Fashion Weeks Altstadt Salzburg

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1 Fashion Weeks Altstadt Salzburg 25. August bis 18. September 2010 FESTSPIEL-STARS IM PORTRAIT ZEN AND THE CITY SOMMERAKADEMIE KLISCHEE ADÉ? 2,50 zugestellt durch post.at

2 Wer nach Maß schneidert, trägt gern auch Brillen nach Maß. Fotos: Clemens kois Andreas Enzenhofer, Kleidermacher Linzer Gasse 50 Tel

3 Durchblick zu bewahren ist wichtig in meinem Job. Dank der maßangefertigten Brille von Gollhofer schaffe ich das spielend. Eleni Lambrakis, Landschafts-Architektin

4 Inhalt Liebe SalzburgerInnen, Interviews mit berühmten Leuten zu führen ist meist leichter, als sie zu organisieren. Abweisende Künstler-Managements, volle Terminkalender oder ein -Programm, das einen einfach aussortiert: Schwupps und schon ist man im falschen Ordner, auf dem Müll statt Inbox steht. Umso schöner, dass sich für unser Festspiel- Special immer wieder echte Stars finden, die einen natürlichen Umgang mit der Presse und dem auf sie gerichteten Interesse pflegen und sich Zeit für ein Gespräch mit uns nehmen. Dass es dieses Mal mit dem Tenor Matthias Klink, der Mezzo-Sopranistin Elisabeth Kulman, dem Songwriter Dirk von Lowtzow und der Bratschistin Veronika Hagen nicht nur zwei Sänger und zwei Musiker von Weltformat, sondern auch ungemein sympathische und eloquente Menschen waren, die uns die Tür zu ihrem Leben aufhielten, erfüllt uns mit besonderem Stolz. Für immer Mozart? In Wien versucht man touristische Kernwerte mit neuen, modernen Themen zu koppeln. Uns interessierte, ob das auch ein gangbarer Weg für Salzburg wäre. Je echter du wirst, umso unechter wird alles andere soll John Lennon einmal gesagt haben. Dem wollen wir entgegen wirken. Nach vielen Zuschriften haben wir uns deshalb dazu entschlossen, die Serie Zen and the City fortzusetzen, in der wir Orte der Altstadt aufsuchen, an denen sich abseits des städtischen Trubels Kraft tanken lässt. Dass in den heißen Monaten auch heiße Mode nicht zu kurz kommen darf, ist nur logisch und bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung. Genießen Sie den Sommer in vollen Zügen! Viel Spaß beim Lesen. Markus Deisenberger CHEFREDAKTEUR Gabriela Paumgartner HERAUSGEBERIN Neu in der Altstadt Betriebe aus den Bereichen Lebensmittel, Mode, Accessoires, Gastronomie. 06 Creative City Salzburg Gemeinsam statt einsam in der Kreativwirtschaft. HERAUSGEBER paumgartner I eccli Kommunikationsberatung, Kaigasse 11/3, 5020 Salzburg, KONZEPTION, ANZEIGEN LEITUNG Mag. Gabriela Paum gartner ANZEIGENVERKAUF Meta Pesch, Nicola Joy Waid GESCHÄFTSFÜHRUNG Mag. Gabriela Paum gartner CHEFREDAKTION Mag. Markus Deisenberger ART DIRECTION Christian Ospald, MITARBEITER DIESER AUSGABE Martin Malm, Bernhard Ostertag, Johannes Thanhofer FOTOS Clemens Kois, Victoria Schaffer COVER cleos DRUCK Niederösterreichisches Presse haus, St. Pölten VERTEILUNG durch Post.at, an alle Haushalte in und um Salzburg NÄCHSTER ERSCHEINUNGSTERMIN Inhalt_Editorial vision.altstadt.

5 Drei Farben: Rot Schnelle Autos und heiße Kleider kommen nie aus der Mode. Festspiel-Stars im Portrait Matthias Klink, Elisabeth Kulman, Veronika Hagen und Dirk von Lowtzow privat. Sommertrachtstraum Klassisch, Retro oder knallig: Mit Tracht hat man immer gute Karten. Klischee adé? Für immer Mozart? Lassen sich touristische Kernwerte mit neuen Themen ergänzen? Zen and the City Plätze in der Stadt für die seltenen und ruhigen Momente im Alltagsleben. Schmelztiegel der Kunst Bei der Sommerakademie vermischen sich Künstler, Studenten und Kunstinteressierte. Harmonie ist eine Strategie Schon jetzt die Trends für den nächsten Winter. Keep cool! Museen, Galerien, Veranstaltungen Bildungs- und Veranstaltungsübersicht für die Altstadt von Juli bis September. vision.altstadt. Inhalt 05

6 FOTOS VICTORIA SCHAFFER HERSTELLER Neu in der Altstadt Zarte Versuchungen aus schwarzem Gold. Zotter Schoko-Laden, Herbert-von-Karajan-Platz 4 GASTRO LEBENSMITTEL DELIKATESSEN Di Renzi, Linzer Gasse 4 Wo exzellenter Geschmack und italienische Lebensfreude gelungen auf einander treffen... Neben feinstem Prosciutto bietet Di Renzi eine erlesene Auswahl ausgezeichneter Spezialitäten und Weine aus dem Friaul bis hin zur Toskana. Geschmackvolle Mittagsgerichte inkl. frischem Salat und einem alkoholfreien Getränk zum Preis von nur Euro 7,90. Täglich Uhr. Kramer s, Griesgasse 15 Über 800 Artikel des täglichen Bedarfs, wie Milchprodukte, Wurstwaren, Getränke, Naschereien, Delikatessen, Bier etc. Bei Kramer s kann man aber nicht nur einkaufen, sondern auch eine Tasse Kaffee, ein frisch gezapftes Bier, ein Glas Prosecco oder einen von mehr als vierzig Weinen zum Regalpreis vor Ort genießen. Tipp: bis 10 Uhr kostet jeder Kaffee nur Euro 1,00. Täglich Uhr. The Grape, Griesgasse 27 Alexander Adlgasser serviert in seiner neu eröffneten Weinboutique Top-Weine der Welt. Seit über zwei Jahrzehnten widmet der Sommelier sein Leben dem Wein. Ungefähr 130 Weine sind lagernd, viele davon gibt es glasweise. In der Vitrine liegen feine, kalte Spezereien bereit, darunter stets drei bis vier tagesfrisch von Topkoch Jörg Wörther zubereitete Delikatessen im Glas. Manner, Residenzplatz 6 Der neue Shop des Wiener Süßwarenspezialisten. Neben allen Manner-Produkten gibt es auch div. Merchandising-Artikel wie Ski-Helme, Thermobecher, Badehandtücher, Strandläufer und vieles mehr. Zusätzlich dazu bietet der Shop auch ein Kaffeehaus mit vielen kulinarischen Köstlichkeiten und dem allseits bekannten und beliebten Manner-Schokobrunnen. Mo Fr 9 21, Sa-So 9 18 Uhr. Foto: H. Lehmann Zotter Schoko-Laden, Herbert-von-Karajan-Platz 4 Nun hat auch Salzburg einen Zotter Schoko- Laden, in dem das gesamte Sortiment des Chocolatiers erhältlich ist. Die kultigen, handgeschöpften Schokoladen, Trinkschokolade, Kuvertüren und vieles mehr. Und das alles in Bio- und Fair-Qualität! Mo Fr 10 18, Sa Uhr. 06 Neue Betriebe vision.altstadt.

7 Top-Weine der Welt. The Grape, Griesgasse 27 Wo exzellenter Geschmack und italienische Lebensfreude gelungen auf einander treffen. Di Renzi, Linzer Gasse 4 Vom Fass, Goldgasse 9 Vom Fass ist wieder in die Salzburger Altstadt zurückgekehrt, nur wenige Häuser vom früheren Standort entfernt. Essige, Öle, Liköre und Spirituosen feinster Güte direkt vom Fass, Glasballon oder Tonkrug in der gewünschten Menge frisch abgezapft. Mo Do , , Fr , Sa Uhr. Köchelverzeichnis Klassik-Wein-Dispensa, Steingasse 27 Für alle Freunde der edlen Tropfen, der leisen Töne und des guten Geschmacks bietet Andrea Hick eine kleine Insel in der Alltagshektik. Ein Gläschen Wein vom Familienweingut Maria Hick aus der Wachau, ein Schmankerl der Waldviertler Käsemacher oder ein köstliches Tafelspitzsulzerl. Alle Weine können auch im Gassenverkauf erworben werden, Gratiszustellung im Stadtgebiet bei einem Einkauf ab Euro 50,00. Di Fr 15 22, Sa Uhr. Was das tägliche Leben fordert. Kramer s, Griesgasse 15 Ein kulinarischer Traum in Lila. Flavour Weinbar-Restaurant, Imbergstraße 21 winter.garten city, Imbergstraße 2a Direkt an der Salzach gelegen, kann man im Gastgarten mit Kunstrasen und extra angefertigten Barockmöbeln den Sonnenuntergang zu hausgemachten Drinks genießen. Von 10 Uhr früh bis spät nachts gibt es internationale Speisen von Frühstück über Lunch-Boxen und Mittagsmenüs bis hin zum Dinner. Bis vier Uhr früh kann am Wochenende gefeiert werden. Durchgehend warme Küche und kein Ruhetag. So Do 10 1, Fr, Sa 10 4 Uhr. Coffee Symphony, Griesgasse 13 Internationale Kaffeespezialitäten, Trinkschokolade, Waffeln, Schokofondue, Torten aber auch Snacks wie Wraps und griechische Dakos serviert Claudia Reinthaler im neu übernommenen Nichtraucherlokal mit Dachterrasse. Außerdem: die amerikanische Fairtrade Eismarke Ben & Jerry s. Mo, Mi Fr , Sa & So Uhr. Flavour Weinbar-Restaurant, Imbergstraße 21 Foto: DI Klaus Pichler ACCESSOIRES SCHMUCK Crystalp, Getreidegasse 46 Hier werden die vielfältigsten Swarovski Kristalle mit einer anspruchsvollen Designlinie zu alltagstauglichen Schmuckstücken vereint. Mo Fr 10 18, Sa Uhr. Sun-Downing an der Salzach. winter.garten city, Imbergstraße 2a Schnittchen aus der Hauptstadt. Manner, Residenzplatz 6 Konplott, Imbergstraße 49 Seit kurzem sind die Schmuckkreationen von Miranda Konstantinidou unter der bekannten Marke KONPLOTT als Shop in Shop-Konzept bei Schenken macht Freude erhältlich. >> vision.altstadt. Neue Betriebe 07

8 >> GESUNDHEIT & BEAUTY Hörfeeling, Imbergstraße 49 Neueste Technologie der weltpatentierten Hörkabine Floatroom ermöglicht durch präzise Messung von Hörverlust eine noch bessere Hörgeräteanpassung für den Kunden. Es ist die einzige Hörkabine dieser Art in Österreich, die sich durch besonders hohe Qualität auszeichnet und ein neues, einzigartiges Hörfeeling verspricht. Das kleine, unabhängige Unternehmen steht sowohl für Flexibilität und Qualität auf höchstem Niveau als auch für Professionalität und Kompetenz mit Best- Preis-Garantie. Mo Fr , Uhr. Das individuelle Design aus Österreich gibt Tauerngwand eine ganz besondere Note. Tauerngwand, Griesgasse 19 a Neueste Produkte am Hörgerätemarkt. Hörfeeling, Imbergstraße 49 City Style by IKA, Schwarzstraße 11 Mit dem neuen Salon in der Schwarzstraße hat Irfan Kahraman seine vierte Filiale in Salzburg eröffnet. Neben typgerechter Beratung, perfekten Schnitten und verschiedenen Farbtechniken gibt s hier ein Service wie sonst nur im Türkeiurlaub: Bartpflege, Rasur, Gesichtshaarentfernung und Augenbrauenzupfen auf orientalische Art. propofit Fachgeschäft für Bienenprodukte, Mirabellplatz 7 MODE Camper Shop, Pfeifergasse 16 Camper Schuhe haben längst Kultstatus erreicht und eine weltweite Fangemeinde. Die größte Auswahl gibt es jetzt in Salzburgs erstem Camper Shop. Klassische Sneakers, sportliche Riemchenballerina oder modisches Schuhwerk mit Holzplateau. Mo Fr 10 18, Sa Uhr. Calzedonia, Griesgasse 17 Kürzlich eröffnete der erste Calzedonia Shop. Der neue Store in der Salzburger Altstadt ist bereits der 20. in Österreich. Auf 50 m 2 findet sich ein ansprechendes Sortiment der begehrten Marke für Bademoden & Strumpfwaren. Mo Fr 9 19, Sa 9 18 Uhr. Tauerngwand, Griesgasse 19 a Das traditionsreiche Salzburger Textilstickhaus Toferer Textil eröffnete am 17. Juni den ersten Flagshipstore mit den Eigenmarken Tauerngwand und Backwood 8. Hinter der Marke Tauerngwand verbirgt sich eine spezielle Kollektion an Textilien mit individuellem Design aus Österreich auf qualitativ hochwertigen Materialien. Backwood 8 steht für junge und trendige Designs auf T-Shirts gestickt und bedruckt. Hervorzuheben ist das enorm schnelle Service im Stickbereich: STICK TO GO! heißt das Zauberwort. Perfekte Schnitte, Typberatung und Bartpflege. City Style by IKA, Schwarzstraße 11 Foto: Universität Mozarteum, Christian Schneider Zuletzt zu sehen: die Abschlussproduktion des 4. Jahrgangs der Abteilung für Schauspiel und Regie Wie es euch gefällt von William Shakespeare. Theater in der Druckerei, Bergstraße Neue Betriebe vision.altstadt.

9 Hier werden die vielfältigsten Swarovski Kristalle mit einer anspruchsvollen Designlinie zu alltagstauglichen Schmuckstücken vereint. Crystalp, Getreidegasse 46 Tracht einmal anders. Ploom, Ursulinenplatz 5 Foto: Kurt Salhofer Haare: Mario Krankl KUNST & KULTUR Theater in der Druckerei, Bergstraße 12 Im einstigen Firmensitz der Salzburger Druckerei erobern seit März die Mozarteum-Studierenden der Abteilung Schauspiel und Regie die Theaterbühne. Tradition trifft Moderne, Experimentierwerkstatt statt Industriestandort der neu belebte Raum mit seinem neuen Theatersaal, der 140 Personen fasst, ist nun Schauplatz moderner künstlerischer Projekte. NEU ÜBERNOMMEN St. Paul s Stubm, Herrengasse 16 Die St. Paul s Stubm, die es seit 1930 in kaum verändertem Zustand gibt, wurde von Wernbacher-Cafétier Bernhard Huemer neu übernommen. In der Küche legt man besonderen Wert auf die gehobene österreichische Wirtshausküche in Kombination mit frechen Gerichten, natürlich alles frisch. Der legendäre Gastgarten über den Dächern des Kaiviertels lädt besonders an lauen Sommernächten auf ein kühles Puntigamer Bier ein. Mo Sa ab 17 Uhr. Hemden Babitsch & Living Ideas, Wolf-Dietrich-Straße 15 Tina Hinteregger, gelernte Schneiderin mit Mode- und Designausbildung hat den seit über 50 Jahren eingesessenen Handwerksbetrieb neu übernommen. Neben dem Angebot klassischer Hemdenfirmen wie Gloriette und Seidensticker werden Maßhemden nach Wunsch gefertigt, Änderungen und textile Reparaturen vorgenommen. Mo Fr 9 18, Sa 9 13 Uhr. Alles eine Frage des Stils: Die Hybridschuhe des mallorcinischen Herstellers Camper werden in einer Kombination unterschiedlicher Techniken und nur mit den hochwertigsten Materialien hergestellt. Camper Shop, Pfeifergasse 16 Whiskey, Öle, Essig. Genussfass, Wiener-Philharmoniker-Gasse 3 Legendär. St. Paul s Stubm, Herrengasse 16 JUST MOVED Genussfass, Wiener-Philharmoniker-Gasse 3 Seit Anfang April begrüßt Gabriele Akyildiz, von der Goldgasse, nun in die Nähe des Grünmarkts übersiedelt, mit gleichem Team und vielen neuen Produkten in der gewohnten, ausgezeichneten Qualität ihre Kunden. Ploom, Ursulinenplatz 5 Das Modelabel, das Trachtenmode neu interpretiert, ist vom Müllner Hügel flussaufwärts übersiedelt. Seit Mitte Mai heißt Designerin Tanja Pflaum, im neuen Shop samt Werkstatt auf über 100 m 2 im Felsen des Mönchsberges am Ursulinenplatz und mit Blick auf die Salzach willkommen. Do Fr 11 18, Sa Uhr und nach Vereinbarung. Fotostudio Veigl, Wolf-Dietrich-Straße 9 Vom Bruderhof in ein größeres Studio im Innenhof der Wolf-Dietrich-Straße 9, ist Veigl Fotografie übersiedelt. vision.altstadt. Neue Betriebe 09

10 FOTOS ZVG ALTSTADTMARKETING SALZBURG Über den Autor: Günther Marchner ist Organisationsentwickler, Sozialwissenschaftler und Moderator, Mitglied von consalis-entwicklungsberatung und von b.a.s.e. (Büro für angewandte Sozialforschung und Entwicklung) in Salzburg und Mitglied der Initiative City Lab und der Pressure Group zur Vernetzung und Entwicklung der Kreativwirtschaft in der Stadt Salzburg. CREATIVE CITY SALZBURG Vernetzung und Kooperation: Oft Wunsch, manchmal Wirklichkeit Gemeinsam statt einsam in der Kreativwirtschaft. Vernetzung und Kooperation: Zauberformeln? Notwendigkeiten? Erfolgsfaktoren? Gerade in der Kreativwirtschaft, die sehr stark von Mikrounternehmen besetzt ist und für die Vernetzung eine zentrale Überlebens- und Entwicklungsstrategie darstellt, sind dies Schlagworte geworden. Im Mittelpunkt stehen oft gemeinsame Orte als Raum für kreative Prozesse, um selbständig, aber nicht alleine zu arbeiten. Aber wozu sich vernetzen und mit anderen kooperieren? Welche Orte fördern Austausch und Kommunikation? Wo liegen Schwierigkeiten, Fallen und Barrieren? ZWISCHEN GLOBALISIERUNG UND GEMEINSCHAFTSSINN Einerseits wünschen sich Selbständige aus kreativwirtschaftlichen Branchen gemeinsame Orte für Austausch, Präsentation und Zusammenarbeit, andererseits mutiert Kreativwirtschaft bei der Wirtschafts- und Stadtentwicklungspolitik zum begehrten Subjekt für städtische Ansiedlungs- und Belebungsinitiativen. Schon in den 1990er Jahren entdeckte man, dass im scheinbaren Widerspruch zu Globalisierung und Virtualisierung unserer Wirtschafts- und Arbeitswelten die Bedeutung standortgebundener kreativer Milieus nicht verloren geht. Ganz im Gegenteil! So wurde die Notwendigkeit des vielfältigen Austauschs, der informellen Beziehungen zwischen Gleichgesinnten, Unternehmen, Zulieferern, Bildung, Forschung usw. als Voraussetzung für Kreativität, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit erkannt. SALZBURG VERNETZT Auch in Salzburg gibt es Beispiele für Initiativen zur Vernetzung und Kooperation wie die City-Labors der Salzburger Altstadt, politisch forcierte Technologiezentren, Campus-Hochschulen oder Science Cities. Wichtig und viel zu oft übersehen wird dabei, dass diese Orte nicht künstlich geschaffen werden können, sondern eine starke Geschichte haben und in einer Gegend von hoher Kreativitätsdichte liegen müssen. Dabei darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass Kooperationsinitiativen auch die Gefahr bergen, durch Absaugen in Gemeinschaftsräume Leerstand zu produzieren. Brandaktuell sind die Bemühungen, das ehemalige Stadtwerke-Areal zu einem Standort für Kreative zu machen. Einerseits sind manche PolitikerInnen, StadtentwicklerInnen, ArchitektInnen und auch InvestorInnen vom Gedanken der Belebung neuer wie alter Areale durch kreativwirtschaftliche Nutzung beseelt, andererseits passiert diese Entwicklung oft ganz von alleine und unbeachtet. Gut gemeinte Ideen werden von außen aus dem Boden gestampft oder von oben übergestülpt und scheitern, erfolgreiche Beispiele entstehen wie von Zauberhand. CO-WORKING SPACES Entsprechend groß ist die Neugier auf gelungene Beispiele. Hierzu zählt das Andräviertel, das von einem Netz von Bürogemeinschaften und Einrichtungen durchzogen wird, die in den Bereichen Softwareentwicklung, Medien, Werbung, Grafik, Design, Forschung, Beratung, Kunst und Kultur tätig sind. Interessante Modelle sind auch die sogenannten Co-working spaces in der Schraubenfabrik, im Rochuspark oder in der Hutfabrik in Wien. Die Community Developer Stefan Leitner-Sidl und Michael Pöll haben darin UnternehmerInnenzentren vor allem für schreibtischgebundene Formen der Kreativwirtschaft initiiert. Alle Zentren waren ehemalige Gewerbeareale und wurden einer Neunutzung zugeführt. Inzwischen sind bereits rund 100 Kreative dort erwerbstätig. Interessant wären freilich auch Beispiele von kreativen Kooperationsorten, die inhaltlich und räumlich nicht auf Schreibtischtätigkeiten beschränkt sind, sondern Produktionsstätten beinhalten oder einer Diskretion bedürfen, wie sie Großraumbüros nicht zu leisten vermögen. 10 Leben und arbeiten in der Altstadt vision.altstadt.

11 VORAUSSETZUNGEN UND MOTIVATION Orte für Vernetzung und Kooperation brauchen Unterstützung von außen und das Interesse von Seiten der kreativwirtschaftlich Selbständigen. Für das Gelingen von Co-working spaces gibt es einige simple Voraussetzungen: Es braucht Menschen, die aus ihren Home-Offices herauswollen, ein für die Klientel attraktives Umfeld und Räumlichkeiten, die sich aufgrund ihrer Struktur und Atmosphäre für eine solche Nutzung eignen. Diese weichen Bedingungen werden von Top Down-Strategen immer wieder unterschätzt oder missachtet. Waltraud Winkler-Rieder, Mitglied der ÖAR-Regionalberatung mit Erfahrung im Kooperationsmanagement für KMU s (Holzcluster, Meisterstraße), betont, wie sehr erfolgreiche Kooperationen von langjähriger Aufbauarbeit und von Lern- und Entwicklungsprozessen der Beteiligten abhängig sind. Neben Organisations- und Planungs- Know-how sind aber auch kommunikative und rhetorische Fähigkeiten von großer Bedeutung, so Winkler-Rieder weiter. Eins und Eins ist oft viel mehr als Zwei. Aber nicht automatisch. Hubert Eichmann, Sozialwissenschafter MULTIDISZIPLINARITITÄT UND OPTIMALE GRÖSSE Die Attraktivität von gemeinsamen Orten hängt vom Zugang zu Informationen, von den informellen Gelegenheiten zum Austausch und der Möglichkeit zum Lernen ab. Orte des Co-working funktionieren daher dann am besten, wenn Selbständige aus unterschiedlichen Branchen zusammenkommen. Auch die Größe als Optimum für Kooperation ist entscheidend. Es bedarf einer Mindestgröße, um Dynamik zu erzeugen, und einer Maximalgröße, um Atmosphäre und bestimmte Qualitäten zu bewahren. Es geht um die Balance von Nähe und Distanz, zwischen alleine arbeiten und kooperieren wollen. Kooperationen zwischen Menschen, so Sozialwissenschaftler Hubert Eichmann, der sich mit Unternehmens- und Netzwerkpraktiken von Selbständigen in der Kreativwirtschaft beschäftigt, können einen unglaublichen Mehrwert für die Beteiligten bringen. Auch wenn eine Kultur der Kreativen jegliche Form von Regulierung, direkter Steuerung, Hierarchie und Formalität ablehnt, so brauchen Co-working spaces eine Form von Management. Erst durch die Bereitstellung und Pflege einer Vernetzungsarchitektur, wird die Community, das Sharing oder einfach das Wohlbefinden der Menschen am Ort erst ermöglicht. AUSBLICK Wo immer die Ansiedlung kreativwirtschaftlicher Orte und Arbeitsplätze angedacht ist warum nicht in der Salzburger Altstadt als Alternative und Ergänzung zu Tourismus, Verwaltung und Kulturerbe sind die Erfahrungen von bestehenden coworking spaces, von gelungenen und gescheiterten Initiativen, die Motive von Selbständigen, die Besonderheiten der Arbeitswelt und Milieus der Kreativwirtschaft, sowie die Erfahrungen mit gelungenem Management solcher Orte zu beachten. Lange bevor man von blühenden Landschaften in alten wie neuen Arealen träumt. vision.altstadt. Leben und arbeiten in der Altstadt 11

12 FOTO MONIKA RITTERSHAUS Salzburger Festspiele 25. JULI BIS 30. AUGUST 2010 Die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele schlug am 22. August 1920, als auf dem Domplatz Hugo von Hofmannsthals Jedermann in der Regie von Max Reinhardt erstmals aufgeführt wurde. Seither etablierten sich die Salzburger Fest - spiele als das weltweit bedeutendste Festival für Oper, Schauspiel und Konzert. 90 JAHRE SALZBURGER FESTSPIELE AUSSTELLUNG DAS GROSSE WELTTHEATER VON 17. JULI BIS 26. OKTOBER ist für uns ein Jubiläumsjahr, wir feiern 90 Jahre Salzburger Festspiele. Die Festspiele selbst sind in diesen neun Jahrzehnten längst zu einem Mythos geworden. Ab 17. Juli soll nun ganz im Sinne Max Reinhardts die ganze Stadt Bühne werden. HIGHLIGHTS IM PROGRAMM Folgende Highlights aus dem Programm der Salzburger Festspiele 2010 bieten wir in 200 Veranstaltungen an 12 Spielorten in Oper, Konzert und Schauspiel. Das gesamte Programm, Hintergrundberichte sowie Online-Verkauf finden Sie unter OPER Der Festspielsommer beginnt mit einer Opern-Welturaufführung des herausragenden deutschen Komponisten Wolfgang Rihm: Dionysos. Jonathan Meese, wegweisender bildender Künstler, gestaltet das Bühnenbild, Pultstar Ingo Metzmacher ist der Dirigent. Die Felsenreitschule wird die Bühne für die Neuinszenierung von Alban Bergs zweiter Oper und die unvergleichliche französische Sopranistin Patricia Petibon als Lulu, sein. Im Großen Festspielhaus sind Elektra von Richard Strauss in der Regie von Nikolaus Lehnhoff, dirigiert von Daniele Gatti sowie Orfeo ed Euridice von Christoph W. Gluck, inszeniert von Dieter Dorn, unter der musikalischen Leitung von Riccardo Muti zu erleben. KONZERT Die Reihe Kontinent Rihm, widmet sich diesem profilierten deutschen Komponisten der Gegenwart. Zu den mitwirkenden Künstlern zählen u.a. das Arditti Quartett, das Hilliard Ensemble, die Wiener Philharmoniker, das Deutsche Symphonie- Orchester Berlin unter Ingo Metzmacher, Riccardo Chailly mit Anne-Sophie Mutter und Martin Grubinger. Die Wiener Philharmoniker sind mit fünf Programmen in elf Konzerten zu hören. Zum 90-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele, sowie zum 50-jährigen Bestehen des Großen Festspielhauses, dirigiert Daniel Barenboim genau 50 Jahre nach Herbert von Karajan die Wiener Philharmoniker im Eröffnungskonzert der Salzburger Festspiele SCHAUSPIEL Der Mythos schlägt sich im Schauspielprogramm in drei Produktionen nieder in Peter Steins Inszenierung von Sophokles Ödipus auf Kolonos mit Klaus Maria Brandauer, die auf der Perner-Insel Hallein aufgeführt wird, sowie Burgtheaterdirektor Matthias Hartmanns Inszenierung von Racines Phädra mit Sunnyi Melles in der Titelrolle. Auf das 90-jährige Festspieljubiläum nehmen drei wesentliche Produktionen Bezug: Zum einen, Jossi Wielers Inszenierung einer Adaption von Stefan Zweigs Novelle Angst, sowie die Lesung von Klaus Maria Brandauer Stefan Zweigs Der Wider - stand der Wirklichkeit. Hinzu kommt der Alt-Österreich-Schwerpunkt der Reihe Dichter zu Gast, mit dem italienischen Schrift steller und Friedenspreisträger Claudio Magris. Karten und Information: Salzburger Festspiele, Hofstallgasse 1, 5010 Salzburg Tel , Fax: Salzburger Festspiele_PR vision.altstadt.

13 FOTOS CLEMENS KOIS MAKE UP MAC STYLING NICOLA JOY WAID HAARE MARIO KRANKL Drei Farben: Rot ES IST ZU VIEL HITZE IM TIEFKÜHL- FACH! SANG FALCO DEREINST. LERNEN SIE AUF DEN FOLGENDEN SEITEN, WIE RECHT ER DAMIT DOCH HATTE. DENN SCHNELLE AUTOS UND HEISSE KLEIDUNG KOMMEN NIE AUS DER MODE. Christina Wuppinger-Gerl trägt ein PIU PIU Viscose-Kleid, Euro 159, Fashion Outlet & More, Alpenstraße 119, Tel Der kleine Fiat 500 ist nun endlich in der Cabrio Version erhältlich! Italo-Fahrvergnügen pur ab Euro ,. Mit drei möglichen Stoffverdecken und in vielen verschiedenen Farben. Jetzt im Autopark Grödig testen und sich verlieben. Autopark Grödig, Gartenauerstraße 2b, 5082 Grödig, Tel vision.altstadt. Mode 13

14 George (links): Kinder Lederjacke, Aeronautica Kinder Shirt, Ed Hardy Kinder Jeans, True Religion Kinder Schuhe, Ed Hardy Tuch, Codello Nicola (Mitte): Armband, Elfcraft, Euro 109, Ring, Elfcraft, Euro 415, Lederleggings, Arma, Euro 429, Kleid, Patrizia Pepe, Euro 339, Sandale, Steve Madden, Euro 185, Grace (Mitte): Kinder Shirt + Leggings, Ed Hardy Jacob (rechts): Kinder Lederjacke, Blauer Kinder Hemd, Blauer Kinder Jeans, True Religion Tuch, Codello Tanja Gündling, Getreidegasse 34, Tel E-Klasse Cabriolet: Vier Personen vier Jahreszeiten. Mit dem innovativen Windschott Aircap entsteht im Innenraum ein angenehmer Warmluftsee, der das Cabrio zum ganzjährigen Genuss macht. Zu haben ist das E-Klasse Cabriolet ab Euro , bei der Pappas Gruppe. 14 Mode vision.altstadt.

15 Katharina Freifrau v. Leuhusen trägt ein edles Kleid in Streifen-Optik um Euro 89,95 S.OLIVER, Kranzlmarkt 2, Tel Jaguar XJ von Jaguar Frey, Alpenstraße 85, Tel vision.altstadt. Mode 15

16 Die Reise ins Unbekannte Zum wiederholten Male gastiert Matthias Klink in Salzburg. Die Rolle in Wolfgang Rihms Dionysos ist für den lyrischen Tenor allerdings alles andere als ein Heimspiel. Mit vision.altstadt sprach er über Freiheit auf der Bühne, die permanente Konfrontation mit sich selbst und die Opern-Champions-League. Alle andere wollen Polizist oder Astronaut werden, man selbst träumt von der Mailänder Scala. Wie vermittelt man das den Gleichaltrigen? Bei mir kam das alles erst mit siebzehn. Auch kein einfaches Alter... Das stimmt, aber eigentlich ging das alles sehr schnell. Singen fand ich eigentlich immer irgendwie künstlich. Als Fünfjähriger bin ich einmal bei der h-moll- Messe eingeschlafen. Später hab ich trotzdem im Schulchor gesungen und Geige gelernt, die ich dann irgendwann allerdings gegen eine E-Gitarre tauschte. Und was war die Initialzündung? Jesus Christ Superstar. Ich hab in der Schultheateraufführung Gitarre gespielt und den Titelsong gesungen. Und diese Kombination aus Musik und Theater war es auf einmal. Ab da war der Weg ganz klar. Man springt für einen erkrankten Kollegen ein, singt seine Partie und am darauf folgenden Tag liest man in einem Leserbrief, so schön habe man den Zarewitsch seit Nicolai Gedda nicht mehr gehört. Das sind wohl die Momente, in denen man seinen Job liebt oder? Ja, natürlich. Vor allem wenn man weiß, dass man mit seiner Interpretation doch irgendwo angekommen ist. Das Schöne daran war aber auch, dass vorher eine wirklich schlechte Kritik über mich erschienen und der Leserbrief als Antwort darauf gedacht war. Das fand ich toll. Vor allem nach der Entstehungsgeschichte... Das kann man wohl sagen. Der Anruf, ich solle einspringen, kam sonntags, worauf ich die Partie in nur einem Tag einstudierte. Dann bekam ich plötzlich eine Mandelentzündung, musste also wieder absagen. Daraufhin wurde ein Kollege geschickt. Der aber schlug in der Probe die Noten auf und hatte den Zigeunerbaron und nicht den Zarewitsch dabei. Also bekam ich noch mal einen Anruf. Und weil es mir mittlerweile besser ging der Hals war abgeschwollen sagte ich neuerlich zu. So kam dieser Abend zustande, von dem es jetzt sogar eine CD gibt. Wie die Kritik nicht nur mit Künstlern, sondern auch mit dem Publikum, für das sie schreibt, umgeht, ist mitunter verwunderlich. Wenn man etwa nach einem Konzert von Lang Lang, für das er Standing Ovations erhielt, am nächsten Tag lesen muss, das sei alles nur kein Beethoven gewesen... Nun, einerseits verstehe ich die Sichtweise von Kritikern, deren Aufgabe es ja eben ist, kritisch zu sein und die ein Konzert deshalb auch nicht zwingend so sehen müssen wie die dreihundert Begeisterten. Aber oft spürt man dabei auch etwas Gezwungenes im Sinne von es muss ja... oder es kann ja nicht.... Soll heißen: Natürlich hat er Beethoven gespielt. Bleiben wir bei der Presse: Sie hätten sich nachdrücklich für die Opern-Champions-League empfohlen, schrieb der Standard. Das war Fünf Jahre später drängt sich die Frage auf: Sind sie dort angekommen? Nein. Ich weiß auch nicht, ob es so etwas überhaupt gibt. Ich wünsche mir immer auch in Hinblick auf mein Stammhaus in Stuttgart, wo ich seit fünfzehn Jahren singe und gerade jetzt ein Intendantenwechsel ansteht echte künstlerische Partnerschaft, denn die findet man in diesem Betrieb nur ganz selten. Immer wieder, wenn solche Wechsel anstehen, keimt bei mir die Hoffnung auf, es könnte etwas >> 16 Festspiel-Stars im Portrait vision.altstadt.

17 FOTO AXEL WEISS INTERVIEW MARKUS DEISENBERGER Man darf sich seine Freiheit nicht nehmen lassen, denn letztlich geht es auch darum so widergespiegelt zu werden wie man ist. Matthias Klink Was mit dem Karlsruher Kirchenchor und einer Rolle in Deus Passus begann, erfährt mit Dionysos eine begeisterte Fortsetzung: Tenor Matthias Klink taucht ein in den Kontinent Rihm. Ein toller Komponist, der ein unfassbar gutes Gefühl für Stimmen hat, sagt er. vision.altstadt. Festspiel-Stars im Portrait 17

18 >> entstehen. Und genau das wäre für mich die Champions-League: Zu fühlen, dass es da jemanden gibt, der mich kennt, weiß, welche Rollen gut für mich sind und meine Entwicklung unterstützt. Die Essenz eines Musikerlebens ist es ja doch, immer reicher an Ausdrucksmöglichkeiten zu werden. Jede Stimme verändert sich, wird vielleicht größer, ein wenig dunkler, entwickelt neue Farben. Und man steht auch als Mensch ganz anders da, weil man unendlich viel erlebt hat. Das wünscht man sich insgeheim: In Situationen zu kommen, in denen man das ausleben kann. Um auch jene Rollen, die man schon einige Male gegeben hat, weiter zu entwickeln... Das kann natürlich auch schwierig werden. Wenn man eine Rolle schon unzählige Male in vielen verschiedenen Inszenierungen gesungen hat, kommt unweigerlich der Punkt, an dem man glaubt, nicht mehr weiter zu kommen. Sie sagten einmal, der beste Tamino, den Sie je gesungen hätten, wäre der 1999 in Salzburg gewesen. Manchmal gibt es solche Abende, an denen einfach alles passt. Auch da bin ich eingesprungen und es war mein erster Auftritt in Salzburg. Mortier gab mir die Chance. Und auch heute noch würde ich sagen, dass meine dritte Vorstellung dort der beglückendste Tamino meines Lebens war. Was hat da alles gestimmt? Ich mochte die Inszenierung von Achim Freyer sehr, und ich war einfach frei, bin durchgeflogen, habe mir keine Gedanken darüber gedacht, wie es kommt. Jeder kennt das: Es gibt Momente, in denen einfach alles passt, aber auch das genaue Gegenteil: Neulich habe ich in New York die Zauberflöte gesungen. Am ersten Abend war ich einfach nicht so gut bei Stimme. Vielleicht hat mich die Klimaanlage erwischt. Jedenfalls hatte ich permanent das Gefühl, ich wäre noch nicht warm. Erst im Laufe des Abends kam die Sicherheit zurück. Mittlerweile habe ich genug Erfahrung, um zu wissen, wie man mit solch einer Situation umgehen muss. Aber da fällt es um einiges schwerer, Leidenschaft zu entwickeln... Viel schwerer, klar. Wenn man es hundertfünfzig Mal gemacht hat, geht man zwar routinierter damit um, ist weiter mit der Partie, aber auch nicht mehr so frei weil man zu viele Vergleichsmöglichkeiten hat. Ich reflektiere sehr viel. Wie ist man als Sänger eigentlich freier? Als Freelancer oder wenn man in ein Stammhaus eingegliedert ist? Nichts macht einen in dem Sinne frei. Der Idealzustand wäre, fix an einem Haus und dort künstlerisch geleitet zu sein und zwei bis drei Mal jährlich die Gelegenheit zu bekommen, sich anderswo zu beweisen. Ich war damals relativ jung, um frei zu gehen und musste sehr viel kämpfen, weil ich jedes Mal zeigen musste, dass ich es wert war, engagiert zu werden. Das ist zwar sehr anstrengend, aber es bringt einen auch unheimlich weiter, weil man die permanente Konfrontation mit sich selbst nie aufgeben kann. Man ist immer am wühlen, muss sich ständig über den Rand hinaus lehnen. Als lyrischer Tenor, der Sie sind, ist doch auch Dionysos, Wolfgang Rihms in Salzburg welturaufgeführte zeitgenössische Oper, ein ziemliches Wagnis. Absolut. Begibt man sich als Sänger absichtlich in solch eine schwierige Situation? Das ist der Reiz, ja. Die meisten Stücke, die man singt, kennt man. Man weiß, wie man mit der Stimme umzugehen hat, weil es Aufnahmen gibt und man sich entsprechend vorbereitet. Bevor man überhaupt zu singen beginnt, hat man es sich im schon Kopf zurecht gelegt. Das fällt hier alles weg. Noch jedes Mal, wenn solch eine Uraufführung meinen Weg gekreuzt hat, habe ich unglaublich davon profitieren können. Fällt Ihnen diese Bezuglosigkeit nicht schwer? Sie gelten doch als Sänger, der sich sehr intensiv mit fremden Interpretationen beschäftigt, sie eingehend studiert? Da muss man weg davon, umschalten. Dass einmal niemand kommt und sagt, der Dings hätte das so gemacht und der Bums habe an dieser Stelle geatmet, hat schon was. Wenn dann noch der eigene theatralische, sängerische Ausdruck stimmt, kann einen das in vielerlei Hinsicht öffnen. Warum also in der zehnten Neuinszenierung die Zauberflöte singen, wenn es die Möglichkeit gibt, sich auf solch eine Reise in Unbekannte zu begeben? Wir leben in einer Zeit, in der Inhalte immer erreichbarer und verfügbarer werden. Genau da müsse man als Künstler dagegen halten, hat Wolfgang Rihm einmal gesagt. Können Sie das nachvollziehen? Da kann ich nur unterschreiben. Egal was wir tun, ob Theater oder Oper, ist genau das Gegenteil eines solche Schein- oder Abziehbildes. Es geht ja nichts auf Knopfdruck. Und als User muss man sich darauf einlassen. Die Frage aber ist nun, inwieweit die Form der wirklichen Einlassung verkommt. Dass es eine Pflege dafür gibt, ist ungemein wichtig. Wie entwickelt man einen Zugang zu zeitgenössischer Musik? Ich bin kein Spezialist, sondern einer, der das nebenher macht, wenn er die Chance dafür bekommt. Natürlich muss man da viel analytischer rangehen, weil das vom Lesen her um einiges komplexer ist. Aber zum Glück gibt es Korrepetitoren, die viel Erfahrung haben. Und inwieweit schafft man es, sich selbst einzubringen? Indem man versucht, sich von dieser Komplexität der Partitur zu befreien, denn letztlich geht es auch darum, so widergespiegelt zu werden wie man ist. Da fällt mir Hans Zenders Hohelied der Liebe Shir Hashirim ein, in dem ich sang. Zu mir sagte der Korrepetitor irgendwann: Jetzt klingt es wie Tamino. Dann ist es gut, entgegnete ich. Ich will ja meine Stimme nicht verleugnen nicht scheußlich klingen, nur weil ich moderne Musik mache. Mit diesem Selbstbewusstsein ging ich dann in die Aufführung. Die Sopranistin, eine Spezialistin für das Zeitgenössische, lobte Zender hinterher überschwänglich: Du warst perfekt, sensationell. Zu mir sagte er nur lapidar: Matthias, es hat schön geklungen. Ein größeres Kompliment hätte er mir nicht machen können. Bricht bei Ihnen manchmal noch der Rocker durch? Klar, zu Hause. Ich bin ein großer Hard Rock-Fan. Gleichzeitig hege ich eine große Liebe für die Beatles und liebe Progressive Rock a la Pink Floyd. Auch Jazz höre ich gerne. In meinem Schrank gibt s für jeden Moment die richtige Musik. 18 Festspiel-Stars im Portrait vision.altstadt.

19 FOTO VICTORIA SCHAFFER TEXT MARKUS DEISENBERGER Offene Herzen Elisabeth Kulman ist Österreichs neuer Mezzo-Star. Unter der musikalischen Leitung von Riccardo Muti schlüpft sie in Salzburg heuer in die Rolle des tragischsten aller Helden: Orfeo. Lange Gliedmassen, kurze Körper, kleine Köpfe. Das hohe Ansehen, das Kastraten ihrer Sangeskunst wegen im Barock genossen, hatte seinen Preis. Nicht selten glichen die Lebensläufe der berühmtesten unter ihnen einem langen und harten Leidensweg für die Kunst. Und auch wenn der Beruf des Sängers immer noch ein hohes Maß an Disziplin und Entsagung erforderlich macht: Hört man das herzliche Lachen einer Elisabeth Kulman, die mit ihrem Mezzosopran viele dieser ehemals von Kastraten gesungenen so genannten Hosenrollen so auch die des Orfeu in Glucks Orfeo ed Euridice zum Leben erweckt, ist solches Leid kaum noch vorstellbar. Ich will keine Sternschnuppe sein, sondern ein Dauerbrenner. Elisabeth Kulman DIE GUNST DER SPÄTEN GEBURT Leiden muss Elisabeth Kulman dennoch, bringt es die Rolle des Orfeo doch so mit sich. Denn kaum eine Geschichte wohl erzählt von innigerer Liebe und kaum eine Geschichte endet tragischer als die Sage von Orpheus, der den Tod seiner Geliebten Eurydike nicht hinnehmen will und sich deshalb in die Unterwelt aufmacht, um sie und sich selbst vom Tod zu erlösen. Die Frage, wie gut es nun gelänge, diese eigentlich männliche Rolle als Frau zu verkörpern, sei schwer zu beantworten, so Kulman. Die Weiblichkeit kommt immer durch. Früher auch, meint sie, sei das Szenische weit nicht so wichtig gewesen. Die Zeiten, als große Tonnen mit prächtigen Stimmen regungslos an der Rampe standen und die Leute darob in Verzückung gerieten, sind vorbei. Das weiß auch die gebürtige Burgenländerin: Heute nimmt man leicht mal auch eine weniger tolle Stimme in Kauf, so lange das Gesamtpaket stimmt. Dass dieses Gesamtpaket bei ihr mehr als nur stimmt, sie neben blendendem Aussehen über eine der prächtigsten Stimmen ihres Faches verfügt, verschweigt sie dann aber geflissentlich. Bescheidenheit ist eine Zierde. Dabei war ihr die für diese Art von Rollen notwendige stimmliche Färbung, die die Presse bereits euphorisch mit wunderschön timbriert und kultiviert beschrieb, nicht von Anbeginn an gegeben. Erst spät, nach dem Abitur, wandte sie sich dem Singen zu, und in ihren ersten Jahren in Wiener Chören sang sie noch >> Elisabeth Kulman. vision.altstadt. Festspiel-Stars im Portrait 19

20 >> Sopran. Schon bald allerdings sollte sie, die mit ungarischer Volksmusik aufgewachsen war, mit dem Schönberg-Chor die Welt bereisen. Eine wichtige Erfahrung, erzählt sie. AUFBRUCH AUS DEM SCHATTENREICH Und erst nach einigen Jahren im Sopran-Fach bemerkte sie dann, dass es doch die tieferen Lagen waren, die ihr besser entsprachen. Diese späte Berufung zum Mezzosopran empfindet sie jedoch nicht als Nachteil. Ich bin heilfroh, dass ich die klassischen Mozart-Rollen Pamina und Donna Elvira singen durfte, auch wenn meine Stimme eigentlich für etwas Anderes bestimmt war. Für Glucks Orfeo etwa, dessen Uraufführung in Wien ziemlich genau 250 Jahre zurück liegt und den sie schon einmal singen durfte. In einer gefeierten Inszenierung der kürzlich verstorbenen Pina Bausch in Paris. Damals lag der Schwerpunkt auf dem Ballett, erzählt sie. Die Tänzer erzählten die Geschichte und wir Sänger mussten, in schwarze Kutten gehüllt, eine umso größere gesangliche Intensität entwickeln, um unsere Bewegungslosigkeit auszugleichen. Dass sie die Rolle in Salzburg nun erstmals auch körperlich mit Leben erfüllen darf, empfindet sie als besonderes Glück. Doch noch einen weiteren Unterschied zur Pariser Inszenierung wird es in Salzburg geben: ein Happy End nämlich. Während Pina Bauschs Deutung mit dem berühmten Trauergesang endete, was den Zuschauern buchstäblich das BOLERO MODE MIRABELLPLATZ 5 SALZBURG T 0662/ MO FR UHR SA UHR Herz zerriss, wird die Oper in Salzburg dem Libretto entsprechend glücklich enden. Eine Herausforderung für Regisseur Dieter Dorn, denn: Ein Happy End spannend zu inszenieren, gehört wohl zum schwersten überhaupt, weiß Kulman. DAUERBRENNER STATT STERNSCHNUPPE An einem Thema kommt man dieser Tage nicht vorbei, wenn man sich mit Elisabeth Kulman beschäftigt: ihrem hervorragenden Mussorgsky-Album, das sie mit Arkady Shilkloper (Moscow Art Trio), Georg Breinschmid und anderen, weltweit unerreichten Virtuosen der improvisierten Musik kürzlich einspielte. Mit schlichter Verjazzung und billigem Crossover, die längst Einzug in die Klassik gehalten haben und vor denen selbst Granden wie Renée Fleming nicht mehr zurück schrecken, hat Mussorgsky Dis-Covered aber rein gar nichts zu tun. Kulman darf in einer Auswahl von Stücken, die nicht so bekannt, dafür aber umso entdeckenswerter sind, bei ihren Werten als klassische Sängerin bleiben und sich getragen durch die Improvisationen der Musiker dennoch erweitern. Das Ergebnis ist überzeugend und könnte dazu beitragen, Mussorgsky über die berühmten Bilder einer Ausstellung hinaus beliebter zu machen. Doch tiefere Exkursionen in die Welt des Jazz oder gar Pop schließt sie aus. Ich will keine Sternschnuppe sein, sondern ein Dauerbrenner, so der neue Shooting-Star im Mezzo-Fach. Die Arbeit an Mussorgsky Dis-Covered allerdings empfand sie als ungemein befreiend. In einem normalen Liederabend könnte ich mich nicht so ausleben, ist sie überzeugt. Notenwerte und Dynamik im Klassik-Betrieb geht es eben sehr viel um perfektes Funktionieren. Davon einmal abzulassen, kann ungemein befreiend sein, schwärmt sie. Eine Freigeistigkeit, die nicht immer nur auf Gegenliebe stößt. Als sie in der Silvester-Fledermaus an der Staatsoper den Orlowski gab und sich erlaubte zu extemporieren, indem sie dem berühmten Satz Bei mir ist jeder Gast willkommen nach einer kurzen Pause...auch Arigona anfügte, rief das heftigere Reaktionen als erwartet hervor. Denn einem, der nicht einmal im Publikum saß, missfiel diese Bemerkung nicht nur, sie empörte ihn geradezu. Die Rede ist von Ioan Holender, der meinte, sie werde dafür bezahlt das zu singen, was im Text stehe, und nichts darüber hinaus. Kulman fügte sich, auch wenn sie die ganze Aufregung eigentlich nicht verstand: Während sich der Frosch einen Seitenhieb nach dem anderen erlauben darf, weil er Schauspieler ist, ist mir als Sängerin nur Dienst nach Vorschrift erlaubt? Sie selbst habe ihren Ausspruch ja auch gar nicht politisch, sondern rein menschlich verstanden. Ich wollte keinem Politiker eine Vorschrift machen, sondern nur ausdrücken, dass es, egal wie diese Geschichte ausgeht, auch offene Herzen gibt. Nun: Holender ist mittlerweile in Pension und der Weg damit wieder frei für die eine oder andere Operation am offenen Herzen. Und genau so soll es auch sein. Wenn Maestro Muti in Salzburg den Taktstock erhebt und Elisabeth Kulman ihre Stimme, ist uns ein Abend über die Macht der Musik und die Verzweiflung des Lebens gewiss. 20 Festspiel-Stars im Portrait vision.altstadt.

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