Publikation: NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Düsseldorf / Museum für Gestaltung Zürich in Kooperation mit dem Estate Michel Comte (Hg.) Michel Comte 360 Besuchende: (bis ) Öffentliche Führungen: 18 Private Führungen: 93 Workshops / Schulklassen: 145 Formlose Möbel , Galerie Mit formlosen Möbeln verweigerten Designer Mitte der 1960er Jahre Konventionen im Bereich des Interieurs. Inspiriert von der Kunst experimentierten sie mit Material, um Alternativen zum Bestehenden zu schaffen. Ihre Möbel zwischen Design und Skulptur standen für ein neues Gesellschaftsbewusstsein und lassen sich als Verstoss gegen die «Gute Form» betrachten. Die Ausstellung zeigt die Gültigkeit der Maxime «form follows material», welche die Beziehung von Form und Werkstoff neu definierte. Bis heute opponieren Gestalter spielerisch gegen Althergebrachtes und die Vermarktung konformer Lebenswelten. Formlose Möbel zeigt Sitzmöbel von Gunnar A. Andersen und Gaetano Pesce über Ron Arad bis zu den aktuellen Gestaltungsansätzen von Jerszy Seymour oder Big Game. Am Computer generierte Blobjects von Karim Rashid komplettieren diesen Überlick über das experimentelle Entwerfen in den letzten 40 Jahren. Eine Ausstellung des MAK, Wien. Ausstellungskonzept: Sebastian Hackenschmidt, MAK, Wien und Dietmar Rübel Kuratorium und Projektleitung: Cynthia Gavranic Wissenschaftliche Mitarbeit: Gabriella Disler, Nathalie Killias Ausstellungskoordination: Christine Kessler Leiterin Ausstellungen: Angeli Sachs Szenografie: Françoise Krattinger Bauten: Jürg Abegg, Andrea Castiglia, Nils Howald, Frank Landes, Mohsen Rahimi, Domenico Scrugli, Mark Weibel Ausstellungsgrafik: Moritz Wolf Kommunikation: Bernadette Mock, Stefanie Schweizer Museumsdienste: Mireille Osmieri, Reto Blaschitz Publikationen / Verlag: Christina Reble, Annamaria Keel Werbemittel: Hi Visuelle Gestaltung, Claudio Barandun, Megi Zumstein, Luzern Publikation: MAK Wien / Peter Noever (Hg.) Formlose Möbel / Formless Furniture Verlag Hatje Cantz Besuchende: (bis ) Öffentliche Führungen: 7 Private Führungen: 5 Workshops / Schulklassen:

10 A C B D Ausstellungsansichten Halle / Plakatraum A/B Michel Comte C Help! D Irma Boom Book Design 16 17

11 Museum Bellerive Das Ausstellungsjahr im Museum Bellerive begann mit einer Premiere: In Kooperation mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München gelang es, die erste monografische Ausstellung über den wichtigen, in Vergessenheit geratenen Schweizer Künstler Hermann Obrist auszurichten. Ausstellung sowie Workshop, Symposium und Publikation stiessen bei einem internationalen Fachpublikum auf grosses Interesse. Darnach folgte Porzellan Weisses Gold. Als erste Schau im Ausstellungskarussell um das 300-jährige Jubiläum dieses aussergewöhnlichen Materials, bot sie sowohl der Kunstgewerbesammlung als auch heutigen Schweizer Designerinnen und Designern eine ausgezeichnete Plattform. Der erfolgreiche Start der Winterausstellung Scherenschnitte Kontur pur mit ausgebuchtem Vermittlungsangebot schliesslich hat bestätigt, dass Themen an der Schnittstelle von Kunst und Kunsthandwerk heute wieder bewegen und stimmt uns optimistisch für das kommende Jahr. Hermann Obrist Skulptur / Raum / Abstraktion um Das Lebenswerk von Hermann Obrist ( ) stellt einen der wichtigsten Beiträge zur Kunst um 1900 dar. In München begründete der in Kilchberg bei Zürich geborene Künstler die deutsche Variante der Jugendstilbewegung, die anspruchsvolles Handwerk der angewandten Künste mit den ästhetischen Ansprüchen der freien bildenden Kunst zu verschmelzen suchte. Die Kooperation des Museum Bellerive mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München, die den zeichnerischen Nachlass des Künstlers betreut, ermöglicht es nun zum ersten Mal, Hermann Obrist einem internationalen Publikum gebührend vorzustellen. Dabei werden alle Facetten seines Schaffens gezeigt, eines Werks, das immer noch zu sehr mit dem Kunstgewerbe der Jahrhundertwende verbunden oder als «Aussenseiterkunst» abgetan wird. Die Ausstellung präsentiert Hermann Obrist über seine damalige Rolle hinaus als explizit modernen Künstler, der souverän mit den Medien seiner Zeit umzugehen und diese in seinem Werk virtuos zu verarbeiten verstand. Konzept: Viola Weigel Kuratorium: Eva Afuhs, Andreas Strobl, Viola Weigel Kuratorische Assistenz: Tanja Trampe Projektleitung: Eva Afuhs Ausstellungskoordination: Tanja Trampe Ausstellungsarchitektur: Eva Afuhs, Tanja Trampe Bauten: Craig Neil, Pius Fäh, Domenico Scrugli, Schreinerei R. Brunner AG Ausstellungsgrafik: Tobias Strebel IT Technik: ZHdK ITZ Kommunikation: Jacqueline Greenspan Museumsdienste: Christina Wellinger Publikationen / Verlag: Christina Reble, Annamaria Keel Werbemittel, Publikation: Heimann und Schwantes, Berlin Publikation: Museum Bellerive Ein Haus des Museum für Gestaltung Zürich und Staatliche Graphische Sammlung München (Hg.) Obrist Skulptur / Raum / Abstraktion um 1900 Sculpture / Space / Abstraction Around 1900 Verlag Scheidegger & Spiess Besuchende: 2967 Öffentliche Führungen: 29 Private Führungen: 10 Workshops / Schulklassen:

12 A C B D Ausstellungsansichten / Museum Bellerive A Hermann Obrist Skulptur / Raum / Abstraktion um 1900 B Porzellan Weisses Gold C/D Scherenschnitte Kontur pur 20 21

13 Porzellan Weisses Gold brachte Marco Polo einen Werkstoff nach Europa, welcher als grosse Kostbarkeit galt: Porzellan. Nach neueren Forschungen bereits in der West- Chou-Zeit (1300 v.u.z.) gebrannt, war der Werkstoff sogleich begehrter Luxus, den man sich einiges kosten liess. An den barocken Fürstenhöfen als Seltenheit ersten Ranges zelebriert, brachte dem Porzellan sein hoher materieller Wert die Bezeichnung «Weisses Gold» ein. Bis dahin aufgrund seiner besonderen Eigenschaften aus China importiert, gelang Anfang des 18. Jahrhunderts seine Herstellung auch in Deutschland. In namhaften Porzellanmanufakturen entstanden Tafelservices sowie repräsentative Einzelwerke einige sind noch heute in Betrieb und sowohl an traditioneller wie zeitgenössischer Gestaltung interessiert. Die aussergewöhnliche Härte des Stoffs wird in Industrie und Medizin genutzt, seine Transparenz fasziniert Gestalter und Künstler. Porzellan hat seine Magie nie verloren was in der Ausstellung anhand traditionsreicher Namen, verblüffender Techniken sowie der heutigen Design- und Künstlerszene gezeigt wird. Kuratorium: Eva Afuhs, Therese Müller Projektleitung: Eva Afuhs Ausstellungskoordination: Sonja Gutknecht Bauten: Craig Neil, Schreinerei Bürgerspital Basel Ausstellungsgrafik: Tobias Strebel AV Technik: ZHdK AVZ Kommunikation: Jacqueline Greenspan Museumsdienste: Christina Wellinger Ausstellungsarchitektur: Frédéric Dedelley, Simon Baur Werbemittel: Weiersmüller Bosshard Grüninger WBG, AG für visuelle Kommunikation Besuchende: 6319 Öffentliche Führungen: 24 Private Führungen: 4 Workshops / Schulklassen: 5 Scherenschnitte Kontur pur Symmetrie, Ausschnitt, Kontur das sind die Merkmale des Scherenschnitts. Als charakteristisches Schweizer Kunsthandwerk zieht die Psaligrafie seit mehr als hundert Jahren Künstlerinnen und Künstler in ihren Bann. Das Wesen der Zeichnung durch Schere und Messer erweiternd, experimentiert der Schnitt ins Papier heute mit ungewohnten Techniken und zusätzlichen Materialien, emanzipiert sich ins Skulpturelle oder erobert den dreidimensionalen Raum. Den mehr als einhundert aktuellen, vom Traditionellen zum Zeitgenössischen einen weiten Bogen spannenden Werken der 7. Scherenschnitt-Ausstellung des Schweizerischen Vereins Freunde des Scherenschnitts bietet das Museum Bellerive eine Bühne mit klaren Konturen. Im lustvollen Dialog mit rund vierzig ausgewählten Positionen der internationalen Gegenwartskunst überrascht die bemerkenswerte Vielgestaltigkeit der Materie Papier. Kuratorium: Tanja Trampe, Felicitas Oehler Weiss Projektleitung: Eva Afuhs Ausstellungskoordination: Sonja Gutknecht Bauten: Craig Neil, Pius Fäh, Werkstatt MfGZ, Stadt Zürich SEB Holzbearbeitung Ausstellungsgrafik: Tobias Strebel Kommunikation: Jacqueline Greenspan Museumsdienste: Christina Wellinger Praktikum: Christa Binder Ausstellungsarchitektur: Alain Rappaport Assistenz Rahel Kesselring Werbemittel: Müller + Kübler Zürich Publikation: Schweizerischer Verein Freunde des Scherenschnitts (Hg.) Scherenschnitt 2009 Papiers découpés 2009 Besuchende: 2575 (bis ) Öffentliche Führungen: 5 Private Führungen: 2 Workshops / Schulklassen:

14 Plakatraum Schweizerische Nationalbank (SNB) Nach der viel beachteten Ausstellung Otto Baumberger Werber der ersten Stunde stand der Plakatraum 2009 mit der Werkschau Irma Boom Book Design zunächst im Zeichen der Buchgestaltung. Im Zusammenhang mit der von ihr gestalteten Publikation Every Thing Design über die Sammlungen des Museums, wurde die renommierte Designerin aus Amsterdam dem Zürcher Publikum näher vorgestellt. Die Plakatausstellung Help! bewies erneut, dass das Medium Plakat par excellence dazu geeignet ist, gesellschaftlich relevante und brisante Themen in die Diskussion einzubringen. Die sozialen Plakate aus den letzten 30 Jahren sprachen vor allem auch ein junges Publikum an, das sich neben Fragen des Grafikdesigns für Fragen der Bildrhetorik und der Argumentationsstrategien im Plakat interessierte. Die drei Ausstellungen in den Schaufenstern der Schweizerischen Nationalbank folgten hingegen einmal mehr der Idee, einem grossen Publikum das Plakat aus verschiedenen Kulturkreisen in unterschiedlichsten Zusammenhängen nahezubringen ist es doch eine der Besonderheiten der Zürcher Plakatsammlung, international und zu allen Themen zu sammeln. Den Auftakt machte allerdings ein Klassiker des Schweizer Plakats, das Tourismusplakat. Dabei ging es nicht zuletzt darum, die gestalterische Entwicklungsgeschichte des Tourismusplakats trotz gleichbleibender Motive zu beleuchten. Mit Gesundheits- und Umweltschutzplakaten aus Indien hingegen wurde eine kleine Auswahl von Plakaten präsentiert, die in unseren Breitengraden kaum bekannt sind. Sie definieren nicht nur den Einsatz des Mediums neu, sondern gehorchen auch anderen Gestaltungsprinzipien. Schliesslich ermöglichte die Ausstellung zu den 1960er Jahren, Plakate aller Gattungen und aller Länder vorzuführen, die die Bilder eines Jahrzehnts im politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umbruch wieder aufleben lassen. Irma Boom, Book Design , Plakatraum Die niederländische Grafikdesignerin Irma Boom ist eine der bekanntesten Buchgestalterinnen der Gegenwart. Durch den Einsatz ungewöhnlicher Formate, Materialien, Farben, Strukturen und Typografie gibt sie dem Inhalt jeweils eine besondere Form und macht das Buch zu einem visuellen und haptischen Erlebnis gründete sie ihr eigenes Büro in Amsterdam, zu ihren wichtigsten Klienten gehören das Rijksmuseum Amsterdam, der Prince Claus Fund, OMA / Rem Koolhaas, die Vereinten Nationen, Vitra International oder Zumtobel. Ihre Bücher wurden auf zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt und sind auch in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York vertreten. Irma Boom wurde unter anderem 2001 mit dem Gutenberg Preis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet. Im Zusammenhang mit dem von ihr konzipierten und gestalteten Buch Every Thing Design über die Sammlungen des Museum für Gestaltung Zürich präsentiert das Museum eine Ausstellung ihrer Arbeiten, die Einblick gibt in ihr weitgefächertes experimentelles Werk und seine besonderen Aspekte. Kuratorium: Irma Boom, Angeli Sachs Projektleitung: Angeli Sachs Ausstellungskoordination: Marilena Cipriano Assistenz: Flurina Gradin, Sonja Haller, Amsterdam Bauten: Jürg Abegg, Andrea Castiglia, Nils Howald, Frank Landes, Reto Lardi, Mohsen Rahimi, Domenico Scrugli, Mark Weibel Kommunikation: Bernadette Mock, Stefanie Schweizer Museumsdienste: Mireille Osmieri, Nelly Schnetzer Publikationen / Verlag: Christina Reble, Annamaria Keel Werbemittel: Irma Boom Office, Amsterdam Besuchende: 1763 Publikation: Zu den SNB-Ausstellungen erscheint eine Gratis-Broschüre mit Abbildungen aller gezeigten Plakate und einem Text zur jeweiligen Ausstellung (Broschüre der laufenden Ausstellung am Schalter der SNB auf Anfrage erhältlich)

15 Help! Soziale Appelle im Plakat , Plakatraum Das Plakat ist dank seiner gesellschaftlichen Wirksamkeit und der Verbreitung im öffentlichen Raum ideales Medium, um soziale Appelle an die Bevölkerung zu richten. Der Fokus der Ausstellung liegt auf Aufforderungen von globaler Brisanz und ethischer Dimension. Hinter diesen Botschaften verbergen sich jedoch nicht nur unterschiedlichste Auftraggeber,auch Motivation und Intention weichen voneinander ab: Das Autorenplakat sieht sich der Aufklärung verpflichtet und strebt einen Bewusstseinswandel an. Plakate im Auftrag von Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen intendieren hingegen, zu unmittelbarem Engagement aufzufordern. Die Mitleidsrhetorik steht dabei oftmals im Vordergrund. Auch wirtschaftliche Unternehmen haben in der jüngsten Zeit zunehmend soziales und ökologisches Engagement als effizientes Marketinginstrument entdeckt. Oliviero Toscanis umstrittene, bis heute einzigartig gebliebenen Plakatkampagnen für Benetton machten dies bereits in den 1990er Jahren deutlich. Kuratorium: Bettina Richter, Alessia Contin Dokumentation: Bettina Richter, Alessia Contin Restaurierung: Tuija Toivanen Aufbau: Bettina Richter, Alessia Contin Kommunikation: Alessia Contin, Bernadette Mock Publikationen / Verlag: Christina Reble, Annamaria Keel Die Schweiz als Paradies , SNB Seit dem Aufkommen des Tourismusplakats dient die Darstellung der Schweiz als Projektionsraum paradiesischer Sehnsüchte. Waren es zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch mit der Heimat verwurzelte Einheimische, die in die pastorale Umgebung hineingestellt wurden, fanden diese bald Ablösung von Erholung suchenden Reisenden. Emotionale Werte gewannen zunehmend an Bedeutung, die pittoreske Darstellung geografischer und örtlicher Schönheiten trat in den Hintergrund. Einen Höhepunkt erlebte diese Entwicklung 1939 im Zeichen der Geistigen Landesverteidigung. Der internationale Tourismus kam zum Erliegen, die einheimische Bevölkerung meinte man mit gefühlsbetonten Bildern, die die Idylle Schweiz zementierten, besser gewinnen zu können. Modernistische Tendenzen wurden bewusst zurückgedrängt Nach dem Krieg wurde der Tourismus zum Massenphänomen. Werbeagenturen wurden von nun an mit gross angelegten Kampagnen betraut. Noch heute allerdings prägen die Tourismusplakate ein magisches, affirmatives Bild der Schweiz. Ausstellungskonzept: Alessia Contin und Bettina Richter Werbemittel: Roland Wohler Publikation: Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), Help!, Lars Müller Publishers Besuchende: 1781 (bis ) 26 27

16 Soziale Plakate aus Indien , SNB Ab den 1970er Jahren wurde in Indien das Plakat als effizientes Medium zur Verbreitung sozialer Botschaften entdeckt. Im Bereich des Umweltschutzes und der Gesundheitsvorsorge besitzt es bis heute eine unmittelbare Funktion in der Alltagskultur. Zielpublikum ist oftmals die noch analphabetische städtische und ländliche Bevölkerung. Die meist kleinformatigen Plakate verfolgen eine didaktische Absicht, die durch Identifikation mit den erzählerisch vorgetragenen Inhalten erreicht werden soll. Nicht von ungefähr bilden daher die eigenen malerischen Traditionen eine wichtige Inspirationsquelle. Die alle Bereiche des Alltags durchdringende Mythologie manifestiert sich direkt in der Abbildung der Götterwelt und in der Darstellung von Tieren und Pflanzen als beseelte Wesen. Zumeist im Kollektiv entstanden, plädieren die Plakate für einen bewussten Einsatz als Kommunikationsinstrument, wie wir ihn in unserem Kulturkreis kaum mehr kennen. Ausstellungskonzept: Alessia Contin und Bettina Richter Die 60er Jahre Bilder eines Jahrzehnts , SNB «The times they are a-changin», sang Bob Dylan 1964 und verlieh damit dem Lebensgefühl einer Generation Ausdruck, die sehnsüchtig auf einen Wechsel hoffte. Die herkömmlichen Moralvorstellungen wurden hinterfragt, neue politische Rechte erkämpft. Nicht zuletzt ging es um die Wiederentdeckung und Rückeroberung des eigenen Körpers und der persönlichen Freiheit. Aufgrund des schnellen Tempos, in dem sich diese Ereignisse abspielten, waren die 1960er Jahre aber auch voller Widersprüche. Denn für viele Menschen bedeuteten die kulturellen und politischen Aufbrüche der Zeit auch den Zerfall von Sitte und Moral. Viele Bilder, durchdrungen vom Geist der späten 1960er Jahre, haben sich in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben: Bilder der Rebellion, der entfesselten Musik, der befreiten Liebe, der Verbrüderung der Rassen. Einige von ihnen sind mythisch aufgeladen und bekannt, andere vermögen noch heute zu überraschen und zu irritieren. Ausstellungskonzept: Alessia Contin und Bettina Richter 28 29

17 Vestibül und Bibliotheksgang Showcase I Fotografie, , Vestibül Studierende der Zürcher Hochschule der Künste stellen aus. Ermöglicht durch den ehemaligen Förderverein hgkz/mfgz Projektleitung: Simone Wildhaber Besuchende: 4222 Die schönsten Schweizer Bücher 08, , Vestibül Wettbewerb des Bundesamtes für Kultur Projektleitung: Christina Reble Besuchende: 4205 Max Huber Il ragazzo di Baar, , Museumspark Eine Inszenierung von DNS-Transport Zug in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Zug, dem Museum für Gestaltung Zürich und Leventina Turismo Airolo. Projektleitung Simone Wildhaber Besuchende: Plakate zum 20. Plakat- und Grafikfestival in Chaumont 2009 / 20 affiches pour une 20ième édition , Vestibül und Bibliotheksgang Projektleitung: Bettina Richter Besuchende: Jahre Vitali, , Vestibül und Museumspark Zum Jubiläum des Schweizer Spielzeugdesigners Antonio Vitali Projektleitung: Simone Wildhaber Besuchende: 4199 Die Besten 09 in Architektur, Landschaft und Design, , Vestibül Prämiert von Hochparterre und dem Schweizer Fernsehen, präsentiert vom Museum für Gestaltung Zürich. Projektleitung: Christina Reble Besuchende: 1865 (bis ) Wanderausstellungen Das Museum für Gestaltung Zürich ist seit etlichen Jahren eine der massgeblichen Partnerinstitutionen der muscon European Museum Network Conference, in der die europäischen Designmuseen sich einmal im Jahr treffen und sich über ihre Arbeit austauschen. Die mit Besuchenden sehr erfolgreiche Wanderausstellung Ombro a ombro retratos politicos (Kopf an Kopf Politikerporträts), mit der das Museu do Design e da Moda in Lissabon eröffnet wurde, ist ein Resultat dieser Zusammenarbeit. Mit der Ausstellung Hermann Obrist Skulptur / Raum / Abstraktion um 1900 ging das Museum Bellerive eine lohnenswerte Kooperation mit der Staatlichen Graphischen Sammlung München ein, wo die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne von Besuchenden gesehen wurde. Schliesslich trug auch die Ausstellung Surimono mit fast Besuchenden im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln zum internationalen Ruf des Museum für Gestaltung Zürich und der ZHdK bei. Wanderausstellungen haben neben den Publikationen eine wichtige Botschafterfunktion für das Museum und seine Arbeit. Ombro a ombro retratos politicos (Kopf an Kopf Politikerporträts) Museu do Design e da Moda, Lisabon Besuchende: Hermann Obrist Skulptur / Raum / Abstraktion um 1900 Pinakothek der Moderne, München Besuchende: Surimono Museum für Ostasiatische Kunst, Köln Besuchende: 9354 (bis ) Formfächer, , Bibliotheksgang Projektleitung: Pascal Angehrn und Benjamin Hohl Besuchende: 990 (bis ) 30 31

18 A C B D Ausstellungsansichten / Vestibül und Museumspark A Die schönsten Schweizer Bücher 2008 B Die Besten aus Architektur, Landschaft und Design 2009 C Max Huber Il ragazzo di Baar D 100 Jahre Vitali 32 33

19 A C B D Veranstaltungsansichten A Ausstellungseröffnung Michel Comte B Workshop Ausstellung Scherenschnitte Kontur pur C/D Lange Nacht der Museen 34 35

20 Sammlungen Auch im Berichtsjahr konnten weitere Synergien unter den vier Sammlungen fruchtbar gemacht werden. So wurde beispielsweise eine gemeinsame Akquisitionsstrategie entwickelt oder die Beschreibungskultur der Objekte (Legendenaufbau, Thesaurus, usw.) weiter harmonisiert. Willkommener Anlass hierzu war das sammlungsübergreifende Ausstellungs- und Publikationsprojekt Every Thing Design. Dabei erwies sich erneut, dass eine kluge Balance zwischen dem Stärken von Gemeinsamkeiten und Belassen sammlungsspezifischer Gegebenheiten die produktivsten Resultate zeitigt. Sonderprojekte in den Sammlungen Designsammlung In Zusammenarbeit mit dem Departement Design der ZHdK und der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design, Halle, konzipierte die Designsammlung die Publikation Formfächer. Design Begriffe Begreifen, die im Verlag avedition erschien. Mit dem Formfächer wird die Wahrnehmung des Designs von Gegenständen geschärft und die Verwendung exakter Begriffe unterstützt. Anhand exemplarischer Objekte wird ein grundlegender Wortschatz erfasst, der der Kommunikation über das Gestalten in Praxis und Ausbildung mit einem variantenreichen Vokabular für die Beschreibung von Produktform, Konstruktion und Anmut zu einem präzisen Ausdruck verhilft. Die 100 dafür ausgewählten Objekte aus der Designsammlung werden zudem in ihrem Entstehungskontext vorgestellt, so dass der Formfächer zu einem informativen Werkzeug wird. Das handliche, zweisprachige Bildlexikon in Deutsch und Englisch bündelt eine Auswahl der designrelevanten 500 Form-Begriffe und dient damit auch der interkulturellen Verständigung über Design. Zur Buchvernis sage am wurde eine Ausstellung im Bibliotheksgang der ZHdK eröffnet. Projektleitung Designsammlung: Renate Menzi Fotografie: Franz Xaver Jaggy, Umberto Romito Publikation: ZHdK / DDE, Vertiefung Industrial Design, Museum für Gestaltung Zürich / Designsammlung, Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design (Hg.) Formfächer. Design Begriffe Begreifen avedition Grafiksammlung Für die Lange Nacht der Zürcher Museen 2009 organisierte die Grafiksammlung in Zusammenarbeit mit der Designsammlung eine Kochperformance mit dem belgischen Künstlerduo Thorsten Baensch und Christine Dupuis unter dem Titel «Kitchen. La cuisine transportable». Hauptattraktion war das reich dekorierte Kochhäuschen in der Vorhalle der Sammlungsräume, wo die Künstler den Gästen im Tausch gegen ein handgeschriebenes Kochrezept Suppe, Marzipan und Schokolade anboten. Daneben konnten die Besucherinnen und Besucher das erstmals in der Schweiz ausgestellte Künstlerbuch von Thorsten Baensch Troc-X-Change. Kitchen Archive (Bartleby & Co., ) bewundern, das die Grafiksammlung im Vorjahr angekauft hatte. Begleitend präsentierten die beiden Sammlungen im Designraum Objekte zum Thema Kochen und Essen. Der Anlass wurde mit Führungen hinter die Kulissen der beiden Archive abgerundet. Projektleitung Grafiksammlung: Barbara Junod Präsentation der Objekte: Gabriela Dietrich, Vanessa Gendre, Barbara Junod Lange Nacht Team: Pascal Anghern, Dorothee Beerli, Gabriela Dietrich, Dominique Freiburghaus, Vanessa Gendre, Barbara Junod, Renate Menzi, Nikolas Kern und Umberto Romito. Kunstgewerbesammlung Aufgrund bauseitiger Fehlleistung an Teilen der Belüftungsanlage des Depots Förrlibuck wurden die Sammlungsobjekte der Kunstgewerbesammlung durch Baustaub stark verunreinigt. Um die Situation zu bereinigen, wurde ein Sonderprojekt entwickelt. Ende Jahr entstand im Depot der Kunstgewerbesammlung im Museum Bellerive ein Wasserschaden, der die notfallmässige Evakuierung von ca Objekten in die Villa Egli und in das Depot am Sihlquai erforderte. Dank eines vom Kanton zugesicherten Kostenrahmens konnte ein Massnahmenprojekt gestartet werden, das die notwendigen Schritte zur schnellstmöglichen Rückführung der Bestände in die Wege leitet. Die konservatorische Überwachung und Behandlung des Sammlungsguts indessen stellt eine weitere grosse Herausforderung für das kommende Kalenderjahr dar. Projektleitung Baustaub: Annette Sense Projektleitung Wasserschaden: Sabine Flaschberger, Annette Sense 36 37

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