Inhalt. 4 Rekonstruktion und Metaprozesse. 24 Eine Stunde Mein Arbeitsplatz aus drei Blickwinkeln. 44 Mit Auge und Hand; das ABC des Braillealphabets

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3 Inhalt Prof. Michael Renner 4 Rekonstruktion und Metaprozesse Debby Bürgisser 24 Eine Stunde Mein Arbeitsplatz aus drei Blickwinkeln Noemi Gloor 44 Mit Auge und Hand; das ABC des Braillealphabets Aljoscha Lanz 64 Untersuchungen dreidimensionaler Schrift Prof. Marion Fink 8 Quo vadis? Kommunikationsdesign im akademischen und wirtschaftlichen Umfeld Stefan Cecere 28 Ich schlafe besondere Nächte Michèle Häni Seegfrörni 63 Alaya Manik Thaana: Erinnerungen A Study of Maldivian ans grosse Eis Typeface Design Jihyun Bang 12 Stereotype of Design: An Act of Betrayal Linda Dagli Orti Ich bin viele Sabrina Keck Gaëlle Renaudin Fremdbilder in Sequenzen Plakatkonzept der Tanztheater Gruppe «Compagnie Tania de Paola» The Martian Chronicles Patrick Baumann 16 Augarten Geschichte und Geschichten einer Siedlung Dominik Denzler 36 A Roland for an Oliver 2012 Leila Kuenzer Datensätze Natalia Schmidt Zeitkapsel Sonja Berger 20 Die unerklärliche Metamorphose Das Wunder der Fantasie Franca Eggli 40 Lotti und Eva Nico Kühne 60 Ein Ticket für alles Sandra Spielmann 80 Botanischer Garten Basel Ein Kommunikationssystem

4 Rekonstruktion und Metaprozesse Prof. Michael Renner Leiter Institut Visuelle Kommunikation Auch in diesem Jahr bearbeiten die Bachelor Thesis Projekte ein breites Spektrum von Fragestellungen der visuellen Kommunikation. Während dem eine Gruppe von Aufgabenstellungen das entwerferische Experiment ins Zentrum der Auseinandersetzung rückt, gehen andere Projekte von der Lösung einer realen Aufgabenstellung und deren Umsetzung bis hin zur Druckrealisation aus. Neben dieser inhaltlichen Vielfalt, welche durch die individuelle Themenwahl der Studierenden gefördert wird, ist auch eine breite Palette von Medien in den 18 Thesis Projekten des Jahrgangs 2012 zu erkennen. Von der Buchgestaltung bis zum Interface, vom Film bis zur Schriftgestaltung und von der Installation bis zum Wegleitsystem reicht das mediale Spektrum, in dem die Projekte bearbeitet wurden. Die Unterschiedlichkeit der Arbeiten kann unter anderem auf die Studienstruktur zurückgeführt werden, welche von den Bachelor-Studierenden im Hauptstudium die Wahl eines Schwerpunkts entweder Typografie, Bild oder Neue Medien verlangt. Durch diese Fokussierung wird die Richtung der individuellen Abschlussarbeiten vorgegeben, welche über einen Zeitraum von 5 Monaten bearbeitet werden und von den Studierenden Mitte Juli vor einer Prüfungskommission, bestehend aus 3 internen und 4 externen Expertinnen und Experten, präsentiert werden. Die Prüfungskommission bewertet eine theoretische Arbeit zum Thema, eine Prozessdokumentation und mit doppelter Gewichtung die gestalterische Bearbeitung der Aufgabenstellung. Aus den vorliegenden Arbeiten lassen sich einige Tendenzen ablesen, welche die Gruppe der diesjährigen Projekte von früheren Thesis Phasen unterscheidet. Offensichtlich besteht ein zunehmendes Interesse der Studierenden an der Rekonstruktion von vergangenen Ereignissen und Themenfeldern, was sich in den Fragestellungen von einigen Thesis Projekten ausdrückt. Dabei wird aus vorhandenen Bild- und Textmaterialien ein Einblick in etwas Vergangenes, aus zweiter Hand Erfahrenes, geformt. Weil es nicht mehr möglich ist, das Ereignis direkt mit visuellen Mitteln festzuhalten, wie es eine Dokumentation vorsehen würde, stützt sich die Rekonstruktion gezwungenermassen hauptsächlich auf vorhandene Bild- und Textfragmente. Diese werden gesammelt, verglichen, ausgewertet, in Beziehung gesetzt und wenn möglich mit eigenen Bildern ergänzt, um einen zuvor nicht vorhandenen Einblick zu gewähren. Es entstehen dadurch oft synoptische Produkte, welche bei der Betrachtung einen Überblick über eine Zeitspanne ermöglichen, der zuvor nicht vorhanden war. Die Projekte Seegfrörni 63 Erinnerungen ans grosse Eis von Michèle Häni, Ein Ticket für alles Trainwriting von Nico Kühne, Die Grossmütter Lotti und Eva von Franca Eggli und Augarten Geschichte und Geschichten einer Siedlung von Patrick Baumann können unter dem Aspekt des Rekonstruierens betrachtet werden. Bei diesen Projekten wird jene Methode des Entwerfens besonders wichtig, in der visuelle Fragmente kombiniert werden und in ihrer Beziehung zu den anderen Elementen des Bildkonstrukts Sinn erzeugen. Neben den anwendungsorientierten Projekten wie dem Wegleitsystem Botanischer Garten Basel von Sandra Spielmann, dem Plakatkonzept für das Tanztheater Compagnie Tania de Paola von Sabrina Keck, dem Offspace Guide für Basel A Roland for an Oliver 2012 von Dominik Denzler und dem Lehrmittel für das Erlernen der Blindenschrift Mit Auge und Hand; das ABC des Braillealphabets von Noemi Gloor, welche sich den realistischen Anforderungen eines Kommunikationsproduktes stellen, findet sich eine Reihe von experimentellen Projekten mit dem Ziel der visuellen Innovation. Die Projekte Thaana: A Study of Maldivian Typeface Design von Alaya Manik, Stereotype of Design: An Act of Betrayal von Jihyun Bang (Neue Formen des Mediums Buch), Insomnie Ich schlafe besondere Nächte von Stefan Cecere, Untersuchungen dreidimensionaler Schrift von Aljoscha Lanz, Datensätze (mit interaktiven Diagrammen), von Leila Kuenzer haben gemeinsam, dass sie ein klar umrissenes Produkt der visuellen Kommunikation anstreben. Die Entwurfsarbeit wird aber in dieser Kategorie von Arbeiten nicht primär von den realistischen Rahmenbedingungen geleitet, sondern an der Innovationskraft der vorgeschlagenen Lösungen gemessen. Eine weitere Gruppe von experimentellen Projekten setzt eine Tendenz fort, welche sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich entwickelt hat. Diese Projekte setzen den Entwurfsprozess nicht primär für die Erfindung eines neuen Kommuni- 4 5

5 kationsproduktes ein, sondern reflektieren mit dem Prozess der Bildgenese und deren Resultat eine Methode des Entwerfens oder die Wirkung von Bildern. Diese als Metaprozesse benennbaren Entwurfsarbeiten reflektieren zum Beispiel die Einflüsse auf die Entscheidungen im Herstellungsvorgang von visuellen Erzeugnissen. Das Projekt Eine Stunde mein Arbeitsplatz aus drei Blickwinkeln von Debby Bürgisser untersucht Aufzeichnungsmethoden von typografischen Entwurfsprozessen und zeigt damit die Problematik der Offenlegung der vielschichtigen Entscheidungsebenen auf. Gaëlle Renaudin untersucht mit ihrem Projekt The Martian Chronicles die Vorgänge der typografischen Variantenbildung durch Programmiercode. Das Projekt Zeitkapsel von Natalia Schmidt verfolgt auf eine andere Weise einen Metaprozess. Die Unmöglichkeit, eine angemessene, allen Ansprüchen gerecht werdende Zeitkapsel zusammenzustellen, wird durch die Konzeption eines fiktiven und futuristisch anmutenden Produktes aufgezeigt und leistet damit einen kritischen Beitrag zur Entscheidfindung im Entwurfsprozess im Allgemeinen. Unter dem Blickwinkel, die Bildwirkung durch Entwurfsvarianten erfahrbar zu machen, kann das Projekt Die unerklärliche Metamorphose das Wunder der Fantasie von Sonja Berger betrachtet werden. Inwieweit wir von Bildkonzepten der Wissenschaftlichkeit, der Authentizität oder der Fiktion geprägt sind, lässt sich an einzelnen Entwurfsergebnissen des Metamorphosenprojektes nachvollziehen. Und schliesslich untersucht das Projekt Ich bin viele, Fremdbilder in Sequenzen von Linda Dagli Orti die Wirkung von Porträtbildern. Auf eindrückliche Weise wird die Frage der Authentizität und der Inszenierung in einer Reihe von Videoaufnahmen analysiert. Die Parallelprojektion ermöglicht die vergleichende Betrachtung von Porträtaufnahmen, verweist damit auf die kontinuierliche Reaktion der Probandinnen und Probanden auf die Aufnahmesituation und macht die Interpretation der vielfältigen individuellen Reaktionen bei der Rezeption deutlich. Obwohl die Fragestellungen, welche mit den beschriebenen Metaprozessen bearbeitet wurden, die Anforderungen eines Bachelor Abschlusses nach oben hin ausdehnten, zeigt sich in den gelungenen Beispielen eine erweiterte Reflektionsfähigkeit, welche auf der Master Stufe einen zentralen Stellenwert einnimmt. Diese kann erst entwickelt werden, wenn die Möglichkeiten der visuellen Variantenbildung in unterschiedlichen Kontexten erlernt wurden und eine selbstverständliche Grundlage geworden sind. In diesem Sinn blicken wir auf einen erfolgreichen Bachelor Abschluss 2012 zurück, der im Kontext der Anwendung, im anwendungsorientierten Experiment, im Bereich der Rekonstruktion und in forschenden Fragestellungen aufzeigt, wie unterschiedlich die Ziele und Resultate der Entwurfstätigkeit und der visuellen Variantenbildung sein können. Dank für die Vielfalt der Arbeiten gilt den Studierenden, welche mit ihrem Engagement immer wieder mit unerwarteten Resultaten überraschen. Dank gilt den Mentorinnen und Mentoren, welche mit viel Einsatz die Prozesse der Thesis Projekte unterstützt haben. Dank gilt Marion Fink für die Koordination der Thesis Phase Dank gilt ebenso den externen Expertinnen und Experten, Paloma López, Stephanie Kurz, Jiri Oplatek, Jimmy Schmid, welche mit der notwendigen Distanz an den drei Präsentationstagen eine differenzierte Rückmeldung auf die Projekte abgegeben haben. 6 7

6 Quo vadis? Kommunikationsdesign im akademischen und wirtschaftlichen Umfeld Prof. Marion Fink Ein 1984 veröffentlichtes Plakat der Neuen Sammlung München propagierte einst: «Design ist Kunst, die sich nützlich macht.» Der Texter Carlos Obers und das Design Studio Mendell & Oberer formulierten damit nicht nur das Motto des grössten Designmuseums Europas, sondern schienen gleichzeitig der Design Community einen klaren Auftrag gegeben zu haben. Denn fast jeder sass schon einmal ratlos vor einer Gebrauchsanweisung oder starrte in einen Bildschirm auf der Suche nach den Navigationselementen. Oft scheint es, als könne kaum jemand ausser dem Designer selbst den Nutzen dieser grafischen Produkte aus dem Stehgreif erfassen und beurteilen. Andererseits fragt sich der anspruchsvolle Benutzer und moderne User angesichts der immer gleichen visuellen Auftritte grosser Firmen und einschlägiger sozialer Netzwerke der Marken- und Medienlandschaft, ob es nicht besser wäre, wenn Gestalterinnen und Gestalter wieder einmal etwas wagen würden. Mit anderen Worten: Die Arbeit des Kommunikationsdesigners zwischen medialer Reizüberflutung und kollektivem Neuheitsdrang ist komplexer als je zuvor. Die Studierenden mit ihren brandneuen Bachelor Abschlüssen sehen sich mit der Positionierung ihrer Arbeit innerhalb einer Gesellschaft konfrontiert, der die Arbeitspsychologie nach dem Burn-out- das Bore-out-Syndrom diagnostiziert. Das 3-jährige Bachelor Studium ist gemäss dem Bologna- Prozess die erste akademische Phase eines gestuften Hochschulbildungskonzeptes. Die Fortsetzung des zweiten Zyklus Master und des dritten Zyklus Doctorate ist fakultativ, und so muss der Bachelor Abschluss vor allem eines sein: berufsbefähigend. Doch was heisst das? Gerade im Übergang vom Bildungs- zum Arbeitsmarkt ist es für die angehenden Designerinnen und Designer wichtig, die Bewertung ihrer Abschlussarbeiten nicht mehr allein den Mentorinnen und Mentoren oder den Expertinnen und Experten zu überlassen, sondern von nun an verstärkt den Dialog in institutsexternen Kreisen, mit Kunden und der Konkurrenz zu suchen. Aus Sicht der Hochschulausbildung gibt es zwei klare Pole, anhand derer sich jedes Erzeugnis der Visuellen Kommunikation mit seinen Teilbereichen Konzeption, Entwurf, Realisation und Präsentation bewerten lässt. Wie der Institutsleiter Michael Renner es ausdrückt, bewegt sich die Entwurfsarbeit der Visuellen Kommunikation «im Spannungsfeld von visueller Konvention und visueller Innovation (...). Das sinnvolle Zusammenspiel der genannten Pole muss bei jedem Projekt neu definiert werden und die damit zusammenhängende Herausforderung macht die Faszination der angewandten Entwurfsarbeit aus.» 1 Die Konvention fungiert dabei als Grundlage und Garant für die Verständlichkeit der visuellen Botschaft, während die Innovation durch den Bruch mit etablierten Sehgewohnheiten das bisher bekannte Feld zu erweitern sucht. Erklärtes Ziel des Instituts ist es demzufolge, neben der Vermittlung der Gestaltungsgrundlagen die Fähigkeit zu fördern, individuelle gestalterische Varianten zu erzeugen, sie zu beurteilen und zu bewerten. Lenkt man den Blick wieder auf die bevorstehende Berufseingliederung der Bachelor Absolventen, so müssen die internen Bewertungskriterien auf ihre Arbeitsmarktrelevanz hin überprüft werden, das heisst, die Bedürfnisse des Publikums sowie die Ansprüche künftiger Arbeit- und Auftraggeber müssen gleichermassen berücksichtigt werden. Ein jüngst abgeschlossenes Forschungsprojekt untersuchte die Erwartungen der Unternehmer im Spiegel der sich veränderten Ausbildungslandschaft: «Ein Bachelor ist ein wissenschaftlich ausgebildeter Mitarbeiter, der (...) Methoden zur Problemlösung kennen, anwenden und systemimmanent weiterentwickeln können muss.» Des Weiteren zeigen die Äusserungen der Interviewpartnerinnen und -partner im Projekt, dass Personen mit Bachelor Abschluss ohne Praxis je nach Branche eine Einarbeitungsphase von einigen Monaten bis zu zwei Jahren benötigen, bis sie als eigenverantwortliche Mitarbeiter eingegliedert sind. 2 Spricht man von den Absolventinnen und Absolventen kühl als Human Resources innerhalb einer Generation Praktikum, um gleich zwei Begriffe des Zeitgeistes zu verwenden, so brauchen sie bei Bewerbungen vor 8 9

7 allem eines: Berufserfahrung. Die Ironie dabei ist, dass der als Tribut an eine grössere Praxisnähe eingeführte Bachelor nicht nur ehemalige Diplom und Universitätsabschlüsse ablöst, sondern auch in Konkurrenz zur früheren Berufsbildung tritt. Eine neue Form der Akademisierung des Arbeitsmarktes geht mit dieser Entwicklung einher, der sich Studienabgänger wie Unternehmer gewachsen zeigen müssen. Als Reaktion auf die vermehrte Kritik gegenüber des sieben Jahre jungen Bachelor Systems konsolidierten sich im Jahre 2010 die Personalverantwortlichen führender Unternehmen in der gemeinsamen Erklärung «Bachelor Welcome!». Die Unterzeichnenden sind zuversichtlich, dass die Hochschulreform im Zuge des Bologna-Prozesses eine stärkere Praxisorientierung, eine kürzere Studiendauer, eine stärkere Internationalisierung und eine bessere internationale Vergleichbarkeit zur Folge haben wird. 3 Der Diskurs, wohin sich die angehenden Designerinnen und Designer nach ihrer Ausbildung entwickeln sollen, wird schliesslich im Spannungsfeld der Kreativwirtschaft weitergeführt. Sowohl der Verband Design Preis Schweiz als auch die Initiative Kreativwirtschaft Basel IKB formulieren das Ziel, jenes Design zu prämieren und zu fördern, das ökonomische und kulturelle Relevanz verbindet. Das Institut wünscht den Studierenden des Thesis Jahrgangs 2012 viel Erfolg und Mut, die erworbenen Kompetenzen innerhalb weiterführender Studiengänge oder des beruflichen Werdegangs einzusetzen. Die Unterschiedlichkeit zwischen akademischen und wirtschaftlichen Kriterien soll dabei nicht als unvermeidbare Differenz, sondern vielmehr als Herausforderung angenommen werden, auf verschiedene Konstellationen zu reagieren und immer auch im Wagnis einen Nutzen zu sehen. 1 Michael Renner: Vorwort, Bachelor Thesis Katalog, Institut Visuelle Kommunikation, HGK Basel, FHNW, 2011, S. 4f. 2 Ute Hippach-Schneider/Tanja Weigel: Rekrutierung auf der mittleren Qualifikationsebene Fallstudien aus Deutschland, England und der Schweiz, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Philipp Gonon (Zürich), Abschlussbericht Forschunsprojekt im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung, Bonn 2011, S. 11f., in: Bachelor Welcome! Was die Studienreform erreicht hat und was noch vor uns liegt, Studie auf Initiative des Stifterverbandes, des Centrums für Hochschulentwicklung und der deutschen Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Berlin 2010, S. 6ff., in: pdf,

8 Jihyun Bang gmail. com Stereotype of Design : An Act of Betrayal Jihyun Bang Bachelor of Arts in Visual Communication FHNW HGK, Basel DooKim, Corporate Identity Designer, Seoul, South Korea 2009 D strict, Design Intern, Seoul, South Korea Communication Design, Samsung Art and Design Institute, Seoul, South Korea There seems to be a general trend that dictates certain rules and styles in design. These rules exist unconsciously in the designers body and mind by an imperceptible process and it sometimes locks up the creativity. The book could be a clear example that shows the critical point of these rules. In the area of book design, there is a range of creativity in choosing typefaces, making unique grid, developing layouts and manipulating images. However, the study of the book reveals a limitation within the creative choices made by the designers. Through this analysis, we can say that a stereotype exists which the designers usually overlook and assume that it s right. In her practical Bachelor Thesis Jihyun Bang has extensively studied the properties of the book and has conducted a series of experiments to break the stereotype by adding unusual things that current books don t have, such as interaction, personalization and other new ways of reading. She has proposed a different and wider perspective for designers to develop and observe books. Her work shows that the designer can function as a meta communicator who delivers the contents in a easier and more direct way. Each experimental book produced by Bang has a strong connection to its content. The principle of her work as a meta communicator is similar to direct communication between individuals. We all know that when people face each other while they are talking, fewer misunderstandings occur. This is a clear indication that other senses such as facial expressions, gestures, tone of voice and even periods of silence can be more important than the words actually used

9 Jihyun Bang Stereotype of Design: An Act of Betrayal 14 15

10 Augarten Geschichte und Geschichten einer Siedlung Patrick Baumann Patrick Baumann baumann. gmx. net Bachelor of Arts in Visueller Kommunikation FHNW HGK, Basel 2010 Praktikum bei New Identity ltd., Basel 2009 Austauschsemester an der Cooper Union, School of Arts and Design NYC Gestalterischer Vorkurs SfG, Basel Universität Basel, Juristische Fakultät 2005 Matura am Gymnasium Muttenz, Muttenz Bei der Rheinfelder Siedlung Augarten handelt es sich um eine in den 1970er-Jahren realisierte, ca m 2 grosse Überbauung, die unter Federführung der chemischen Industrie Basel als Reaktion auf die damalige Wohnungsnot in der Region konzipiert wurde. Ein wesentliches Ziel war es dabei, bezahlbaren Wohnraum für die unterschiedlichsten Ansprüche und Bedürfnisse zu schaffen. Die Meinungen über die Siedlung Augarten gehen seit jeher weit auseinander. Manchen erscheint sie wie ein Ghetto, andere halten sie für paradiesisch. Im Rahmen von Patrick Baumanns Bachelor Thesis entstand ein Buch, in dem das Quartierleben der letzten 40 Jahre dokumentiert und reflektiert wird. Die Arbeit beinhaltet neben einer umfangreichen Sammlung von historischen Zeitzeugnissen auch eigens produzierte Bildserien der Menschen im Augarten und ihrer Umgebung. Inhaltlich bereichert wird das Buch durch zahlreiche Anekdoten und Geschichten von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie durch drei ausführliche Interviews. Patrick Baumann beschäftigte bei diesem Projekt vor allem die Frage, wie sich grosse Mengen an unterschiedlichen Informationen und Quellen zusammenbringen lassen, um ein möglichst breites und farbiges Bild des Augartens zu vermitteln. Wichtiger als die historisch korrekte Aufarbeitung der Geschichte der Siedlung war es, deren Identität zu erfassen und die Identifikation der Menschen mit ihrer Wohnumgebung aufzuzeigen. Durch die Sammlung von Sichtweisen aus verschiedenen Zeiten gelingt es der Publikation, eine Brücke von den Anfängen der Siedlung bis in die Gegenwart zu schlagen. In der kulturgeschichtlichen Bachelor Thesis werden die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der Siedlung Augarten beleuchtet. Dabei ermöglicht es ein historischer Exkurs, die Bedeutung des Konzeptes dieser Arbeitersiedlung richtig einzuordnen. Untersucht und verglichen werden darüber hinaus zwei Möglichkeiten der dokumentarischen Darstellungsform von urbanen Räumen

11 Patrick Baumann Augarten Geschichte und Geschichten einer Siedlung 18 19

12 Die unerklärliche Metamorphose Das Wunder der Fantasie Sonja Berger Sonja Berger wor ttran sp or t. ch w w w. wor ttran sp or t. ch Bachelor of Arts in Visueller Kommunikation FHNW HGK, Basel Temporäreinsätze als Grafikerin in der Werbewerkstatt GmbH, Bern 2009 Leadership-Zertifikat BVS Polygrafin bei Schlaefli & Maurer AG, Interlaken 2006 Praktikum bei ArtPartner, Atelier für Grafikdesign, Interlaken Berufslehre als Polygrafin, Ott Verlag, Thun Schlaefli & Maurer AG, Interlaken; Lehrabschluss ausgezeichnet mit dem Cicero-Preis Gymnasium Thun Seefeld, Matura mit Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten Kinder und Erwachsene staunen über die Verwandlung der Raupe in den Schmetterling. Aus der gefrässigen, dicken Raupe entsteht die bein- und flügellose Puppe gleichwohl ein Lebewesen, nicht bloss eine Hülle, aus welcher schliesslich der feingliedrige, flugfähige Falter schlüpft. Welch rätselhafte Vorgänge mögen sich wohl im Verborgenen abspielen? Sonja Berger nähert sich dieser Frage aus gestalterischer Perspektive. Dabei geht es ihr nicht darum, eine naturwissenschaftlich korrekte Visualisierung des Phänomens der Metamorphose zu finden. Ihr Ziel ist es vielmehr, eine Wissenslücke mit dem gestalterischen Mittel der Imagination zu füllen. Das Rätsel der Metamorphose erforscht Sonja Berger in ihrer Bachelor Thesis in neun Bildserien. Die mit blossem Auge in natura sichtbaren Merkmale von Raupe, Puppe und Falter dienen dabei jeweils als Ausgangslage. Sie markieren Anfang und Ende einer Serie und definieren die Aussenform der Puppe. Die Vorgänge im Inneren der Puppe sind das Experimentierfeld. Der Betrachter wird aufgefordert, selbst herausfinden, wo sich die gezeigte Verwandlung von den biologischen Tatsachen entfernt und die Fantasie beginnt. Im kulturgeschichtlichen Teil ihrer Bachelor Thesis analysiert Sonja Berger die bildlichen Darstellungen von Metamorphosen in den Naturwissenschaften und in Lehrmitteln. Dabei kristallisiert sich unter anderem heraus, durch welche bildlichen Qualitäten die Vorstellungskraft des Betrachters angeregt wird

13 Sonja Berger Die unerklärliche Metamorphose Das Wunder der Fantasie 22 23

14 Debby Bürgisser bluewin. ch Eine Stunde Mein Arbeitsplatz aus drei Blickwinkeln Debby Bürgisser Bachelor of Arts in Visueller Kommunikation FHNW HGK, Basel 2011 Praktikum bei Velvet Creative Office GmBH, Luzern Gestalterischer Vorkurs Hochschule Luzern, Kunst und Design 2008 Projektleitungsassistenz im Bereich Webentwicklung für das Schul- und Sportdepartements der Stadt Zürich 2007 Matura mit Schwerpunkt Bildnerisches Gestalten, Kantonsschule Beromünster «Andere Blickwinkel eröffnen andere Lesearten» unter dieses Motto stellte Debby Bürgisser den gestalterischen Teil ihrer Bachelor Thesis, bei der es ihr zentral um die Auseinandersetzung mit dem kreativen Arbeitsprozess ging. In einem experimentellen Ansatz untersucht sie dazu beispielhaft den eigenen kreativen Prozess mit dem visuellen Mittel der Fotografie. Durch einen Perspektivenwechsel von der Macherin zur Beobachterin betrachtet sie dabei die Komplexität eines Prozesses unter verschiedenen Blickwinkeln. Im Minutentakt wurden Momente aus drei fixen Kameraperspektiven festgehalten. Dieser auf einer räumlichen und zeitlichen Achse basierende Bilderpool lieferte das visuelle Ausgangsmaterial, das anschliessend neu kombiniert wurde. Durch das Aufbrechen des zeitlichen Kontextes und die subjektiv begründete Auswahl bestimmter Momentaufnahmen beziehungsweise Perspektiven wird eine analytische Betrachtung der dokumentierten Vorgänge möglich. Die finale Arbeit zeigt anhand von vier Szenarien exemplarisch auf, wie mithilfe von Bildern beziehungsweise Bildabfolgen ein und derselbe Prozess unterschiedlich dargestellt und gelesen werden kann. Im kulturgeschichtlichen Teil ihrer Bachelor Thesis mit dem Titel «LAY OUT eine Annäherung an das Wesen des Layouts» beschäftigte sich Debby Bürgisser mit der Tätigkeit des «Layoutens». Ausgehend von einer wortwörtlichen Interpretation des Begriffs Layout untersuchte sie seine Verwendung in den Bereichen der Medienwissenschaft, der Rhetorik und der Architektur

15 Debby Bürgisser Eine Stunde Mein Arbeitsplatz aus drei Blickwinkeln 26 27

16 Stefan Cecere saltedwater. ch www. saltedwater. ch Ich schlafe besondere Nächte Stefan Cecere Bachelor of Arts in Visueller Kommunikation FHNW HGK, Basel 2012 Markus Bertschi Fotografie, Assistent, Zürich 2011 Praktikum Büro4, Zürich 2010 Auslandssemester Willem de Kooning Academie, Rotterdam (NL) 2009 Polygraf, DDC Langenthal AG und werk:8, Langenthal Gestalterische Berufsmaturität (BMS), GIBB, Bern 2007 Polygraf, DDC Langenthal AG, Langenthal Polygraf, Merkur Zeitungsdruck AG, Langenthal Berufslehre Polygraf, Lippuner Graphics AG, Koppigen Im Allgemeinen ist die Erwartung an den eigenen Schlaf ziemlich einfach: schnell einschlafen, gut durchschlafen und morgens erholt aufwachen. Aber was passiert beim «Nichtschlafen-Können»? Die als Insomnie bezeichnete Beeinträchtigung des Schlafes kann für Betroffene zur extremen Belastung werden. Die gesundheitliche und gesellschaftliche Relevanz von Schlafstörungen ist angesichts steigender Belastungen und zunehmender Hektik gerade heute sehr aktuell. Im Rahmen seiner Bachelor Thesis entwickelte Stefan Cecere eine audiovisuelle Installation zum Thema Insomnie. Die Installation führt den Besucher in die Welt eines Schlafgestörten. Sie versucht aufzuzeigen, wie es sich anfühlt, nicht schlafen zu können. Dabei wird davon ausgegangen, dass wir unsere Umgebung bei Dunkelheit be zie hungs wei se in der Nacht anders wahrnehmen objektiv und subjektiv. Ton und Bild überlagern, verbinden und ergänzen sich, die Grenzen zwischen innerer und äusserer Wahrnehmung verschmelzen. Die Zeit wird gedehnt und wieder komprimiert. In diesem Zyklus wird die nächtliche Ruhe immer wieder durch die innere Aktivität durchbrochen. Der Besucher befindet sich dabei selber in der Situation des Schlafgestörten. Die isolierte und liegende Position wirkt sich unweigerlich auf seine Wahrnehmung aus. In seiner kulturgeschichtlichen Bachelor Thesis beschäftigte sich Stefan Cecere mit dem Thema Schlaf be zie hungswei se Schlafstörungen. Er untersuchte dabei folgende Fragen: Was ist Schlaf? Wozu dient er? Was passiert, wenn man über einen längeren Zeitraum nicht schlafen kann? Darüber hinaus hat er sich mit Arbeiten aus Kunst, Gestaltung und Film auseinandergesetzt, die dem Thema Insomnie gewidmet sind

17 Stefan Cecere Ich schlafe besondere Nächte 30 31

18 Linda Dagli Orti linda. gmx. net Ich bin viele Fremdbilder in Sequenzen Linda Dagli Orti Bachelor of Arts in Visueller Kommunikation FHNW HGK, Basel Polygrafin, Foto Studio Mario, Dornach Lehre zur Polygrafin, Werner Druck AG, Basel Gestalterische BMS, AGS Basel Der ständige Vergleich mit unseren Mitmenschen ist ein normaler psychologischer Prozess. Durch den Blick nach aussen meinen wir, uns selbst kennen zu lernen. Linda Dagli Orti befasst sich in ihrer Bachelor Thesis mit den Identitäten von Menschen. Dazu öffnet sie ihr eigenes Netzwerk und überlässt ihren Platz für einmal den Betrachtern. Zu sehen ist eine Reihe von Videosequenzen. Es beginnt mit sich verdichtenden Informationen über einzelne Personen. Der Betrachter gewinnt zunächst den Eindruck, als lerne er sie vertieft kennen. Tatsächlich aber nimmt er sie unwillkürlich bloss als Typen wahr. Die Szenen, in denen diese Personen dann offenbaren, wie sie gerne auf ihrem Facebook-Profilbild und ihrem Bewerbungsbild aussehen würden, irritieren den Betrachter. Er muss sich fragen, wie er sich selbst präsentieren würde. Die Situation beginnt zu kippen, wenn sich die gezeigten Statements als komplette Inszenierungen entpuppen. Der Betrachter durchlebt in den Videosequenzen, was die Studentin in ihrem Alltag erfährt. Zum Schluss drängt sich die Frage auf, ob wir uns nicht alle ständig selbst am Inszenieren sind. Im kulturgeschichtlichen Teil der Bachelor Thesis richtet Linda Dagli Orti ihren Blick auf verschiedene ästhetische Konzepte aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Video und Performance, in denen die Konstruktion des Selbstbildes durch Fremdwahrnehmung eine zentrale Rolle spielt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse lässt sie in die Untersuchung von Therapieformen einfliessen, mit denen Störungen wie soziale Phobie und Anorexia nervosa behandelt werden. Es zeigt sich, dass ästhetische Konzepte einen erheblichen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung haben

19 Linda Dagli Orti Ich bin viele Fremdbilder in Sequenzen 34 35

20 Dominik Denzler dominikdenzler. ch A Roland for an Oliver Dominik Denzler Bachelor of Arts in Visueller Kommunikation FHNW HGK, Basel 2009 Mitgründung des Ausstellungsraums deuxpiece Gestalterischer Vorkurs SfG, Basel 2008 Praktikum bei Fieldwork, Stockholm Dominik Denzler befasst sich im Rahmen seiner Bachelor Thesis mit der Offspace-Szene Basels. Gegenstand seiner Arbeit sind Konzeption, Gestaltung und Verbreitung einer Broschüre, die als Führer durch die Projekträume (unabhängige Räume für künstlerische Projekte und Ausstellungen) der Stadt Basel dient. Die Broschüre erfasst überblicksartig die verschiedenen Räume, enthält Informationen zu deren jeweiligen Konzepten und liefert mit Wegbeschreibungen sowie Karten alle notwendigen Angaben, um diese Orte in der Stadt aufzufinden. Ziel der Arbeit mit dem Titel «A Roland for an Oliver 2012» ist es, die Projektraumszene der Stadt Basel zu vernetzen und die zum Teil etwas versteckten Orte für die Öffentlichkeit zugänglicher zu machen. Die Konzeption der Broschüre ermöglicht einen ganzjährigen Gebrauch, um ihr aber zusätzliche Aktualität zu geben, wurde sie zur Kunstmesse Art 43 Basel im Juni 2012 veröffentlicht und in allen beteiligten Projekträumen sowie an der Messe aufgelegt. Deshalb enthält sie auch Ausstellungsinformationen aller Projekträume während der Art 43 Basel. Im kulturgeschichtlichen Teil der Bachelor Thesis wurden unter dem Titel «Lost in Space» die Gebiete Information und Orientierung in der Gestaltung, typografische Rastersysteme sowie Kartografie behandelt. Die Erkenntnisse aus dieser Auseinandersetzung flossen in die gestalterische Arbeit ein

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